Sperberauge

Herzkrank in den USA – wenn der Markt spielt

Martina Frei © cm

Martina Frei /  Seit 2021 sind US-Spitäler verpflichtet, offenzulegen, wie viel sie für Behandlungen verlangen. Die Unterschiede sind enorm.

Von den «Top 20» der US-Spitäler nannten bis Herbst 2021 nur sieben die Preise für alle Herzuntersuchungen und -eingriffe, die sie anbieten – obwohl alle gesetzlich dazu verpflichtet wären.

Für eine Herzultraschalluntersuchung müsste der preisbewusste Selbstzahler zum Beispiel ans Universitätsspital von Pennsylvania reisen, denn dort bezahlt er im Mittel «nur» etwa 500 Dollar. Am Northwestern Memorial Hospital in Chicago blättert er rund 3’000 Dollar mehr hin. 

Einen Herzschrittmacher erhalten Kranke am Cleveland Clinic Hospital für den «Schnäppchenpreis» von durchschnittlich 500 Dollar eingepflanzt – oder für rund 20’000 Dollar am Cedars-Sinai Medical Center. Solche Beträge stellen diese Spitäler den Versicherungen in Rechnung.

Wer hingegen seine verengten Herzgefässe mittels Kathetereingriff weiten lässt, hat die Wahl vom rund 660 Dollar- bis zum über 50’000 Dollar-Eingriff, je nachdem, welches der 20 Top-Spitäler man aufsucht und ob eine Versicherung die Kosten trägt oder man selbst. 

Unterschiede um mehrere Grössenordnungen

Selbst innerhalb des gleichen Spitals variieren die Preise erheblich. Abhängig davon, wer bezahlt und was mit der Klinik ausgehandelt wurde, verlangt ein und dasselbe Spital beispielsweise für eine Katheter-Untersuchung der Herzarterien rund 4’000 oder über 14’000 Dollar. 

Man kann annehmen, dass ein und dasselbe Spital die Katheter-Untersuchung nicht in unterschiedlicher Qualität durchführt. Aber auch die Unterschiede von einem Spital zum anderen seien wahrscheinlich eher auf die «Dynamik des Markts» zurückzuführen als auf echte Qualitätsunterschiede der «Top 20»-US-Spitäler, vermuten die Wissenschaftler, die anhand der Spital-Websites diese Informationen zusammengetragen haben. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift «Jama Internal Medicine«. Sich durch all die Websites durchzuarbeiten und die Zahlen zu interpretieren, sei «extrem herausfordernd» gewesen, sagte einer von ihnen gegenüber «Medscape».

Von der Einführung der gesetzlich verlangten Preistransparenz hatten sich die Verantwortlichen erhofft, dass die Kosten für medizinische Untersuchungen und Behandlungen sinken würden. Nun zeigt sich aber vor allem, dass es mit der Transparenz und Vergleichbarkeit bei Spitälern von Rang und Namen noch nicht weit her ist, weil wesentliche Angaben fehlen. Oft wurde zum Beispiel nicht angegeben, ob die Preise für ambulante oder stationäre Behandlungen galten, was einen grossen Unterschied machen kann.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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