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Die abonnierbare Online-Zeitung «mediapart.ch» © ss

Erfolgreicher Qualitätsjournalismus im Internet

Red. /  Unabhängige Informations-Portale im Internet können auch kommerziell rentieren. Das beweist das französische Portal «mediapart.fr».

Fast 600’000 Franken Abonnentseinnahmen erzielt «mediapart.fr» dieses Jahr und wird das Geschäftsjahr 2011 erstmals mit einem Gewinn abschliessen. Das erklärte Edwy Plenel, der die Plattform gegründet hat. Über 52’000 Abonnenenten zahlen neun Euro im Monat oder 90 Euro im Jahr.
Vor ein paar Jahren glaubte kaum jemand, dass sich eine Internet-Zeitung ausschliesslich mit Abonnements-Einnahmen finanzieren kann. «Zur allgemeinen Überraschung hatten wir Erfolg», sagt Plenel nicht ohne Stolz. Vorher hatte Plenel 25 Jahre beim «Le Monde» gearbeitet, in den letzten zehn Jahren bis 2004 als Redaktionsleiter.
«Der Preis der Freiheit
Als «Le Monde» zunehmend unter kommerziellen Einfluss kam, gründete er zusammen mit einigen andern ehemaligen Redaktoren und Redaktorinnen des «Le Monde» die neue Informations-Plattform. Er selber investierte 550’000 Euro: «Das war der Preis der Freiheit. Wir hatten das Gefühl, keine Fesseln mehr zu haben.»
Die Gründer orteten auf dem französischen Medienmarkt eine Lücke für unabhängigen Recherchier-Journalismus. Die meisten Zeitungen in Frankreich gehören heute nicht mehr Verleger-Familien, sondern branchenfremden Konzernen: Banken oder Rüstungsunternehmen. Deren Besitzer seien häufig mit Präsident Nicolas Sarkozy befreundet. Die meisten Journalisten würden mit sensiblen Recherchen aufhören, welche Politiker oder Wirtschaftsführer stören könnten.
Recherchen über illegale Parteispenden
Dem Portal «mediapart.fr» gelang es mit hartnäckig recherchierten Informationen im Fall der «L’Oréal»-Besitzerin und Milliardärin Liliane Bettencourt, auf einen Schlag in halb Frankreich bekannt zu werden. Die Online-Zeitung veröffentlichte Mitschnitte von Gesprächen, die den Verdacht auf illegale Parteispenden von Bettencourt an Regierungsvertreter bis zu Präsident Sarkozy erhärteten. Als Folge davon musste Arbeitsminister Eric Woerth als Regierungsmitglied zurücktreten.
Nur ein genügend grosser Markt macht den Erfolg möglich
Was in Frankreich mit seinen 62 Millionen Einwohnern möglich ist, ist in der deutschen Schweiz mir ihren rund fünf Millionen Einwohnern ein Ding der Unmöglichkeit. «Eine qualitativ hochstehende Informations-Plattform kann sich in der Schweiz nicht mit Abonnements-Einnahmen finanzieren», erkärt Urs P. Gasche, Mitglied der Redaktionsleitung von Infosperber. Aus diesem Grund habe er die gemeinnützige Stiftung SSUI gegründet, welche die Plattform Infosperber ermöglicht hat. Die Journalistinnen und Journalisten schreiben ohne Honorare. «Sobald genügend Spenden und Banner-Einnahmen vorhanden sind, möchten wir den Recherchier-Journalismus von jüngeren Talenten auch finanziell fördern», sagt Gasche. Die neue Plattform ergänzt andere Medien mit relevanten Informationen und ist seit Ende März 2011 online.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

Zum Infosperber-Dossier:

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