Zahlreicher und schwerer: Die Automasse wuchs stärker als ihre Verkehrsleistung © flickr
Effizienz des Autoverkehrs sinkt © Guggenbühl

Warum die Effizienz im Strassenverkehr gesunken ist

Hanspeter Guggenbühl / 25. Okt 2019 - Um gleich viele Personen zu transportieren, benützen wir immer mehr und immer dickere Autos. Darum sinkt die Verkehrseffizienz.

Eines haben Wirtschaft und Verkehr in der Schweiz gemein: Sie wachsen, wenn nicht gerade Rezession herrscht. Ausser in den Jahren 1973 bis 1975 und 1992 bis 1994 hat die Verkehrsleistung auf den Schweizer Strassen, gemessen in Personen und zurückgelegten Kilometern (Personenkilometer), seit 1960 stetig zugenommen. Das zeigt die langfristige Verkehrsstatistik, die das Bundesamt für Statistik jeweils im Oktober aktualisiert.

Konkret: Im Jahr 2018 erreichte der motorisierte private Strassenverkehr innerhalb der Schweiz einen Umfang von 102 Milliarden Personenkilometern (Pkm). Pro Kopf der Bevölkerung, Greise und Säuglinge eingeschlossen, ergibt das annähernd 12 000 Kilometer. 95 Prozent dieser Pkm entfallen auf Personenwagen (die übrigen 5 % auf motorisierte Zweiräder und Reisecars).

Im Folgenden beschränken wir uns auf den Autoverkehr als Rückgrat des privaten Personentransports. Dieser erbrachte 2018 innerhalb der Schweiz also eine Verkehrsleistung von 97 Milliarden Pkm. Das ist sechsmal Mal so viel wie 1960, 2,2 Mal so viel wie 1970 und immer noch 57 Prozent mehr als 1980; seither wurde die Wachstumskurve flacher (siehe Grafik:Verkehrsleistung in Pkm ).

Die Zahl der Autos (rote Linie) wuchs stärker als ihre Verkehrsleistung in Pkm (blaue Linie). Darum sank die Effizienz des Autoverkehrs. Quelle: Bundesamt für Statistik. Grafik: Guggenbühl

Mehr Material für gleiche automobile Verkehrsleistung

Ebenso beachtenswert wie das aufgezeigte Wachstum der Verkehrsleistung ist die Entwicklung ihrer Effizienz. Bezogen auf den Autoverkehr bedeutet Effizienz, mit möglichst wenig Aufwand in Form von Material und Energie einen möglichst hohen Ertrag in Form von Mobilität zu erzielen. Ziel müsste es also sein, die notwendige Verkehrsleistung der Menschen mit immer weniger immer schlankeren Autos zu erreichen. Doch in den letzten Jahrzehnten geschah das Gegenteil. Das zeigen folgende weitere Daten:

  • Autobestand Im Jahr 2018 gab es in der Schweiz 4,6 Millionen Personenwagen, zeigt die nationale Verkehrsstatistik. Damit war der Autobestand 2018 neunmal so hoch wie 1960, während die Verkehrsleistung, gemessen in Personenkilometern, in diesem Zeitraum wie erwähnt "nur" um das Sechsfache zugenommen hat (siehe obige Grafik). Wir brauchen heute also anderthalb mal so viele Autos wie 1960, um die gleiche Verkehrsleistung zu erbringen.
  • Autogewicht Die Autos sind in den letzten Jahrzehnten nicht nur zahlreicher, sondern auch dicker und schwerer geworden. Das zeigen die ab 1990 verfügbaren Daten der Branchenorganisation Auto Schweiz über das mittlere Gewicht der Neuwagen: Im Jahr 2018 wog ein neu zugelassener Personenwagen im Durchschnitt 1680 Kilogramm. Er war damit um 40 Prozent schwerer als noch im Jahr 1990 (1200 kg).
  • Automasse total Im Jahr 2018 brauchten wir total 1,62 Mal mehr automobiles Material als 1990, um die gleiche Verkehrsleistung, gemessen in Pkm, zu erbringen. Diese Zahl resultiert aus dem 16 Prozent höheren Fahrzeugbestand pro Pkm gegenüber 1990, multipliziert mit dem um 40 Prozent höheren Durchschnittsgewicht. Von 1960 bis 2018 dürfte sich der automobile Materialaufwand pro Pkm sogar verdoppelt haben; die Grössenordnung "verdoppelt" basiert auf meiner Schätzung, weil 1960 zwar der Autobestand statistisch erfasst wurde, nicht aber das Durchschnittsgewicht der damaligen Neuwagenflotte.

Das Auto als Verkehrsmittel ist demnach heute nur noch etwa halb so effizient wie vor 58 Jahren. Und schon damals war es nicht sehr produktiv, wenn man bedenkt, wie viel Material, Energie und überflüssige PS-Leistung eingesetzt wurde und wird, um eine bis zwei 60 bis 100 Kilo schwere Personen von A nach B zu befördern (mehr darüber auf Infosperber: "Der Irrsinn als Rückgrat der (Auto-) Mobilität".

Energieeffizienz beim Autofahren stieg, aber ...

Mit dem Autoverkehr wuchs in den letzten Jahrzehnten auch der fossile Treibstoffkonsum sowie der damit verknüpfte Ausstoss des Treibhausgases CO2. Konkret: Der Absatz von Benzin, Diesel und Kerosen zusammen stieg in der Schweiz von 1960 bis 2018 um das 5,3fache, zeigt die nationale Energiestatistik (wobei ein Teil dieses Konsums auf den Güter- und den Luftverkehr entfällt). Mit diesem Faktor 5,3 ist die Zunahme des verkehrsbedingten Energieverbrauchs immerhin etwas kleiner ausgefallen als die Zunahme der autobedingten Verkehrsleistung in Personenkilometern (Faktor 6) und des Auto-Bestandes (Faktor 9).

Die Energieeffizienz beim Autofahren hat also leicht zugenommen; dies vor allem ab dem Jahr 2000. Das ist primär auf die sinkenden Verbrauchsziele für Neuwagen zurückzuführen, die der Bund ab 2001 mit den Autoimporteuren vereinbarte, und ab 2015 auf die gesetzlichen CO2-Grenzwerte für Neuwagen.

Doch die nationale Energiestatistik erfasst nur den Verbrauch im Fahrbetrieb. Nicht enthalten ist der Energieeinsatz für die Produktion der immer grösseren und schwereren Schweizer Autoflotte. Dieser Energieeinsatz fällt vor allem im Ausland an und wird von der Schweizer Energie- und CO2-Statistik vernachlässigt.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Stauzukunft auf Autobahnen: Doppelstöckig und sechsspurig
Wie sich der Sport zum Spottwagen wandelt
"Der Irrsinn als Rückgrat der Automobilität"

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6 Meinungen

"95 Prozent dieser Pkm entfallen auf Personenwagen (die �brigen 5 % af motorisierte Zweir�der und Reisecars)."
Motorisierte Zweir�der heissen Motorr�der. Und wo bleiben die Lastwagen, 0 %?
nmerkung des Verfassers: Bei dieser Analyse geht es wie eingangs erw�hnt um den privaten motorisierten Personen-Verkehr auf der Strasse, der auf Autos (95 %) owie Motorr�der, Motorfahrr�der und Reisecars (zusammen 5 %) mtf�llt . Die Lastwagen fallen unter die Kategorie G�ter-Verkehr, der hier ausgeklammert ist. Hp. Guggenb�hl.
Alois Amrein, am 25. Oktober 2019 um 11:42 Uhr
Sehr fragwürdige Statistiken und Trugschlüsse. Dass der Verbrauch an totaler Automasse gestiegen ist und demnächst explodieren wird, hat auch folgende Gründe: 1. Katalysatoren, Partikelfilter und Add-Blue sind Aggregate, welche auch Masse haben. 2. Elektrofahrzeuge werden nach 5 Jahren auf dem Schrott landen, weil der Akku dann durch ist und die Ersatzkosten den Zeitwert des Wagens überschreiten. Die von der Personal- und Firmenpolitik verschuldete Pendelei zwischen Wohn- und Arbeitsort, der unverständliche Verzicht auf Ausbau des homeoffice, das Doppelverdienertum haben nichts mit der Effizienz des MIV zu tun, sie generieren Verkehr, verursachen aber nicht kausal eine schlechte Effizienzbilanz. Was bitte hat der Kerosenverbrauch mit Autofahren zu tun? Rein gar nichts. Würden in den Städten die mit Steuergeldern gebauten Strassen geöffnet, anstatt gesperrt, würde eine grüne Welle progammiert, stünden ausreichend Parkplätze zur Verfügung, stiege die Effizienz der PKW's massiv an. Würde in anderen Statistiken der Verbrauch grauer Energie zur Produktion miterfasst, wäre Schluss mit Wärmepumpenboilern und Dreifachverglasungen, die als Mittel zur Rettung des Planeten verherrlicht werden. Einen Wärmepumpenboiler reisst man nach 8 Jahren heraus, verkalkt und nicht entkalkbar; ein normaler Elektroboiler hält gut und gern zwischen 30 und 60 Jahren. Dreifachverglasungen kondensieren zwischen den Gläsern, nach 10 bis 15 anstatt 30 bis 40 Jahren werden neue Fenster fällig.
Urs Lauper, am 25. Oktober 2019 um 12:09 Uhr
Das passt

https://www.infosperber.ch/Umwelt/Verkehr-Velo

"Hanspeter Guggenbühl / 25. Jul 2017 - Das Velo ist das produktivste Verkehrsmittel. Doch gegenüber dem Massen-Transport ist es chancenlos. Essay mit paradoxer Folgerung."


Bei mir nicht, 8 Jahren in Berlin und 12 Jahre in München, ist bei mir das Fahrrad mit großen Abstand das Verkehrsmitel Nummer 1.
Etliche Firmen fördern das Fahrradfahren.
Die Kombination Fahrrad und Öffentliche Verkehrsmittel, wird aber von der Stadt München massiv, durch Verbote boykottiert.

Fahrrad ist umweltfreundlich und für mich bietet eine Fahrradstadt wie Kopenhagen viel mehr Lebensqualität, als eine Blechlawinenstadt.
Dieter Gabriel, am 25. Oktober 2019 um 12:26 Uhr
IMMER wieder wird auf dem dünnen Brett des privaten AUTO-Verkehrs herumgepocht - wird der großen Mehrheit der Menschen ein schlechtes Gewissen eingeredet.

Zugegeben - bei Militär-LKW ist die Effizienz größer, aber schon beim SPW wird dicke, wenn wir dann zum Kampf-Jet kommen, möchte ich die reine Verkehreffizienz nicht nachrechnen wollen! Dabei haben alle diese bezahlten Mörder nur eine Aufgabe - andere Menschen zu ermorden, mit einer Erfolgsquote von unter 10% - denn bei den heutigen Kriegen ist der Anteil der Zivilisten bei etwa 90%

WENN diese Journalisten - ALLE dieser Zunft - dafür streiten, SOFORT alle Kriege zu beenden, ALLE Manöver zu streichen, ALLE ausländischen Stützpunkte zu räumen und die Rüstungsausgaben effizient zu senken - kommt so viel Geld zusammen - mit dem die Welt die Klima-Probleme in aller Ruhe lösen kann.

Der Krieg ist der größte Klimakiller - ihm fallen Menschen, Tiere, Pflanzen, die Umwelt großer Gebiete zum Opfer - und dabei erfüllt er nur einen einzigen Zweck - den Rüstungsbetrieben und den Baken Gewinne in unermeßlicher Höhe in die Arme zu schütten. Jeder Schuß, Jeder Panzer, ... , ist bezahlt bevor er zum Einsatz kommt - bezahlt mit Steuergeldern - und in fast allen Fällen zu überhöhten Preisen - da die Käufer nicht mit eigenem Geld bezahlen - und es gibt nichts schöneres als fremdes Geld auszugeben, dabei im Licht zu stehen und Dankbarkeit vom Verkäufer zu erringen - manchmal auch noch etwas mehr !!
Günther Wassenaar, am 25. Oktober 2019 um 22:04 Uhr
Noch eine Ergänzung:
Während der Lehre, wurde mir mal ein Vergleich genannt. Um eine Warenmenge x zu transprortiren, werden beim LKW 100 PS, bei der Bahn 10PS und beim Schiff 1 PS gebraucht. Nun sage mir mal Jemand, warum in der BRD der komplette Transportverkehr mittels LKW erfolgt (mit wenigen vernachlässigbaren Ausnahmen)

Nun Mercedes, BMW und Co wollen nun mal LKW produzieren - sichern das, indem der Staat die Bahn kaputt macht.

In der ehemaligen DDR gab es kaum einen Fertigungsbetrieb, der keinen Bahnanschluß hatte - die zum großen Teil nach 1990 liquidiert wurden. Gütertranporte werden staatlich subventioniert und die Bahn bietet weit höhere Tarife an, damit man diesen Umstieg, der eigentlich ein Wahnsinn ist, belegen kann. Klar müßten Betriebe eventuell mehr Waren auch mal in der Lagerhaltung haben - und das würde die Profite senken - lieber wird die Umwelt vernichtet.
Und damit der Wahnsinn komplett wird, fahren seit ein paar Jahren nun auch noch neben den tausenden PKW den 100.000 LKW, 100derte FLIX-Busse durch die Gegend, weil die Autobahnen nicht ausgelastet sind - ODER?
Vor wenigen Tagen überholte mich ein solcher Bus in einer Baustelle, die auf 60km/h begrenzt war mit weit über 80. Verantwortlich ist allein der Fahrer - der die Zeit einzuhalten hat - koste es was es wolle - auch mal ein paar Unfalltote - der Profit stimmt und die Umwelt geht den Bach runter - wir haben ja willige Journalisten, die den privaten PKW-Fahren ein schlechtes Gewissen beibringen
Günther Wassenaar, am 25. Oktober 2019 um 22:21 Uhr
@Urs Lauper, noch eine Anmerkung zu Punkt 2, Elektroautos: Die Fahrzeuge landen nach 5 Jahren nicht auf dem Schrott. Die meisten Hersteller geben 8 Jahre Garantie auf die Batterie. Dies u.a. auch aus dem Grunde da man annehmen kann, dass die Batterien über diesen Zeitraum ihre geforderte Leistungsfähigkeit auch erbringen können. Mein fast 5 jähriger Renault ZOE hat bei guter Batteriepflege noch über 95% seiner Kapazität. Bei einem allfälligen Ersatz/Defekt ausserhalb der Garantie, müssen einzelne Hersteller noch kundenfreundlichere Lösungen bieten, da gebe ich Ihnen Recht. Mit der weiteren Elektrifizierung des Verkehrs wird hoffentlich auch dieses Thema bald Geschichte sein. Man kann heute jedoch davon ausgehen, dass eine Antriebsbatterie ein Autoleben durchaus überleben kann. Wenn nicht, dann gibt es sinnvolle Einsatzgebiete für ein «Second-Life» der Batterien, z.B. als Hauspeicher/Puffer etc...Es liegt an den Herstellern hier attraktive Pakete zu schnüren.

Zum Artikel: Die Statistik ist auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft mit seinem Lebensstil. Und ja, die Autos wurden über die Jahre meistens grösser und Zweitautos sind zwischenzeitlich «normal». In diesem Bereich gibt es sicher viel Potenzial. Kleinere Fahrzeuge verwenden, Zweitwagen durch z.B. Leichtelektromobile/E-Bikes ersetzen, Car-Sharing und die Kombination privater Fahrzeuge mit dem ÖV. Fahrzeuge und Technik sind vorhanden - noch mangelt es aber vielerorts an der Umsetzung.
Stefan Kaufmann, am 26. Oktober 2019 um 10:37 Uhr

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