Intellektuellen-Ranking

Die Kulturredaktion der CH Media-Zeitungen hat es herausgefunden: Sibylle Berg ist die wichtigste Schweizer Intellektuelle. © CH Media

Rankings: oft unbrauchbar – so oder so aber schädlich

Christian Müller /  «Wer da hat, dem wird auch noch gegeben.» Das gilt nicht nur im Bereich des Geldes, es gilt auch im Bereich der Berühmtheiten.

Am Samstag, 4. September 2021, haben die CH Media-Zeitungen – die riesige Ankündigung auf der Frontseite nicht mitgerechnet – auf viereinhalb vollen Seiten ein Ranking «unserer 50 wichtigsten Intellektuellen» publiziert. An 1. Stelle steht Sibylle Berg, an 50. Stelle Dirk Helbing, dazwischen Leute wie Pedro Lenz (Position 8., regelmässiger Kolumnist in den CH Media-Zeitungen), Ludwig Hasler (25., ebenfalls Kolumnist in den CH Media-Zeitungen), Peach Weber (27., ebenfalls Kolumnist in den CH Media-Zeitungen), oder aber auch Patricia Kopatchinskaja (34.) oder Zora del Buono (47.). Die Reihenfolge wurde aufgrund zweier Ranglisten erstellt: eine aus digitalen Daten (z.B. Anzahl Wikipedia-Abfragen), die andere freihändig erstellt von der Kulturredaktion der CH Media-Zeitungen. Siehe dazu die blaue Box unten.

Die Frage sei erlaubt: Ist so ein Ranking sinnvoll?

Die Antwort: eher nicht. Aus ganz einfachen Gründen. 

Erstens: Das Ranking betrifft 50 «Intellektuelle». Was die Redaktion unter «intellektuell» versteht, ist etwas gar speziell. Neben Schriftstellerinnen und Witzbolden sind da zum Beispiel auch Musikerinnen und Architekten aufgeführt. Aber zum Beispiel keine Wissenschaftler, keine Journalistinnen und auch keine Politiker. Die Bezeichnung «Intellektuelle» ausschliesslich für «Dichter, Denkerinnen und Künstler», wie es da heisst, ist mehr als fragwürdig.

Zweitens: Aufgrund einer schriftlichen Nachfrage bei der Redaktion CH Media wurden die 30 männlichen «Intellektuellen» und die 20 weiblichen «Intellektuellen» von der Kulturredaktion der «Schweiz am Wochenende» ausgewählt. Die wichtigste Entscheidung, welche 50 Personen überhaupt ins Ranking aufgenommen wurden, wurde also ausgesprochen willkürlich gefällt. Aus welchem Grund aber hat man dort zum Beispiel Margrit Sprecher übersehen?

Drittens: Auf der Ankündigungsseite steht «die wichtigsten Intellektuellen der Schweiz». Oben am Test steht dann «Unsere 50 wichtigsten Intellektuellen». Auf Nachfrage bei den CH Media-Zeitungen, was denn unter ‹Unsere 50 wichtigsten …› zu verstehen sei, kam die Antwort: «‹Unsere› meint aus Sicht der Schweiz am Wochenende.»

Und was ist mit den Intellektuellen in der französischsprachigen Westschweiz? Gibt es in der Westschweiz wirklich nur Jean Ziegler (Position 16)? Noch nie etwas vom Schriftsteller Claude Cueni gehört – mit Dutzenden von Büchern, Theaterstücken und Film-Drehbüchern? Und noch nie etwas von Didier Queloz gehört, dem Forscher am CERN und an der Universität Genf, dem 2019 der Nobelpreis in Physik  zugesprochen wurde? Sind Forscher keine «Denker», keine «Intellektuellen»? Warum dann aber ist Dirk Helbing im Ranking? Und was mit den «Intellektuellen» aus dem Tessin? Gibt es da wirklich nur den Architekten Mario Botta (Position 13)? Noch nie etwas von Alberto Nessi gehört?

Deshalb noch einmal: Ist ein Ranking der 50 wichtigsten «Intellektuellen»  der Schweiz (!) sinnvoll, wenn es letztlich – weitgehend nach eigenem Gutdünken und also kulturlastig-willkürlich – von einer siebenköpfigen Kulturredaktion zusammengeschustert worden ist – von einer Kulturredaktion, die die lateinische Schweiz zum Beispiel einfach ausser Acht lässt?

Die Rankings sind gesellschaftspolitisch klar schädlich

Aber lassen wir mal die CH Medien-Zeitungen. Das Problem beginnt ja schon bei den Bestsellerlisten im Buchhandel, die es schon seit Jahrzehnten gibt. Sie sind ein Unding, denn sie bewirken, dass ausgerechnet jene Bücher, die schon sehr gut verkauft werden, noch mehr verkauft werden. Statt dass die Leseratten auf jene Bücher aufmerksam gemacht werden, die von neuen, noch unbekannten, aber bemerkenswerten Autoren auf den Markt gekommen sind, werden die bereits erfolgreichen Autoren und Autorinnen noch zusätzlich propagiert und gefördert. Genau: «Wer da hat, dem wird auch noch gegeben.»

Und das gilt auch für alle anderen Rankings. So etwa gibt es ein weltweites Ranking der Universitäten mit über tausend Positionen. Was sind da die Kriterien? Die eine Universität hat vielleicht einen guten Durchschnitt an Lehrpersonal, die andere ist in einigen Fakultäten vielleicht eher schwach, in anderen Fakultäten aber exzellent. Nicht zufällig sind in diesem Ranking der Universitäten unter den ersten zehn Positionen sieben aus den USA und drei aus UK. Die beste Schweizer Hochschule, die ETH Zürich, liegt auf Platz 13. EPFL Lausanne ist auf Platz 38, die Universität Zürich auf Platz 90, die Uni Basel auf Platz 94, Bern auf 113, Genf auf 144, Lausanne auf 198, Fribourg und Svizzera Italiana schlechter noch als Position 300, St. Gallen schlechter noch als  Position 400 (wo immerhin auch Miriam Meckel lehrt, die im CH Media-Ranking die Nr. 20 ist), Neuchâtel schlechter noch als Position 500. 

Müssen wir künftig hinter unseren Doktor-Titel auch noch das Ranking der Universität angeben, an der wir doktoriert haben?

Die Frage ist nicht abwegig, denn in den USA ist es so, dass das Ranking auch sehr viel mit Geld zu tun hat – wie alles in den USA. Da das Studium an einer Universität in den USA für die Studierenden hohe Schulgelder kostet, bei den meisten Universitäten sehr hohe Gebühren sogar, muss abgeschätzt werden, welches Studium an welcher Universität zu welchem Preis dem Studenten oder der Studentin die beste Chance gibt, künftig ein hohes Einkommen zu generieren. Sprich: Je weiter oben die Universität im Ranking, umso höhere Studiengebühren kann sie von den Studierenden verlangen. Kein Wunder, ist die Verschuldung der Hochschul-Abgänger in den USA gigantisch hoch – nicht zuletzt auch wegen diesem Ranking-System. Wer das Geld hat, zum Beispiel an der «Harvard» zu studieren (Position 7), hat beste Chancen, anschliessend auch eine gut bezahlte Stelle zu finden. Auch hier: «Wer da hat, dem wird auch noch gegeben.»  (An der Harvard University kostet ein zweijähriges Studium ab US-Dollar 110’000 aufwärts.)

… oder geht es diesmal um Politik?

Vielleicht steckt hinter dem Ranking der «Intellektuellen» in den CH Media-Zeitungen für einmal aber auch eine politische Motivation. Wer auf Wikipedia nach Sibylle Berg sucht, wie das gemäss dem Ranking-System offenbar besonders viele Leute tun, findet dort u.a. folgendes: Geboren in der DDR, lebt in Zürich und in Tel Aviv, wo sie ihren Ehemann kennengelernt hat, und gibt als Geschlechtsidentität «nichtbinär» an. Ihre 1. Position im CH Media-Ranking der «Intellektuellen» könnte also auch eine kleine Werbung sein im Hinblick auf die gesamtschweizerische Abstimmung in drei Wochen, wo es um die «Ehe für Alle» geht. Zufall? Oder gewollt? 

Fazit:

Wo immer ein Ranking auftaucht, am besten man schaut weg. Oder aber man schaut sehr genau hin! Und immer daran denken: Jedes Ranking fördert jene, die ohnehin schon vorne sind. «Wer da hat, dem wird auch noch gegeben.» (Matthäus 25.29)

Wie die Rangliste zustande kam

Welches sind die wichtigsten Intellektuellen der Schweiz? Welche Autorinnen, Künstler und Philosophen mischen sich in die politische und gesellschaftliche Debatte ein? Der Intellektuellen-Index der «Schweiz am Wochenende» gibt Aufschluss. Der Index fusst auf zwei Pfeilern: auf einer quantitativen Datenanalyse im Internet und auf einem qualitativen Juryurteil. 

Für die Datenanalyse haben wir mit dem Schweizer Netzwerkforscher Peter Gloor, der am Massachusetts Institute of Technology in Boston und an der Universität Köln lehrt, sowie mit einer Gruppe von Studierenden zusammengearbeitet. In die Analyse ist die Präsenz in den traditionellen Medien (gemessen auf Google News) innerhalb der letzten zwölf Monate, die Aktivität auf Twitter innerhalb der letzten zwölf Monate sowie die Nutzung und Verlinkung des Wikipedia-Eintrags eingeflossen. So wurde ein Web-Index errechnet, der maximal 500 Punkte beträgt.

Parallel dazu hat die siebenköpfige Kulturredaktion der «Schweiz am Wochenende» eine Rangliste ihrer 50 wichtigsten Intellektuellen erstellt. Mit dem Jury-Index konnten wieder maximal 500 Punkte erzielt werden. 

Die Punktzahl der beiden Indexe (quantitative Datenanalyse und qualitatives Juryurteil) wurde zusammengezählt. Daraus ergibt sich die Gesamtpunktzahl des Intellektuellen-Indexes, die maximal 1000 beträgt. 

Die Schriftstellerin Sibylle Berg führt den Web-Index an und wurde von der Jury auf den dritten Platz gewählt, was sie zur Gesamtsiegerin macht. Der von der Jury zum wichtigsten Intellektuellen gekürte Lukas Bärfuss hat es im Web-Index nur auf Platz 10 geschafft, wohingegen die Satirikerin Hazel Brugger (Jury-Index Platz 22) dank ihrer Internet-Präsenz (Web-Index Platz 2) auf den vierten Platz vorrückt. (Raffael Schuppisser, Stv. Chefredaktor)

(So wörtlich in den CH Media-Zeitungen)


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor hat seinen Doktor-Titel nur von der Universität Zürich, im internationalen Ranking gerademal Position 90 …
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

https://www.timeshighereducation.com/world-university-rankings/2020/world-ranking#!/page/0/length/25/locations/CH/sort_by/rank/sort_order/asc/cols/stats
https://de.wikipedia.org/wiki/Claude_Cueni
https://de.wikipedia.org/wiki/Alberto_Nessi

Zum Infosperber-Dossier:

Unstatistik_Mit_Hintergr

Fragwürdige Statistiken aus Medien

Mit Statistiken und Grafiken sollten Medien besonders sorgfältig umgehen. Beispiele von Unstatistiken.

Zeitungen_1

Kritik von Zeitungsartikeln

Printmedien üben sich kaum mehr in gegenseitiger Blattkritik. Infosperber holt dies ab und zu nach.

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9 Meinungen

  • am 8.09.2021 um 10:50 Uhr
    Permalink

    Interessante Gedanken. Ich mache es mir viel einfacher: Wenn ein Lukas Bärfuss soweit vorne ist, dann ist das Ranking eh wertlos 🙂

    1
  • am 8.09.2021 um 11:31 Uhr
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    ‹Welches sind die wichtigsten Intellektuellen der Schweiz?›
    Diese Frage ist unbeantwortbar, weil es kein objektives Mass für die subjektive Kategorie ‹wichtig› gibt. Rankings sind ausnahmslos immer falsch, die Realität kennt keine Ordinal-, die kennt nur Kardinal- und metrische Skalen. Wer Rankings macht, will täuschen, will Meinung manipulieren.

    1
  • am 8.09.2021 um 12:02 Uhr
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    Rankings sind ein Teil der Konkurrenzmanie: Sie gehört zu einer Welt, wo wenige gewinnen und die meisten verlieren. Eine extreme Form des global herrschenden Teufels der Konkurrenz ist der Krieg.

    0
    • am 9.09.2021 um 10:45 Uhr
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      Danke, Ueli Keller: ist mir der wichtigste kommentar zum thema. Genau: wettbewerbitis überall, in allen lebensfeldern. Folgen: arroganz der sieger, niederlage der verlierer, stress, krankheiten aller art. Man lese dazu den Soziologen Hartmut Rosa, «Beschleunigung», und dagegen «Resonanz».

      0
  • am 8.09.2021 um 12:07 Uhr
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    Danke Herr Müller, ein guter Bericht der mir aus der Seele spricht. Manipulation, Influenzen, bis hin zu bewusster Irreführung der Öffentlichkeit. Rankings können für alles missbraucht werden, und werden es auch. Ein weiteres Instrument um Korruption voran zu treiben. Es erinnert mich an den «Volksempfänger» von 1933 und an den «Völkischen Beobachter» aus derselben Zeit. Andere Zeit, andere technische Mittel, der gleiche Missbrauch. Ich wünsche mir und der Welt einen Weltethos welcher mehr Macht hat als Konzerne, Diktatoren und Politiker. Vielleicht wird die Welt es eines Tages schaffen, die besten ethischen Werte, insbesondere der Verzicht auf jede Form von Gewalt, welche jenseits von Notwehr liegt, in einem globalen Weltethos zusammen zu fassen, an zu erkennen und zu ratifizieren. Gegenwärtig spielt die psychologische Gewalt, die Gewalt der Propaganda und Absprachen zwischen einigen Medien, Konzernen und Berühmtheiten leider eine sehr dominante Rolle. Die Hoffnung auf Besserung stirbt zuletzt.

    0
  • am 8.09.2021 um 12:36 Uhr
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    Ich habe das gross aufgemachte Ranking in der CHaW auch gesehen und den Kopf geschüttelt:
    1. Es fehlt eine klare Definition, was ein Intellektueller, eine Intellektuelle ist. Einfach nur Künstler oder Philosophin zu sein und ab und zu in der Öffentlichkeit zu stehen, reicht wohl nicht. Ebenso reicht es nicht, als Wissenschafterin im eigene Fachbereich zu publizieren und damit etwas öffentlich Resonanz zu erzielen (wie etwa die Soziologin Rost oder der Wirtschaftshistoriker Straumann). Für mich ist jemand ein Intellektueller, wenn er über das eigene Fachgebiet oder den eigenen Tätigkeitsbereich hinaus wichtige Beiträge zu öffentlichen Debatten leistet, die innovativ, neu, erfrischend sind und quer zu herkömmlichen Debattensträngen laufen. Und er ist von einem moralischen Impetus geprägt. Deshalb ist für mich immer noch Emile Zola d e r Intellektuelle.
    2. Auch die Methodik, die zu diesem Ranking geführt hat, ist fraglich: Einmal eine Webanalyse, bei der schwergewichtig die sozialen Medien berücksichtigt werden. Meine Frage: Muss man denn wirklich täglich ein paar Kurzmeldungen auf Twitter absetzen, um intellektuell zu sein? Wohl kaum, denn Twitter ist wohl das antiintellektuellste Medium überhaupt. Zum anderen das Bauchgefühl von ein paar Redaktoren der CHaW, dessen Resultat eher zeigt, wie provinziell diese Redaktion ist.
    Fazit: Hier verdienen höchstens 10 der aufgeführten Personen die Bezeichnung «intellektuell». Ein überflüssiges Beispiel grassierender Rankingitis.

    0
  • am 8.09.2021 um 17:27 Uhr
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    Danke, Christian Müller, Sie stellen wieder einmal eine wichtige Frage in gewohnt gründlicher Form! Ich habe die Liste nur kurz überflogen und fand sie spontan ziemlich abwegig und deshalb uninteressant. Aber die Ranking-Manie insgesamt infrage zu stellen, wie Sie das tun, finde ich eine sehr gute Idee. Sie führen als Beispiel die Universitäten an und die damit verbundenen verheerenden Folgen für die Studenten. Hier wäre das Buch von Mathias Binswanger anzuführen: «Sinnlose Wettbewerbe. Warum wir immer mehr Unsinn produzieren». Ein Beispiel aus diesem Buch: Das Peer-Review-System für die Publikation von Forschungsartikeln läuft in der heutigen Form Gefahr, dass es jene Artikel in die Top-Zeitschriften schaffen, die bereits bekannte Positionen bestätigen und – leider – neuartige Ansätze ausgesschlossen werden. Damit wird wirklicher Fortschritt in der Wissenschaft gerade gehemmt statt gefördert. Nicht zu reden von den «Rankings» im Sport: Hier entscheiden oft Hundertstelssekunden und Zentimeter über Sieg oder Niederlage. Dabei stehen die sportlichen Unterschiede zwischen einem Ersten und beispielsweise einem Zehnten in keinem Verhältnis zu ihren finanziellen Erfolgen (Preise und Werbeeinnahmen) in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander. Überdies führt dieser «Spitzensport» zu aufgeblähten Industriezweigen mit enormem Ressourcen-, Energie- und Landschaftsverbrauch, die ebenfalls in keinem Verhältnis stehen zu ihrem gesellschaftlichen Nutzen.

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  • am 9.09.2021 um 00:06 Uhr
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    Ausser im Sport sind Rankings meistens sinnlos. Aber leider überall in den Medien.
    Ich erlaube mir, einen Fehler zu korrigieren: Didier Queloz forschte nicht am CERN, sondern an der Universität Genf und nach einigen Jahren in Cambridge ist er heute an der ETH Zürich.

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  • am 9.09.2021 um 00:33 Uhr
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    Der Zusammenhang zwischen dem Wort «nichtbinär» und der «Ehe für alle» ist nun etwas gar gesucht. Die Infosperber-Journalist*innen [sic!] würden besser mal der Frage nachgehen, warum die Kulturberichterstattung so schlecht geworden ist. Es wäre ja kein Wunder, wenn plötzlich Marco Rima oder Gölä oder Reiner Eichenberger in solchen Rankings auftauchen würden, zumal sie von diesen Redaktionen selber durch die häufige Befragung und Erwähnung zu «Intellektuellen» gemacht werden. Dass im modernen Feuilleton (gilt jetzt auch für die ehemalige Qualitätszeitung NZZ) irgendwelche Pseudo-Künstler und Pseudo-Intellektuelle bereits im Stile der People News der 20Minuten gepusht werden, ist den zweifelhaften Kulturredaktionen anzulasten, denen offenbar von oben eingetrichtert wird, dass Hochkultur passé sei und ohnehin durch Dünkel belastet. Genau diese Haltung führt aber zum Zerfall der Qualität der Berichterstattung und ist im Grunde selber dünkelhaft, da sich die Medien-Tycoons beim Wort «Hochkultur» bereits reflexartig die Nase zu rümpfen scheinen. Sie bringt keine Klicks.

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