Bananenrepublik: Autokriminelle lässt man laufen

Franz Alt © FA
Franz Alt / 01. Aug 2017 - Der Dieselskandal führt am 2. August in Deutschland zu einem Dieselgipfel. Ein Einschreiten wie am G20-Gipfel ist nicht geplant.

Die Auto-Länder Bayern (BMW und Audi) und Niedersachsen (VW) wollen tatsächlich noch mehr Steuergelder für Diesel-Autos und der oberste deutsche Auto-Lobbyist Matthias Wissmann nennt selbst harmlose Forderungen der Politik an die Autohersteller «untauglich».

Vergleichen wir mal zwei Gipfel miteinander. Beim G20-Gipfel in Hamburg hiess die politische Parole «Hart einschreiten gegen die Gewalt auf der Strasse». Aber wo ist diese Härte bei Manipulationen an Autos auf tausenden Strassen mit Zehntausenden Toten pro Jahr? In der Europäischen Union sterben jedes Jahr 180'000 Menschen durch Luftschadstoffe, in Deutschland 32'000.

In Hamburg gab es Demonstrationsverbote in der Innenstadt, weil einige Dutzend Politiker geschützt werden mussten. Aber wo bleiben die Diesel-Fahrverbote auf den Strassen unserer Innenstädte, wenn die Gesundheit von Millionen Menschen geschützt werden müsste?

Der Kabarettist Dietrich Kraus fragt: «Die Strasse darf kein rechtsfreier Raum sein? Tatsächlich ist sie das in Deutschland jeden Tag, denn hier darf jeder nach Belieben gegen Umweltrecht verstossen». Für potentielle Autoanzünder gibt es ein Vermummungsverbot, aber leider kein Verdummungsverbot für verbrecherische Autohersteller. Da kann der Kabarettist nur noch fragen: Warum zweierlei Mass – eines für die Auto-nomen und eines für die Auto-Namen in Deutschland?

Bürgerinnen und Bürger sollen sich an alle staatlichen Regeln und Gesetze halten, aber wann endlich werden die Autohersteller, die alle Regeln gegen Würde und Anstand verletzen, vor Gericht gestellt? Warum dürfen regierende Politiker gemeinsame Sache mit der kriminellen Auto-Lobby machen, ohne dass wir sie bei der nächsten Wahl abstrafen? Im Kanzleramt, im Wirtschafts- und Verkehrsministerium wird bisher Auto-Kriminalität nicht bekämpft, sondern organisiert.

Deutschland ist angeblich das Öko-Musterland der Welt. Aber die deutsche Autoindustrie wird von Ökokriminellen geführt – nach dem Motto verschweigen, vertuschen und verdrängen. Braunkohle vergiftet in Deutschland die Atmosphäre mehr als in jedem anderen Land der Welt und die deutsche Fleischindustrie quält Tiere, Menschen und die Umwelt.

Der frühere FDP-Chef und Aussenminister Guido Westerwelle hat 2013 gesagt: «Wir verstehen uns ausdrücklich als Dienstleister der deutschen Unternehmer.» Derselbe Politiker hat wie alle Regierenden zuvor einen Eid geschworen, in dem es ausdrücklich heisst, er wolle «Schaden vom deutschen Volk» abwenden. Aber die FDP steigt derzeit wieder in der Wählergunst. Wie heisst dazu das passende deutsche Sprichwort: «Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.» Wie lange wollen wir uns noch erpressen lassen?

Damals hat sich VW-Chef Winterkorn ausdrücklich bei Minister Westerwelle bedankt. Derselbe Herr Winterkorn hat den VW-Dieselskandal mit zu verantworten und wurde mit 16 Millionen Euro Abfindung in Rente geschickt. Je grösser die Gauner, desto höher die Gehälter. Alles klar?

Anderswo nennt man so ein Staatswesen Bananenrepublik. Aber doch nicht in Deutschland.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der pensionierte Autor war viele Jahre lang ARD-Journalist. Er betreibt heute den Blog sonnenseite.com.

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung unter Ihrem richtigen Namen zu äussern. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Achtung: Die Länge der Einträge ist beschränkt und wir erlauben nicht, zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander zu platzieren. Unnötig herabsetzende Formulierungen ändern oder löschen wir ohne Korrespondenz.