Asow-Mitglied griech.Parl

Ukraines Präsident Selensky liess vor dem Parlament Griechenlands per Video zwei Mitglieder der rechtsextremen Kampfeinheit Asow auftreten. © N1

Protest in Griechenland: Selensky liess Rechtsextreme reden

Red. /  Per Video provozierte Selensky mit zwei Asow-Vertretern Griechenlands Parlament. Grosse Medien unterdrückten diese Information.

upg. Der Video-Auftritt zweier Vertreter des rechtsextremen Asow-Regiments hat bei der griechischen Opposition und in griechischen Medien zu heftigen Reaktionen geführt. Selenskys Provokation mit diesen Asow-Kämpfern spielt Putin in die Hände, der die Ukraine «entnazifizieren» will. Wahrscheinlich deshalb verschwiegen die meisten grossen Medien diesen Vorfall vom 7. April. Das schadet der Glaubwürdigkeit. Infosperber springt in die Bresche und übernimmt ungekürzt eine Stellungnahme von Yanis Varoufakis, Mitglied der parlamentarischen Opposition und früher Finanzminister, die «der Freitag» am 8. April auf Deutsch veröffentlichte.


Selensky beleidigt das griechische Parlament

Yanis Varoufakis
Yanis Varoufakis

Wie wir alle wissen, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selensky fast täglich in verschiedenen Parlamenten und Kongressen um Unterstützung für den tapferen Widerstand seines Landes gegen Wladimir Putins Invasionsarmeen geworben. Das ist durchaus verständlich. Bisher waren die Bemühungen von Selensky äusserst erfolgreich und haben ihm geholfen, enorme Sympathie und Unterstützung aus der ganzen Welt zu gewinnen. 

Das heisst, bis jetzt. Sein Auftritt im griechischen Parlament beendete seinen guten Lauf und dürfte Wladimir Putin unverdient Auftrieb gegeben haben.

Es war am Donnerstagmittag, 7. April, in Athen, als der ukrainische Präsident per Videolink in unserem Parlament erschien. Zunächst verlief alles nach Plan wie in allen anderen Parlamenten und Kongressen auch. Dann geschah etwas Aussergewöhnliches und ausserordentlich Beleidigendes: Wolodymyr Selensky teilte seinen Bildschirm mit zwei Mitgliedern des Regiment Asow, einer unverhohlen neonazistischen Gruppe, deren Fahnen und Uniformen mit dem Hakenkreuz geschmückt sind und dessen altehrwürdige Verbindungen zu unserer eigenen Naziorganisation, der widerlichen Goldenen Morgenröte, wohlbekannt sind.

Diesen Artikel gibt es auch als Audio-Hörbeitrag (hier klicken)!

Den Radio-Postcast hat Klaus Jürgen Schmidt von «Trommeln im Elfenbeinturm» realisiert.

Die Entscheidung von Selensky, seine «Kumpel» in ein Parlament zu bringen, das ihn und nur ihn ­ eingeladen hatte, wäre an sich schon beleidigend. Zwei Mitglieder einer Organisation, die oft stolz ihre Nazi-Ideologie und -Symbole präsentieren, in das Parlament eines Landes einzuschleusen, das

  • während der Nazi-Besatzung massiv gelitten hat,
  • in den 1940er Jahren tapfer gegen die Nazis gekämpft hat und
  • es erst kürzlich geschafft hat, die Neonazis der Goldenen Morgenröte als kriminelle Bande zu verurteilen,

ist eine schwere Beleidigung.

Asow Mitglied 2
Der zweite Asow-Vertreter per Video vor dem griechischen Parlament

Neben der schweren Beleidigung Griechenlands und unseres Parlaments hat Selensky es geschafft, der Sache des ukrainischen Volkes zu schaden und Wladimir Putin ein unverdientes Geschenk zu machen.

Erinnern Sie sich daran, wie Putin von Anfang an versuchte, seinen verbrecherischen Einmarsch in die Ukraine zu rechtfertigen, indem er ihn als «Entnazifizierungsaktion» darstellte? Nicht einmal in ihren kühnsten Träumen hätten sich Putins PR-Leute vorstellen können, dass Selensky ihnen den Gefallen tun würde, (zur Unterstützung ihrer Propaganda) im griechischen Parlament neben zwei Nazis aufzutreten!

Die Frage ist nun: War dies ein Fauxpas? Oder handelt es sich um eine bewusste Entscheidung von Selensky, sich den Nazis in seiner Koalition anzunähern? Allein die Frage lässt allen Demokraten und allen Unterstützern des gerechten Widerstands der Ukrainer gegen Putins Armee einen Schauer über den Rücken laufen.

Rechtsextreme aus dem Ausland schliessen sich dem Asow-Regiment an

Unter dem Titel «Neonazis aus der Schweiz und Deutschland unterstützen Kämpfer in der Ukraine» berichtete die NZZ am 25. Februar 2022: «Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit mischen in diesem Konflikt auch Personen aus westlichen Staaten mit. Involviert sind in den meisten Fällen Personen aus der rechtsradikalen Szene. Ob und wie viele dieser bewaffneten Kämpfer aus Deutschland und der Schweiz stammen, ist aufgrund der Verschwiegenheit der Szene unklar. Zumindest ideell und finanziell unterstützen Neonazis ihre Gesinnungsgenossen in der Ukraine.»
Es handelt sich um eine Fremdenlegion, die in der ukrainischen Armee integriert ist. Das Asow-Regiment kämpft gegenwärtig in Mariupol gegen die Russen.


Lesen Sie: «Jetzt für beide Seiten gesichtswahrend verhandeln»Das fordert Erich Vad, früherer deutscher Brigadegeneral und bis 2013 militärpolitischer Berater von Kanzlerin Angela Merkel. Mit einem Kommentar von Urs P. Gasche. Klicken Sie hier.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Ukraine_Sprachen

Die Ukraine zwischen Ost und West: Jetzt von Russland angegriffen

Die Ukraine wird Opfer geopolitischer Interessen. Die Nato wollte näher an Russland. Seit dem 24.2.2022 führt Russland einen Angriffskrieg.

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9 Meinungen

  • am 13.04.2022 um 11:44 Uhr
    Permalink

    Es geht auch noch ein bisschen differenzierter: https://taz.de/Griechenland-und-der-Ukrainekrieg/!5848303/
    Die Bezeichnung «Nazi» wird in diesem Krieg in sehr unterschiedlichen Bedeutungen verwendet, man sollte das stets auch erläutern: Nazis kämpfen gegen Nazis, deren Ziel die Entnazifizierung ist, das muss man erklären.

    1
    • am 14.04.2022 um 20:12 Uhr
      Permalink

      Von gewissen griechischen Kreisen wurde ja auch Angela Merkel mit Hitler verglichen. Solche Unterstellungen scheinen da relativ locker zu sitzen.

      0
  • am 13.04.2022 um 12:01 Uhr
    Permalink

    Endlich wieder einmal ein objetiver Bericht im Infosperber über den Krieg in der Ukraine. Merci Sepp

    2
  • am 13.04.2022 um 15:03 Uhr
    Permalink

    Selensky scheint von vielen Seiten abhängig zu sein, von den Oligarchen, die ihn unterstützen, aber auch von verschiedenen Geheimdiensten, die einander bekämpfen (Anfangs März wurde Denis Kireew, ein Mitglied der offiziellen ukrainischen Verhandlungsdelegation bei den russisch-ukrainischen Verhandlungen, von einem ukrinischen Geheimdienst wegen Hochverrats ohne Gerichtsurteil erschossen https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_91778820/bericht-ukrainischer-geheimdienst-erschiesst-unterhaendler-wegen-hochverrats.html ). Kürzlich wurden in der Ukraine die letzten 11 Oppositionsparteien verboten.Offensichtlich kann die Regierung nur mit Mühe eine einheitliche Linie durchsetzen, auch wenn das von aussen anders erscheint. Um so mehr und je länger je mehr ist sie von kombattanten Neonazis abhängig, die mindestens verbal die entschlossensten Kämpfer sind, aber auch von amerikanischen Offizzieren, die letztere und Fremdenlegionäre ausbilden https://www.youtube.com/watch?v=SpdATCNx734

    2
  • am 13.04.2022 um 15:13 Uhr
    Permalink

    Klar, Putin hat Europas Rechte für seine Zwecke benutzt und fördert wenn es seinen Zwecken dient, auch Rechte in Russland. Alles sehr nervig und für uns alle nicht sehr fein.
    Aber Selenskij führt Europa am Nasenring durch die Manege und spielt uns allen hier ein großartiges Theater vor. Die NATO hat die Ukraine seit Jahren unterstützt und ausgebildet. Natürlich wussten alle vom Asow und den anderen neofaschistischen Randgruppen. Wer also jetzt in vermeintlicher Solidarität eine Ukraineflagge schwenkt, schwenkt sie auch für Selenskij, Asow und die NATO-Pläne. Es waren Hilfskräfte rekrutiert aus ukrainischen Nationalisten, die in KZs beschäftigt waren. Es waren ukrainische Nationalisten, die bis in die 50iger Jahre von der CIA unterstützt, weiter eine Guerilla gegen die Sowjetunion führten. Es ist die gleiche Frucht aus dieser Saat, die heute auf ukrainischer Seite kämpft.

    2
  • am 13.04.2022 um 16:43 Uhr
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    Lasst doch die Schweizer Neonazis in die Ukraine gehen, dort soll man sie aber an die vorderste Front schicken. Das dürfte für solche Typen sehr lehrreich werden. Ob sie das gelernte noch brauchen können ist eine andere Frage.

    1
  • am 14.04.2022 um 17:42 Uhr
    Permalink

    USA/GB haben die Ukraine seit 2014 auf diesen Krieg vorbereitet. Gleichzeitig wurde der Donbass, der mit seiner russischen Bevölkerung mit dem Regierungswechsel nach dem Maidanputsch (wohl auch von USA/GB orchestriert) nicht einverstanden war, seit dann mit Artillerie und anderen Verbrechen (Odessamassaker) drangsaliert (also doch durch Nazis) und Russland provoziert. Wer wollte denn jetzt diesen Krieg und hat bekommen was er wollte? Teile und Herrsche, ein altbekanntes Muster. Aber natürlich, Schuld ist alleine Putin, wenigstens für die NATO Länder und Ihre Propaganda-Organe.

    1
  • am 15.04.2022 um 21:34 Uhr
    Permalink

    Asow Mitglieder sind wohl nicht der einzige «Kratzer» im Image bei dem von grossen Teilen der Welt wie ein Messias gefeierten Schauspieler Selenskyj.
    Auch seine Ziehväter und Berater sind nicht über Zweifel erhaben.

    Die Macht der Oligarchen ist ungebrochen
    https://www.sueddeutsche.de/politik/ukraine-oligarchen-korruption-selenskij-1.5249388

    Wolodymyr Selenskyj: Der ukrainische Präsident und sein peinliches Netzwerk
    https://www.berliner-zeitung.de/wochenende/pandora-papers-volodymyr-selenskij-der-ukrainische-praesident-und-sein-peinliches-netzwerk-li.188923.amp

    Berater Netanjahu, welcher auch Ösi S.Kurz bei den Corona Zwangsmassnahmen beriet, ist auch mit von der Partie:

    Von Israel lernen, heißt Putin besiegen lernen
    https://de.qantara.de/inhalt/ukraine-krieg-von-israel-lernen-heisst-putin-besiegen-lernen

    Unfassbar, wie Politiker reagieren, so schickt DE nun noch Waffen in die Ukraine. Das ist wie wenn man ein brennendes Haus löschen will indem man weitere Häuser anzündet.

    1
  • am 15.04.2022 um 22:19 Uhr
    Permalink

    Das ist das, was man im Westen nicht begreifen will oder einfach verdrängt. Neonazis von Asow, Rechter Sektor, OUN u.v.m. sind keine marginale oder vernachlässigbare Minderheit in der Ukraine. Gesellschaft, Politik, Militär, Geheimdienste und Wirtschaft sind durchsetzt von solchen Leuten. Sie wachen, dass ja keine Annäherung an Russland stattfindet, ansonsten man im schlimmsten Fall mit Folter oder dem Tod rechnen muss. Es herrscht eine Art «Omerta». Darum sagen auch viele Ukrainer, dass es in der Ukraine keine Nazis gibt, um sich zu schützen.
    Selbst Präsident Selensky ist auffallend handzahm gegenüber solchen Leuten, ansonsten auch er nicht mehr lange Präsident des Landes wäre. Es ist auch nicht verwunderlich, dass er mit Russland keine Friedensgespräche führt. Um diesen Leuten zu gefallen und an der Macht zu bleiben, hat er sogar die Opposition verboten und elf oppositionelle russlandfreundliche Sender schliessen lassen.

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