«Eine Frau» macht wieder Schlagzeilen

Barbara Marti © zvg

Barbara Marti /  Medien reduzieren Frauen auf ihr Geschlecht. Kürzlich war eine amtierende Ministerin betroffen.

«Eine Frau soll Schweden weiterbringen», titelte der «Tages-Anzeiger» nach dem Rücktritt des Regierungschefs Stefan Löfven Ende August. Gemeint war Finanzministerin Magdalena Andersson, die erste Regierungschefin des Landes werden soll.

Weitere Beispiel von Schlagzeilen aus diesem Jahr: «Nach dem Corona-Leugner soll eine Frau das Land retten», «Frau übernimmt Kommando auf US-Flugzeugträger» oder «Eine Frau übernimmt die Deutsche Fussball Liga».

Unwahrscheinliche Schlagzeilen: «Ein Mann soll Schweden weiterbringen», «Nach der Corona-Leugnerin soll ein Mann das Land retten», «Mann übernimmt Kommando auf US-Flugzeugträger» oder «Ein Mann übernimmt die Deutsche Fussball Liga».

Die Beispiele zeigen: Frauen, die Schlagzeilen machen, reduzieren Medien auch heute noch oft auf ihr Geschlecht. So verschwinden auch renommierte Frauen hinter der Bezeichnung «eine Frau». Dabei ist es ganz einfach, diesen Sexismus zu überwinden: Man nennt die Frau mit Vornamen und Namen, wie das bei Männern üblich ist.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitschrift «FrauenSicht»:
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Gleiche Rechte für Frauen und Männer

Gleichstellung und Gleichberechtigung: Angleichung der Geschlechter – nicht nur in Politik und Wirtschaft.

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4 Meinungen

  • am 3.09.2021 um 13:06 Uhr
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    ‹Frauen, die Schlagzeilen machen, reduzieren Medien auch heute noch oft auf ihr Geschlecht.›
    Das machen nicht nur Medien. Dass machen Frauen auch gern selber. Die seit 40 Jahren übliche Vermenschlichung bzw. Personalisierung von Rollen geht überwiegend von Frauen selbst aus. Frauen wollen als Frau sichtbar sein, obwohl es einer nur kurzen Überlegung bedarf, zu wissen, dass öffentliche Rollen wie Politiker keine privaten Merkmale haben dürfen. Ein Politiker ist ein Abstraktum, welche nur die eine Eigenschaft hat, nämlich die Politiker zu sein. Politiker haben keinen Körper, mithin auch kein Geschlecht, sie haben keinen Charakter und auch keinen Fahrausweis. Sie sind nur Politiker.
    Aber dieses Abstrakte ist Frauen und Fraumännern nicht zugänglich, sie sind auf Gegenständlichkeit, auf einfache Sprache und einfaches, linearkausales 1- Schritt- Denken konditioniert. Das Nichtgegenständliche graut Frauen, sie geben Politikern und Briefmarkensammlern immer auch menschliche Eigenschaften mit, selbst im Wissen der logischen Unhaltbarkeit dessen.

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  • am 3.09.2021 um 14:07 Uhr
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    Völlig einverstanden mit dieser Analyse. Auch wenn das weibliche Kommando eines Flugzeugträgers (anders als ein Ministerpräsidium) noch so viel Seltenheitswert hat, dass es doch eine gewisse Hervorhebung verdient.
    Allerdings: Bei anderen Gelegenheiten verlangen feministische Kreise dann doch die explizite Nennung des Weiblichen. So las man kürzlich, ein Mord an einer Frau (durch einen Mann) solle stets als «Femizid» bezeichnet werden …

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  • am 3.09.2021 um 21:57 Uhr
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    Sehr kurz, aber treffend. Mir kommt da einer meiner gesammelten Aphorismen in den Sinn, welcher hier angebracht ist: «Halte Wort, aber keine langen Reden.»
    Ich habe «es» allerdings- ehrlich gesagt – auch nicht gecheckt, obwohl ich mich ja für sehr achtsam halte; sorry, meine lieben weiblichen Mit-Menschen. Auch, kleine, uralte patriarchale Verkrustungen und damit zusammenhängende schlechte Gewohnheit sind einfach unheimlich zäh; zum Glück wehren sich heute immer mehr Frauen und helfen uns Männern, überlegender, achtsamer und menschlicher zu denken und zu sein.
    Allen männlichen Mit-Menschen empfehle ich ein sehr spannendes und «augenöffnendes» Buch einer sehr begabten Frau, nämlich Emilia Roig. Der Titel: «why WE matter – Das Ende der Unter-drückung.» (3. Auflage 2021, im Aufbau-Verlag).

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