Thomas Cueni, Chef der Interpharma: Will für seine Firmen einen Wechselkurs von 1.40 Franken. © srf

Thomas Cueni, Chef der Interpharma: Will für seine Firmen einen Wechselkurs von 1.40 Franken.

Pharmalobby schiesst Eigentor

Urs P. Gasche / 27. Feb 2012 - Schweizer Pharmafirmen feilschen immer noch um einen Vorzugs-Wechselkurs, während Pharma-Importeure munter absahnen.

Zwei Drittel aller Medikamente, welche die Krankenkassen zahlen, werden vom Ausland importiert. Deren Preise werden immer noch zu einem Kurs von über 1.50 Franken berechnet. Unterdessen haben die Importeure schon 500 Millionen Währungsgewinne gemacht.

Interpharma droht dem BAG

Trotzdem hat der Pharmaverband Interpharma auch für die Zukunft einen Wechselkurs von 1.40 Franken verlangt. Das Bundesamt für Gesundheit BAG schlägt einen Kompromiss von 1.29 Franken vor (Kurs 1.23 plus 6 Prozentpunkte Schwankungszuschlag), wie Andreas Faller, Vizedirektor des BAG gegenüber Infosperber erklärte. Der Bundesrat hat einen Entscheid offensichtlich vertagt.

Einen Umrechnungskurs von rund 1.30 Franken sei für die Pharmafirmen nicht akzeptabel, erklärte Geschäftsführer Thomas Cueni in der NZZ am Sonntag und drohte dem BAG: Falls es bei der Berechnung von etwa 1.30 Franken bleibe, empfehle die Interpharma ihren Mitglied-Firmen, gegen das BAG juristisch vorzugehen (Infosperber hat darüber berichtet).

Den Bogen überspannt

Immerhin scheint die Forderung nach einem Wechselkurs von 1.40 Franken selbst den Schweizer Pharmafirmen nicht mehr geheuer. Interpharma-Kommunikations- und -Geschäftsleiter Roland Schlumpf behauptet keck, Interpharma habe gar nie einen Kurs von 1.40 Franken verlangt: «Das trifft nicht zu und war in der ganzen Diskussion nie der Fall.»

Falls man für diese Behauptung keinen Beweis erbringe, erwarte er eine «Richtigstellung», dass «die Pharmaindustrie nie einen Wechselkurs von 1.40 Franken gefordert hat».

Beweis geliefert

Nichts Leichteres als dieser Beweis: Der oberste Geschäftsleiter der Interpharma, Thomas Cueni persönlich, hatte im Januar verlangt, dass der Wechselkurs «die Kaufkraft der Länder spiegeln» solle: «Diese sogenannte Kaufkraftparität bewege sich bei rund 1.40 Franken pro Euro, sagt Thomas Cueni, Generalsekretär des Branchenverbands Interpharma». Das verbreitete die Schweizerische Depeschenagentur am 20. Januar. Die in etlichen Zeitungen abgedruckte Meldung blieb von Seite der Pharmalobby unbestritten.

Der Korrespondent der NZZ berichtete von der gleichen Pressekonferenz: «Interpharma sieht einen solchen Kurs zurzeit um Fr. 1.40 pro Euro.»

Zu berichtigen gibt es also nichts. Interpharma-Geschäftsleiter Roland Schlumpf sollte zuerst lesen, was sein Chef Thomas Cueni von den Medien verbreiten lässt, bevor er versucht, in Medien «Richtigstellungen» zu platzieren.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor vertritt die Konsumentinnen und Patienten in der Eidgenössischen Arzneimittelkommission.

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2 Meinungen

Nicht nur das....
Gesunde rentieren nicht, Tote auch nicht.
Kranke hingegen rentieren, deshalb hilft die Pharmaindustrie so selten beim Gesundwerden, und die kollektivistische Krankenversicherung hilft kräftig beim scheff
Urs Lachenmeier, am 04. März 2012 um 19:06 Uhr
.. scheffeln.
Eigenverantwortung? Selbsthilfe?
http://www.robertbeck.org/
Urs Lachenmeier, am 04. März 2012 um 19:08 Uhr

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