Kaum eine Küstenregion entkommt dem ansteigenden Wasser © pxhere/cc
Europa: Frankreichs Strände am Mittelmeer und am Atlantik versinken © Alle Grafiken: searise.correctiv.org
Pegelstände an 500 Messpunkten: Steigt das Meer, ist der Pegel rot eingefärbt, steigt das Land, ist er blau dargestellt
In Manila liegt der Pegel heute rund 80 Zentimeter höher als vor 50 Jahren
Frankreichs Strände am Mittelmeer und am Atlantik versinken

Wie der steigende Meeresspiegel die Welt verändert

Annika Joeres / 28. Jul 2017 - Der Meeresspiegel steigt weltweit. Eine Grafik zeigt: Das Meer wird Strände fortspülen, Inseln versenken, Ebenen überschwemmen.

Das Recherchezentrum «Correctiv» hat seit August 2016 gemeinsam mit der Columbia Univercity New York über 700‘000 Pegelstände ausgewertet. Sie werden von Organisationen wie dem britischen Permanent Service of Mean Sea Level (PSMSL) gesammelt. Die Daten sind für die Schifffahrt sehr wichtig. An mehr als 2000 Orten rund um den Globus haben die Briten Pegelmesser aufgestellt und lesen sie zum Teil im Monatsrhythmus ab.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind dramatisch und teilweise überraschend: Dramatisch, weil der Klimawandel schon seit Jahrzehnten deutlich zu spüren ist. Das Meer steigt weltweit und es steigt schnell – zwischen wenigen Millimetern bis zu einigen Zentimetern pro Jahr. Kaum ein Land und kaum eine Küstenregion entkommt dem anschwellenden Wasser. In Deutschland und den USA werden bereits grossflächig die Deiche verstärkt. In anderen Teilen der Erde gibt es diese Vorsichtsmassnahmen nicht.

Überraschend sind aber auch Daten aus anderen Teilen der Welt wie etwa Skandinavien. Dort dehnen sich die Erdmassen mit den steigenden Temperaturen aus und erheben sich. Manche Häfen liegen bereits buchstäblich auf dem Trockenen.

Frankreichs Strände am Mittelmeer und am Atlantik versinken. (Grafik vergrössern)

Weitaus häufiger aber ist das Meer angestiegen. Wo man 1980 noch trockenen Fusses stehen konnte, braucht man heute in etlichen Regionen der Welt bereits Gummistiefel. So ist das Meer heute im südfranzösischen Marseille 20 Zentimeter höher als vor 30 Jahren. Auf der Nordseeinsel Borkum sind es 18 Zentimeter. Die am stärksten betroffenen Städte liegen aber vor allem in Asien. Die philippinische Hauptstadt Manila beispielsweise misst 80 Zentimeter höhere Pegel als vor 50 Jahren, in naher Zukunft wird sie wahrscheinlich untergehen.

«Correctiv» hat die Daten von 500 Pegelständen entlang der Ozeane in einer animierten Grafik visualisiert. Die Daten ermöglichen nicht nur einen Blick in die Vergangenheit – sie zeigen auch, wie sich die Pegel in Zukunft wahrscheinlich entwickeln werden.

Pegelstände an 500 Messpunkten: Steigt das Meer, ist der Pegel rot eingefärbt, steigt das Land, ist er blau dargestellt. (Grafik vergrössern)

«Dort, wo das Meer schon stark angestiegen ist, wird es künftig weiter stark ansteigen», sagt Anders Levermann, Klimafolgen-Forscher in Potsdam und New York. Levermann ist Hauptautor des letzten Weltklimaberichts des internationalen Klimarates IPCC. Sich ändernde Strömungen könnten den Meeresspiegel lokal beeinflussen, fügt Levermann hinzu. Der globale Trend aber bleibe. «Dass der Meeresspiegel in den kommenden Jahrhunderten noch schneller ansteigen wird, ist heute absoluter Konsens – und auch, dass dies an der menschengemachten Erwärmung liegt», sagt Klima-Forscher Levermann.

Der Klimawandel trifft die Menschheit unterschiedlich hart. Das Meer steigt weltweit, aber Wind, Strömungen und Wellen beeinflussen den Pegel regional. In einigen Regionen steigt der Meeresspiegel um 10 Millimeter pro Jahr, dreimal schneller als im weltweiten Durchschnitt. Der liegt aktuell bei rund 3,4 Millimetern pro Jahr.

Akut bedrohte Philippinen: In Manila liegt der Pegel heute rund 80 Zentimeter höher als vor 50 Jahren

Sicher ist nur: Je näher und tief gelegener Menschen am Meer wohnen, desto stärker werden sie vom Klimawandel betroffen sein. Europäische Küsten müssen Teile ihrer Strände, Strassen und Wohnviertel an das Meer abgeben. Regionen der Philippinen könnten untergehen, Inseln mit eigenen Sprachen und Kulturen versinken. Millionen Menschen in Bangladesch sind schon jetzt bedroht, weil sie in einem der am niedrigsten liegenden Landschaften der Erde leben. Der Meeresanstieg hat schon sichtbar die Welt verändert – und wird die bewohnbaren Gebiete in Zukunft neu verteilen.

Für Afrika und weite Teile Asiens gibt es keine längeren Datenstrecken. Der Grund dafür ist einfach: Sie spielten im Handel lange Zeit kaum eine Rolle, deswegen wurden dort über lange Zeiträume keine kontinuierlichen Daten erhoben. Diese Lücken bedeuten nicht, dass das Meer dort nicht steigt – sondern nur, dass wir nicht wissen, wie stark es steigt.

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In wenigen Tagen fasst Infosperber den neusten Stand des Wissens zusammen über

  1. die beschleunigte Erwärmung des Klimas, 31.7.2017;
  2. uns Menschen als Verursacher;
  3. den Einfluss des Energieverbrauchs und der Vermehrung der Bevölkerung.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Die Autorin ist Redaktorin des Recherchezentrums Correctiv. Die Redaktion, mit der Infosperber kooperiert, finanziert sich über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Wenn Sie Correctiv unterstützen möchten, werden Sie Fördermitglied. Informationen finden Sie unter correctiv.org.

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4 Meinungen

Reine Panikmache...

Dr. David Evans zeigt Daten von Envisat (Europäische Satelliten), die offenlegen, wie der Meeresspiegel um 0,33 mm pro Jahr ansteigt (3,3 cm pro Jahr-zehnt); weit entfernt von dem, was die IPCC voraussagte (26-59 cm pro Jahrzehnt) und was Panikmacher Al Gore prognostizierte (20 Fuss/rund 6 m pro Jahrzehnt!). Evans vergleicht die Modelle mit der Realität und schlussfolgert:

„Die Erklärung des atmosphärischen Klimamodells stimmt nicht mit den ermittelten Daten überein … die Daten werden zurückgehalten … Es geht hier nicht um Wissenschaft und Wahrheit, es geht um Macht und Politik.“

“Tatsache ist, dass momentan zehntausende von Arbeitsplätzen von der globalen Erderwärmung abhängen.” (Professor Patrick Michaels – Umweltwissenschaften der “University of Virginia”)

“Klimawissenschaftler brauchen ein Problem um finanziert zu werden.” (Dr. Ray Spencer – Teamführer für Wettersatelliten der NASA)

“Wir haben ein begründetes Interesse darin Panik zu erzeugen, weil dann Geld in Klimaforschung fliesst.” (Professor John Christy – Hauptautor der IPCC)

...die Gedanken sind frei.
Peter Fehlmann, am 28. Juli 2017 um 14:15 Uhr
@Peter Fehlmann: Sie ignorieren, dass der Meeresspiegel in Zukunft rascher steigen wird als dies heute der Fall ist. Zudem ignorieren Sie, dass für die Erdölindustrie sehr viel mehr Geld auf dem Spiel steht.

"Die Energiewende ist eine Erfolgsgeschichte. Leider wird sie gerade ein Opfer ihres eigenen Erfolgs. Die Kosten für erneuerbare Energien sinken immer weiter und weltweit fließen sehr viele Investitionen in die erneuerbaren Energien. Das alles gefällt den Industrien nicht, die mit konventionellen Energien und Atomenergie Geld verdienen.
Da ist ein regelrechter Krieg zwischen der alten und der neuen Energiewelt entstanden. Das fossile Imperium schlägt zurück und dies sehr aggressiv. Sehr deutlich sieht man das in den USA, aber auch in Europa und in Deutschland, wo die Klimakanzlerin eigentlich die Energiewende befürwortet. Auch hier wundert man sich über manche rückwärtsgewandten politischen Entscheidungen."

Quelle: http://www.dw.com/de/es-ist-ein-krieg-gegen-die-energiewende/a-38689603
Christian Lüthi, am 28. Juli 2017 um 17:14 Uhr
NASA bestaetigt ruckgang des meeresspiegel in den letzten 2 jahre um die 2.5mm (siehe link).
nun, daten die die medien veroeffentlichen sind seit laengerem fragwuerdig, so auch betr. global warming.
https://climate.nasa.gov/vital-signs/sea-level/
hans u waechter, am 28. Juli 2017 um 17:43 Uhr
Erstens hat für mich Correctiv eine politische Agenda und wird entsprechend finanziert.
Zweitens hat sich Correctiv als unglaubwürdig hervorgetan.
Drittens bin ich für viele Umweltmassnahmen, weil sie uns Menschen die Luft verbessern, weil Elektrofahrzeuge uns den Lärm reduzieren und man in Städten wieder wird atmen können.
Viertens ist unser Klima ein Chaotisches System. Es war noch nie stabil und hat sich schon immer stetig geändert. Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann Orkane auslösen.
Fünftens, die Messrohdaten von Satelliten und vom Boden zeigen keine nennenswerte Klimaerwärmung. Die veröffentlichten Daten z.B. der NASA wurden bei jeder Veröffentlichung immer stärker 'korrigiert'. Interessant, dass die Klimaerwärmung nur exakt den Korrekturwerten entspricht. Und selbst dann sind die Werte unter den Prognosen.
Sechstens sind unsere Wälder ja auch schon alle gestorben, oder ? Eine Ozonschicht dürften wir ja auch nicht mehr haben.
Fazit: Ich habe gerne gute Luft. Die stetige Umwelt-Panikmache kauf ich jedoch nicht mehr ab. Insbesondere seit meine eigenen Recherchen zeigen, dass man mit den Zahlen bescheisst.
Patrick Daxboeck, am 30. Juli 2017 um 07:07 Uhr

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