«Die Zeit» empfiehlt Geschichtsvergessenheit …

Christian Müller /  Warum sollen deutsche Intellektuelle noch an den Zweiten Weltkrieg denken. Den Kopf freihalten für neuen Russlandhass ist angesagt.

«Die Zeit», vor einigen Jahrzehnten international als «beste deutsche Zeitung» geehrt, ist nicht mehr, was sie einmal war. Die deutsche Wochenzeitung aus Hamburg leidet spätestens seit Josef Joffe als Herausgeber firmiert, unter sichtbarer Sympathie für eine erneute Militarisierung Deutschlands. Infosperber hat im März 2020 darüber berichtet.

Soll man also einfach wegschauen? Nein, heute muss man gelegentlich wieder reinschauen, sind die geopolitischen Spannungen zurzeit doch gefährlicher als je seit dem Kalten Krieg. Und «Die Zeit» ist in Deutschland immerhin eine Publikation, die zur politischen Meinungsbildung einiges beiträgt.

Seit ein paar Tagen nun kann man auf «Zeit online» einen Kommentar lesen, der dem Historiker die Sprache verschlägt. Alan Posener, eine politisch auffällig schillernde Figur, war er doch als junger Mann auch schon mal Mitglied kommunistischer und maoistischer Organisationen, bringt darin all seinen Hass gegen Russland zum Ausdruck. Das ist zwar wenig überraschend, versuchen sich doch die deutschen Medien in puncto Russophobie seit einiger Zeit gegenseitig zu übertrumpfen. Der letzte Abschnitt seines Pamphlets allerdings könnte in die Geschichte eingehen:

«Darüber hinaus muss sich gerade die kulturelle Linke von der Vorstellung lösen, der Frieden mit Russland um beinahe jeden Preis sei wegen des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion 1941 eine moralische Pflicht. Zu den Hauptopfern des deutschen Vernichtungskriegs im Osten gehörten neben Polen und Balten vor allem die schon von Stalin geschundenen Ukrainer. Es müsste daher zur deutschen Staatsräson gehören, die Demokratie in diesem neuen Staat genauso wie in Polen und den baltischen Staaten zu fördern, ihm Sicherheit in der NATO zu geben und einen Weg zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union zu weisen. Das schallende deutsche Schweigen hierzu übertönt fast die laute russische Propaganda.»

Auf die Quintessenz reduziert, heisst das: Dass Deutschland unter Hitler die damalige Sowjetunion angegriffen hat, darf – oder soll jetzt endlich – vergessen werden! Was sind schon über 25 Millionen Kriegsopfer, mehr als die Hälfte davon Zivilisten – ein Grossteil davon die Grossväter und Grossmütter der heute lebenden Russen! (Deutschland selber hatte nicht ganz acht Millionen Kriegsopfer zu verzeichnen, davon etwa zwei Millionen Zivilisten.) Die deutschen Köpfe und Herzen sollen endlich wieder frei sein, die Russen erneut zu verachten, wie es damals Hitler in seinem Buch «Mein Kampf» empfohlen hatte. Da sind Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg doch nur hinderlich …

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PS: Wenn Posener in seinem Pamphlet schon von der Ukraine schwärmt, die möglichst bald in die EU aufgenommen werden sollte, dann sollte er als Sohn eines jüdischen Vaters vielleicht auch nicht ganz vergessen, dass die Ukrainer – im Gespann mit der deutschen SS – in den 1940er Jahren so um die 1,5 Millionen Juden ermordet haben – allein in Babyn Jar bei Kiev in nur zwei Tagen 34’000 – nachzulesen zum Beispiel auch in der «Welt», für die er, Posener, ja auch schreibt. Oder er kann in der Osteuropa Zeitschrift nachlesen, wie die Ukraine um die eigene Geschichte während des Zweiten Weltkrieges bis heute einen grossen Bogen macht. Oder er kann, falls er Ukrainisch versteht, in der Medienmitteilung des Stadtrates der Stadt Ternobil in der Nordwest-Ukraine nachlesen, warum die Stadt jetzt, im März 2021 (!), ihr 15’000-Plätze-Fussballstadion auf Schuchewytsch-Stadion umgetauft hat. Roman Schuchewytsch war einer der Kommandeure des deutschen «Bataillons Nachtigall».


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Zum Autor Christian Müller deutsch und englisch.

Zum Infosperber-Dossier:

Kalter_Krieg

Der Kalte Krieg bricht wieder aus

Die Grossmächte setzen bei ihrer Machtpolitik vermehrt wieder aufs Militär und gegenseitige Verleumdungen.

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33 Meinungen

  • am 11.05.2021 um 11:29 Uhr
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    Gerne stellen sich Bildungsdeutsche in den Medien und deren Kommentarforen als wehrlose Opfer der USA dar, die quasi gezwungen sind, an deren Kriege, Sanktionen teilzunehmen. Allseits schweigen sie sich über Deutschlands Aufrüstung, Säbelrasseln, und Supermachtbestrebungen aus. Ganz so, als ob es keinen 1. und 2. Weltkrieg und kein nationalsozialistisches Terrorregime gegeben hätte.

    Anders ihre Verteidigungsministerin, die ganz unverhohlen Klartext spricht:
    „Eines vorweg, es geht um unsere eigene Sicherheit und um unser eigenes Interesse. Es ging doch nie darum, den USA einen Gefallen zu tun. Wir müssen für unsere eigene Sicherheit sorgen“

    Ganz unmissverständlich auch die GRÜNE Annalen Baerbock «Damit Gewehr schiessen» deren Forderung zur weiteren Aufstockung des Militärhaushalts der deutsche Bundestag gerne nachkommt.

    Damit nicht genug hat Frau Kramp-Karrenbauer anfangs April 2021 eine weitere Erhöhung der «Verteidigungsausgaben» und eine massive Aufrüstung der Bundeswehr in den nächsten Jahren angekündigt.

    Dieses intensivierte Aufrüsten, Kriege führen, Morden, Sanktionieren (Aushungern von Bevölkerungen und verweigern lebensnotwendiger med. Produkte) durch Deutschland, die EU, werden von der «neutralen» schweizerischen und übrigen westeuropäischen Regierungen, deren empathielosen (A. Gruen) Bildungsgesellschaft, ganz offensichtlich gutgeheissen und mitgetragen, statt dass es als eine Bedrohung, die sich nur allzu leicht gegen sie selbst wenden kann, wahrgenommen wird.

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  • am 11.05.2021 um 11:42 Uhr
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    Sehr gut geschrieben Herr Müller! Dieser gegenseitige Hass in Europa wie er wieder mal im Gange ist bringt uns nicht weiter! Wir müssen endlich frieden schliessen anstatt neue Feindbilder zu suchen! Eine Abkehr von Amerika wäre hier wünschenswert!

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  • am 11.05.2021 um 12:32 Uhr
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    Die deutschen Leitmedien oder «Qualitätsmedien», wie sie sich selber gerne nennen, haben in atemberaubender Geschwindigkeit abgebaut und sind zu willigen Sprachrohren der Mächtigen in Politik und Wirtschaft verkommen. Eben auch «Die Zeit», aber nicht nur, auch «Spiegel», «Süddeutsche» und all die anderen. Die Süddeutsche hetzt gegen kritische Journalisten, fordert Zensur, der Spiegel hetzt gegen Virologen, die etwas anderes als Drosten sagen usw. Daneben noch die Gleichschaltung der TV-Medien, allen voran ZDF und ARD. Unabhängiger, freier Journalismus ist in Deutschland offensichtlich schon tot. Aber ist es hierzulande viel besser ? Ich glaube nicht.

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  • am 11.05.2021 um 12:59 Uhr
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    «Pax optima rerum» -und- «Mundus vult decipi, ergo decipiatum», DIES wurde uns -noch gegen 1955 und als «NICHT-Lateiner» auf einem deutschen Gymnasium als wesentlichste lateinische Lehrsätze beigebracht !
    1. Also, «Friede ist das Beste aller Dinge»
    und 2. : «Die Welt will betrogen werden, also betrüge sie !»
    Ich habe BEIDE «Lehren» nie vergessen, aber 2. nie beherzigt.

    «Im Zusammenhang mit meinem Vaterlland, Deutschland, stelle ich -so traurig wie entsetzt- fest, dass in den Folge-Jahrzehnten nach DEM Krieg sich fast Alle die Lehre 1 sehr, sehr zu Herzen genommen hatten — «Nie wieder Krieg»— der grausamste Schrecken
    des 2. Weltkriegs wirkte sehr lange nach.

    Aber dann gings mit Zustimmung der grünlichen in den Jugoslawien-Krieg –
    und der OberstGrüne, Joschka Fischer, predigte gar, Deutschlands Freiheit müsse mit WaffenGewalt am Hindukusch, in Afghanistan, verteidigt werden.

    Die Ära der Lehre 2 – Betrügen auf Teufel komm raus – hatte begonnen
    und Lehre 1 – Friede als Haupt-Mission- war vergessen.

    Ich fürchte, zu wissen, wo DIESER Weg enden wird,
    mag NICHT (durch Schweigen) Schuld daran sein –
    und bin froh, da mittlerweile über 80, bereits vorher «mal einfach weg zu sein» zu dürfen.

    UND bin sehr traurig darüber, welches «Erbe» wir unseren Nach-kommenden wohl bescheren werden !

    Wolf Gerlach, Ingenieur

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  • am 11.05.2021 um 15:38 Uhr
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    Herzlichen Dank, Herr Müller, solche Artikel werden immer wichtiger, je weiter Geschichtsvergessenheit um sich greift. Ich habe die „ZEIT“ schon 2003 abbestellt, nachdem sie immer unverhohlener ins Kriegshorn gegen den Irak blies. Der Spiegel schrieb zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee, das KZ sei von der amerikanischen Armee befreit worden. Das Umschreiben der Geschichte nimmt Orwell´sche Ausmaße an, wenn faktenwidrig darüber abgestimmt wird wie z.B. im EU-Parlament 2019. Auch das Entfernen von Denkmälern gehört dazu. Es kann nur Absicht gegen die Erinnerung dahinterstecken, wenn 1994 die Brücke in Torgau gesprengt wurde, auf der sich Amerikaner und Russen am 25. April 1945 die Hand zur Feier des bevorstehenden Sieges gegeben hatten. Für die Nazis waren Russen „Untermenschen“, die sie kalt und mit äußerster Härte wie „Tiere“ behandelten, dennoch bin ich bei Russen noch nie auf Hass gegen „die Deutschen» gestoßen. Sie verteidigten ihr Land gegen Faschisten, nicht gegen eine andere Nation oder gar Rasse. Doch sie fragen sich, warum wir Deutschen Mitleid mit den Juden haben, aber nicht mit Russland, das mit 27 Millionen Toten bei weitem das höchste Leid erfahren musste. In Brest findet man auf einer Mauer eine Inschrift: „Ich sterbe, aber ich gebe nicht auf.“ Nichts erklärt besser, wie es Russland gelingen konnte, NS-Deutschland zu besiegen. Vor der „Wiedervereinigung“ war der 8. Mai in der DDR ein Feiertag: „Tag der Befreiung“.

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  • am 11.05.2021 um 17:50 Uhr
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    Es ist ja erschreckend. Ein deutscher Freund von mir, der den grössten Teil seines Lebens in der DDR zugebracht hat, schreibt dazu: Bei uns ist der sichtbare Schwindel mit der USA vielleicht noch schlimmer, als bei Euch. Hinzu kommt die Lüge einer russischen Gefahr. Ein Feindbild ist Russland, trotzdem eine große Mehrheit der Bevölkerung es nicht so sieht.
    Da kann man nur hoffen: Völker, höret die Signale!

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  • am 11.05.2021 um 18:29 Uhr
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    Festzustellen, wer da den Faschismus ins besondere ehrt und bewundert, ist kaum noch möglich. Das geht von ganz klaren NAZIS, über CDU/CSU bis insbesondere zur Partei «Die Grünen» Was qird aus Grünzeug, wenn es verfault? Könnte es sein, dass es dann BRAUN wird. Bei vielen Besuchen von Vertretern der Grünen in der Ukraine ist deren besonders enges und liebevolles Verhöltnis zu klaren faschistischen Strukturen und Gebaren unverkennbar. Kann ja sein, dass viele nur ihren Namen tanzen gelernt habenund aus der deutschen Geschichte nicht viel hängen geblieben ist. Von der Kreaturen Stepan Bandera, dessen Verbrechen in der heutigen Ukraine niemand kennt, dem aber Denkmäler gesetzt werden, zeigen eine ganz klare Haltung FÜR die Verbrechen der deutschen Faschisten in Verbindung mit ebenolchen Verbrechern in vielen Ländern . das auch von den Braun-Grünen.

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  • am 11.05.2021 um 21:05 Uhr
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    Um die Massen manipulierbar zu machen, muss man sie von ihrer Geschichte entfremden oder verdrehte Schlüsse aus dieser Geschichte ziehen und verbreiten. «Es müsste daher zur deutschen Staatsräson gehören, die Demokratie in diesem neuen Staat genauso wie in Polen und den baltischen Staaten zu fördern….» – Unter «Förderung der Demokratie» kann man vieles verstehen, darunter auch aktive Beteiligung an Umsturzversuchen und «Regime-Changes». – Ob Deutschland derzeit nichts besseres zu tun hat als sich in fremde Angelegenheiten zu mischen und Unruhe zu stiften, muss jeder für sich beantworten. Eine tadellose Regierung im eigenen Land ist das beste Vorbild.

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  • am 11.05.2021 um 23:23 Uhr
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    Es ist dringend notwendig, dem Hass gegen Russland in den westlichen Medien entgegenzutreten. Warum aber bleibt Christian Müller dabei, dieses edle Ziel dadurch zu unterstützen, dass er Hass gegen die Ukrainer schürt? Warum kann man nicht gleichzeitig erschüttert sein von der Tragik, dass in der Ukraine ehemalige Faschisten zu Ehren kommen und in Russland der Verantwortliche für millionenfachen Mord, Stalin, wieder zu Ehren kommt? Warum finden unsachgemässe Feindbilder bei Infosperber ihren sicheren Platz, genau wie in der «Zeit», einfach entgegengesetzte? Was ist das für ein Konzept der Friedensstiftung? Warum muss hier mit dem Betrug durch die pseudowissenschaftliche ethnische Unterscheidung von Ukrainern und Russen der Leser beeinflusst werden, die nicht der Lebenswirklichkeit entspricht? Selbstverständlich sind auch die Grosseltern der heutigen Ukrainer genauso wie der heutigen Russen Opfer der deutschen Aggression geworden. Überdurchschnittlich viele Zwangsarbeiter in Deutschland stammten aus der Ukraine. Dass «die Ukrainer – im Gespann mit der SS» 34000 Juden in Babyn Jar und 1,5 Mio im Verlauf des Krieges umgebracht haben, ist eine ungeheuerlich Falschdarstellung und Verleumdung, eine unerträgliche Beschönigung der deutschen Täterschaft. Es war unbestritten die Wehrmacht, die SS und SD – unter Mithilfe ukrainischer Milizen (und nicht «der Ukrainer»!) – welche die Verantwortung für den Massenmord tragen. Ich erwarte eine Richtigstellung.

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    • am 12.05.2021 um 00:03 Uhr
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      @ Peter Lüthi: Ihr Kommentar kommt nicht überraschend. Nur: Dass nur die deutschen Soldaten an der Judenverfolgung beteiligt waren, ist ein Ammenmärchen, das sich historisch nicht aufrechterhalten lässt. Es ist nachgerade peinlich, wie Polen, die Ukraine oder Ungarn versuchen, sich hinterher historisch weisszuwaschen. Gerade auch im Nordwesten der Ukraine haben sich die zivilen – einheimischen – Leute sehr wohl an den Judenverfolgungen beteiligt. In den nächsten Tagen wird auf Infosperber ein Beitrag von einer US-amerikanischen Historikerin erscheinen, deren eigene Grossmutter den Holocaust in Galizien als einzige der Familie überlebt hat. – Es geht nicht um Hass gegen die Ukraine, ich habe gute Freunde in der Ukraine. Es geht darum, dass die westlichen, meistens NATO-nahen grossen Medien total einseitig über die Beziehung zwischen der Ukraine und Russland berichten: Ukraine gut, Russland schlecht. DAS ist das Thema. – Gerade heute wieder habe ich ein Mail einer in Deutschland lebenden Ukrainerin erhalten, in dem sie mir für meine publizistische Arbeit dankt. Das Ende des Mails lautet: «Ich danke Ihnen aus den Tiefen des Herzens für Ihre unermüdliche Arbeit, Ihre Klarheit, Mut und Ihre ethischen Werte!! Möge es mehr Menschen wie Sie im Westen geben! Beschütze Sie Gott!» Mit Gruss, Christian Müller

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  • am 12.05.2021 um 03:05 Uhr
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    Guten Abend Herr Müller,
    vielen Dank für Ihre klare Stellungnahme in Sachen «Zeit». Ihren Worten ist nichts hinzuzufügen.

    @ Peter Lüthi
    «Warum aber bleibt Christian Müller dabei, dieses edle Ziel dadurch zu unterstützen, dass er Hass gegen die Ukrainer schürt?»
    Würden Sie das bitte belegen? Ich fand nichts dergleichen.

    «… und in Russland der Verantwortliche für millionenfachen Mord, Stalin, wieder zu Ehren kommt?»
    Auch hier kann ich Ihnen nicht folgen: Nennen Sie bitte Belege, dass Stalin in Russland «wieder zu Ehren kommt». Und bitte nicht aus «Zeit», «Spiegel» und Co, sondern anhand von Originalquellen.

    «Dass „die Ukrainer – im Gespann mit der SS“ 34000 Juden in Babyn Jar und 1,5 Mio im Verlauf des Krieges umgebracht haben, ist eine ungeheuerlich Falschdarstellung und Verleumdung, eine unerträgliche Beschönigung der deutschen Täterschaft»
    Gut, «die Ukrainer» ist nicht korrekt. Doch es ist schon erstaunlich, was Sie daraus machen. Herr Müller hat mit Sicherheit nicht alle Ukrainer gemeint. Und angesichts des Schmierenartikels in der Zeit kann zumindest ich Herrn Müller eine gewisse Emotionalität durchaus nachsehen. Denn eine Mitgliedschaft in der NATO wie von Posener gefordert wird die Ukraine wohl endgültig innerlich zerreissen – abgesehen von anderen wohl unausweichlichen tragischen Folgen – ebenso wie eine EU-Mitgliedschaft der EU den Rest geben würde.

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  • am 12.05.2021 um 08:18 Uhr
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    Der Begriff «Russlandhass» ist offenbar gesetzt. Er bezieht sich selbst bei jenen, die ihn in die Welt setzten, eigentlich nicht auf das Land sondern auf die Aktivitäten der aktuellen Regierung, respektive die Kritik an ihnen und auf die Reaktionen, die sie auslösen. Der zitierte Passus wird nach meiner Ansicht doch recht mutwillig interpretiert. Der Autor vertritt in seiner Kritik vor allem die Meinung, dass die Russische Regierung auch jenseits der Landesgrenzen ewigen Anspruch auf eine garantierte Einflusssphäre hat, in der sich der Böse Westen in keinem Fall und in keiner Art und Weise einmischen darf, egal was dort geschieht, ob Völker- oder Menschenrecht, ob internationale oder zwischenstaatliche Verträge gebrochen werden. Wer diese imperialistische Einflusssphäre infrage stellt und für Sicherheit und Abwehrmassnahmen einsteht, ist automatisch Russlandhasser*in.

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  • am 12.05.2021 um 21:18 Uhr
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    Lieber Herr Müller, liebe Frau Zittlau,
    ich weiss gut Bescheid über die Mitwirkung von Polen, Ungaren, Rumänen und Ukrainern bei der Vernichtung der Juden und habe die Beteilung der letzteren ausdrücklich anerkannt in meinem Beitrag. Aber kein kompetenter Historiker würde Ihre Formulierung akzeptieren, dass die Ukrainer – unter Mithilfe der SS – den Holocaust auf dem Boden der Ukraine durchführten, z. B. in Babyn Jar. Ebenso unhaltbar ist die ethnische Unterscheidbarkeit DER Ukrainer als Täter und DER Russen als Opfer. Im grauenhaften Leid, das Menschen 1914 – 1946 in diesem Raum durch 1.Weltkrieg, Bürgerkrieg, Stalins Terror und deutsche Wehrmacht bzw. SS/SD erfahren haben, waren Millionen von «Russen» Täter und Millionen waren Opfer, Millionen von «Ukrainern» waren Täter und Millionen waren Opfer – viele beides. Was ist das Motiv, dieses Leid zu instrumentalisieren und darin der russischen bzw. ukrainischen Propaganda zu folgen, wenn nicht Hass? Die Bevölkerung der Sowjetunion wurde in diesem Zeitraum so gewaltsam durcheinandergeschüttelt, dass nur unverbesserliche Nationalisten angeblichen Ethnien geschichtliche Schuld zuteilen wollen. Qualitätsjournalismus informiert präzise und differenziert und begnügt sich nicht mit der Verbreitung von Halbwahrheiten in einer dramatisch aufgeladenen Situation. Die Verehrung Stalins wird auf Geheiss der Regierung in den Schulbüchern durchgesetzt. Sie gehört zum Selbstverständnis des Putin’schen Patriotismus. Ich bin auch Augenzeuge.

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    • am 12.05.2021 um 23:44 Uhr
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      Sehr geehrter Herr Lüthi, wenn ich von DEN Ukrainern rede, dann behaupte ich natürlich nicht, dass es ALLE Ukrainer waren, die sich an den Judenverfolgungen beteiligt haben. In allen Ländern gab es Menschen, die sogar unter hohem Risiko geholfen haben, Juden zu verstecken, auch in Polen und auch in der Ukraine. Aber die jetzige politische Führung der Ukraine versucht nicht nur, die Mithilfe der Ukrainer bei der Judenverfolgung hinunterzuspielen, sie hilft sogar mit, klare Nazi-Kollaborateure nachträglich zu verherrlichen. Damit wird die Geschichte dramatisch verzerrt. Es ist endlich an der Zeit, dass auch die Ukraine die eigene Geschichte aufarbeitet. Ihren Vorwurf, sehr geehrter Herr Lüthi, ich wolle Hass erzeugen, muss ich deshalb klar zurückweisen. Das Gegenteil ist richtig. Ich versuche, den in Europa von den USA und von der NATO gestützten Hass auf Russland abzubauen. Hätten die USA und die NATO nicht nur den osteuropäischen Staaten von Polen bis Rumänien den roten Teppich ausgerollt, sondern auch Russland, dann wäre Russland heute ein ganz normales europäisches Land. Die USA, die eine pathologische Angst vor dem Kommunismus haben (siehe z.B. ihre Politik in Lateinamerika), die NATO und die Rüstungsindustrie, die zur Selbstlegitimierung einen Feind brauchen, haben Russland in die Rolle eines Feindes hineingeschoben. Lesen Sie doch wiedermal Putins Rede an der Münchner Sicherheitskonferenz 2007. Er hat damals viele vernünftige Vorschläge gemacht, aber er hat sich erlaubt zu sagen, dass er eine UNIPOLAR regierte Welt, also eine allein von den USA gesteuerte Welt, nicht zu akzeptieren bereit ist. Ich hätte damals geklatscht, aber die Herren Josef Joffe & Co. haben gegrinst. Lesen Sie die deutschen Zeitungen, wie das kommentiert worden ist. Oder in Kürze: Ich fördere keinen Hass auf die Ukraine, aber ich kämpfe gegen das verlogene Bild: Die Ukraine ist gut, Russland ist schlecht. Würde die Ukraine zum Beispiel endlich Minsk II einhalten, gäbe es die gegenwärtigen extremen geopolitischen Spannungen nicht. Aber der Westen bittet die Ukraine nicht, Minsk II einzuhalten, der Westen schickt lieber Waffen in die Ukraine. Das ist die Realität.

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  • am 13.05.2021 um 00:26 Uhr
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    Lieber Herr Lüthi,
    ich freue mich über unseren Austausch. Schade, dass wir so weit entfernt wohnen, ein persönliches Gespräch würde mir gefallen.
    Ja, Sie haben recht: DIE Ukrainer ist nicht korrekt und angemessen. Doch das sagte ich bereits. Dabei spreche ich insbesondere für mich.
    Ich bin auch bei Ihnen, was die Bewertung der Ereignisse 1918 – 1946 betrifft: in der UdSSR waren die slawischen Nationalitäten kaum unterscheidbar. Doch wenn ein Klitschko am 28.04.21 die SS-Division «Galizien» öffentlich ehrt – eine Kriegsverbrecherorganisation – der Westen die Ukraine als NATO-Bollwerk aufbaut, da sind Fragen sehr wohl angebracht.
    Aber: Herr Müller hat keineswegs das Leid von irgendjemandem bagatellisiert oder instrumentalisiert, mit keinem Wort, nach meiner bescheidenen Auffassung. Er schrieb allerdings eine Replik auf einen nach meiner Auffassung sehr schlimmen Artikel. Darin sind wir uns, so denke ich Herr Lüthi, sicher einig.
    Wissen Sie, mir ist nicht bekannt, dass Stalin in RU in Schulbüchern verehrt wird. Wenn dem so wäre, so müsste sich das auch in der öffentlichen Rethorik niederschlagen. Und dem ist nicht so, ich spreche fließend Russisch. Ja, es gibt einen Patriotismus. Und angesichts der Geschichte und gerade der 90-er Jahre kann ich das nachempfinden.
    Ich sehe in meinem Land – D – wohin es führt, wenn es keinen mehr gibt, wenn selbst Volkslieder praktisch bekämpft werden.
    Ich freue mich auf weiteren Austausch mit Ihnen!

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  • am 13.05.2021 um 09:07 Uhr
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    @ Manuel Pestalozzi
    Wenn vor Ihrer Haustüre Jemand mit Waffen herumgewedelt wird werden auch Sie kaum zuschauen und abwarten was passieren wird! Die USA sind überall auf der Welt am Provozieren! Der Aggressor heisst in diesem Spiel nicht Russland sondern Amerika!

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  • am 13.05.2021 um 11:46 Uhr
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    Die multiethnische Sowjetunion ist eine Gründung des Georgiers Stalin, unter den vielen Völkern, die dort seit Jahrhunderten zusammen leben, erfuhren Russen als bevölkerungsreichste Gruppe wohl das höchste Leid. Vor allem Stalins kommunistische Weggefährten fielen seiner Verschwörungsparanoia zum Opfer. Es gibt viele, die behaupten, Stalin hätte die Bevölkerung bei der Blockade Leningrads kapitulieren lassen sollen, statt sie hilflos dem Leid auszusetzen. Hitler aber hatte gegenüber Militärs geäußert, die Bevölkerung und ihre Stadt interessiere ihn nicht, sie solle dem Erdboden gleichgemacht werden. Man weiß, wie russische Kriegsgefangene behandelt wurden. Der enorme Durchhaltewillen der Leningrader hat nicht nur die Stadt an der Neva erhalten, sondern auch Hitlers Niederlage in Stalingrad ermöglicht, da Militär in Leningrad gebunden blieb. Auch die Toten von Stalingrad sind vorwiegend Russen aus der multiethnischen Roten Armee, insgesamt mehr als doppelt so viele wie Deutsche. Selbst hier gibt es Vorwürfe an Stalin, wo doch jedem klar sein muss, wie entscheidend beide Städte für die Befreiung Europas dann war. Heuchlerisch werden die Millionen Tote übergangen, die die USA und NATO im Namen von Menschenrechten durch Kriege gegen unfügsame Staatsführungen auf dem Gewissen haben. Im Westen Deutschlands kam es mit der „Stunde Null“ statt „Befreiung“ zu Schuldvergessenheit, Stalin und die Sowjetunion wurden propagandistisch dämonisiert und schließlich Hitler gleichgestellt.

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  • am 13.05.2021 um 12:29 Uhr
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    Die NATO verbündet sich mit jenen, die einst Verbündete der Nazis waren, wie die Anhänger Banderas in der Ukraine. Die Nazis haben jene ukrainischen Truppen gedrillt, die dann als «Bataillon Nachtigall» mit der Wehrmacht in die Ukraine eindrangen und sich vor allem mit Massakern an ihren jüdischen Nachbarn hervortaten.
    Die heutige Ukraine, die so gerne in die NATO aufgenommen werden will, hat Bandera zum Nationalhelden erklärt und verherrlicht den Kriegsverbrecher Schuschkewitsch, der das Bataillon Nachtigall kommandierte.
    Der Krieg, wird bei uns erzählt, würde von Moskau betrieben. Dabei war es die illegal an die Macht gekommene Regierung in der Ukraine, die begann, ihre eigenen Bürger zu beschießen. Jene, mit ihren Vorbildern Bandera und Schuschkewitsch, jene die nur allzu gern bereit sind, ein weiteres Abschlachten zu liefern.

    Ich möchte noch ein kleines Zitat bringen: «Heute stehen rund 160 russische Divisionen an unserer(!)Grenze. Seit Wochen finden dauernde Verletzungen dieser Grenze statt, nicht nur bei uns, sondern ebenso im hohen Norden. Russische Flieger machen es sich zum Vergnügen, unbekümmert diese Grenzen einfach zu übersehen, um uns wohl dadurch zu beweisen, dass sie sich als die Herren dieser Gebiete fühlen.»
    Russische Divisionen, die bedrohen, weil sie auf eigenem Gebiet stehen?
    Das Zitat tönt zwar so, ist aber nicht von heute. Es stammt aus der Rede, mit der Hitler am 22.Juni 1941 den Beginn des deutschen Überfalls im Radio bekannt gab.

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  • am 13.05.2021 um 21:41 Uhr
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    Lieber Herr Zittlau, fast alle hier Schreibenden, inklusive der Autor des Artikels, sehen eine Aufgabe darin, für Russland einzutreten und einer antirussischen Propaganda entgegenzutreten. Ich meine aber, dass man glaubwürdig für Russland nur dann eintreten kann, wenn man Russland nicht mit der Putinregierung gleichsetzt, sondern die gleiche kritische Distanz zur Verlogenheit russischer Staatspropaganda hält wie zur Verlogenheit westlicher Propaganda, dass man imperiale Ambitionen und Verstösse gegen Rechtsstaat und Medienfreiheit grundsätzlich missbilligt, wo auch immer sie vorkommen – auch unter Putin. Bei Infosperber vermeidet man jede kritische Distanz zu Putin und Lukaschenko, um «Russland» zu verteidigen.
    Die Restalinisierung der Erinnerung im Schulunterricht belegt u.a. Anna Becker «Mythos Stalin», 2016. Die schnell wachsende Popularität Stalins in der Bevölkerung dokumentiert das Levada-Zentrum am 16.4.2019, z. B. 46% hielten Stalins Verbrechen für begründet durch seine grossen Ziele. RIA Novosti berichtete 22.4./8.5.2021 über die Eröffnung eines Stalin-Zentrums in Nischny Novgorod. Hingegen wird alle Forschung und Erinnerung zu Stalins Repressionen zunehmend, auch gerichtlich behindert. Die letzte Gedenkstätte zu einem Straflager (Perm-36) wurde geschlossen, usw. Das Bild des grossen Patrioten und Führers zum Sieg soll nicht beschmutzt werden durch die riesigen Verbrechen, z.B. an Millionen von Bauern in der Ukraine.
    Ja, ein differenzierendes Gespräch wäre besser!

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  • am 14.05.2021 um 21:00 Uhr
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    Liebe Frau Küster-Sartori,
    Stalin muss nicht dämonisiert werden – seine Taten SIND von dämonischer Ungeheuerlichkeit.

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  • am 14.05.2021 um 21:11 Uhr
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    Lieber Herr Jud,
    das Bataillon Nachtigall bestand aus etwa 330 ukrainischen Soldaten, deren Vorgesetzter Roman Schuchewitsch war, der wiederum unter dem Kommando der Wehrmacht stand. Es wurde im März 1941 gegründet und im Juli 1941 nach Schlesien versetzt und dann aufgelöst. (F. Bruder «Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben», 2007, eine schonungslose Darstellung der OUN und ihrer Ideologie und Praxis). Millionen von Ukrainern dienten in der Roten Armee im Kampf auf Tod und Leben gegen die deutsche Wehrmacht oder wurden als Arbeitskräfte verschleppt. Um massiv auszuteilen mit Beurteilungen, müsste man etwas genauer Bescheid wissen.

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    • am 15.05.2021 um 00:26 Uhr
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      Sehr geehrter Herr Lüthi, wenn in der Ukraine nur gerade die deutsche SS und andere deutsche Nazis schuld an den Gräueltaten gegen die jüdische Bevölkerung waren, und keine Ukrainer, warum dann war die Waldorfschule in Deutschland die einzige Privatschule, die von den Nazis nicht geschlossen wurde? Sie als pensionierter Waldorfschullehrer könnten uns doch einmal erklären, warum ausgerechnet die Waldorfschule und die Nazis so eng liiert waren. Vielleicht wäre es auch auf Seite der Waldorfschulen an der Zeit, die eigene Geschichte aufzuarbeiten. Als Sohn eines Vaters, der für das Konzept der Gesamtschule der anthroposophischen Pädagogik einige Sympathie hatte, bin ich in dem Punkt nicht ganz unbedarft. Ihre Erklärungen interessieren mich. Mit Gruss, Christian Müller

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  • am 15.05.2021 um 09:55 Uhr
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    Lieber Herr Lüthi,
    Ich würde gern von Ihnen Konkretes dazu hören: „Es ist dringend notwendig, dem Hass gegen Russland in den westlichen Medien entgegenzutreten.“ Ihre Äußerungen zur „Putinregierung“ lesen sich für mich wie die papagaienhafte Wiederholung ungeprüfter Stereotypen, wie sie in westlichen Medien und von Politikern des Westens unisono zu hören sind. Von Distanz zur „Verlogenheit westlicher Propaganda“, Geschichtsschreibung, Forschung und Unterricht lese ich bei Ihnen nichts. Wenn die Bevölkerung Russlands heute ein anderes Bild von Stalin hat als zur Zeit des Kalten Krieges oder der Jelzinjahre hat, geht das darauf zurück, dass mehr zu Stalins Politik aus Archiven veröffentlicht ist. Bis zum Sieg der Roten Armee, waren bspw. Churchills Äußerungen über Stalin freundlich, auch noch in Jalta. Nach Roosevelts Tod am 12. April 1945 änderte sich mit Truman schlagartig das Bild, vom „Eisernen Vorhang“ war bereits am 12. Mai 1945 im Telegramm Churchills die Rede, was er in Fulton am 5. März 1946 wiederholte: „Von Stettin an der Ostsee bis hinunter nach Triest an der Adria ist ein «Eiserner Vorhang» über den Kontinent gezogen. Außer Belgrad gehören inzwischen alle Hauptstädte dieses Gebiets zur NATO. Um es kurz zu machen: Die Welt sähe heute völlig anders aus, wenn Deutschland auf Stalins Wiedervereinigungs – Angebot 1952 hätte eingehen dürfen, was für Österreich 1955 möglich war: Friedensvertrag, Souveränität und Abzug aller fremden Streitkräfte.

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  • am 15.05.2021 um 13:10 Uhr
    Permalink

    Herr Lüthi
    Herr Müller

    «warum dann war die Waldorfschule in Deutschland die einzige Privatschule, die von den Nazis nicht geschlossen wurde?»
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    Ganz offensichtlich gehört dies zu den Unmengen an Tabus unserer angeblich aufgeklärten Bildungsgesellschaft. Eine Gesellschaft von Experten auf fadenscheinige Rechtfertigungen und auf ‘Unter den Teppich kehren’.

    Ich erwarte, dass Sie darüber informieren. Dies vor allem Seitens Herrn Lüthy.

    Mit freundlichen Grüssen
    Beat Wick

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  • am 15.05.2021 um 23:12 Uhr
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    Ich freue mich über jeden Beitrag zur Völkerverständigung zwischen Deutschen und Russen. Immerhin hat Müller aber doch viel mit Joffe und Posener gemeinsam – vor allem die Neigung, das, was man nicht gut findet – sei es Russophilie oder Russophobie – auf «Nazi» zu reduzieren, anstelle sich inhaltlich auseinanderzusetzen. Und als Repräsentanten der Juden und Gegner der Nazis sind Joffe und Posener persönlich am Ende doch überzeugender als Müller.

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    • am 15.05.2021 um 23:35 Uhr
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      @ Rainer Möller – Mit Alan Posener habe ich nichts gemeinsam. Mit Josef Joffe habe ich gemeinsam, dass auch ich in meinem beruflichen Leben zweimal Chefredakteur und zweimal Boss eines Medienunternehmens mit mehreren Publikationen war (einmal in Tschechien und einmal in der Schweiz). Und ich «reduziere» eben gar nichts auf Nazis, sondern kritisiere, dass in Osteuropa hinterher alle nichts mit Antisemitismus und Juden-Verfolgung zu tun gehabt haben wollen. Ich bin immerhin promovierter Historiker und habe etliche Jahre meines Lebens in Geschichte investiert. Ihren Vorwurf, dass ich mich «inhaltlich» nicht mit der Materie auseinandersetze, weise ich deshalb zurück. Bitte liefern Sie Beispiele statt pauschale Anschuldigungen. Christian Müller

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  • am 16.05.2021 um 20:39 Uhr
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    Sehr geehrter Herr Müller, die Eskalation von Beschuldigungen könnte vielleicht durch den mutigen Versuch eines persönlichen Gespräch erlöst werden. Ich bin gerne dazu bereit. Zuhanden der Leser zwei Richtigstellungen: Ich habe nachprüfbar in meinen Kommentaren nie die Auffassung vertreten, dass nur deutsche Einheiten an der Vernichtung der Juden in der Ukraine beteiligt waren, sondern als offenkundig falsch Ihre Aussage bezeichnet, die Ukrainer hätten den Holocaust – unter Mithilfe der SS – selber durchgeführt. (Ich warte auf den renommierten Historiker, der Ihre Aussage stützt.) Warum den Fehler nicht zugeben und stattdessen auf ein völlig anderes Thema wechseln, um wiederum die Leser falsch zu informieren? 1. Das Verhalten der Waldorfschulen ist wissenschaftlich aufgearbeitet worden: Uwe Werner, Waldorfschulen im nationalsozialistischen Deutschland, 2017. 2. 1938 wurde die Hauptschule Stuttgart und 1941 die letzte Waldorfschule vom Regime geschlossen. Aus dem Gestapo-Gutachten 14.10.1935: «In der Lehre Dr. Steiners liegt eine ernste Gefahr für Volk und Staat. … Die Pädagogik Steiners steht in unvereinbarem Gegensatz zum NS-Gedankengut. Die Schulen verfolgen eine individualistisch ausgerichtete Erziehung, die nichts mit den NS-Erziehungsgrundsätzen zu tun hat.» Wozu, Herr Müller, die unlogische Ablenkung auf dieses Thema, und wieder den Leser irreführend? P.S. Aus einer Diskussion, in der unwidersprochen (!) die Ehre Stalins verteidigt wird, muss ich mich verabschieden.

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    • am 16.05.2021 um 22:14 Uhr
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      Sehr geehrter Herr Lüthi, wir werden uns wohl nie einig. Ich als Historiker und politischer Beobachter versuche Europa darauf aufmerksam zu machen, dass die Ukraine mit ihren Strassen- und Stadion-Umbenennungen auf die Namen von bekannten Nazi-Kollaborateuren und mit ihrer Einheitssprachen-Politik einen politischen Kurs fährt, der weit weg ist von den «europäischen Werten», die die Ukraine einzuhalten behauptet. Sie versuchen, die Beteiligung der ukrainischen Zivilbevölkerung an den Judenverfolgungen im Zweiten Weltkrieg und die Rolle der neuen Faschisten heute herunterzuspielen. Ich beurteile die enge Zusammenarbeit der Ukraine mit der NATO als bewusste Provokation Russlands, Sie kritisieren in Russland Vorgänge, die nicht zuletzt durch die westlichen Provokationen erst entstanden sind. Dabei ist bei mir tatsächlich die Frage entstanden, was denn der Grund sein könnte, dass Sie – in meinen Augen – den extrem gefährlichen ukrainischen Nationalismus nicht sehen wollen. – Ich werde das von Ihnen empfohlene Buch von Uwe Werner gerne lesen und mit den Informationen und Dokumenten, die mir zur Verfügung stehen, vergleichen.

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  • am 16.05.2021 um 22:44 Uhr
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    Christian Müller fragt warum die Waldorfschule in der Nazizeit nicht geschlossen wurden. Gerade so gut könnte man fragen, warum die Katholische Kirche überlebt hat oder warum die Schweiz überlebt hat? Es gab in Deutschland nicht nur eine Waldorfschule, es gab viele und jede war eigenständig. Viele wurden geschlossen. Die Praxis war willkürlich und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.
    Wenn die Schulen mit den Nazis liiert gewesen wären, wären sie sicher nach 1945 verboten worden. Die meisten geschlossenen Waldorfschulen wurden aber nach 1945 wieder geöffnet. Es gab sicher einzelne Lehrer die Sympathie für die Nazis hatten. Ich würde behaupten, dass es an Schweizer Staatsschulen mehr Nazis hatte als in Deutschen Waldorfschulen. Sogar in meiner Schulzeit noch belehrte uns ein Lehrer mit dem Spruch: «Wenn Hitler noch lebte, würde er mit dem Pack aufräumen.» (Gemeint waren die Italiener, die nach dem Krieg un Deutschland und in der Schweiz Arbeit suchten.)

    Der Versuch einer Chronik über die Waldorfschulen 1933 bis 1945 :
    https://waldorfblog.wordpress.com/waldorf-ns-chronik/

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  • am 17.05.2021 um 01:42 Uhr
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    @Peter Lüthi
    Wie wir heute wissen, bestand seinerzeit eine äusserst konfuse Gemengelage. Viele der damaligen Vorgänge können heute wohl nicht mehr bis in alle Einzelheiten geklärt werden. Beispiel Lemberg: Liest man z.B. den Wikipedia Eintrag «Massenmorde in Lemberg im Sommer 1941» wird klar, dass alle beteiligten Parteien massivste Schuld auf sich geladen haben, die jeder Menschlichkeit Hohn spricht.
    Niemand behauptet, dass Ukrainische Nationalisten nicht auch für «hehre» Ziele wie die Ukrainische Unabhängigkeit gekämpft haben. Ebensowenig sollen die Ukrainer, die an der Seite der roten Armee gekämpft haben totgeschwiegen werden. Damit wird auch schon klar, dass der Konflikt, den wir heute in der Ukraine sehen, schon im Verlauf des blutigen Russischen Bürgerkriegs entstand. Damals wurden die meisten Gebiete der Ukraine von der Roten Armee erobert und unter Leo Trotzki Sowjetrussland angeschlossen.

    Dass es aber einen ausgeprägten Antisemitismus gab, der unter den National-Ukrainischen Hilfstruppen der Nazis besonders ausgeprägt war, können Sie trotzdem kaum bestreiten. Was mir Sorgen bereitet, ist das erneute Aufblühen der vielen paramilitärischen Freiwilligenbataillonen, die im Ukraine-Konflikt gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes kämpfen. Nicht wenige der Männer sind bekennende Neonazis und Antisemiten, viele gelten als ultrarechte nationalistische Todesschwadrone. (Bataillon Ajdar, Regiment Asov etc) und werden mit Oligarchengeld finanziert.

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  • am 17.05.2021 um 09:08 Uhr
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    Sehr geehrter Herr Müller,
    ich verurteile den ukrainischen Nationalismus mit seiner Sprachenpolitik, seinem ethnischen Konzept samt Rückgriff auf faschistische Helden absolut, auch in Gesprächen mit meinen ukrainischen Bekannten. Sie können in meinen Beiträgen nichts anderes nachweisen. Dieser Nationalismus führt gewiss nicht in eine lebbare Zukunft an dieser geostrategisch sensiblen Lage. Ich halte ihn für die moralische Entwicklung einer Gesellschaft genau so für katastrophal wie die Rehabilitierung des Massenmörders Stalin durch Putin. Diese ist nicht vom Westen provoziert, sondern liegt in der von Putin geschaffenen Ideologie eines imperialen, militarisierten, mit christlichen Werten verlogen drapierten Patriotismus, der für den Machterhalt seiner Elite unverzichtbar ist. Ich trete für eine kritische Distanz zur russischen wie zur ukrainischen Regierung ein, für eine Berichterstattung über die zukunftsfähigen Kräfte, die in beiden Ländern leider gegen die Machtstrukturen im Wind stehen und bei Infosperber durch Nichtbeachtung verraten werden.

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  • am 17.05.2021 um 12:04 Uhr
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    @ Lüthi, 13.05.21, 21:41 Uhr
    Lieber Herr Lüthi,
    Sie schrieben: «RIA Novosti berichtete 22.4./8.5.2021 über die Eröffnung eines Stalin-Zentrums in Nischny Novgorod.»
    Ich zitiere aus der Meldung von RIA Novosti: «»Dieses Stalin-Museum, das Museum des sowjetischen Volkes sollte alle wahrheitsgemäßen Seiten und realen Geschehnisse zeigen, die heute viele Leute zu verdrängen versuchen.»
    Wenn man wie Sie für eine differenzierte Betrachtung eintritt, so sollte man doch den in der Meldung geannten Ansatz begrüßen. Da, wie ebenfalls klar in der Meldung vermerkt wurde, gerade erst die Grundsteinlegung erfolgte, ist es sicher noch nicht möglich, eine Einschätzung zum eigentlichen Museum abzugeben, wie Sie es tun.
    Recht gebe ich Ihnen dahingehend, dass die Schließung von Perm-36 völlig unverständlich ist.

    Russland ist ein extrem vielschichtiges Land. «Der Westen» hat sämtliche (!!) Angebote Russlands zu einer allumfassenden Zusammenarbeit mit NATO, EU, dem «Westen» schlechthin rigoros ausgeschlagen. Der Westen strebte vielmehr den absoluten Bankrott des Landes an, Belege dazu gibt es zuhauf. Russland reagierte in einer Art, die dem Westen nicht gefiel. Russland ist heute de facto eines der ganz wenigen wirklich unabhängigen Länder der Welt. Ja, mit nach wie vor gewaltigen Problemen, aber in der Lage, absolut selbst zu entscheiden, im Gegensatz zu CH und D. Das sollte der Westen begreifen und akzeptieren, von seinem hohen Ross herunterkommen und auf Augenhöhe mit Russland sprechen.

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  • am 24.05.2021 um 12:28 Uhr
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    Deutsche «Qualitätsmedien sind alles andere als etwas, was Qualität bedeutet. Deutsche Medien sind mitlerweile ein Sprachrohr der US Politik, wobei gerade Blätter wie ZEIT das böse Spiel mitspielt. Dazu kommen dann Zeitungen wie «Welt» (Springer) und sogar Regionalzeitungen, die auch zum Teil zu Bild gehören. Spiegel und Stern – gerne als Bild für Abiturienten betitelt – sind zu Zeitschriften verkommen, die nicht berichten, sondern Meinungen von mutmaßlichen Journalisten. Einigen sei verziehen, denn wenn sie nicht schreiben was gewünscht wird, gibt es keine Aufträge mehr was kein Geld zum Leben bedeutet. Das System, das die USA installiert haben, funktioniert ganz besonders gut in Deutschland und keiner der Politiker bei uns hat den Mumm, sich gegen die Amerikaner aufzulehnen, denn ein guter Teil profitiert davon.
    Ich bin froh darüber, das ich nicht 50 Jahre in die Zukunft sehen kann, denn dann würde die Generation, die um 1990 geboren wurden, graue Haare bekommen, weil ihnen das gendern wichtiger war als das genaue hinsehen bei der Weltpolitik, die von den USA gelenkt werden. Wer es nicht glaubt, kann das nachlesen:
    William Blum: Killing Home ; «Fassadendemokratie und tiefer Staat», «Mega Manipulation» (beide U.Mies als Hg.) und Beiträge (Youtube) von Michael Winterhoff und Prof. Manfred Spitzner zur Manipulation von Kindern und Jugendlichen.
    Weder Russland noch China sind Feinde, wären sie es, wären sie längst hier – sind sie aber nicht!

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