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Versucht rauszufinden, wieviele Menschen Twitter nutzen: Elon Musk an einer Pressekonferenz 2018. © cc-by-sa-4 Daniel Oberhaus

Elon Musk beendet 44-Milliarden-Kauf von Twitter

Red. /  Twitter schaffe keine Transparenz über den Anteil an Spam-Konten. Infosperber informierte, dass der Deal noch nicht endgültig war.

Vor knapp drei Monaten unterzeichnete Elon Musk, der reichste Mann der Welt, eine Vereinbarung, um für 44-Milliarden DollarTwitter zu kaufen. Er verkündete, dass das Unternehmen ein «enormes Potenzial» habe. Auf eine Due-Diligence-Prüfung verzichtete Musk angeblich, um das Geschäft schnell abzuschliessen. Am 8. Juli nun erklärte Musk, dass er den Vertrag mit Twitter wegen einer anhaltenden Meinungsverschiedenheit über die Zahl der Spam-Konten auf der Plattform kündige. Twitter habe keine Belege vorlegen können, die beweisen würden, dass die Zahl der unbrauchbaren Spam-Konten weniger als 5 Prozent betrage – wie von Twitter behauptet. «Twitter verstösst in grober Weise gegen mehrere Bestimmungen» des Vertrags, so Musks Anwälte in der Klageschrift. Das Unternehmen habe «falsche und irreführende Angaben» gemacht.

Für «NZZ» und «Tages-Anzeiger» hatte Elon Musk Twitter bereits übernommen

Infosperber-Redaktor Pascal Sigg schrieb am 11. Juni auf Infosperber: «Vor einem Monat kommentierten Schweizer Medien lautstark Elon Musks angebliche Twitter-Übernahme. Doch noch gibt es keinen Deal.»

Einige Medien informierten etwas vorschnell.

Am Sonntag, 1. Mai, wusste die «NZZ am Sonntag» ganz genau, dass Elon Musk Twitter übernommen hatte. Chefredaktor Jonas Projer schrieb ein ganzes Editorial darüber, was er von der Übernahme hielt. Und in einem als Hintergrundinterview gelabelten Artikel fand ein Publizist richtig, «dass auf Twitter bald wieder alles gesagt werden darf» und gefährlich, «dass Musk die Plattform im Alleingang übernommen hat.» Im Wirtschaftsteil: Nochmals ein Artikel zu Musk vor dem Hintergrund der Twitter-Übernahme.

Der «Tages-Anzeiger» hatte bereits eine Woche zuvor getitelt: «Elon Musk kauft Twitter für 44 Milliarden». Dies sei «nach einem Wochenende mit langen Verhandlungsnächten tatsächlich Wirklichkeit geworden.» Und in einem Kommentar wurde der Leserschaft erklärt: «Warum Elon Musk für Twitter ein Glücksfall ist».

Infosperber meldete bereits am 11. Juni, dass Musk zuerst genau wissen möchte, wie viele Twitter-Accounts Fake sind. Musk hat öffentlich wiederholt gesagt, er traue Twitters Selbstdeklaration nicht, dass bloss etwa 5 Prozent der Accounts Bots seien, die programmiert tweeten, retweeten oder liken. Sollten es mehr sein, würde dies bedeuten, dass weit weniger Menschen die Plattform nutzen, als bisher aufgrund der Anzahl Accounts angenommen wurde. Und dies wiederum hätte entscheidende Folgen für den Wert des Unternehmens. Anfang Juni schrieben seine Anwälte in einem offenen Brief, dass Musk der Ansicht sei, Twitter liefere ihm nicht die benötigten Informationen, um selbst überprüfen zu können, wie hoch der Anteil der Fake-Accounts effektiv ist.

Zwei Tage später sagte Twitter, man würde Musk Zugang zu den benötigten Rohdaten geben. Und eine Studie schätzte die Zahl der Fake-Accounts auf Twitter auf mindestens 10%.

Wissenschaftler haben jedoch bereits gesagt, es sei fast unmöglich, die Aktivitäten von Bots auf Twitter genau zu messen. Und etwas allgemeiner haben Online-Marketing-Analysten wie Augustine Fou wiederholt auf ihre fortgeschrittene Entwicklung und ihr betrügerisches Potenzial hingewiesen.

Sicher ist: Welche Informationen Twitter freigibt und was Musk damit allenfalls macht, ist höchst relevant für die gesamte Online-Werbebranche weltweit. So lassen bisher weder Facebook noch Google ihre Nutzerzahlen, die gleichwohl zentral sind für die Bewertung ihres Werbegeschäfts, von unabhängiger Stelle überprüfen. 

Derartige Fragen wären auch relevant für Schweizer Medien und ihre Leserschaft. Denn der Umgang mit den US-Tech-Konzernen und ihrem Traffic wird hierzulande über das Leistungsschutzrecht (Infosperber berichtete) bald auch politisch breiter diskutiert werden.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

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Wenn Milliarden-Unternehmen und Milliardäre Nationalstaaten aushebeln und demokratische Rechte zur Makulatur machen.

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Eine Meinung zu

  • am 11.07.2022 um 06:19 Uhr
    Permalink

    Wenn jemand so schnell so reich wird wie Musk, da läuten bei mir alle Alarmglocken!
    Was immer dieser Mensch anpackt, ist kaum was Altruistisches.
    Ich denke an den Bau der Fabrik in der Nähe von Berlin – ein eindrückliches Beispiel aus unserer Nähe.
    In diesem Fall gibt es für mich nur eines, Hände weg von Twitter, die Suche nach anderen Kanälen oder sogar den Rückzug in eine überschaubare, lebenswerte Welt.
    Das ist keine Resignation, sondern Umsetzung der eigenen Skepsis.

    0

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