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Model-Agent Adi Barkan hält das völlig abgemagerte Model Hila Elmalich in den Armen. © ss

Magermodels: Israel schreibt Mindestgewicht vor

Barbara Marti /  Zum ersten Mal verbannt ein Staat zu magere Models vom Laufsteg. Auch Manipulationen mit Fotoshop sind offen zu legen.

Israel verbietet es der Modebranche, zu dünne Models zu beschäftigen und setzt auch der Bildmanipulation Grenzen. Einem entsprechenden Gesetz hat das Parlament zugestimmt. Das weltweit bisher einmalige Gesetz schreibt zudem vor, dass digital bearbeitete Fotos als solche zu kennzeichnen sind.
Auch Werbung aus dem Ausland ist vom neuen Gesetz betroffen und darf in Israel nur noch verwendet werden, wenn die neuen Bedingungen erfüllt sind, schreibt die Tageszeitung «Haaretz». Einzige Ausnahme sind ausländische Zeitschriften, die auch in Israel verkauft werden. Diese dürfen weiterhin Magermodels zeigen.
Ärztliche Bescheinigung des Body-Mass-Index
In Israel hingegen müssen Agenturen nun von den Models eine ärztliche Bescheinigung über ihren Body-Mass-Index (BMI) verlangen. Dieser darf nicht unter die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegte Untergrenze von 18,5 fallen. Die Bescheinigung darf nicht älter als drei Monate sein.
Wer ein zu dünnes Model beschäftigt, muss mit Geldbussen rechnen. BMI 18,5 heisst, dass eine Frau, die 1,72 Meter gross ist, 54 Kilogramm wiegt. Zahlreiche Supermodels wie etwa Kate Moss wären viel zu dünn. Das israelische Gesetz setzt auch der digitalen Manipulation der Fotos Grenzen. Wenn ein Model beim Fotoshooting einen BMI von 18,5 nachweisen kann, darf ihr Körper nicht nachträglich am Computer schlanker gemacht werden. Zudem muss jede digitale Bildbearbeitung mit einem deutlich erkennbaren Hinweis sichtbar gemacht werden. Dieser Vorschlag war im Parlament umstritten. Heute lasse sich kaum noch ein Prominenter ablichten, ohne sein Bild nachträglich zu schönen, meinten die Kritiker.
Falsche Vorbilder für junge Mädchen
Das Gesetz eingebracht haben die Abgeordneten Danny Danon von der konservativen Likud-Partei und Rachel Adato von der liberalen Kadima-Partei. Sie wollen damit die Magersucht junger Mädchen bekämpfen und die «gesellschaftliche Norm der kranken, magersüchtigen Models» verändern. Die Modeindustrie verbreite ein «verfälschtes Bild der Idealfrau», sagt Rachel Adato, die selbst Ärztin ist. Um ihren Vorbildern nachzueifern, würden normalgewichtige Mädchen abmagern.
Model-Agenten kritisieren, dass von Natur aus schlanke Frauen die Leidtragenden des Gesetzes seien. Das Mindestgewicht sei willkürlich und nicht für jedes Model geeignet. Es gebe viele «total gesunde Mädchen», die nun ihren Job verlieren. Rachel Adato entgegnet, dass höchstens fünf Prozent aller Frauen von Natur aus einen Body-Mass-Index von weniger als 18,5 haben.
Einigen wenigen Models werde die neue Vorschrift zwar schaden, sagt Rachel Adato. «Andererseits retten wir viele Kinder.»

«Heute sehen Models aus wie Tote»
Top-Model-Agent und Fotograf Adi Barkan ist einer der wenigen aus der Branche, der das Gesetz begrüsst. Er habe in den letzten 30 Jahren mitverfolgt, wie die Models immer knochiger und kränker geworden sind. «Heute sehen sie aus wie Tote.» Vor fünf Jahren erlebte er den Tod des israelischen Models Hila Elmalich hautnah mit. Sie wog zuletzt noch 27 Kilogramm. Barkan: «Es gibt einen Unterschied zwischen dünn und zu dünn. Das ist der Unterschied zwischen Leben und Tod.»
Adi Barkan hatte Wochen am Krankenbett von Hila Elmalich verbracht. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie er das Model in seinen Armen hält. Es habe sich angefühlt, als halte er eine Leiche, sagt Barkan. Models seien heute Superstars mit Vorbildcharakter. Nur wenige seien von Natur aus sehr schlank. Andere könnten ihr Gewicht mit einer gesunden Ernährung und viel Sport niedrig halten. Die meisten würden jedoch Drogen nehmen oder sich zwingen zu übergeben.

Sonst nur unverbindliche Empfehlungen
Weltweit als erstes Land hat Spanien Magermodels von den Laufstegen der Modewoche «Pasarela Cibeles» in Madrid verbannt. In einigen Ländern wie Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich gibt es unverbindliche Empfehlungen der Modeindustrie, auf zu dünne Models zu verzichten.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht»

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