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Bundesamt will für neue TV-Geräte nicht den neusten Stand der Technik vorschreiben © jetset_kaputt/flickr

Schweiz hinkt der Stromspar-Technik hinterher

Hanspeter Guggenbühl /  Das Bundesamt für Energie weigert sich, die neuste Technik vorzuschreiben. Statt nur zwei könnte man neun Prozent Atomstrom sparen.

Das Bundesamt für Energie will weniger Strom sparen, als der Nationalrat verlangt. Die Umweltverbände machen jetzt Druck. Ihr konkreter Vorschlag würde es erlauben, mittelfristig die Atomkraftwerke Mühleberg und Beznau I zu ersetzen.

Bundesamt will Nationalrats-Motion nicht umsetzen

Der zulässige Stromverbrauch von neuen Elektrogeräten soll ab 2012 auf den «Stand der besten verfügbaren Technik» gesenkt werden. Diesen Auftrag erteilte der Nationalrat am 9. Juni per Motion dem Bundesrat, um den Ausstieg aus der Atomenergie zu ermöglichen. Damit rannte er, so schien es, offene Türen ein. Denn schon früher hatte das Bundesamt für Energie (BfE) einen Entwurf zur Revision der Energieverordnung (EnV) in die Anhörung geschickt.

Was der Bund vorschlägt

In dieser Revisions-Vorlage schlägt das BfE ab 2012 neue Verbrauchsnormen vor für TV-Geräte und Umwälzpumpen sowie Teile der Gebäude- und Strassenbeleuchtung. Diese neuen Vorschriften ergänzen früher eingeführte Normen für Haushaltgeräte sowie Teile der Beleuchtung (Teilverbot von Glühbirnen). Mit den neuen Normen, so rechnet das BfE, lasse sich der Schweizer Stromverbrauch bis 2020 um 1,2 Milliarden Kilowattstunden (kWh) pro Jahr oder rund zwei Prozent des heutigen Landesverbrauchs senken. Weil der Landesverbrauch bis 2020 trendmässig stärker wächst als um 2 Prozent oder 1,2 Mrd. kWh, wird der Verbrauch im Jahr 2020 trotz Nutzung dieses Einsparpotenzials höher sein als heute.
Weit hinter dem Stand der Technik zurück
Bei der EnV-Revision des BfE handelt sich weitgehend um einen Nachvollzug von bestehenden EU-Normen. Damit bleibt das nationale Energieamt weit hinter dem Stand der besten Technik zurück. Das kritisieren die Umweltverbände Greenpeace, WWF und SES in einer Stellungnahme. Zudem würden die vom BfE vorgeschlagenen neuen Normen den Stromverbrauch bis 2020 nicht um zwei, sondern nur um 1,4 Prozent vermindern.

Gegenentwurf der Umweltverbände

Die 30seitige Stellungnahme der Umweltverbände basiert auf Arbeiten der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz. Darin präsentieren Greenpeace, WWF und SES einen konkreten Gegenvorschlag zum BfE-Entwurf, der sich an der vom Nationalrat geforderten Best-Technik orientiert. Dieser Gegenentwurf beinhaltet im Wesentlichen folgende Ergänzungen und Verschärfungen:

• Die bereits bestehenden Geräte-Vorschriften sollen gemäss neustem technischem Stand verschärft werden. Das Gleiche fordern die Umweltverbände für die vom BfE jetzt neu vorgeschlagenen Normen. Vor allem in den Bereichen Beleuchtung und Normmotoren spart der Entwurf der Umweltverbände weit mehr Strom sparen als jener des Bundesamtes für Energie.

• Für viele Elektrogeräten bestehen keine Vorschriften; dies weder in der bestehenden EnV noch im Revisionsentwurf des BfE. Das gilt insbesondere für Ventilatoren, Computer, Kopierer, Wärme- und industrielle Pumpen. Bei diesen Gerätekategorien, so verlangen die Umweltverbände, soll der zulässige Stromverbrauch ab 2012 ebenfalls begrenzt werden.

Reduktion um neun Prozent

Wenn der Bundesrat in der Energieverordnung alle Forderungen der Umweltorganisationen umsetzt, so rechnen diese, lässt sich der Stromverbrauch bis spätestens 2025 um neun Prozent vermindern. Das entspricht annähernd der Jahresproduktion der kleinen AKW Mühleberg und Beznau I. Das Sparpotenzial von neun Prozent beinhaltet nur jene Massnahmen, die der Bundesrat in eigener Kompetenz in der EnV verordnen kann. Nicht berücksichtigt sind viele weitere Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Reduktion der Atomkraft, zum Beispiel Verbote von Elektroheizungen, die in die Kompetenz der Kantone fallen, oder Systemverbesserungen im Industrie- und Dienstleistungsbereich, die stark einschenken.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

Zum Infosperber-Dossier:

SolaranlageBauernhof-1

Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke

Erstes, zweites und drittes Gebot: Der Stromverbrauch darf nicht weiter zunehmen.

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