Ingo Potrykus hat den Goldenen Reis erfunden und möchte damit den Armen helfen © srf

Ingo Potrykus hat den Goldenen Reis erfunden und möchte damit den Armen helfen

Vatikan ist voll des Lobes für den Gentech-Reis

Kurt Marti / 08. Apr 2013 - Die Philippinos wollen den Golden Reis nicht. Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften hingegen propagiert den Gentech-Reis.

Ende März strahlte das Schweizer Fernsehen den DOK-Film «Der Wunderreis» aus (siehe Link unten). Der emeritierte ETH-Professor Ingo Potrykus hat mit gentechnologischen Methoden einen «Goldenen Reis» entwickelt, der in erhöhtem Mass Beta-Carotin (Provitamin A) erzeugt. Damit will er unterernährte Kinder vor dem Erblinden schützen. Zum Beispiel auf den Philippinen, wo der Wunderreis zuerst auf den Markt gebracht werden soll. Erstaunlicherweise konnten die SRF-Reporter dort aber «kein einziges Kind ausfindig machen, das an einem sichtbaren Vitamin-A-Mangel leidet».

Widerstand auf den Philippinen

Die Einführung des Wunderreises auf den Philippinen trifft auf hartnäckigen Widerstand. Die kleinbäuerliche Organisationen Masipag setzt laut SRF-Reportage auf lokale, traditionelle Reissorten wie den schwarzen Reis, der laut Masipag-Leiter Chito Medina ebenfalls reich an Vitamin A ist. Widerstand gibt es auch von der mächtigen, katholische Kirche auf den Philippinen, weil die Sicherheit dieses Gentech-Produktes nicht ausreichend bewiesen sei. «Die Armut mit Gentechnik bekämpfen zu können, ist ein Irrglaube», sagt Edwin Gariguez von der katholischen Bischofskonferenz der Philippinen.

Umso erstaunlicher ist der flammende Appell der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften für die «Grüne Gentechnologie» und den Goldenen Reis. In einem Thesenpapier, das anlässlich einer Studienwoche im Vatikan erarbeitet wurde, preist die Päpstliche Akademie der Wissenschaften die «Grüne Gentechnologie» als Beitrag zur Lösung des Hungerproblems. Dabei stützt sich die Päpstliche Akademie ausdrücklich auf Papst Benedikt XVI.: «Die Einstellung der Teilnehmer (der Studienwoche, Anm. d. Red.) war vom gleichen Technologieverständnis inspiriert, wie es Papst Benedikt XVI. in seiner neuen Enzyklika zum Ausdruck gebracht hat.»

Vatikanische PR für den Goldenen Reis

Das vatikanische Thesenpapier, das Ende 2010 publik wurde, kommt wie eine Werbebroschüre der Gentech-Lobby daher. Darin appelliert die Päpstliche Akademie an die Regierungen und die internationalen Hilfsorganisationen, die Gentechnik «zur Unterstützung von Kleinbauern» mittels wirksamer Forschungsfinanzierung zu fördern. Angesichts der Dringlichkeit hätten die Organisationen wie die FAO, CGIAR, UNDP und UNESCO «die moralische Verpflichtung, die Ernährungssicherheit für die gegenwärtige und zukünftige Bevölkerung zu garantieren». Und die Akademie fordert, dass die gentechnischen Methoden «von den exzessiven Sicherheitsvorschriften befreit werden».

Laut der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften könnte das «humanitäre Projekt des Goldenen Reises» die Vitamin-A-Mangelkrankheiten «erheblich reduzieren». Diese unverblümte Propaganda für die Vorzüge der Gentechnik, insbesondere für den Goldenen Reis, ist kein Wunder: Denn in der Akademie sitzen einige prominente Befürworter der Gentechnik, allen voran Ingo Potrykus und Werner Arber, der Schweizer Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin. Arber präsidiert seit 2010 die Päpstliche Akademie der Wissenschaften, welche rund 20 Nobelpreisträger zu ihren Mitglieder zählt.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

SRF DOK: Der Wunderreis
Päpstliche Akademie der Wissenschaften zur Grünen Gentechnik

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2 Meinungen

Was Heisst denn hier, „die Philippinos wollen den Reis nicht“? Filmautor Daniel Mennig hat von Greenpeace ausgewählte Personen befragt. Wenn Interviewte ihre Meinung kundtun, ist dies das eine. Da andere aber ist, wenn der Film nachweislich falsche Aussagen als Fakten darstellt, bzw. Fakten unterschlägt, die nicht in die Botschaft des Films passen.
Ich sage nicht, dass Greenpeace immer falsch liegt. Aber dieses Mal ist der Autor der Umweltlobby gehörig auf den Leim gekrochen. Denn im Film „Der Wunderreis“ sind so ziemlich alle Argumente gegen den Reis falsch.
1) Gentechnisch veränderte Pflanzen werden als generell gefährlich dargestellt. Tausende weltweiter Studien belegen das. Und auch das kürzlich abgeschlossene Nationale Forschungsprogramm „Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen“ (NFP 59) hat gezeigt, dass von diesen Pflanzen keine
spezifische Risiken ausgehen.
2) Auch wenn eine Gesundheitsarbeiterin auf den Philippinen behauptet, es gäbe in ihrer Region keine Menschen, die an Vitamin-A-Mangel leiden, die Statistik der WHO und der philippinischen Gesundheitsbehörde sagen etwas anderes. Glaubt man mehr einer Einzelperson oder den Untersuchung eines UNO-Organs.
3) Die Studie von Gilles-Eric Seralini der Universität Caen, der behauptet, Gentechmais verursache bei Ratten Krebs, ist mehrfach wissenschaftlich widerlegt worden. Der verwendete Rattenstamm entwickelt immer Krebs, wenn er überfüttert wird.
4) Der lokale Vertreter behauptet, der Schwarze Reis enthalte „fast gleich viel“ Provitamin A wie der Golden Rice. In Wahrheit liegt er 100 mal tiefer. Um den täglichen Vitamin-A-Bedarf zu decken, müsste ein Mensch also 100 Schalen Reis am Tag essen.

Kurt Marti befindet, die Päpstliche Akademie lobe den Golden Rice „PR-mässig“. Vielleicht ist die Akademie auch ganz einfach von einem Produkt überzeugt, das eine Mangelernährung armer Menschen beheben kann. Ein Produkt, das im Rahmen eines humnitären Engagements der Wissenschaft und Atiftungen wie der Bill Gates Stiftung dem Volk geschenkt wird und nicht dem Profit eines Agromultis dient.
Könnte es im vorliegenden Fall vielleicht sein, dass Daniel Mennig es ist, der hier PR betreibt? Weil der Autor – wie die Weltwoche aufdeckte – neben seiner Tätigkeit bei SRF auch noch an einer Firma beteiligt ist, die verschiedene (gentechkritische) Organisationen berät? Oder weil er Immer wieder die Argumentation der Greenpeace-Lobby zur journalistischen Aussage seiner Beiträge macht (z.B. saldo 5/2002 Tropenholz, saldo 1/2003 Fischerei) und handelte er sich dafür schon eine Beanstandung beim Ombudsmann ein (Berichterstattung über Fukushima im SRF). PR im Dienste der Umweltlobby anstelle von sauberer, journalistischer Arbeit? Könnte ja auch sein – oder?

Interessenbindung: Ich war Kommunikationsbeauftragter des Nationalen Forschungsprogramms NFP 59, welches im Auftrag des Bundesrates, unabhängig von Interessen und öffentlich finanziert die Nutzen und Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen untersuchte.
Beat Glogger, am 08. April 2013 um 13:29 Uhr
Oh, Gott, in Ihrer Welt gibt es nur „die Guten“ und „die Bösen“. Und was für ein fundamental falsches Bild von Forschung! Öffentliche Forschung funktioniert durch Transparenz. Was nicht öffentlich transparent dargestellt und wiederholbar ist, gilt nichts. Und glauben Sie mir: jeder Forscher widerlegt noch so gerne den andern. Die suche geradezu nach dem Haar in der Suppe. Zu Vogelgrippe und Roches Tamiflu habe ich nichts gesagt. Das war offensichtlich ziemlich faul. Aber beim Golden Rice reden wir von öffentlich finanzierter Forschung.

1) Dass niemand gentechnisch veränderte Lebensmittel essen will, ist schlicht eine Mär, die von Greenpeace sorgsam am Leben gehalten wird. Untersuchungen in der Schweiz zeigten, dass ca. 25% der Konsumenten GV-Lebensmittel kaufen. Aber selbst jene, die sie nicht kaufen würden verlangen zu ca. 70% die Wahlfreiheit. Das sind Zahlen, die nicht von der Industrie stammen, sondern von öffentlich finanzierter Forschung. Hier die Studie: How would Swiss consumers decide if they had freedom of choice? Evidence from a field study with organic, conventional and GM corn bread
Aerni Philipp, Scholderer Joachim, Ermen David
Food Policy, doi:10.1016/j.foodpol.2011.08.002, 2011

Sagen Sie mir bitte, was daran faul ist, und wer da wen gekauft hat. Bin gespannt, was Sie sich dazu an Verschwörungstheorie zusammenreimen.

3) Wenn Sie die Gegenstudien zu Seralini lesen möchten: Bitteschön, hier die komplette Übersicht aller belegbaren Gegenstudien (die letzten 3 Wochen fehlen noch) Ammann Klaus (20130301), Thematic bibliography longterm experiments, Séralini and News from Web of Science and other sources, with full text links Version March 1, 2013, in: Bibliography, 68, Neuchatel, Switzerland,
http://www.ask-force.org/web/Seralini/Ammann-Thematic-Bibliography-Longterm-Seralini-201300301.pdf

4) Wenn die Kolonialisierung der Grund für die Fehlernährung vieler Menschen ist (was ich gar nicht in Abrede stelle), wie wollen Sie das Problem lösen? Die Kolonialisierung abschaffen, oder die Sache mit lokalen Kompetenzen und (auch) mit westlicher Hilfe wieder einigermassen ins Lot bringen? Sie können die Zeit gerne vor die Kolonisation zurückdrehen, wenn Sie es schaffen.
Beat Glogger, am 09. April 2013 um 17:45 Uhr

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