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Hans Magnus Enzensberger: Es gibt kein Zurück mehr. © ARD

«Wir leben in postdemokratischen Zuständen»

Christof Moser /  Deutschland, fünf Wochen vor der Wahl: Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger ruft nach dem NSA-Skandal die Postdemokratie aus.

Der leidenschaftlichste Disput in den Zeitungs-Feuilletons kurz vor den Wahlen in Deutschland dreht sich nicht um Themen, sondern um die Frage, ob man überhaupt noch wählen soll oder nicht. Herausgebildet hat sich dabei mehr oder weniger der Konsens, dass man natürlich noch wählen soll – alles andere wäre demokratische Selbstentmachtung, die angesichts der demokratischen Aufwallungen in Ägypten, der Türkei und anderen Ländern nichts als zynisch wäre.

Eine andere Frage ist, was das Wählen noch bringt. In dieser Frage hat sich jetzt eine gewichtige Stimme mit einer bemerkenswerten Aussage zu Wort gemeldet: der deutsche Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger. «Wir leben in postdemokratischen Zuständen», sagte er in einem seiner seltenen TV-Interviews am Sonntagabend in der ARD-Kultursendung «Titel, Thesen, Temperamente». Grund für sein Befund: der NSA-Abhörskandal und der Umgang westlicher Demokratien mit Whistleblower Edward Snowden.

Enzensberger gesellt sich zur Minderheit

«In jeder Verfassung der Welt steht ja ein Recht auf Privatsphäre, Unverletzlichkeit der Wohnung und so weiter. Das ist abgeschafft», sagt Enzensberger mit dem Gleichmut des 83-Jährigen. Geheimdienste und Internetgiganten wie Google hätten sich bereits von der Demokratie verabschiedet, und die meisten Bürger würden nicht erkennen, dass es kein Zurück mehr gebe: «Es ist eine Minderheit, die das nicht akzeptieren will.»

Für den Schriftsteller sind Menschen wie Edward Snowden, die die versteckten Machenschaften von Regierungen und grossen Konzernen aufdecken, «wahrscheinlich die Helden des 21. Jahrhunderts».


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Der «Titel, Thesen, Temperamente»-Beitrag zum NSA-Abhörskandal und Hans Magnus Enzensberger ist direkt über den im Text gesetzten Link zu abrufbar.

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Eine Meinung zu

  • am 20.08.2013 um 17:21 Uhr
    Permalink

    ich verweise wieder auf den Roman von G. Orwell «1984"! Wer sich mit den Entwicklungen befasst konnte von Snowdens Informationen nicht überrascht sein, ebenso wenig über das was sich die Englische Security im Zusammenhang mit dem Guardian Journalisten Glenn Greenwald und David Miranda erlaubt hat. Das alles sind nur Mosaiksteinchen die aufzeigen was auf uns alle zukommt. Wir sind satt und möchten nur noch Brot und Spiele. Und unsere Politiker begreifen ebenso wenig sondern spielen bei der Installierung der totalen Kontrolle tatkräftig mit z.B. mit der Abschaffung des Steuergeheimnis und der immer grösser werdenden Verwaltungsbürokratie. Meines Wissens hat Rudolf Steiner auf Ahriman und die heute erkennbare Entwicklung schon 1925 hingewiesen.

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