Nicht nur breit um die Reifen: SUVs haben auch eine mächtige Fahne (aus einer Basler Parkgarage). © Daniela Gschweng
In allen Märkten werden seit Jahren immer mehr SUV verkauft. Stagnation gab es im vergangenen Jahr nur in China. © IEA
Änderungen im CO2-Ausstoss in Megatonnen für die Jahre 2010 bis 2018 nach Sektoren. © IEA

SUVs fressen alle CO2-Einsparungen von PKW auf

Daniela Gschweng / 06. Dez 2019 - Der Trend zum «Strassenpanzer» hält an. SUVs verbrauchen so viel Sprit, dass es alle CO2-Einsparungen bei Kleinwagen aufwiegt.

Mehr als ein Drittel aller verkauften Personenwagen sind SUVs. 39 Prozent aller Konsumenten weltweit kauften im vergangenen Jahr einen der Stadt-Offroader, wenn sie ein neues Auto brauchten, Tendenz seit Jahren steigend. Diese Zahl hat die Internationale Energieagentur IEA Mitte Oktober als Vorabmeldung zum «World Energy Outlook 2019» veröffentlicht. Die Agentur bewertet jedes Jahr den Weltenergiekonsum und prognostiziert in drei möglichen Szenarien die zukünftige Entwicklung.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Anteil der SUVs weltweit verdoppelt, stellt die Energieagentur fest. In der EU ist schon jeder dritte Neuwagen ein SUV, in den USA fast jeder zweite. Auch die wohlhabende Schweiz setzt auf den allradgetriebenen Wagen: Laut «Blick» haben inzwischen die Hälfte aller Neuwagen 4x4. Für Geländefahrten sind sie meist nicht gedacht, eher für das raue Zürcher Pflaster. Ihre Fahrer loben vor allem das hohe Sicherheitsgefühl und die – im wörtlichen Sinne – gute Übersicht.

In allen Märkten werden seit Jahren immer mehr SUVs verkauft. Stagnation gab es im vergangenen Jahr nur in China. (IEA, eine interaktive Version dieses Diagramms findet sich hier.)

Die Vorliebe für grosse, schwere Autos macht sich in Folge an der Tankstelle und auch auf dem Konto bemerkbar: SUVs verbrauchen etwa ein Viertel mehr Energie als ein Mittelklassewagen. Der durchschnittliche CO2-Ausstoss eines Fahrzeugs steigt dadurch drastisch an – so sehr, dass er alle «Gegenmassnahmen» wie effizientere Motoren und sparsamere Autos in der Summe glatt ausradiert.

Fast so schädlich wie die Kohleverbrennung

Die immer grösseren und schwereren Vehikel schaden der Umwelt erheblich mehr als kleinere und leichtere Autos. Trotz aller Massnahmen, die Treibstoff-Verbrennung sauberer und weniger umweltschädlich zu gestalten, ist der globale Treibstoffbedarf zwischen 2010 und 2018 um 5,3 Milliarden Liter (3,3 Millionen Barrels) täglich (!) gestiegen, was ausschliesslich auf SUVs zurückzuführen ist. Das ist die zweitgrösste Steigerung im CO2-Ausstoss nach den Emissionen der Elektrizitätserzeuger (Power).

Änderungen im CO2-Ausstoss in Megatonnen für die Jahre 2010 bis 2018 nach Sektoren. Der Balken «Heavy Industry» (Schwerindustrie) stellt die Summe aus Stahl-, Eisen-, Zement-, Aluminium-, Chemie- und Papiererzeugung dar. (IEA, eine interaktive Version dieses Diagramms findet sich hier.)

Verbesserungen bei kleineren Fahrzeugen haben im gleichen Zeitraum zu einer Einsparung von 3,2 Milliarden Liter (2 Millionen Barrels) täglich geführt. Elektrofahrzeuge entlasten die Umwelt noch vergleichsweise wenig – durch den Nicht-Verbrauch von etwa 16 Millionen Litern Treibstoff pro Tag.

Personenwagen mit alternativen Antrieben sind zwar auf dem Vormarsch, noch ist der Marktanteil von Elektro-, Hybrid- und Wasserstoffautos aber gering. Bis 2025 werden etwa 350 Modelle auf dem Markt sein, schätzt die IEA. Dabei handelt es sich vor allem um Kleinfahrzeuge.

Die Präsentation des zukünftigen Pick-ups der Firma Tesla erfuhr kürzlich zwar viel Aufmerksamkeit, ist aber eher die Ausnahme als die Regel.

Den Schweizer Kunden ist das egal: Selbst beim kleinen Marktsegement der Elektro- und Hybridfahrzeuge machten SUVs hierzulande den grössten Anteil aus. Je nach Stromquelle ist auch das keine grosse Entlastung für das Klima. Es sei denn sie specken ab (siehe auch Infosperber: «Warum die Effizienz im Strassenverkehr gesunken ist»).

Die weltweit meisten SUVs sind jedoch Benziner und werden es voraussichtlich auch noch eine Weile bleiben. Wenn der Bedarf weiterhin mit ähnlicher Geschwindigkeit zunimmt wie in den vergangenen zehn Jahren, würden benzingetriebene SUVs bis 2040 die CO2-Einsparungen von fast 150 Millionen Elektroautos zunichtemachen, rechnet die IEA aus.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«Growing preference for SUVs challenges emissions reductions in passenger car market», Laura Cozzi für die IEA
«Schweizer fahren auf SUVs ab», SRF
Auf Infosperber: Warum die Effizienz im Strassenverkehr gesunken ist
Auf Infosperber: Elektroautos retten das SUV-Geschäft der Autobranche

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14 Meinungen

Die „gute Übersicht“ der SUVs ist nur solange gegeben, als eine überwiegende Mehrzahl der Autos auf den Strassen kleiner ist. Der Vorteil ist also nur kurzsichtig.
Ekkehard Blomeyer, am 06. Dezember 2019 um 12:22 Uhr
Lasst doch den Leuten ihr SUV (Schwere Umwelt Verschmutzer), die sind auch nötig um die Trottoirs vor den Schulhäusern zu erklimmen, wenn die Kinder hingekarrt werden. (;-)
Es ist sowieso alles ein grosser Beschiss mit der CO2 Geschichte.
Es ist zwar ein etwas langatmiger Vortrag an der Hochschule Karlsruhe, aber doch sehenswert. Er zeigt den ganzen Schwindel mit der EU-CO2 Grenzwertregelung, welche von der Autoindustrie diktiert wurde.» https://www.youtube.com/watch?v=d1zuYWKq2aQ2"
Hätte ich Bedarf an einem SUV Fahrzeug, würde ich mir sicher eines kaufen.
Ich begrüsse die Freiheit entscheiden zu können, ob ich ein Elektroauto oder was für ein Fahrzeug, mit welchem Antrieb auch immer zu kaufen.
Was ich total dagegen bin, sind Subventionen und Begünstigungen auf Kosten der Allgemeinheit, die nur den Wettbewerb und die technische Weiterentwicklung behindern.
Albert Deucher, am 06. Dezember 2019 um 13:21 Uhr
„Trotz aller Massnahmen, ..., ist der globale Treibstoffbedarf zwischen 2010 und 2018 um 5,3 Milliarden Liter ... gestiegen, was -> ausschliesslich <- auf SUVs zurückzuführen ist.“
Bei allem Respekt, diese Behauptung ist Quatsch. In den 8 Jahren haben weltweit Mobilität, Fahrzeugzahl und der Güterverkehr stark zugenommen. Man macht es sich zu einfach, ein neues Objekt des umweltmoralischen Zorns zu kreieren - das SUV, und sich dann daran und an deren Besitzern abwertend und verurteilend abzuarbeiten.
Unnötiger Treibstoffverbrauch entsteht hauptsächlich durch unnötiges Herumfahren, fehlendes car pooling, leere Dachboxen, ungenutzte Dachträger (bis 20% Mehrverbrauch), zu tiefer Luftdruck und Klimaanlage. Ökologischer Betrug und Unsinn sind gar Elektroautos, deren kumulierter (Verluste bei Stromproduktion, -übertragung und Antrieb) Wirkungsgrad viel schlechter als jener von Diesel-Fhz ist, vor Allem wenn mit Gas-, Öl- und Kohlestrom aufgeladen. Und ein Tesla ist ebenso überdimensioniert wie ein SUV und zudem übermotorisiert mit mehreren 100 PS und Breitreifen.
Und noch dies: Züri Bashing in diesem Zusammenhang ist fehl am Platz. Vermutlich hat Zürich pro Einwohner weniger 4x4 Fhz als GR oder VS.... es scheint, da viel Schreibmotivation aus Neid über den Zürcher Mittelstand und Oberklasse.....
Dem berechtigten, sachlichen, Umweltschutz erweist der Artikel einen Bärendienst..
Ignaz Heim, am 06. Dezember 2019 um 17:03 Uhr
Guten Tag Herr Heim, was Sie auflisten, sind mögliche Gründe, warum Treibstoff unnötig verbraucht wird.

Die IEA gilt im Allgemeinen als zuverlässig betreffend der Analysen, die sie macht. Der Satz
«In fact, SUVs were responsible for all of the 3.3 million barrels a day growth in oil demand from passenger cars between 2010 and 2018, while oil use from other type of cars (excluding SUVs) declined slightly» ist da eindeutig.
Daniela Gschweng, am 06. Dezember 2019 um 17:58 Uhr
Können die Autoren sich jemals vorstellen, dass die 750 Millionen Autos weltweit zusammen gerade einmal einen Anteil von 1% haben? Wenn man wirklich was ändern möchte, muss man bei denen anfangen die den Größten Anteil haben?

Da wären zu Beispiel die Bauindustrie mit über 50%?Warum redet man nicht darüber nicht nur jeden Freitag sondern jeden Tag?

Oder die Textilindustrie die alleine sind so schmutzig wie alle 750 Millionen Autos und der weltweite Flugverkehr zusammen?

Oder die Industrielle Landwirtschaft?

Oder die weltweiten Frachtschiffe weltweit die ca 90 000 Frachtschiffe weltweit werden ja alle mit Schweröl betrieben, einen dreckigen und giftigen Abfallprodukt der Öl Industrie? Alleine die 15 größten Frachtschiffe sind schmutziger als alle 750 Millionen Autos weltweit zusammen? Warum redet darüber niemand?

Ganz zu schweigen der militärische Komplex, alleine der von den USA ist so gigantisch, die verbrauchen täglich mehr als 50 Millionen Liter täglich? Deshalb haben die auch drauf bestanden im Kyoto Protokoll nicht aufgeführt wurden darf. Warum redet darüber niemand? Nicht nur jeden Freitag sondern täglich?

Dagegen ist es nun wirklich lächerlich, über E-Autos zu reden? Recherchiert denn niemand mehr?
Matti Illoinen, am 06. Dezember 2019 um 19:12 Uhr
Am besten ist kein Auto.
Wir haben unseren Wohnort so gewählt, dass ich mit dem Fahrrad zur Arbeit kann und so merkten wir dann bald, dass wir kein Auto mehr brauchten. Öffentliche Verkehrsmittel sind in der Schweiz sehr gut.
Markus Zimmermann, am 06. Dezember 2019 um 20:49 Uhr
Gelinde gesagt empfinde ich solche Artikel als Schrott. Einmal mehr wird eine Gruppe als Schuldige abgestempelt. Wie das Problem gelöst werden könnte, wird mit keinem Wort erwähnt. Hier mein konkreter Vorschlag. Einführung einer Klima-Gutschrift in der Höhe von 2700.- CHF pro Monat und Kopf. Finanziert durch eine Energie-Lenkungsabgabe in der Höhe von 400% auf den Energiepreis. Dann hat jeder die freie Wahl. Auf jeden Fall würde die Mehrheit gewinnen, auch diejenigen, die im Gebirge weniger Kliometer mit SUVS fahren.
Urs Anton Löpfe, am 07. Dezember 2019 um 09:43 Uhr
Liebe Frau oder Herr Illoinen,
vielen Dank für diese Steilvorlage. Wir schreiben natürlich auch über die Bauindustrie (https://bit.ly/2Pl1MeM), die Texilherstellung (https://bit.ly/2Rtt0Td), über Frachtschiffe (https://bit.ly/2OXw5Jq) und über die Landwirtschaft sowieso. Schauen Sie doch öfter mal rein ;*)
Daniela Gschweng, am 07. Dezember 2019 um 16:44 Uhr
@Urs Anton Löpfe, anderer Vorschlag, die Kosten für Auto inklusive Parkflächen hochrechnen. Wer sich verpflichtet kein Auto zu kaufen, bekommt die Kosten ausgezahlt.
Beispiel Berlin
20 % Parkflächen von 892 qkm
178,4 qkm Parkfläche mal Grundstückpreis von ca. 700 Euro pro qm
Sind dann bei ca. 3.500.000 Einwohner etwa 35.000 Euro pro Person.
Z.B. Familie mit 2 Kindern ohne Auto bekommt 140.000 Euro.
Das sind jetzt aber nur die Parkplatzkosten !
Dieter Gabriel, am 09. Dezember 2019 um 17:37 Uhr
Die SUVs sind auch besonders gefährlich. Wegen Ihrer Breite und Masse für Fussgänger, Velofahrer, andere Autos und sogar den FahrerInnen selbst, da sowohl die Kollisionswahrscheinlichkeit als auch die Kollisionsenergie steigen (nur bei einer Kollsion mit anderen Fahrzeugen sind die SUV-Fahrer im Vorteil, aber bei den häufigeren Selbstunfällen sind sie im Nachteil).

Und die höher belasteten Reifen machen mehr Feinstaub und Mikrogummi die uns und die Gewässer vergiften.

Ich blicke also mit Ekel und Verachtung auf solche Fahrzeuge ausser sie gehören einem richtigen Bergbauern und ersetzen einen Traktor.
Theo Schmidt, am 12. Dezember 2019 um 12:24 Uhr
Matti Illoinen, bei Ihren Zahlen sollten Sie etwas besser unterscheiden zwischen Luftverschmutzung durch Schadstoffe und dem CO2. Es mag sein, dass die Schifffahrt die Luft mindestens so stark verschmutzt wie alle Autos. Aber beim CO2 hat die individuelle Mobilität einen signifikanten Anteil.
Sie wissen sicher auch, dass zehn Prozent der Menschen 50 Prozent der Ressourcen verbraucht und dieses Verhältnis folglich auch für die Abgase und CO2 gilt. Die Schweizer gehören zu diesen zehn Prozent, weshalb es an uns liegt, Massnahmen zu ergreifen. Es tut übrigens nicht weh, sondern ist sogar eine grosse Chance für die Schweiz und die Schweizer*innen.
Josef Brusa, am 13. Dezember 2019 um 08:38 Uhr
Die fossilen Autos werden in den nächsten Jahren kaum mehr einen Wieder-Verkaufswert erzielen und schliesslich verboten werden.

Daraufhin deuten alle politischen und wirtschaftlichen Zeichen aktuell.

Mitgefühl ist für alle Spritfresser-Besitzer angezeigt.
Sie haben sich von der Werbung und von Desinformation verführen und belügen lassen.
Dr. med. Paul Steinmann, am 13. Dezember 2019 um 11:37 Uhr
@Dieter Gabriel, Warum machen wir nicht einfach beides. Dann werden Familien ohne Auto in einer Wohnung für deutsche Verhältnisse reich. Netto ergibt sich dann etwa 100´000 € von der Klima-Gutschrift und 140´000 € Parkflächen Gutschrift. Total 240´000 €. Warum fordert niemand solche Massnahmen in Deutschland.
Urs Anton Löpfe, am 13. Dezember 2019 um 18:08 Uhr
Herr Heim. Sicher fahren Sie einen SUV, sonst wären Sie nicht dermassen betroffen vom Artikel. Die Foto anfangs Artikel zeigt auch schon, weshalb diese Vehikel völlig deplaziert sind. Einige Ihrer Ideen könnte ich allerdings unterstützen. Zum Beispiel, dass die meisten Elektroautos überdimensioniert sind. Was bringt es, in 2,6sek auf 100 km/h zu sein? Aber dass ein Elektroauto viel schlechter als ein Stinker sein soll.... Einerseits motzen Sie über die «Pauschalverurteilung» der SUV-Fahrer. Dann machen Sie genau dasselbe über die Elektroautofahrer. Als Fahrer eines Fiat 500e, der seinen Strom auf dem eigenen Dach produziert, bin ich mit gutem Gewissen unterwegs. Und im kommenden Jahr kommen gleich einige vernünftige Elektroautos auf den Markt, die auch punkto Reichweite für die meisten Autofahrer alle Bedürfnisse abdecken. Bin mal gespannt, welche Ausreden dann publiziert werden.
Roland Käser, am 16. Dezember 2019 um 16:29 Uhr

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