Für Biodiesel: Agrarland in Südindien unter Röhren © Still aus WHEN Video

Für Biodiesel: Agrarland in Südindien unter Röhren

Millionen-Investition in Algenzucht für Biodiesel

Billo Heinzpeter Studer / 13. Jan 2012 - In Südindien sollen zunächst 100 Hektar Land mit einer Anlage zur Algenzucht überbaut werden, um Biodiesel zu gewinnen.

Investor ist die US-amerikanisch-israelische World Health Energy Holdings Inc. (WHEN), welche Algenprojekte für Biodiesel, Fischfutter und Nahrungsergänzungsmittel entwickelt. Ihr Joint-venture-Partner ist die indische Industrie- und Transportkonzern Prime Inc., zu deren Kunden Exxon Mobil, Shell, General Electric und Siemens gehören.

Investitionen von 100 Millionen US-Dollar

Die in den Teilstaaten Tamil Nadu und Karnataka gelegene Anlage wird mit einer Algenanreicherungstechnik ausgerüstet. Hergestellt wird sie unter der Bezeichnung GB3000 von der WHEN-Firma Global Natural Energy Ltd. GB3000 ist ein Bioreaktor-System für die Algenzucht zur Öl- und Proteingewinnung. In jeder GB3000-Einheit treiben zwei Elektromotoren über eine zentrale Achse mehrere Kolben an, die mit Rohren von 100 m Länge verbunden sind. Die wechselseitige Bewegung der Kolben erzeugt Wellen, welche die Algenproduktion fördern. Die Einrichtung dieser Technik kostet 600 000 US-Dollar pro Hektar, die gesamten Investitionskosten werden auf 100 Millionen US-Dollar veranschlagt.

Auch Algenbiodiesel verdrängt Nahrungsproduktion

Der unbescheidene WHEN-Slogan «Saving the World with Healthier Energy» ist wohl vor allem für europäische und nordamerikanische Ohren bestimmt, denen er Ökologie ohne Komfortverzicht verspricht. Energie aus Algen klingt zuerst einmal einfach patent, so, als ob aus eh nur störender Biomasse in den Ozeanen etwas Sinnvolles gewonnen würde.

Für die Bevölkerung in Indien, die jetzt schon zu wenig Land zur Produktion ihrer Nahrung hat, tönt das weniger verheissungsvoll. Wenn die Produktion auf 100 Hektar Gewinn bringt, werden die Investoren auch Geld haben, um Abertausende Hektar unter ihre Algenzucht zu zwingen. Selbst wenn, wie WHEN behauptet, die Biodiesel-Ausbeute aus Algen höher ist als jene aus Mais, Raps, Ölpalmen oder Yatropha – auch Algenzuchten sind kein Nullsummenspiel, sondern konkurrieren ganz direkt die menschliche Ernährung.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Fachstellenleiter des Vereins fair-fish und Beirat des Vereins Friend of the Sea

Weiterführende Informationen

Quelle (aquafeeds.com)
World Health Energy Holdings Inc.
Global Natural Energy Ltd.

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Eine Meinung

Dazu zwei Ausschnitte auch dem Gedichtband Öko-Balance:

Auch Bio-Treibstoff, muss man sehn,
Führt zu ganz anderem Problem.
Denn um der Reichen Treibstoff willen,
Kann mancher nicht den Hunger stillen.


Beste Wirkung


Ja selbst die Umweltschutzverkünder
Sind irgendwo auch kleine Sünder.
Und jede Umweltsünd’ wird zum Problem,
Wenn viele Menschen sie begeh'n.

Drum lasst uns beste Wirkung denken.
Sie heisst: Geburtenanzahl senken. *


* Wenn nur schon die weltweit rund 80 Millionen ungewollten Schwangerschaften vermieden werden könnten, indem die Hilfsorganisationen ihre Projekte mit Familienplanung kombinieren würden, wäre schon viel erreicht.



Markus Zimmermann-Scheifele
6047 Kastanienbaum
Markus Zimmermann, am 14. Januar 2012 um 11:08 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.