Schiessereien_USA

Über 400 Tote und über 900 Verletzte bei Schiessereien in den USA allein in der Woche vom 17. bis 24. Juli 2021 © Max Kleinen

USA: Über 400 Tote bei Schiessereien in einer Woche!

Christian Müller /  In den USA kann jeder und jede Schusswaffen kaufen – selbst Maschinenpistolen. Ein Symbol für Freiheit, wie gesagt wird.

«Die Schiessereien (dieser Woche) sind nur eine Momentaufnahme der sprunghaft ansteigenden Waffengewalt, die in den letzten Monaten die USA erschüttert hat. Zwischen Samstag, dem 17. Juli, und Freitag, dem 23. Juli, verzeichnete das ‹Gun Violence Archive› mindestens 1’018 Schiessereien – alle 10 Minuten eine Schiesserei –, bei denen mindestens 404 Menschen starben und 928 verwundet wurden.»

Das Zitat stammt aus einem Bericht des US-amerikanischen Fernsehsenders «ABC News». Hier zum Video, wo die Schiessereien in dieser Woche stattgefunden haben (hier anklicken).

Ein anderes Zitat aus dem gleichen Bericht:

«Zur Epidemie der Waffengewalt gehören auch Selbstmorde, die nach Angaben des Justizministeriums die Ursache für etwa 60 Prozent der Todesfälle durch Schusswaffen bei Erwachsenen sind. Im Jahr 2019 starben nach Angaben des «Educational Fund to Stop Gun Violence» durchschnittlich 66 Menschen pro Tag durch Selbstmord mit einer Schusswaffe. Allein in diesem Jahr gab es mehr als 13’500 Selbstmorde durch Schusswaffen, wie die Daten des GVA zeigen.»

Und noch eine Stelle:

«Die von ‹ABC News› und der GVA durchgeführte Auswertung der Waffengewalt in der vergangenen Woche ergab, dass jede Stunde mindestens 2,4 Menschen getötet und 5,5 Menschen verwundet wurden.»

Hier eine andere Stelle des Berichts mit näheren Angaben zum Alter der Opfer. Nicht wenige Opfer der Waffengewalt sind Jugendliche:

«Insgesamt sind im Jahr 2021 bisher mehr als 800 Amerikaner unter 18 Jahren durch Waffengewalt ums Leben gekommen, 174 von ihnen waren jünger als 12 Jahre, wie aus den GVA-Daten hervorgeht.»

Und hier drei Stellen zur Frage, wo in den USA am meisten Schiessereien stattfinden:

«Die Auswertung ergab, dass in der letzten Woche praktisch jeder Bundesstaat betroffen war, mit mindestens einem Vorfall im Zusammenhang mit Schusswaffen in 47 Staaten und dem District of Columbia.»

«Von allen Bundesstaaten hatte Illinois die meisten Vorfälle von Waffengewalt zu verzeichnen, wobei mindestens 109 Vorfälle im Cook County (ein Verwaltungsbezirk von Illinois) gezählt wurden. Chicago, die Verwaltungsstadt von Cook County, meldete 104 dieser Vorfälle – etwa 10,2 Prozent der Gesamtzahl in den USA. Nach Illinois meldete Texas mit mindestens 70 die meisten Vorfälle von Waffengewalt, gefolgt von Pennsylvania, New York und Kalifornien, wo es in der letzten Woche mindestens 64, 55 beziehungsweise 53 Schiesserei-Vorfälle gab.

«Bei den Vorfällen mit Todesfolge durch Schusswaffen hatte Texas mit mindestens 39 Todesopfern die höchste Rate zu verzeichnen. Illinois führte mit 141 durch Schusswaffen verletzten Personen die Liste an.

Ungleichheiten bei Waffengewalt

«Zwar ist kein Teil des Landes immun gegen Waffengewalt, doch als ‹ABC News› die Daten untersuchte, stellte sich heraus, dass die Gewalt unverhältnismässig häufig in ärmeren städtischen Gebieten auftritt – von Los Angeles über Chicago bis New York City.»

Zum gleichen Thema noch eine Stelle:

«Mehr als die Hälfte der Schiesserei-Vorfälle (58,5 Prozent) ereignete sich in den ärmsten Bezirken des Landes, in denen das mittlere Haushaltseinkommen 40’000 Dollar pro Jahr oder weniger beträgt. Etwa 17 Prozent der Schiessereien ereigneten sich in Gebieten, in denen die Menschen mehr als 60’000 Dollar verdienen.»

Und hier eine Stelle zur stark wachsenden Zahl von Schiessereien:

«In New York City erklärte der New-York-Police-Department-Kommissar Dermot Shea gegenüber ‹ABC News›, dass die Zahl der Schiessereien im Mai 2021 im Vergleich zur gleichen Zeit des Vorjahres um 73 Prozent gestiegen sei. Auf die Frage, ob die Menschen dreist genug seien, Waffen zu tragen, sagte er: ‹Ich glaube nicht, dass es daran einen Zweifel gibt. … Die Daten hier in New York City zeigen, dass es mehr Waffen am Tatort gibt und dass auch mehr Schüsse abgefeuert werden.›»

Auch die Covid-Pandemie hat zu mehr Schiessereien geführt:

«Zu den Faktoren, die zum Anstieg der Waffengewalt beitragen, gehören laut Shea unter anderem Bandenkriminalität, Budgetkürzungen bei der Polizei und COVID-19-Shutdowns im Gerichtssystem, die einen Rückstau von mehr als 5’000 Waffenvorfällen verursacht haben.»

Einzelne Schiessereien haben schon fast Tradition:

«Am Mittwoch wurden in Philadelphia, wo die Zahl der Todesfälle durch Schusswaffen in diesem Jahr bereits 300 überschritten hat, drei Jugendliche angeschossen – zwei von ihnen erlagen ihren Verletzungen. Als ‹ABC News› mit der Polizei von Philadelphia sprach, wies diese immer wieder auf Strassen hin, in denen früher schon Schiessereien stattgefunden hatten.»

Die Ursachen der Schiessereien sind oft Bagatell-Streitfälle:

«Später in der Nacht wurde eine Person vor den wohl berühmtesten Käsesteak-Restaurants in Philadelphia, ‹Pat’s› und ‹Geno’s, erschossen. Die Polizeipräsidentin von Philadelphia, Danielle Outlaw, erklärte gegenüber ‹ABC News›, die Schiesserei sei auf einen Parkplatzstreit zurückzuführen.»

Und was sollte gegen diese Schiessereien getan werden?

«‹Ich bin es leid, Mahnwachen abzuhalten›, sagte Stuart Anderson in Suitland, Maryland, gegenüber ‹ABC News›. ‹Wenn derjenige, der mein Enkelkind erschossen hat, die Waffe nicht gehabt hätte, wäre mein Enkelkind jetzt noch hier. Wir müssen diese Waffen von den Strassen schaffen.›»

Das ist die Situation in den USA, in diesem Land, das auf seine Freiheiten besonders stolz ist.

Hat man in deutschen oder Schweizer Medien über diesen dramatischen Anstieg der Schiessereien mit immer mehr Opfern lesen können?


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Zum Autor Christian Müller deutsch und englisch.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Weiterführende Informationen

Zum Infosperber-Dossier:

Dossier_Pistole_Hinterg

Die Waffenlobby in den USA

Eine übermächtige Waffenlobby sorgt für Aufrüstung der Bevölkerung und baut Feindbilder im Ausland auf.

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10 Meinungen

  • am 1.08.2021 um 13:41 Uhr
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    «More Americans have died from guns in the United States since 1968 than on all battlefields of all wars in American history» (N. Kristof, New York Times, Aug. 26, 2015). In Zahlen aus diesem Artikel: in allen Kriegen zwischen 1775 und 2015 sind 1.396.733 Menschen gestorben. Durch Schusswaffenbegrauch in den USA sind zwischen 1968 und 2015 1.516.863 Menschen zu Tode gekommen.

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  • am 1.08.2021 um 14:13 Uhr
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    Hat man in deutschen oder Schweizer Medien über diesen dramatischen Anstieg der Schiessereien mit immer mehr Opfern lesen können?

    Ja hat man…. dass Waffengewalt in Staaten, mit vielen persönlichen Schusswaffen, oft zu vielen unnötigen Toten führt, auch dies wird im Mainstream thematisiert…. trotzdem, der Artikel ist informierend.

    https://www.google.com/search?q=Tote+Schiessereien+USA&rlz=1C1GCEA_enBR945BR945&oq=Tote+Schiessereien+USA&aqs=chrome..69i57j69i60.13486j1j15&sourceid=chrome&ie=UTF-8

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  • am 1.08.2021 um 18:19 Uhr
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    Frueher wurde gesagt, die revolution frisst ihre kinder. Heute muss man wohl sagen, die pest der welt frisst sich selbst. Nicht die waffen sind schuld. Viele finden ihr leben nicht lebenswert und machen darum schluss damit. Viele andere stehen so unter strom, dass sie aus beliebigen anlaessen toeten. Wieder viele andere verfaulen in gefaengnissen. Die, an denen das vorbeigeht, hatten noch die chance sich mit drogen zu toeten oder an einer ueberdosis opioiden zu verrecken. Ursachenforschung, wenn man sie ernst nimmt, kommt nicht daran vorbei, dass in den usa in extremem masse nur das zaehlt, was jemand besitzt. Das wort menschenrecht ist dort nur ein synonym fuer das recht der reichen.

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  • am 1.08.2021 um 21:20 Uhr
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    Ich finden den Beitrag etwas tendenziös. Selbst in den USA gibt es klare Auflagen, welche zu erfüllen sind um Waffen zu erwerben. Zweifellos haben die USA haben ein Problem mit Waffengewalt. Die im Artikel genannten Zahlen sind beträchtlich, aber nur zeitliche Ausschnitte. Bei 328 Mio. Einwohnern im Jahr 2019 sind etwas über 39’000 Menschen durch Schusswaffen umgekommen (Suizide und Unfälle inkludiert). Das ist tragisch aber relativiert in absoluten Zahlen doch etwas. Der Artikel unterschlägt, dass die erwähnten Bundenstaaten Illinois, New York und Kalifornien mitunter die restriktivsten Waffengesetze der USA aufweisen. Was wiederum zeigt, dass ein scharfes Waffengesetz das Gegenteil des gewünschten Effektes erzeugt. Genau solche Beiträge erzeugen ein Narrativ welches besagt, dass Waffen schlecht und böse sind und wir diese auch unseren Landen möglichst zur Gänze verbieten sollten. Waffengewalt ist (in den USA) vorallem ein gesellschaftliches Problem. Und das unsere Medien nicht darüber berichten, liegt daran, dass diese seit geraumer Zeit vollends damit beschäftigt sind, uns Angst vor einer Krankheit einzujagen und uns pharmakologische Heilsversprechen kundtun.

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  • am 2.08.2021 um 14:46 Uhr
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    Interessant ist, Donald Trump plädierte früher für schärfere US-Waffengesetze. Er warf den Republikanern damals vor, den Waffenfans immer nur nach dem Mund zu reden. Aber schon 2016, vor den Präsidentschaftswahlen, forderte er jedoch genau das Gegenteil – und seine Anhänger jubelten. Trump versprach sogar waffenfreie Zonen abzuschaffen, etwa in Schulen, Bahnhöfen oder Restaurants.
    Auch in der Schweiz gibt zu viele Schusswaffen: Suizide mit der Pistole, Frauen werden zu Hause mit der Schusswaffe bedroht.
    Die Qualitätsmedien stellen regelmässig auch Killergames vor. Shooter Games sollen harmlos sein suggerieren uns die Journalisten. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass Postfinance, eine Tochtergesellschaft unserer Post, vor zwei Jahren E-Sportler, Computer Kriegsspiel-Gamer, die an Turnieren teilnehmen mit 400’000 Franken unterstützte, wie im Blick zu lesen war. Siehe auch: Wem nützen PC-Kriegs-Video-Spiele? nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25778

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    • am 3.08.2021 um 11:30 Uhr
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      Was hat den Trump mit den Ereignissen der neusten Zeit zu tun? Mich irritiert Ihre Aussage, dass in der Schweiz zu viele Schusswaffen hat. Die Statistik zeigt klar, dass bei der Menge an Schusswaffen glücklichweise nicht viel passiert. Schauen Sie nach Grossbritannien wo privater Waffenbesitz quasi nicht möglich ist: es wird dann halt umso öfter zum Messer oder improvisierten Waffen gegriffen. Machen Sie Gewalt und Selbstgewalt nicht an leblosen Objekten wie einer Schusswaffe fest. Letztlich ist es der Mensch, der die Waffe führt und damit ist es ein mentales und in den USA ein gesellschaftliches Problem. Zu den «Killer-Games»: eine neuseeländische Studie der Massey Universität, welche mittels einer Meta-Analyse 28 bisherige Studien untersucht, zeigt das gewaltätige Videospiele keinen bedeutenden Effekt auf Jugend-Aggression hat.

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  • am 2.08.2021 um 19:56 Uhr
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    USAchse des Bösen: Wilder Westen (Recht des Stärkeren), Versklavung (durch Schneeball-Finanzsystem und Psychometrie) und Genozid (die heutigen Indianer sind wir alle) werden maximiert statt Zivilisierung.
    https://www.youtube.com/watch?v=pINAGyfeFYo
    Dass so viele Leute auf das Etikett «Demokratie» hereinfallen, beelendet mich mit am meisten.
    Das einzige wirkliche/echte Land der «Unbegrenzten Möglichkeiten» ist Russland. Wenn ich jung wäre, würde ich dorthin auswandern, toll:
    Auswandern nach Russland:
    https://www.youtube.com/watch?v=tbA907XpB_w
    Ausstieg aus dem System – Autarkes Leben in Russland:
    https://www.youtube.com/watch?v=1AdslREcnLQ
    Gezeitenkraftwerk in Russland:
    https://www.youtube.com/watch?v=D1-s4yuNpxs

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  • am 3.08.2021 um 09:28 Uhr
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    Zur letzten Frage im Artikel: Ja (nur nicht so gerafft zusammengestellt). Dass die amerikanische Gesellschaft an der Waffenfreiheit und Schiesswut leidet, ist wohl für die meisten „Mainstream“-Zeitungen lesenden Schweizer*innen ein alter Hut (aber leider immer wieder bedrückend aktuell).

    Warum, Herr Müller, präsentieren Sie dies denn sozusagen als Primeur – als ob Sie die angegriffenen Medien nicht lesen würden?

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  • am 4.08.2021 um 11:58 Uhr
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    In der BRD, aber auch generell in der EU, wird immer von einer WERTE-Gemeinschaft geredet und damit genau diese innige Verbindung der EU und der USA gemeint.
    Für mich steht die Frage welche Werte da die Grundlage sind. Ist es das ständige Ermorden von Bürgern gegenseitig, da das Waffenrecht in den USA grottig ist? Ist es der weltweit höchste Anteil an Inhaftierten bezogen auf die Gesamtbevölkerung ? Oder ist es die Tatsache, dass die USA seit Beginn ihrer Existenz nur 22 Jahre ohne Krieg gelebt hat – natürlich nicht am Stück. Das wäre für die US-Regierung unerträglich – oder doch eher seitens des militärisch-industriellen Kompexes?

    Da reden Politiker davon, die USA sei ein Sicherheitsfaktor für Europa. Die militärische Strategie der USA sieht aber vor, die Auseinandersetzung zwischen sich und Russland sowie Chinas hier in Europa und in Asien zu führen -auch mittels Nuklear-Krieg. Somit strimmen diese Politker zu, dass ihre eigene Bevölkerung in einem Nuklearkrieg vernichtet werden, damit dieser perverse Krieg nicht die edlen US-Amerikaner trifft. Müßte das nicht als Hoch- und Landesverrrat zur Anklage gegen diese US-hörigen Politiker reichen ?

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  • am 4.08.2021 um 16:56 Uhr
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    Herr Kuhn schreibt; Die Statistik zeigt klar, dass bei der Menge an Schusswaffen glücklicherweise nicht viel passiert. Viele Suizide sind darauf zurückzuführen, dass Schusswaffen so leicht verfügbar sind. Mit diesen Waffen werden auch immer wieder Angehörige bedroht oder sogar getötet, die Täter sind oft psychisch krank. Auch bei vielen Überfällen, etwa auf Tankstellenshops in der Schweiz nachts, werden Pistolen und Revolver eingesetzt, wie in Polizeiinformationen einsehbar ist. Immer wieder wird zwar behauptet es bestehe keinen «Zusammenhang zwischen Suizidrate und Waffenbesitz». Suizide haben sicher viele Ursachen, aber die vielen Schusswaffen in Schweizer Haushalten führen immer wieder zu Selbstmorden mit Armeewaffen, wie viele von uns in ihrem Bekannten- und Freundeskreis erlebt haben. Siehe auch: ifor-mir.ch/schutz-vor-waffengewalt-verfuegbarkeit-von-schusswaffen-einschraenken/
    Zu den angeblich harmlosen Killergames: Der Berufsverbandes der deutschen Psychologinnen und Psychologen ist der Meinung: „Genau wie die Produktwerbung im Fernsehen das Kaufverhalten im Supermarkt beeinflusst, wirkt sich das Töten und Verletzen im Rahmen von Killerspielen auf Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen im echten Leben aus. Gewalterfahrungen im realen Leben und in den Medien verstärken sich gegenseitig und führen nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig zu einer positiven Bewertung von Gewalt Siehe auch: “www.rubikon.news/artikel/mords-spass

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