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Tepco gibt Messung mit Höchstwert an Radioaktivität bekannt © Screenshot

Tagesschau verschweigt Rekord-Messung in Fukushima

upg /  Die Radioaktivität erreichte an zwei Tagen bisherige Rekordwerte. Die ARD-Tagesschau berichtete zweimal, unsere Tagesschau nie.

Die Betreiberfirma Tepco hat es am Montag und Dienstag selber bekannt gegeben: Im KKW Fukushima sind Mengen an Radioaktivität gemessen worden, die mindestens dreimal höher sind als die bisher gemessenen Rekordmengen. Wahrscheinlich sind die lebensbedrohenden Dosen noch höher: Die Messgeräte konnten die genauen Mengen nicht einmal messen, da sie am Anschlag waren. Nach Angaben der Betreiberfirma Tepco sind die eingesetzten Messgeräte nur für Mengen bis zu zehn Sievert pro Stunde geeignet.
Tepco sagt, sie kenne die Ursache nicht
Am Montag ein erstes Mal und am Dienstag am zweites Mal zeigten die Messgeräte ihren Maximalwert von zehn Sievert pro Stunde (!): Am Montag am Boden eines Schachts und am Dienstag an einer andern Stelle des Schachts zwischen den Reaktoren 1 und 2. Die Betreiberfirma Tepco hat die Reaktorblöcke fast fünf Monate nach der Katastrophe offensichtlich so gut unter Kontrolle, dass sie nach eigenen Angaben nicht weiss, weshalb es zu dieser Rekord-Verstrahlung gekommen ist.
Noch keine Stellungnahme der Tagesschau
Warum die kürzere Tagesschau der ARD am Montag und Dienstag darüber berichtete, nicht jedoch die längere Tagesschau des Schweizer Fernsehens, wollte Infosperber von der Tagesschau wissen. Sobald wir eine Antwort haben, werden wir sie hier veröffentlichen.
Bisherige Höchstwerte vor zwei Monaten
Der bisherige Höchstwert gab Tepco am 3. Juni im Inneren des zerstörten Reaktors 1 mit drei und vier Sievert pro Stunde an.
Für ungeschützte Menschen sind zehn Sievert pro Stunde lebensgefährlich. Bereits nach wenigen Sekunden können die gesundheitliche Schäden so gravierend sein, dass sie zum Tod führen können.
In Sievert (Sv) gibt man die biologische Wirkung radioaktiver Strahlung auf Menschen, Tiere oder Pflanzen an. Entscheidend ist die jeweilige Zeiteinheit, auf die sich die Angaben beziehen. Die natürliche Strahlung – verursacht etwa durch radioaktive Substanzen im Boden wie Radon – beträgt im Schnitt 2,4 Millisievert (tausendstel Sivert) im Jahr und gilt als unbedenklich.
Bereits bei 1 Sievert pro Jahr (nicht pro Stunde!) erhöht sich das Krebsrisiko von ungeschützten Personen um zehn Prozent. Im KKW Fukushima wurde jetzt der Zehnfache Wert gemessen.
Es verbreitet sich Angst vor verseuchten Lebensmitteln
Auch über die neusten Verseuchungsfälle von Lebensmitteln, welche die Japaner in Angst versetzt, hat die Tagesschau in den letzten Tagen nicht berichtet.
Fleisch von sechs Kühen enthielt mehr Cäsium als es der offizielle Grenzwert erlaubt. Den Tieren war Heu gefüttert worden, das zu Beginn der Atomkatastrophe im Freien lag. Die betroffene Gegend Iwate liefert rund 36’000 Stück Vieh pro Jahr. Den Transport dieser Schlachtrinder haben die Behörden jetzt vorläufig gestoppt.
Eine zu hohe Strahlenbelastung wurde bereits in fertigem Rindfleisch, Gemüse, Meeresfrüchten, Milch und Teeblättern gemessen.
Für Japan verheerend wäre eine Verseuchung des Hauptnahrungsmittels Reis. Noch vor der Ernte wollen die Behörden jetzt in einem Dutzend Präfekturen im Nordosten untersuchen, ob im dort angebauten Reis die Menge an radioaktivem Cäsium die Grenzwerte überschreitet.

Weiterführende Informationen


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