Sperberauge

Wenn Rot/Grün den US-Kampfjet F-35 kauft …

Christian Müller © zvg

Christian Müller /  Die Schweizer Befürworter des F-35-Kampfjet-Kaufs aus den USA jubeln, weil mit Finnland eine Rot/Grün-Regierung das gleiche tut.

Konrad Alder, seines Zeichens Herausgeber der «Militärpolitischen Nachrichten Schweiz» MNS, hat eben folgenden Polit-Kommentar verbreitet:

«Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft hätte, dass der bundesrätliche Entscheid zu Gunsten des F-35 der Richtige ist, das neutrale, mit uns befreundete und in vielen Wesenszügen vergleichbare Finnland liefert ihn. Das Land im Norden Europas gab soeben bekannt, dass die Ilmavoimat (die finnische Luftwaffe, Red.) ihre technisch überholte Flotte von 55 aktiven F/A-18 Hornet ab 2025 bis ins Jahr 2030 durch 64 neue Mehrzweckkampfflugzeuge F-35 Lightning II im Wert von rund 10 Milliarden Euro ersetzen wird. In diesem Zusammenhang besonders bemerkenswert ist der Fakt, dass Finnland von einer Rot/Grün dominierten Koalitionsregierung mit einer sozialdemokratischen Ministerpräsidentin an ihrer Spitze regiert wird. 

Der finnische Entscheid müsste nun in unserem Land eigentlich dazu führen, dass 

– die Wahl des F-35 durch unseren Bundesrat in der breiten Öffentlichkeit das Vertrauen und die Unterstützung gewinnt, das ihr basierend auf dem klaren Ergebnis des Auswahlverfahrens zu Recht zusteht, und 

SP und Grüne Schweiz in der Angelegenheit Eidg. Volksinitiative ‹Stopp F-35› das mit der Gesellschaft für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) geteilte ‹Lotterbett› verlassen und endlich wieder auf den Boden des sicherheitspolitischen Kernauftrags unserer Bundesverfassung zurückkehren.

Für die erste Schlussfolgerung darf man vorsichtig optimistisch sein. Mit der zweiten Wende ist – selbst im Lichte des beispielhaften F-35 Entscheids einer Rot/Grünen finnischen Regierung – bedauerlicherweise nicht zu rechnen.»

Ende Zitat aus den «Militärpolitischen Nachrichten Schweiz».

Der Umkehrschluss wäre passender

Spätestens seit dem Wahlkampf in Deutschland kann man allerdings auch umgekehrt argumentieren: Auch eine Rot/Grün-Regierung ist keine Garantie mehr dagegen, dass sich Westeuropa mehr und mehr nach den Wünschen der USA richtet und damit politisch und militärisch noch abhängiger von den USA wird. Was jetzt Finnlands rot/grüne Regierung bestätigt hat.

Falls Ironie hier erlaubt ist: Warum sollen europäische Staaten, darunter auch die Schweiz, europäische Kampfjets kaufen, wenn man sie doch von dem Land kaufen kann, von dem man eh schon abhängig ist?


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5 Meinungen

  • am 12.12.2021 um 11:20 Uhr
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    Die Finnen bauen auch, entgegen jeder Vernunft, ein AKW…

    5
  • am 12.12.2021 um 11:26 Uhr
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    Gut gebrüllter Kommentar Christian Müller. Wenn die GSoA vom Saulus zum Paulus wird, düften viele freiwillig ins Kloster gehen….

    2
  • am 12.12.2021 um 11:48 Uhr
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    Die Schweiz war schon seit dem 2. Weltkrieg abhängig von den USA und das gilt auch für Europa. Dies heute um so mehr, da der US Dollar immer noch die alleinige Weltwährung ist und das amerikanische Korrespondenzbankensystem somit entscheidend ist, ob ein kleines Land wie die Schweiz am Welthandel teilhaben darf. Das ist die Realität und die Frage der Souveränität oder sogar Wirtschaftlichkeit werden in dieser Angelegenheit wohlweislich ignoriert, denn man könnte ja wirtschaftlich einen gewaltigen Nachteil erfahren bzw. die Maske würde fallen und die Fratze der Gier zum Vorschein kommt.

    2
  • am 12.12.2021 um 11:52 Uhr
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    Als direkter Nachbar Russlands wäre es für die Finnen sicher gescheiter gewesen, russische Flieger anzuschaffen. Nicht zuletzt, da diese dem Ami Schrott technisch haushoch überlegen sind aber nur einen Bruchteil dessen kosten. Abgesehen davon, hätte man ein klares Signal für gut-nachbarschaftlichen Beziehungen setzen können. Aber davon wollen die Kriegshetzer, die in der EU an der Macht sind, natürlich sowieso nichts wissen.

    «BTW: Im Februar 2021 wurden in US-amerikanischen Medien Äußerungen von Vertretern der Air Force und der Regierung zitiert, welche vom Forbes Magazin als Eingeständnis des Scheiterns des F-35-Projekts gewertet werden. Kritisiert wurden die hohen Kosten für die Anschaffung und den Betrieb sowie die Unzuverlässigkeit der Maschinen. Das Flugzeug, welches als kostengünstiger Ersatz für die F-16 gedacht war, sei durch die lange Entwicklungsphase hindurch immer komplexer und teurer geworden. Letztendlich weise die F-35 all jene Probleme auf, zu deren Lösung sie entwickelt worden sei.» [Wikipedia]

    Nun, da aber in der Politik meist nur eine russophobe Laientruppe auf der Bühne steht und bei den Militärs sowieso nur NATO-affine Leute aufsteigen können, erübrigt sich dementsprechend die Hoffnung auf vernunftbasiertes Handeln stark. Das hat man ja auch in der Schweiz und mehreren anderen Ländern klar sehen können.

    3
  • am 13.12.2021 um 07:58 Uhr
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    Abhängig sind wir sowieso. Dann aber lieber von einer Demokratie wie der von Biden. Die Europäer hätten wir sowieso verärgert, es stand ja ein französisches und ein deutsches (?) Flugzeug zur Wahl.

    3

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