NZZ zeigt, wie man neue Coronafälle dramatisch darstellt

Urs P. Gasche © Peter Mosimann

Urs P. Gasche /  Eine alte Unsitte: Man verzerrt den Massstab einer Grafik und schon steigt eine Kurve steil an.

Im Folgenden zeigen wir ausschliesslich Grafiken im Originalformat, welche die NZZ entweder online oder in der gedruckten Ausgabe verbreitet hat. Sie zeigen, wie sich die Zahl der Personen in der Schweiz entwickelt hat, welche auf Sars-Cov-2 positiv getestet wurden.

Die erste Kurve erlaubt eine sofortige Einordnung der aktuell steigenden Fallzahlen, denn sie zeigt den Vergleich mit der gesamten Entwicklung seit Beginn der Corona-Krise. Vom 13. März bis 12. April wurden laut BAG-Statistik etwa gleich viele Tests durchgeführt wie vom 13. Juli bis 12. August. Der Massstab links geht von 0 bis 1200 täglich positiv Getesteter:

Quelle: NZZ online. Grafik im Originalformat.

Die folgende Kurve zeigt einen Ausschnitt der Fallzahlen nur vom 14. Juni bis zum 12 August. Zeigt man nur diesen Ausschnitt der jüngsten Entwicklung, sind die steigenden Fallzahlen seit Mitte Juni im Detail ersichtlich. Der Massstab links geht von 0 bis 250:

Quelle: NZZ online. Grafik im Originalformat.

Im Folgenden Grafik in der gedruckten NZZ vom 13. August 2020 zeigt die gleichen Zahlen wie die vorherige Grafik. Der Massstab links geht zwar ebenfalls von 0 bis 250, jedoch mit gestreckten, viel grösseren Abständen. Die Zunahme der positiv Getesteten erscheint optisch enorm:

Quelle: NZZ gedruckte Ausgabe. Grafik im Originalformat.
Fazit: Nicht nur statistische Zahlen sind jeweils zu prüfen, sondern auch deren grafische Darstellung.

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Irreführende Statistiken aus Medien
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6 Meinungen

  • am 16.08.2020 um 21:32 Uhr
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    Liebe InfosperberInnen, das ist jetzt zuviel gesperbert: alle Grafiken verwenden eine normale Skala mit dem Nullpunkt bei Null und zeigen korrekte Daten. Die Interpretation ist in allen Beispielen einwandfrei möglich – bleibt mal auf dem Boden, es gäbe bestimmt Relevanteres zu sperbern…

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  • am 17.08.2020 um 13:40 Uhr
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    Vielleicht kommen die Abbildungen ja in die nächste Auflage von «So lügt man mit Statistik» von Prof. Walter Krämer. Wäre aktuell, und es passt.

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  • am 18.08.2020 um 09:19 Uhr
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    Statistiken verstehen bedingt, dass man rechnen kann. Es ist korrekt, dass die Zahlen stimmen. Korrekt ist aber auch, dass bei der Grafik die bisherigen Infektionen als Relevanz gelten und nicht die Totalzahl der Tests. Diese Verzerrung lässt alle übersehen, dass die genannten Zahlen keinen Einblick in die effektiv wichtigen Zahlen geben. Tatsache ist, dass 0.025 % der Tests positiv waren. das ergibt nach Adam Riese folgendes Resultat von 4000 Tests sind 3999 negativ. Auch ist mir nicht entgangen, dass das BAG für seine Statistik ein Drittel der Schweizerbevölkerung vergessen hat. Rechnet man die Tests pro 10000 Bewohner hoch kommt man auf das Resultat, dass die Schweiz 5 540 000 Bewohner hat. Laut Statistik solten es aber 8 660 000 sein. Auch nur ein Trick, um die Zahlen «besorgniserregend» zu nennen. Dasselbe mit den Gesamtzahlen weltweit. «wir haben 21 Millionen Coronafälle», dass von den 21 Millionen 14 Millionen wieder gesund, d.h. immun sind wird nirgends erwähnt. Bleiben nach Adam Riese effektiv weltweit 7 Millionen Coronakranke und nicht 21 Millionen. und noch für Her Oertel. Die statistische Darstellung beginnt am 1. Juni, also nach dem Lockdown, die Gesamtzahlen beziehen sich aber auf die ganze Zeit (inklusive vor dem lockdown). Auch ist eine Interpretation bei jeder Statisitik möglich. Selbst mit falschen Zahlen. Eine Statistik soll aber keine Interpretationen zulassen, Sie dient der Analyse und soll Interpretationen verhindern.

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  • am 18.08.2020 um 13:36 Uhr
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    Heikler finde ich die Verwendung von logarithmischen Skalen bei den Verlaufsgrafiken in vielen Medien. Diese haben durchaus ihre Berechtigung, aber sie suggerieren auf den ersten Blick, dass die Infektionszahlen schon fast wieder das Niveau von Ende März erreicht haben.

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  • am 18.08.2020 um 19:54 Uhr
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    @ Oertel: Ich sehe die Verzerrung wie Sie hier nicht bei der Y-Achse, sondern bei der X-Achse: es wird einfach das Teilstück oder der Anfang gewählt, das zur Aussage passt, ein beliebter Trick bei Klimaskeptikern.

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  • am 19.08.2020 um 08:50 Uhr
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    @ Benjamin Hämmerle: für eine aktuelle Übersicht der aktuellen Lage sind logarithmische Skalen genauer, da sie im Gegensatz zu linearen Skalen einen Verlauf anzeigen und nicht einfach nur die Steigerung wie im linearen Modus.

    Im übrigen sugerieren log skalen nicht, dass wir schon wieder das Niveau vom März haben, sondern sie sagen aus, dass die Infektionszahlen trotz Lockdown oder Maskenpflicht mehr oder weniger gleich geblieben sind.

    Wie ich bereits weiter oben erwähnte sind wir linear 21 millionen Infizierte auf der Erde, weil linear die Genesenen weiter als Infizierte gerechnet werden.
    Darum zeigt der Verlauf der logarithmischen Skala nur 7 Millionen Infizierte. Und dies ist die aktuelle Zahl Infizierter.

    in der Schweiz lässt sich dank logarithmischen Skalen für jeden Laien erkennen, dass der Einzugsort des Coronavirus die Flughäfen Genf und Zürich sind. Man muss nur diese beiden Orte genau kontrollieren, der Rest der Schweiz braucht keine «CoronaRegeln».

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