2026_03_31 Protest Defenders of Wildlife

Mitglieder der Gruppe «Defenders of Wildlife» protestierten am 31. März vor dem US-Innenministerium gegen einen Beschluss, die Ölförderung im Golf von Mexiko auszuweiten. © Defenders of Wildlife auf Instagram

Kill, Baby, kill – wie die USA den Artenschutz aushebeln

Daniela Gschweng /  Die Ölförderung im Golf von Mexiko wird ausgeweitet – zu Lasten geschützter Tierarten. Als Grund dient der Krieg im Iran.

Während Ende März auf dieser Seite des Atlantiks alles getan wurde, um einen verirrten Wal in der Nordsee retten, passierte in den Vereinigten Staaten das Gegenteil. Die USA setzten am 31. März ein Gesetz ausser Kraft, das Meerestiere im Golf von Mexiko schützen sollte. Die dort bereits umfangreiche Ölförderung darf ausgeweitet werden.

Nationale Sicherheitsinteressen wögen schwerer als der Schutz der Natur, beschloss ein Gremium namens Endangered Species Committee nach kurzer Beratung einstimmig.

Das Hauptargument: Der Krieg im Iran

Keine alltägliche Entscheidung – das Komitee tagte erst das vierte Mal seit seiner Gründung 1978 und das erste Mal seit 1992. Es trägt den Spitznamen «God Squad» (Gottesteam). Nicht ohne Grund: Im Golf von Mexiko gibt es 20 bedrohte Tierarten. Für einige Spezies wie die Atlantik-Bastardschildkröte könnte der Beschluss die Auslöschung bedeuten. Von der Art der Rice-Wale leben gar nur noch 51 Tiere.

Die USA nutzten damit eine Notfallklausel im Endangered Species Act, die es erlaubt, aus wichtigen Gründen nationale Interessen über den Schutz der Natur zu stellen. Das Hauptargument: Der Krieg im Iran setze die US-Energieproduktion derart unter Druck, dass es unerlässlich sei, die Ölförderung auszuweiten.

Dieser Meinung sind jedenfalls US-Präsident Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth, der dem Treffen beiwohnte. Der Krieg im Nahen Osten könnte so am anderen Ende der Welt zum Aussterben mehrerer Arten führen.

Bereits im Vorfeld erhebliche Kritik

Wer oder was gefährdet ist und warum, ist allerdings fraglich. An dem Treffen gab es bereits im Vorfeld umfangreiche Kritik. Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen und einige wissenschaftliche Expert:innen zweifelten an, dass wirklich eine Notlage vorliegt.

Unternehmen hätten im Golf von Mexiko im vergangenen Jahr 1,9 Millionen Barrel Öl gefördert– obwohl sie dabei auf gefährdete Arten Rücksicht nehmen mussten. Insgesamt steuere das Land derzeit auf Rekordfördermengen zu, fasst «Inside Climate News» zusammen. Ob es der nationalen Sicherheit wirklich dient, die Ölförderung im Golf von Mexiko auszuweiten, wird ebenfalls angezweifelt.

Unfälle wie Deepwater-Horizon-Katastrophe 2010 beeinflussen das marine Leben im Golf von Mexiko dagegen noch heute. Fische, Vögel und andere Meerestiere werden durch Giftstoffe aus tausenden inaktiven Öl- und Gasbohrlöchern langsam vergiftet. Ihr Lebensraum schrumpft immer weiter. Viele Meeressäuger verletzen sich bei Kollisionen mit Schiffen, der Lärm beeinträchtigt die Tiere zusätzlich.

Eine Non-Profit-Organisation namens Center for Biological Diversity versuchte erfolglos, das Treffen des Artenschutz-Gremiums zu verhindern. Umweltorganisationen wie der Sierra Club riefen zu Protesten vor dem Innenministerium auf.

Erfreut ist nur die Ölindustrie

Kritik gebe es weiter aus formellen Gründen wie auch am Ablauf der Beratungen, berichtete die «New York Times». Bisherige Beschlüsse seien unter Einbezug zahlreicher Experten wie Biologen, Ökologen und anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefasst worden. Die Beratungen hätten sich teilweise wochenlang hingezogen. Diesmal sei der Beschluss nach nur 30 Minuten ohne Mitwirkung Externer gefasst worden.

Ein offizieller Antrag Pete Hegseths zur Anrufung des Komitees habe nicht vorgelegen, argumentiert das Center for Biological Diversity, dessen Klage jedoch abgewiesen wurde. Es sei auch nicht um ein konkretes Projekt oder Szenario gegangen, führt «Inside Climate News» auf, sondern um die Ölförderung als Gesamtes.

Erfreut reagierte hingegen der Branchenverband American Petroleum. «Unsere Branche kann auf eine lange Tradition im Schutz der Tierwelt zurückblicken, während sie gleichzeitig verantwortungsbewusst Offshore-Energiequellen erschliesst» zitierte die «New York Times» eine Sprecherin.


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