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Dieses Bild setzte «Inosmi» über den Infosperber-Artikel zu Russland © Sojus-Video

Auch die Russen interessieren sich für Infosperber

Christian Müller /  Nur ein «Rufer in der Wüste»? Nein, Infosperber wird auch in Russland gelesen – und sogar sehr geschätzt. Ein aktuelles Beispiel.

Dass die westeuropäischen Russland-Korrespondenten aus Moskau vor allem Negatives über Russland berichten, ist bekannt. Die meisten haben von ihren Redaktionen ja auch den Auftrag, das so zu tun (siehe Job Description der New York Times). 

Wissen die Russinnen und Russen, was im Westen über sie berichtet wird? Interessiert es sie überhaupt? Oder lässt es sie eh kalt?

Die Antwort ist klar: Ja, es interessiert die Russen, wie sie vom Westen beurteilt werden. Viele von ihnen würden ja gerne zu Europa gehören, so, wie sie es sich nach dem Kollaps der Sowjetunion 1991 erhofft hatten. Und viele leiden darunter, dass sie vom Westen als Feinde behandelt werden. Sie kennen die neuere Geschichte sehr wohl und wissen, wer sich nach 1991 aus Deutschland friedlich verabschiedet hat und welche Grossmacht in Deutschland noch immer Militärbasen betreibt – gegen den «Feind» Russland.

«Inosmi» sorgt für Transparenz

Die Russinnen und Russen sind nicht nur interessiert, wie der Westen über sie denkt, sie sind auch gut informiert. Das Institut «Inosmi» hält Ausschau nach im Westen publizierten Artikeln über Russland und übersetzt sie ins Russische. Wörtlich, unverfälscht, nur ohne die Bilder des Originals, vermutlich um keine Bild-Copyrights zu verletzen. Und immer wird korrekt auf das Original verlinkt, damit auch dieses gelesen werden kann. Da findet man Artikel der FAZ aus Frankfurt, von «Le Monde» aus Paris, von der NZZ aus Zürich. Und und und. Korrekt übersetzt, mit Verlinkung auf die Quelle und sogar mit einer automatisch generierten Information, wie oft der Artikel dann auf der Plattform «Inosmi» gelesen wurde, wie viele Likes er erhalten hat, wie oft er an andere verschickt worden ist, und natürlich auch mit vielen Kommentaren. 

Auch «infosperber.ch» wird beobachtet und übersetzt

Keiner zu klein, ernst genommen zu werden. «Inosmi» beobachtet auch infosperber.ch, und auch von Infosperber werden Artikel ins Russische übersetzt und so den Russinnen und Russen zugänglich gemacht.

Ein Beispiel: Der auf Infosperber am 1. November 2020 erschienene Artikel «Russland ist von Westeuropa tief enttäuscht – aus gutem Grund» ist von «Inosmi» übernommen und übersetzt worden. Siehe hier. Die dazugestellte Einleitung: «‹Ihr ganzes Leben lang haben sie sich vor diesem grimmigen, mürrischen Land im Osten gefürchtet, diesem Zentauren, wild und fremd in Europa – Russland.› So erklärt Hitler in ‹Der weisse Tiger› die Haltung der Europäer gegenüber ihrem östlichen Nachbarn. Leider hat er recht, räumt der Schweizer Historiker Christian Müller ein. Deshalb wird Russland immer noch zu Unrecht als Feind betrachtet.»

Der von Infosperber übernommene Artikel ist bis heute von über 41’700 interessierten Leuten gelesen worden, Hunderte haben ihn geliked, 81 haben ihn kommentiert. Der erste Kommentar in der Liste zum Beispiel lautet: «хм, неплохая статья, мне понравилась, человек многоепонял.» Zu Deutsch: «Hm, kein schlechter Artikel, er hat mir gefallen, der Mann hat viel verstanden.» Oder ein «Vasil-73» meint: «Отличная статья, автор, человек мыслящий, респект.» Zu Deutsch: «Toller Artikel, der Autor, ein Mann des Denkens, Hut ab!» Andere zum Beispiel kritisieren, die Schlacht von Stalingrad habe nicht nur 700’000 Tote gefordert, es seien über eine Million gewesen.

Auch aus Kommentaren kann man etwas lernen

Besonders interessant in der langen Liste ist der bisher letzte Kommentar, von einem Sergei-Kostin 52: Zu Deutsch: «Wenn Hitler (im Film ‹Der weisse Tiger›, wie oben erwähnt, Red.) den verborgenen Traum des westlichen Durchschnittsmenschen so formulierte, was ist dann der verborgene Traum des russischen Durchschnittsmenschen? Alles, was die Russen nach dem Krieg unternommen haben, ergibt die Antwort auf diese Frage. Für uns war es zunächst wichtig, die Arbeiter vom Joch des Kapitalismus zu befreien. Wir waren damit nicht erfolgreich. Wir haben uns dieses Joch nun selbst auferlegt. Jetzt ist es wichtig, einfach in Frieden und Kooperation zu leben. Aber auch das funktioniert nicht wirklich. Russland ist auf allen Seiten von Militärbasen umgeben. Also haben wir nur eine Überlebenschance: stärker zu sein als die Armeen um uns herum. Aber wir hassen die Menschen in Europa trotzdem nicht. Mal lachen wir über sie, ja, mal bemitleiden wir sie, ja, oft sind wir ihretwegen sogar wütend, ja, aber dennoch: hassen tun wir sie nicht. So ist der russische Mensch in seinen verborgenen Träumen. Putin hat diese unsere Träume richtig verstanden und er bringt sie richtig zum Ausdruck.»

(Der russische Originalkommentar: «Если Гитлер выразил потаенную мечту западного обывателя, то какова потаенная мечта русского обывателя? Все действия русских после войны – ответ на этот вопрос. Для нас сначала было важным освобождение трудящихся от ярма капитализма. Не получилось. Сами надели это ярмо на себя. Теперь важно просто жить в мире и сотрудничестве. Не получается. Окружили базами со всех сторон. Приходится искать единственное спасительное решение – быть сильнее тех, кто окружает. А к народам Европы ненависти как не было, так и нет. Смеемся над ними – да, жалеем – да, сердимся – да, но не ненавидим. Такой уж русский обыватель со своими потаенными мечтами. И Путин верно уловил и озвучил эти мечты.»)


Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Zum Autor deutsch und englisch.

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9 Meinungen

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    am 6.01.2021 um 11:23 Uhr
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    Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht. Gerne gratuliere ich dem Infosperber!

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    am 6.01.2021 um 13:33 Uhr
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    Auch wir interessieren uns für die Russen und ihr Land – es sind Menschen wie du und ich und wir wünschen uns von unserer Regierung und unseren Medien, dass sie Feindbilder abbauen und in Respekt immer einen Dialog auf Augenhöhe suchen.
    Daran werden wir eure Worte und Taten messen!

    Dies umso mehr, als in Zeiten von Corona nur schon ein Dialog (bereits unter Wissenschaftlern) zu einem Fremdwort mutiert ist.
    Ja, nicht nur Viren mutieren, auch Worte, Weltanschauungen – eigentlich fast alles, was lebt.
    Es lebe die Vielfalt!
    https://friedenskraft.ch/home

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    am 6.01.2021 um 14:49 Uhr
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    Sehr gut, Herr Müller, vielen Dank auch für den Link auf die russische Seite. Ich wünsche Ihren Artikeln weltweite Verbreitung.

    0
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    am 6.01.2021 um 17:29 Uhr
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    Wie SOO richtig kommentiert – und NICHT analysiert:
    Der Amerikaner, der Deutsche, und … …. und sind NICHT Feind der Russen, Chinesen und… und
    ganz einfach weil es für einen normalen Menschen „hier“ keinen Grund gibt, einem normalen Menschen „dort“ gegenüber feindlich zu sein.
    Warum also doch all dieses Blut-Vergiessen, all dies Leid, seit es Menschen gibt.
    Solange „wir“ noch PrimitivLingen waren, ist ES ja noch verständlich.

    Wie aber intelligente, aufgeklärte, zivilisierte, kultivierte, humane Menschen -weltweit-
    sich immer noch nur ein Mikro-Zeitfenster als MassStab und rechtfertigenden Grund
    für das Morden anderer Menschen und Völker und sonstiges Übel setzen können/dürfen
    war und ist mir unbegreiflich.

    Denn EINES m u s s doch wohl allen Verantwortlichen klar sein:
    Dass, wenn nicht zügig UmDenken und gelebte Global-Verantwortlichkeit einsetzt-
    sondern -anstatt- die jetzigen „Strategien“ per-fektioniert werden –
    GARANTIERT der Moment kommt, wo der Erste beginnt, per Atom-Waffen zu re-agieren.

    Ok — Lebe-Wesen sind Sterbe-Wesen. Seit Milliarden Jahren.

    Aber auch
    Erb-Gut weitergebend von Generation zu Generation,
    sich an-passend, sich fort-entwickelnd.
    Im Rückblick teils in bewundernswerter Weise sich fort-entwickelnd.

    Schaffen WIR es nochmals, uns total neu zu orientieren ?
    Egal ob Russe, Ami, Chinese, Arab, Mongole, Inder, Europäer …,
    oder wartet nun Amageddon bereits geduldig vor der Tür ?!

    Alles Gute !
    Wolfgang Gerlach, Ingenieur

    .

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    am 7.01.2021 um 22:24 Uhr
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    Es wäre den Werten von Infosperber entsprechend, wenn der Leser über die Abhängigkeit von inoSMI aufgeklärt würde: Es ist ein Projekt des russischen Staatsmedienkonglomerats, das die Regierung abschottet von direkter Kritik. Artikel aus dem Westen, welche die von der Regierung verordnete patriotische Sicht auf die Geschichte – Russland war immer Opfer – bestätigen, sind natürlich erwünscht. Ich habe die Auswahl der Artikel bei inoSMI durchgeschaut und ganz ausnahmsweise eine kritische Darstellung zum gegenwärtigen System gefunden, und auch diese auf keinen Fall direkt gegen Putin gerichtet. Reich zitiert werden westliche Berichte über Missstände im Westen, auch in der Ukraine, und warnende Anerkennung der unwiderstehlichen Zerstörungskraft neuer russischer Atomwaffen. Natürlich interessieren sich Russen und Russinnen für das, was im Westen über Russland geschrieben wird. Wenn sie sich gegen die Missachtung der rechtsstaatlichen Prinzipien durch die Regierung engagieren, brauchen sie aber andere Informationskanäle als inoSMI. Während man sich bei Infosperber freut über die Anerkennung durch das Putin’sche Medienmonopol, werden friedliche Kämpfer gegen das Monopol, für Menschenrechte, für Rechtsschutz von Frauen gegen häusliche Gewalt, für die Aufarbeitung von Staatsverbrechen zunehmend bedrängt und strafrechtlich bedroht. Die Freude bei Infosperber sollte sich bei solcher Anerkennung in Grenzen halten.

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      am 11.01.2021 um 16:01 Uhr
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      Man kann an der Staatsführung in Russland sicher vieles kritisieren. Es wäre aber auf jeden Fall angebracht, auch im eigen Land genau hinzusehen. In der Schweiz ist vieles privatisiert, auch die Zensur.

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    am 11.01.2021 um 20:00 Uhr
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    Es tut doch gut, sich mal selber in die Sonne stellen zu können, nicht wahr.

    Ich habe nachträglich die Stellenbeschreibung der NYT gelesen und den Auftrag nicht so verstanden wie Sie.
    Im ersten Abschnitt – der Ihnen wohl hauptsächlich in die Nase gestochen ist – ist eine – zugegeben tendenziös ausgewählte – Aufreihung von Vorgängen in Russland, die mir allerdings plausibel dargestellt erscheinen. Nirgends wird in der Folge erklärt, dass entlang dieser Linie berichtet werden müsse.

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    am 15.01.2021 um 17:04 Uhr
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    Ich wünschte mir, dass der geschätzte Autor Christian Müller vermehrt unterscheiden würde zwischen dem Russischen Volk und der Russischen Führung. Niemand hat etwas gegen das Russische Volk, aber dem aktuellen Russischen Machthaber und Autokraten dürfen wir nicht alles durchgehen lassen.

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    am 18.01.2021 um 14:36 Uhr
    Permalink

    Danke für die kritischen Hinweise, Herr Lüthi. Ja, es gibt in Russland ein „Staatsmedienkonglomerat“, wie Sie schreiben – aber auch zahlreiche und teilweise reichweitenstarke unabhängige und kritische Medien. Sind wir da im Westen so viel freier? Wenn ich die deutsche Tagesschau und heute verfolge, finde ich kaum einmal so hartnäckig kritisch nachfragende Journalist:innen wie in der österreichischen ZIB 2. Ich würde mich freuen, wenn Deutschlandfunk oder Deutsche Welle – und sei es auch selektiv – Übersetzungen samt Link zur Quelle von Artikeln aus russischen Medien über Deutschland/Westeuropa/EU zur Verfügung stellten.
    Noch eine Bemerkung zum verbreiteten Reden von „den Russen“, „den Amerikanern“, „den Deutschen“ … Als Student der Slavistik habe ich Ende der 60er Jahre auf Reisen in der Sowjetunion und auch später in Belarus die angenehme und anfangs verblüffende Erfahrung gemacht, dass man mir, einem Nachfahren der letzten barbarischen Aggressoren, vorurteilsfrei und freundliche begegnete. Die sowjetische Propaganda unterschied sauber zwischen den Menschen und der Regierung eines Landes. Als Demonstranten gegen den Vietnamkrieg wurde uns „Antiamerkanismus“ vorgeworfen, so wie heute Kritiker der aktuellen israelischen Regierungspolitik mit dem Antisemitismus-Vorwurf zu rechnen haben. Es wäre wirklich ein großer Fortschritt, wenn immer zwischen den Menschen und der Regierung eines Landes unterschieden würde. Erste verabscheuen in der Regel Aggression und Krieg.

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