Kommentar

Alle schiessen auf Ringier – und «vergessen» dabei Wichtiges

Christian Müller © zvg

Christian Müller /  Der CEO des Medienunternehmens Ringier empfahl seinen Redaktionen, in schwierigen Covid-Zeiten die Regierungen zu unterstützen.

Muss wirklich auch ich, Redaktor von Infosperber.ch, zu der Aufforderung Marc Walders an «seine» Redaktionen, in Sachen Corona die Regierungen zu unterstützen, auch noch einen Kommentar abgeben? Ja, es gibt einen guten Grund dazu: Ich habe etliche Jahre auf einer Ringier-Redaktion gearbeitet, ich habe etliche Jahre als Medien-Manager bei Ringier gearbeitet, auch in ganz hoher Position, ich habe hautnah miterlebt, wie sich die Usanzen im Medien-Betrieb verändert haben – und ich möchte auf einen Punkt hinweisen, der kaum irgendwo erwähnt wird.

Als Redaktor bei Ringier: Ich war acht Jahre lang Chefredaktor der Luzerner Neusten Nachrichten LNN, zu einer Zeit, als es in Luzern noch drei Tageszeitungen gab: 1980-1988. Das war eine wunderbare Zeit. Redaktion und Anzeigenverkauf waren strikte getrennt, als Chefredaktor war ich absolut frei. Ich durfte in der katholischen Zentralschweiz absolut kritisch über den damaligen Papst Johannes Paul II. berichten, wie er in Südamerika, wo ich mich gut auskannte, die soziale Bewegung «Theologie der Befreiung» abwürgte, weil für ihn, den Polen, «sozial» eben schon «kommunistisch» war.  Es gab eine Reihe Abo-Abbestellungen, aber das war kein Thema. Und ich hatte – als Chefredaktor! – damals sogar das Recht, Inserate abzulehnen, was ich tatsächlich einmal auch machte.

Als Medien-Manager bei Ringier war es keine «wunderbare», aber eine höchst spannende und lehrreiche Zeit. Als mein Boss in der Konzernleitung, Max Wiener, für eine PR-Veranstaltung den damaligen Ex-US-Präsidenten Ronald Reagan als Referenten einladen wollte – vorgesehene Gesamtkosten 500’000 Franken – und ich mich weigerte, dies auf mein Budget zu nehmen und zu organisieren, erhielt ich vom damaligen Direktionspräsidenten Oscar Frei Unterstützung und Max Wiener musste gehen. Aus Gründen der «Opfersymmetrie», wie es hiess – eine neue Erfahrung in meinem Berufsleben –, wurde vier Wochen später dann aber auch ich gefeuert. «Wenn schon fliegen, dann nur mit Brevet», sagte ich mir und nutzte die bezahlte Kündigungsfrist, um die «Private Pilot Licence» PPL zu machen – mit vielen darauf folgenden intensiven Erlebnissen! Und drei Jahre später holte Ringier mich, den geschassten, wieder an Bord, weil man in Bern einen Krisenmanager brauchte. 

Der langen Einleitung kurzer Sinn: Ich kenne in der Medienlandschaft beide Seiten aus eigener Erfahrung, die Seite der Redaktion und die Seite des Verlags, der für die Finanzen zuständig ist. Und das ist denn auch das, was mich mit Marc Walder verbindet: Auch er war zuerst Journalist, bevor er ins Management umstieg und eine steile Karriere machte. Wir, Marc Walder und ich, kennen uns aber nicht und sind uns nie persönlich begegnet. Schon weil ich mich, im Gegensatz zu ihm, für Sport nicht wirklich interessiere.

Boulevard ist Boulevard

Das Medien-Genre «Boulevard» wurde nicht in der Schweiz erfunden, es tauchte wohl zuerst in England auf. Als in den 1960er Jahren der damalige Ringier-Direktionspräsident Heinrich Oswald beschloss, auch in der Schweiz eine Tageszeitung nach Vorbild der deutschen «Bild» zu lancieren, war die allgemeine Entrüstung riesig. Praktisch alle Politiker weigerten sich, mit «Blick»-Journalisten zu reden. Und wenn ein Journalist den «Fehler» machte, bei «Blick» zu arbeiten, hatte er keine Chance mehr, je wieder bei einer «seriösen» Tageszeitung zu arbeiten. Doch Tempi passati! Auch in der Schweiz wurde dieses Medium bald einmal anerkannt und von Hunderttausenden von Lesern und Leserinnen täglich genutzt und geschätzt. Und man frage eine Kiosk-Verkäuferin, wie viele Kunden die NZZ und den «Blick» kaufen! Es sind unendlich viele!

Boulevard ist Boulevard: Die Herausgabe einer Boulevard-Zeitung ist ein kommerzielles Projekt. Man will etwas produzieren und verkaufen und damit Geld verdienen. Das ist legitim. «Aber es macht doch dumm!» mag man einwenden. Mit Verlaub: Ist es intelligent, an einen Fussballmatch zu gehen und zuzuschauen, wie 22 Männer einem Ball nachrennen und für diese ihre Leistung jedes Jahr Millionen von Franken, Euros oder Dollars als Gehalt kassieren? Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Die Boulevard-Zeitung hat nicht die Aufgabe, alles zu hinterfragen und die Leser und Leserinnen zu verunsichern. Sie liefert ihren Lesern das, was diese lesen wollen: Berichte über sensationelle Ereignisse, über schreckliche Unfälle und brutale Verbrechen, Bewunderung der «Celebrities», der Berühmtheiten aus der Theater- und Filmwelt, Reportagen über die Feste der Reichen und Superreichen, aber auch nette kleine «Jö»-Geschichten, die zeigen, dass auch kleine Unbekannte ein gutes Herz haben. Und und und:  jede Menge glückliche oder auch traurige Geschichten, die ans Herz gehen.

Glücklich, wer selber ein so interessantes Leben, einen so abwechslungsreichen Alltag hat, dass er den Blick in eine Boulevard-Zeitung nicht nötig hat. Ich gehöre zu diesen, bin in diesem Punkt privilegiert. Aber soll ich jene verurteilen, die das Unalltägliche eben in der Boulevard-Zeitung suchen, um ihren immer gleichen Tagesablauf etwas farbiger werden zu lassen? 

Und damit zu Marc Walder

Dass Marc Walder als oberster Chef eines Medienkonzerns seinen Dutzenden von Redaktionen – Redaktionen vor allem von Boulevard-Zeitungen – nahegelegt hat, die Regierungen in dieser äusserst schwierigen Corona-Zeit tendenziell zu unterstützen, ist in Worten ausgesprochen, was eigentlich systembedingt eh klar ist. Wer wusste damals, im Frühling 2021, welches der richtige Weg ist, um den Schaden der Covid-Pandemie zu begrenzen? In einer Zeit, in der auch die berühmtesten Virologen und Epidemiologen ganz unterschiedliche Erkenntnisse zu haben glaubten und alles andere als eine einheitliche Vorstellung abgaben: Wäre es da sinnvoll gewesen, in boulevardeskem Stil zu Kritik an den Regierungen aufzurufen, um die Unsicherheit in der Bevölkerung und die Angst noch zu verstärken? 

Seien wir mal ehrlich: Wer hatte in allen öffentlich gemachten Äusserungen und Entscheidungen immer recht? Wer durfte behaupten, den richtigen Weg zu kennen, Monate vor dem Auftreten der Covid-Variante Delta und noch mehr Monate vor dem Auftreten der Variante Omikron, die möglicherweise nun sogar zum Ende der Pandemie führt, weil sie, ähnlich wie eine Impfung, zu mehr Immunität führt? Und in jenem Augenblick, als Marc Walder das sagte, was jetzt aus allen Rohren kritisiert wird, war er halt wieder einmal mehr Journalist als Manager: ein bisschen vorschnell, ein bisschen gar «kollegial» im Plaudern, unvorsichtig, seiner Management-Position eher unangemessen. Das kann ich ihm, als ehemaliger Journalist und späterer Manager in oft recht einsamer Höhe, recht gut nachfühlen.

Und darum geht es in Wirklichkeit

Was aber kaum bemerkt und schon gar nicht öffentlich gefragt wird: Warum hat Philipp Gut, der ehemalige Redaktor der «Weltwoche» und heutige PR-Berater die Kampagne gegen Marc Walder und das Haus Ringier nicht damals im Februar 2021 gestartet, als Walder seine unvorsichtige Bemerkung tatsächlich machte? Und warum gerade jetzt, nur wenige Wochen vor der Abstimmung zum «Medien-Unterstützungspaket»? 

Machen wir uns doch nichts vor: Es geht vor allem darum, am 13. Februar das staatliche Medien-Unterstützungspaket an der Urne scheitern zu lassen. Philipp Gut und seine prominenten Kumpanen befürchten mehr staatlichen Einfluss auf die Medien, wenn die Medien vom Staat wirtschaftlich unterstützt werden. Und staatlicher Einfluss ist für die SVP und generell für die politische Rechte, insbesondere aber auch für die Reichen und Superreichen, eben «Einfluss von links», der unter allen Umständen verhindert werden muss. Das heutige neoliberale Wirtschaftssystem, in dem das Geld von unten nach oben fliesst, muss nicht nur erhalten, es muss ausgebaut und gestärkt werden. Die Reichen sollen noch reicher werden dürfen, wie es im Jahr 2021 ja in extremer Weise schon geschehen ist. Gemäss der Schweizer Finanz-Zeitschrift «Bilanz» sind die reichsten 300 Schweizer Steuerzahler im Jahr 2021 (bis Mitte November) um zusammen 115 Milliarden Franken reicher geworden: im Durchschnitt also um mehr als eine Million Franken reicher pro Tag! Das Vermögen der Familie Blocher zum Beispiel ist von rund 20 Milliarden auf 24 Milliarden angestiegen, um mehr als 10 Millionen Franken pro Tag!

Und da schliessen sich die Kreise: So sehr der Medienkonzern Ringier Zeitungen und Zeitschriften herausgibt, um damit wirtschaftlichen Erfolg zu haben und Geld zu verdienen, so ist er trotzdem nie der Versuchung erlegen, die politische – vermeintlich demokratische – Zustimmung mit der Methode des Fremdenhasses zu holen, wie das die SVP zu mehreren Malen getan hat und noch immer tut. Das darf Ringier, nein, das muss Ringier politisch hoch angerechnet werden: Für Ringier waren Menschen immer Menschen, auch in mittel- und osteuropäischen Ländern, in denen Ringier mit Fremdenhass politische Sympathien hätte gewinnen können. Beim ganzen Gezeter gegen Marc Walder und gegen das Haus Ringier geht es in Wirklichkeit nicht um einen etwas gar lockeren Satz eines hohen Ringier-Managers. Es geht darum, über ein Nein am 13. Februar zum Medien-Paket den Staat aus den Medien fernzuhalten, wie es schon bei der Abstimmung zur No-Billag-Initiative im Frühling 2018 der Fall war. 

Meistens wird ja geschwiegen

Warum hat niemand darüber geschrieben, als Mathias Döpfner, oberster Chef des gigantischen deutschen Medienkonzerns Springer, in die Tasten griff und schrieb, Europa habe nur noch eine Chance:  nämlich näher an die USA zu rücken? War das keine Empfehlung an die Springer-Redaktionen? Und warum hat niemand darüber geschrieben, als Pietro Supino, der Kopf der Mehrheitsaktionärsfamilie Coninx und oberster Chef der TX Group – «TagesAnzeiger» und «20 Minuten» – in Italien Verwaltungsrat der GEDI wurde, eines Medienunternehmens in den Händen der milliardenschweren Agnelli-Gruppe, die am gleichen Tag der käuflichen Übernahme der grossen italienischen Tageszeitung «La Repubblica» deren tendenziell linksliberalen Chefredaktor fristlos entlassen hat? 

Den Einfluss von oben auf Redaktionen hat es immer schon gegeben. Darüber zu schreiben lohnt sich aber offenbar nur, wenn damit politische Werbung gemacht werden kann. So wie es jetzt der Fall ist, wenige Wochen vor der Abstimmung. Hoffentlich wird dem Medien-Unterstützungspaket – als Beitrag an die notwendige Medienvielfalt – trotzdem zugestimmt.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Zum Autor Christian Müller deutsch und englisch.

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22 Meinungen

  • am 11.01.2022 um 11:33 Uhr
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    Vielen Dank an Christian Müller, mit dem ich – journalistisch – wenigstens eine Gemeinsamkeit habe: in den 70/80er Jahren habe ich zum journalistischen Handwerk gefunden. Das war, als es auch in Olten noch 3 Tageszeitungen gab – wie in Luzern. Und es war auch hier eine wunderbare Zeit. Tempi passati.
    Vor allem aber danke ich Christian Müller für die Aufhellung der obskuren Hintergründe zum Walder-Echauffement, von dem die Nicht-Ringier-Medien derzeit heimgesucht werden. An sich hätte ich allein schon aufgrund der Tatsache, dass Herr Ph.G. das Komitee gegen das Medienpaket geschäftsleitert, für das Medienpaket gestimmt. Dank Müllers Kommentar, weiss ich jetzt auch noch, warum ich das tue.

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    • am 11.01.2022 um 22:16 Uhr
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      Das ist eine ziemlich billige Art, wegen Herrn Ph.G. (wie Sie ihn kennzeichnen), das Mediengesetz annehmen wollen. Sachliche Argumente sehen anders aus.

      2
  • am 11.01.2022 um 11:51 Uhr
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    Sie mögen mit Ihrer Meinung durchaus recht haben, was Ihre Beispiele betrifft. Doch haben sie wenig mit dem Medien-Hilfspaket zu tun. Es kann nicht sein, dass die Bevölkerung die «Meinungsvielfalt» subventionieren soll. Wenn schon, soll das der Lesende machen. Man kann für Artikel auch bezahlen. Ich habe hier auch auch schon Infosperber unterstützt.

    3
  • am 11.01.2022 um 12:20 Uhr
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    Marc Walder hat persönlich gegen den Code of Conduct von Ringier verstossen. Und er hat die Journalistinnen und Journalisten dazu aufgefordert, «gegen die beruflichen Regeln» des Hauses Ringier zu vorstossen. Dort steht zum Thema «journalistische Integrität» folgendes:
    « Als Journalistinnen und Journalisten der Ringier Gruppe sind wir unabhängig von Personen, Unternehmen und Behörden und verhalten uns so, dass wir nicht gegen berufliche Regeln verstossen»

    0
  • am 11.01.2022 um 12:33 Uhr
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    «Wäre es da sinnvoll gewesen, in boulevardeskem Stil zu Kritik an den Regierungen aufzurufen, um die Unsicherheit in der Bevölkerung und die Angst noch zu verstärken?» Gerade das Fehlen jeglicher Kritik, das Verschweigen offensichtlicher Widersprüche und das Diffamieren all jener, die eine abweichende Meinung haben, hat die Unsicherheit und die Angst in der Bevölkerung massiv verstärkt und das Vertrauen vieler Menschen in alle grossen Medien, die Behörden und die Regierung massiv beschädigt. Populisten werden es jetzt leichter haben, ihre Ideen unter das Volk zu bringen und leider muss man sagen, dass Regierung und etablierte Medien daran die Hauptschuld tragen.

    3
  • am 11.01.2022 um 13:19 Uhr
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    Der Boulevard ist also für Unterhaltung zuständig. Damit kann ich leben. Dann soll er gefälligst über unterhaltsames Berichten. Beispielsweise welcher Fussballer oder Politiker mit welchem Sternchen fremd gegangen ist, oder über schicke Hochzeiten, aber sich bitteschön aus existenziellen Fragen heraushalten. Wo unsere Lebensgrundlage sei es Gesundheit oder Wirtschaft auf dem Spiel steht hat Boulevard nichts verloren. Hier ist faires aber kritisches Hinterfragen von Entscheiden notwendig, und nicht Panikmache und Kadavergehorsam.

    2
  • am 11.01.2022 um 13:36 Uhr
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    Etwas muss man Marc Walder zugute halten: Andere Verlagshäuser machen es schlechter.

    20minuten machte etwa gestern die unüberlegte Aussage von Martin Bäumle («Der Bundesrat spielt russisches Roulette mit zwei Kugeln») zur Schlagzeile.
    Russisches Roulette spielt man bewusst. Man könnte es genauso gut bleiben lassen. Man geht mutwillig ein grosses Risiko ein.
    Wer die aktuell stattfindende Durchseuchung als russisches Roulette des Bundesrates bezeichnet, unterstellt, dass der Bundesrat diese genausogut stoppen könnte, wenn er nur Lust dazu hätte. Eine solche Unterstellung ist entweder schlicht böswillig, oder dann zeugt sie von einer sagenhaften Unbedarftheit in Sachen Corona.

    Da ist mir dann generelle Bundesratstreue noch lieber. Dies ist zwar nicht wirklich die Aufgabe der Presse. Aber es ist immer noch besser, als einfach maximale Panik zu schüren.

    4
  • am 11.01.2022 um 13:49 Uhr
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    «Redaktion und Anzeigenverkauf waren strikte getrennt, als Chefredaktor war ich absolut frei.»
    «Und ich hatte – als Chefredaktor! – damals sogar das Recht, Inserate abzulehnen, was ich tatsächlich einmal auch machte.»

    Sehen Sie da nicht einen gewissen Widerspruch?
    Ich schon – aber ich weiss ja auch nicht, was «mit Brevet fliegen» bedeutet.

    2
    • am 11.01.2022 um 18:40 Uhr
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      @ Ulf Cihak – Gut hingeschaut! Danke! Heute ist in vielen Medienunternehmen der Verlags-Chef mit seiner Anzeigenabteilung der Redaktion vorgesetzt: Er darf der Redaktion vorgeben, diesen oder jenen besonders guten Anzeigenkunden nicht zu kritisieren oder sogar positiv zu erwähnen. In meinem Fall war das absolut unmöglich. Das war die saubere Trennung – mit der guten und natürlich seltenen Ausnahme, dass ich eine Anzeige mit besonders verwerflichem Inhalt sperren durfte – aus der Erinnerung in acht Jahren einmal gemacht. – Dass Sie «Brevet» nicht verstehen, sei Ihnen in Deutschland verziehen, es ist französisch und auch in der deutschsprachigen Schweiz durchaus gebräuchlich und heisst: Lizenz, Bewilligung, positiver Prüfungsabschluss, formale Berechtigung. Um ein Kleinflugzeug mieten zu können, eine Piper oder Cessna zum Beispiel, muss man das «Brevet» haben, also eben eine erfolgreich abgeschlossene Pilotenausbildung, in der englischen Fliegersprache eben das «PPL». So bin ich, mit der zusätzlichen «Validation» in Südafrika, zum Beispiel auch in mehreren afrikanischen Ländern geflogen . Mit freundlichem Gruss, Christian Müller

      0
    • am 13.01.2022 um 11:12 Uhr
      Permalink

      Wenn es heute der Verlags-Chef vorgibt «diesen oder jenen besonders guten Anzeigenkunden nicht zu kritisieren», tönt das in den Ohren eines Medienkonsumenten wie mich nach «die Hand dir einem füttert beisst man nicht. Die Frage stellt sich hier ob dies auch für den Bund, als Hüter des Subventiontopfes, gilt.

      0
    • am 13.01.2022 um 14:47 Uhr
      Permalink

      Die privaten Grossverlage werden von ganz vielen Töpfen gefüttert. Denken Sie an alle Inserenten, Auftraggebende von Beilagen, Verlagskunden etc. Diese Abhängigkeiten sind viel direkter und heikler als die Abhängigkeit von staatlichen Zuschüssen für Postzustellung, Ausbildung etc.

      1
  • am 11.01.2022 um 13:55 Uhr
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    Endlich jemand, der sich hinter Walder stellt.

    7
  • am 11.01.2022 um 15:49 Uhr
    Permalink

    Vielen Dank für diesen interessanten Einblick. Ich möchte aber anmerken, dass es gerade in Zeiten, in denen die Beurteilung wichtiger Ereignisse und ihrer (wissenschaftlichen) Interpretation sowie gesellschaftlichen Folgen für praktisch jede/n Einzelne/n von grösster Bedeutung ist, wichtig wäre, dass verschiedene Zeitungen oder sogar dieselben Zeitungen unterschiedliche Positionen zur Sprache bringen und sich nicht von vornherein auf eine bestimmt festlegen, die ja nicht erst jetzt manchmal als zu kurz gedachte und begründete «ordre de mufti» erscheint.
    Insofern wäre es auf jeden Fall besser, wenn die Ringier-Blätter da nicht von vornherein und von oben herab auf eine Linie festgelegt würden.
    Was Deutschland anbelangt, so ist gerade im Springer-Konzern jeder Journalist bei Eintritt in das Unternehmen VERPFLICHTET eine Erklärung zu unterschreiben, nach der die transatlantische Bindung an die «Freunde» in den USA sowie die unumstössliche Unterstützung Israels – egal welche Politik beide verfolgen! – festgeschrieben sind.
    Hinzu kommt, dass dort viele Medien (öff.-rechtl. wie private) jetzt auf «Faktenchecker» vertrauen, deren Finanzierung aus denselben Quellen stammt wie diejenige der quasi-privatisierten WHO oder der Impfstoff-Forschung und -Produktion. Selbst wenn alle diese Informationen und «gecheckten Fakten» richtig wären, ist dies eine mehr als bedenkliche Einseitigkeit, die aber NICHT diskutiert wird!

    0
  • am 11.01.2022 um 16:08 Uhr
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    Es ist zwar edel, sich für Walder und Ringier einzusetzen aber unnötig. Der Reputationsschaden ist da und der Verursacher muss über die Klingd springen!

    2
  • am 11.01.2022 um 16:17 Uhr
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    Ich habe da eine scheue Frage: Kann einmal jemand erklären, warum grosse und reiche Medienunternehmen NOCH mehr Geld erhalten sollen? Und was daran «links» sein soll? Ist das nicht viel mehr «sozialistisch»? (Links muss m.E. nicht zwangsläufig mit Sozialismus gleichgesetzt werden). Könnte es nicht auch ein linkes Anliegen sein, das sich der Staat nicht in die Medien einmischt? Oder ist die ANgst begründet, dass dann die reichen (und rechten) Medienverlage mächtiger werden (geht es um Regulierung)? Erscheint mir alles ein wenig seltsam. Aber so, wie sich der Staat in der Covid-Situation verhält (Zertifikat), möchte ich als Linker nicht, dass die Freiheit noch mehr auf’s Spiel gesetzt wird, dass der Staat mithilfe von finanzieller Anreize die Medien beeinflusst – oder wie kann das ausgeschlossen werden? Seien wir ehrlich: Es gibt wohl für beide Seiten Argumente.

    2
  • am 11.01.2022 um 19:00 Uhr
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    Richtig ist, dass die Medienkampagne gegen Marc Walder reine Heuchelei ist, um von den eigenen Beeinflussungen beim Tamedia-Konzern, der NZZ, der Weltwoche und anderen abzulenken. Jeder, der die heutige Berichterstattung verfolgt, kann sehen, dass die Leser*innen nach rechts getrimmt werden sollen, indem ständig in Meinungsartikeln (die sogar die Leserbriefe verdrängen) über eine angebliche «Cancel Culture» und «linke Korrektheit» lamentiert wird. Das kann man sehr gut ablesen an der Verwandlung des NZZ-Feuilletons von der professionellen Kulturberichterstattung zur Propagandaschleuder à la Weltwoche.

    Das ist jedoch zugleich der Grund, warum ich das Mediengesetz ablehnen werde. Warum sollte man diese Konzerne subventionieren, wenn sie ausser Propaganda und Entertainment (Influencer, Hollywood, Popmusik etc.) auf dem Niveau der Gratiszeitungen nichts mehr zu bieten haben? Dafür ist jeder Franken einer zu viel.

    Richtig, Boulevard ist Boulevard, aber nicht auf Kosten der Steuerzahler!

    3
  • am 11.01.2022 um 21:58 Uhr
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    Die Kritik an Walder scheint auch mir bisweilen etwas billig. Tatsächlich sind damit politische Absichten verbunden, wie schon die verstrichene Zeit seit der Äusserung vermuten lässt. Was mich am «Blick» (und nicht nur an ihm) gestört hat, war der Umgang mit anderen Meinungen. Hätten die Betroffenen nur die Vielfalt der Ansichten gerade auch unter den Fachleuten und ihre eigenen Schlussfolgerungen dargestellt, wie es heute vermehrt geschieht, wäre eine regierungsnahe Berichterstattung nicht zu beanstanden gewesen. Stattdessen wurde eine Einheitlichkeit suggeriert, die es so nie gab. Darüber hinaus schürten der «Blick» und andere Medien die unsägliche Angst und Irrationalität in der Bevölkerung, die uns heute noch begleiten und die die Rückkehr zu den geltenden Werten so schwer machen. Es geht doch nicht – von klaren Fällen abgesehen – Leute als unbedarft, unsolidarisch und verantwortungslos abzutun, nur weil sie einen anderen Ansatz verfolgen, der vielleicht am Ende gar nicht so ausserirdisch ist, wie es zuerst scheint. Es gibt Beispiele im Dutzend. Solches Verhalten ist in der Geschichte nicht neu, aber ich hätte mir nie träumen lassen, wie dünn die Decke der Zivilisation und des Rechtsstaats ist, die uns bis vor 2 Jahren gewärmt hat.

    Wir können die Vergangenheit nicht mehr ändern. Machen wir es in Zukunft besser und gehen neugierig auf andere und ihre Standpunkte zu.

    1
  • am 13.01.2022 um 09:15 Uhr
    Permalink

    In der Impfentscheidung hat mich genau dieser einheitliche Journalisten-Brei verunsichert. Eine fachlich, kompetente Diskussion auf Augenhöhe hat es nie gegeben. Da wurde auf SRF ein 17-jähriger, der sich nicht impfen lassen wollte, dem Huldrych und weiteren auf Staatskosten gut ausgebildeten Staatstreuen zum Frass vorgeworfen. Kritische, gesundheitsrelevante Fragen wurden als dümmlich taxiert. Blick findet immer noch täglich einen BMI-Hochwertigen (meistens Ami*in), die auf der IPS liegen und bereuen sich nicht geimpft zu haben.
    Sie, Herr Müller, meinen es zwar gut mit dem Herrn Walder, ich empfinde es jedoch eher etwas anbiedernd. Die 4. Macht/Gewalt im Staat ist lädiert.

    2
    • am 13.01.2022 um 09:38 Uhr
      Permalink

      @ Anna Roduner: Was heisst da «einheitlicher Journalisten-Brei»? Infosperber hat zu diesem Thema einige hundert Artikel publiziert, immer sehr kritisch. Auch die «Republik» hat ihren guten Beitrag geleistet, und auf Radio SRF hat die Wissenschaftsredaktion ebenfalls immer unabhängig und korrekt informiert. Die Medienvielfalt macht dann Sinn, wenn man mehr als nur gerade eine Zeitung liest. Bleiben Sie kritisch und profitieren Sie von der beschränkten, aber noch existierenden Medienvielfalt! Mit Dank für Ihr Interesse und freundlichem Gruss, Christian Müller

      0
  • am 14.01.2022 um 14:42 Uhr
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    Ich denke, die Sache ist etwas komplizierter. Medienvielfalt ist gut aber es braucht einen Kodex. Mit der Konzentration ist die Vielfalt weg und was in den Netzen verbreitet wird kennt keine Prinzipien. Ob Medien einem gewinnorientierten Verlag gehören oder im Staatsbesitz von einer von der aktuellen politischen Mehrheit bestimmten Bürokratie geführt werden, macht wenig Unterschied.
    Ich bezweifle, dass eine so geführte Redaktion wirklich unabhängig sein kann. Ein Beispiel ist für mich, die Sperber-Redaktion, wo mehrere altgediente Medienschaffende, nach der Pensionierung offensichtlich ihre wirkliche journalistische Freiheit gefunden haben und keine Kompromisse mehr eingehen müssen.
    Ja, ein Medienbetrieb in der Schweiz wird von den Leitungen mit recht lockeren Zügeln geführt. Kritisiert werden darf viel und Kontroversen sind erwünscht. Sie führen nicht zuletzt zur Steigerung der Attraktivität. Doch ist nicht mehr als logisch, die Anstellung bei einem Massenmedium hängt davon ab ob der Arbeitssuchende ins politische Konzept passt oder nicht und sobald jemand zu sehr gegen die Geschäftsinteressen schreibt, ist fertig Lustig. Auf diese Weise ist immer garantiert, dass – unter dem Strich – in der öffentlichen Meinung, wir und unser Bündnis, als die Guten, die anderen und deren Bündnis als die Bösen bewertet bleiben. Und das ist die Basis bürgerlich-liberaler Politik welche die Macht der Konzerne bewahrt.

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  • am 16.01.2022 um 09:48 Uhr
    Permalink

    Hr. Müller nimmt Blick, Marc Walder, in Schutz. Und zeigt damit, auf welcher Seite er steht.

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  • am 17.01.2022 um 19:49 Uhr
    Permalink

    Wenn unsere Regierung unabhängig wäre, keiner Industrie, keinem Konzern durch Interessenbindungen verpflichtet. Wenn unsere Politik und die Wirtschaft zwei getrennte Gewalten wären, wenn der Lobbyismus nicht mitregieren würde, wenn ausländische Interessen nicht über die Grundlagen der Demokratie der Schweiz gestellt würden, ja dann hätte ich nichts gegen eine Finanzierung von Medien durch den Staat. Solange aber Regierende Verwaltunsratsmandate inne haben und mit wirtschaftlichen Interessen profitierend indoktriniert sind, inklusive Vetternwirtschaft, dann kann ich nicht guten Gewissens Ja sagen zu einer staatlichen Medienförderung. In den letzten zwei Jahren hat unsere Regierung bewiesen, das sie schon lange nicht mehr unabhängig ist. Grosskonzerne haben das sagen, in vielen Bereichen. Nun wird unsere Regierung die Geister welche sie rief, nicht mehr los. Geschwärzte Vakzinverträge, Geheimhaltungsklauseln mit Konsequenzandrohungen von was? Von Gewalt? Welcher Gewalt? Warum schrillen da nicht die Alarmglocken? Wenn der Wähler schon gar nichts mehr tun kann, da nahezu alles abgewürgt wird, ja dann kann er immer noch ganz gehörig da und dort denjenigen in die Suppe spuken, welche ihn enttäuscht haben. Einer fremdbestimmten Schweizer Regierung finanziert man nicht noch mediale Sprachrohre. Ich hätte nie gedacht, das ich eines Tages solche Worte schreiben muss.

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