Staat zwingt Staatsbahn zum Spagat

Hanspeter Guggenbühl © bm
Hanspeter Guggenbühl / 26. Mär 2014 - Die Züge der SBB sollen billig, profitabel, sicher, bequem, voll und pünktlich sein. Willkommen zum Wunschkonzert!

«VCS hocherfreut über die Zahlen der SBB», titelte gestern der grüne Verkehrsclub, nachdem die SBB ihr Jahresergebnis 2013 veröffentlicht hatten. Der Wirtschaftsjournalist reibt sich die Augen. Der Konzerngewinn ist eingebrochen. Die Schulden der SBB steigen unaufhaltsam. «Hocherfreulich»? Beim Weiterlesen klärt sich die Irritation. Die Freude des VCS gilt den «Passagierzahlen». Die Zahl der Passagiere ist tatsächlich gestiegen, nicht aber deren Freude: «Kundenzufriedenheit» und Pünktlichkeit der SBB sind 2013 gesunken.

Das Beispiel illustriert die unterschiedlichen Anforderungen: Die Staatsbahn soll möglichst viele Personen und Güter befördern, um Strassen und Umwelt zu entlasten, fordert die Verkehrspolitik. Sie soll uns zu tiefen Preisen bequem, sicher und pünktlich ans Ziel führen, verlangt die Kundschaft. Der Bund als Eigentümer verlangt einen angemessenen Gewinn, die Kantone wünschen mehr Züge in ihrer Region. Zudem soll das Unternehmen SBB ein vorbildlicher Arbeitgeber sein, erwartet die Gewerkschaft.

Wollten die 31'000 SBB-Angestellten all diese Wünsche erfüllen, müssten sie nicht nur den Spagat beherrschen, sondern obendrein die Quadratur des Kreises schaffen. Das ist unmöglich. Tiefe Tarife und angemessene Gewinne schliessen sich ebenso aus wie wachsende Passagierzahlen und pünktliche Züge auf einem begrenzten (und zunehmend überlasteten) Schienennetz. Darum muss die Politik die gegensätzlichen Ansprüche gewichten und Prioritäten setzen, sei es zu Gunsten der Verkehrs- oder der Finanzpolitik, sei es für billiges Bahnfahren oder für verursachergerechte Tarife. Andernfalls bleibt nur die banale Volksweisheit: «Allen Leuten Recht getan, ist ein Ding, das keiner kann.»

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Keine

Weiterführende Informationen

«SBB fahren zunehmend auf Staatskosten»

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