Eis, Eisschmelze, Klimaerwärmfung, Erderwärmung, Temperaturanstieg, Gletscher, Eis, Infosperber © pixabay

Die Erde verliert ihre Eisschilde: Als Folge davon steigt auch der Meeresspiegel weiter an

In 23 Jahren sind 28 Billionen Tonnen Eis geschmolzen

Tobias Tscherrig / 01. Sep 2020 - Seit 1994 sind wegen der globalen Erwärmung insgesamt 28 Billionen Tonnen Eis von der Erdoberfläche verschwunden.

Um zu messen, wie viel der Eisbedeckung des Planeten aufgrund der globalen Erwärmung geschmolzen sind, analysierten Wissenschaftler der Universitäten Leeds, Edinburgh und des University College London, Satellitenuntersuchungen von Bergen, Gletschern und der Pole. Ihre Schlussfolgerung ist mehr als bedenklich: Demnach sind seit 1994 insgesamt 28 Billionen Tonnen Eis von der Erdoberfläche verschwunden.

In diversen Medienberichten bezeichnen die Wissenschaftler den massiven Eisverlust als erschütternd und erklären, es gebe kaum Zweifel daran, dass die globale Erwärmung, die durch die steigenden Treibhausgasemissionen ausgelöst wird, für den Verlust des Eises verantwortlich sei.

«Schlimmster anzunehmender Fall»

«In der Vergangenheit haben Forscher einzelne Gebiete - wie die Antarktis oder Grönland - untersucht, in denen das Eis schmilzt. Aber dies ist das erste Mal, dass sich jemand all das Eis ansieht, das vom gesamten Planeten verschwindet», sagte Professor Andy Shepherd, Direktor des Zentrums für Polarbeobachtung und Modellierung der Universität Leeds gegenüber «The Guardian». «Was wir gefunden haben, hat uns verblüfft.» Die Resultate, welche die Gruppe aus Wissenschaftlern vorlege, stimme mit den Vorhersagen des Weltklimarats (IPCC) für den schlimmsten anzunehmenden Fall überein.

Die Wissenschaftler untersuchten Satellitenaufnahmen von Gletschern in Südamerika, Asien, Kanada und anderen Regionen. Zusätzlich sichteten sie Aufnahmen von Meereis in der Arktis und der Antarktis, Eisschilde, die den Boden in der Antarktis und in Grönland bedecken sowie Eisplatten, die vom antarktischen Festland ins Meer ragen. Die Untersuchungen betreffen den Zeitraum zwischen 1994 und 2017.

Gemäss den Forschern haben alle untersuchten Regionen in den letzten drei Jahrzehnten einen verheerenden Rückgang der Eisbedeckung erlitten. Verluste, die weiterhin anhalten würden.

Wissenschaftler sprechen erneut Warnungen aus

Die Forscher-Gruppe erklärt in ihrer Analyse, dass der Anstieg des Meeresspiegels, der durch schmelzende Gletscher und Eisschilde ausgelöst wird, bis zum Ende des Jahrhunderts einen Meter erreichen könnte. «Um das in den Kontext zu stellen: Jeder Zentimeter Meeresspiegelanstieg bedeutet, dass etwa eine Million Menschen aus tief liegenden Heimatländern vertrieben werden», sagt Shepherd.

Weiter warnen die Wissenschaftler davor, dass das Schmelzen einer derartigen Menge Eises, die Fähigkeit des Planeten, die Sonnenstrahlung zurück in den Weltraum zu reflektieren, ernsthaft beeinträchtigt. Das weisse Eis verschwinde und das dunkle Meer oder der dunkle Boden, der darunterliegt, absorbiere mehr und mehr Wärme, was die Erwärmung des Planeten weiter verstärke.

Ausserdem verursache das kalte Süsswasser, das aus schmelzenden Gletschern und Eisschildern austritt, Störungen der biologischen Gesundheit der arktischen und antarktischen Gewässer. Dagegen drohe der Verlust von Gletschern in Gebirgsketten, die Süsswasserquellen, von denen viele Menschen abhängig sind, auszulöschen.

«Direkte Folge der Klimaerwärmung»

Hinsichtlich der Ursache der schwindelerregenden Eisverluste kommen die Wissenschaftler zu einem klaren Schluss: «Es besteht kaum Zweifel daran, dass der überwiegende Teil des Eisverlusts auf der Erde eine direkte Folge der Klimaerwärmung ist», schreiben sie in einem Beitrag, der in der Online-Zeitschrift «Cryosphere Discussions» veröffentlicht wurde. «Im Durchschnitt ist die Oberflächentemperatur des Planeten seit 1880 um 0,85 Grad Celsius gestiegen und diese Tendenz wurde in den Polarregionen weiter verstärkt.» Als Folge davon seien sowohl die Meeres- als auch die atmosphärischen Temperaturen gestiegen, was die immensen Eisverluste ausgelöst habe.

Im Fall der schmelzenden Eisdecke in der Antarktis seien steigende Meerestemperaturen der Haupttreiber, während steigende atmosphärische Temperaturen die Ursache für den Eisverlust von Binnengletschern wie denen im Himalaya gewesen seien. In Grönland sei der Eisverlust durch eine Kombination aus steigenden See- und Lufttemperaturen ausgelöst worden.

Die Wissenschaftler betonen, dass nicht das gesamte Eis, das im untersuchten Zeitraum verloren ging, zum Anstieg des Meeresspiegels beigetragen habe. «Insgesamt 54 Prozent des verlorenen Eises stammen vom Meereis und von Eisschelfen», sagte Isobel Lawrence, Forscherin an der Universität Leeds, gegenüber «The Guardian». Diese schwämmen auf dem Wasser und ihr Schmelzen habe nicht zum Anstieg des Meeresspiegels beigetragen. Die anderen 46 Prozent des Schmelzwassers stammten dagegen von Gletschern und Eisschilden am Boden und hätten einen direkten Einfluss auf den Anstieg des Meeresspiegels.

Kohlestoffemissionen steigen immer noch

Die Ergebnisse der britischen Wissenschaftler wurden 30 Jahre nach dem ersten Bewertungsbericht des Weltklimarats veröffentlicht. Bereits Ende 1990 wurde darin in aller Deutlichkeit dargelegt, dass die globale Erwärmung real ist und durch die zunehmenden Emissionen von Treibhausgasen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe ausgelöst wird.

Trotz all der Warnungen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Zwischenzeit abgesetzt haben, steigen diese Emissionen – wie auch die globalen Temperaturen – weiter an. Gemäss Zahlen des nationalen meteorologischen Dienstes des Vereinigten Königreichs «Met Office», gab es zwischen dem Jahrzehnt 1980-1989 und dem Jahrzehnt 1990-1999 einen Anstieg der globalen Temperaturen um 0,14°C. In den folgenden Jahrzehnten sei die Temperatur dann jeweils um 0,2°C gestiegen. Da die Kohlenstoffemissionen weiter zunehmen, wird erwartet, dass diese Steigerungsrate in Zukunft noch grösser wird.

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  • DOSSIER: Die Klimapolitik kritisch hinterfragt
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    7 Meinungen

    Na ja, ich halte nicht viel von solchen Studien. Das sind theoretische Spielereien mit Computermodellen. Die haben sich bereits in der Vergangenheit als falsch erwiesen. Ich halte mich lieber an die Fakten: Gemäss Wikipedia sind 90 % des weltweiten Eises in der Antarktis gebunden. Wie den Daten der Wetterdaten der NASA entnommen werden kann, wächst das Eis der Antarktis weiter. Auch wenn man sich die Wetterdaten von beispielsweise der deutschen Neumayer-Station in der Antarktis ansieht merkt man sofort, dass die Temperaturen in der Antarktis in den letzten 40 Jahren leicht gesunken sind. Auch kann man den Informationen des Metereologischen Dienstes von Dänemark entnehemen, dass die Gletscher in Grönland wieder wachsen. Der Eiszuwachs begann dieses Jahr einen Monat früher als üblich. Selbstverständlich kann das bereits im nächsten Jahr wieder anders ausssehen. Es zeigt sich einfach, dass die folgende Aussage im IPCC-Bericht nach wie vor gilt: „Das Klimasystem ist ein gekoppeltes, nichtlineares chaotisches System, daher ist die Vorhersage von zukünftigen Zuständen des Klimas nicht möglich“.
    Reto Derungs, am 01. September 2020 um 14:23 Uhr
    Die aktuellen Warnungen der britischen Wissenschaftern über diesen Teilaspekt der Klimaerwärmung müssten markante Reaktionen auslösen, tun sie aber nicht. Und hört man aktuell irgendwas dazu von der Politik, wenigstens von Links und Grün? Ohrenbetäubendes Schweigen. Müssten die Medienschaffenden mit gutem Zugang zu den wissenschaftlich begründeten Fakten ihre klassische Rolle überdenken, und vielleicht selbst über Aktionen nachdenken, damit handeln endlich einsetzt?
    Bruno Unternährer, am 01. September 2020 um 17:41 Uhr
    Wohin ist eigentlich das Landeis geschmolzen? Die Malediven liegen seit Menschengedenken nach wie vor 1 Meter üM. Gibt es dafür eine tragfähige wissenschaftliche Erklärung? Oder ist das Wasser vom Rand der Erdscheibe getropft?
    Ein Zitat aus Infosperber: „1959: Der Physiker Edward Teller erklärt dem American Petroleum Institute (API), dass ein Anstieg des CO2 um zehn Prozent ausreicht, um die Eiskappe zu schmelzen und New York unter Wasser zu setzen. Er sagt: «Ich denke, dass diese chemische Kontamination ernster ist, als die meisten Leute glauben.»“
    Die 10% mehr wurden ca im Jahre 1987 erreicht. Demzufolge müsste New York seit gut 30 Jahren unter Wasser stehen. Und die Malediven heute etwa zwei Dutzend Meter unter Wasser.
    Die wissenschaftliche Bandbreite lässt es zu, dass wissenschaftliche Vorhersagen als zu 99,6% falsch nachgewiesen werden können. Der Meeresspiegelanstieg liegt insgesamt vielleicht bei 10 cm.
    Das Jahr 2020 wird wegen dem Virus dafür sorgen, dass der menschgemachte CO2-Ausstoss um gut 5% tiefer sein wird als sonst. Wer Netto-Null möchte, muss sich also dauerhaft 19x mehr einschränken als 2020.
    Gemäss Met-Office stieg die Temperatur um ca 0,55 Grad. Bei deutlich weniger als 10 cm Anstieg in besagtem Zeitraum. Bei einer Trefferquote von 0,4% würde ich das Ding jetzt nicht mit «Wissenschaft» bezeichnen. Eher als „Stipendienabgreifer“.
    Leonhard Fritze, am 01. September 2020 um 20:35 Uhr
    Ich bin 77 Jahre alt und ich vertraue der Wissenschaft und Forschung mehr als der Politik oder anderen Partikularinteressen. Ich erinnere mich noch sehr gut an die schneereichen Winter in meiner Jugend, wo auch in den Städten während Wochen sehr viel Schnee lag. Und wo Trottoirs und Strassen gleichermassen «schneeweiss» blieben. Heute ist das anders. Schnee gibt es in unseren Städten nur noch selten, und wenn, dann bleibt der Schnee auf den Trottoirs weiss, während er auf den Fahrbahnen schon nach kurzer Zeit braun, dunkelbraun bis schwarz wird. Für mich als Fotograf und visuell orientierter Mensch sind das Fakten, für die ich keine Statistik als Beleg brauche, sondern einfach Fakten und Tatsachen. Und noch ein Fakt: Da ich seit 20 Jahren – aus freier Entscheidung – kein Auto mehr besitze und mehrheitlich (neben dem ÖV) mit meinem Roller oder Fahrrad unterwegs bin, stelle ich fest, dass es im Sommer fast nicht auszuhalten ist, mit nackten Beinen neben einer Autokolonne zu stehen. Die Hitze, welche diese Autos abgeben ist nahe der Schmerzgrenze. Die Verbrennungsmotoren – und die verbauten Klimaanlagen – die über 50 Prozent der vom Treibstoff erzeugbaren Energie in Wärme umwandeln und an die Umwelt abgeben, sind nach meinem Wissensstand noch nie statistisch erfasst worden. Ein befreundeter Physiker hat mir offenbart, dass ein Auto mit Verbrennungsmotor so viel Wärme abgibt wie ein bis zwei elektrische Heizstrahler mit 1000 Watt. Warum klammern Umweltbilanzen diesen Fakt aus?
    Felix von Wartburg, am 02. September 2020 um 01:44 Uhr
    @ Reto Derungs
    Ihre angeblichen Fakten werden hier richtiggestellt:
    https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-aber-am-suedpol-nimmt-die-eismasse-zu
    Ich frage: Wie sah die Erde zu Beginn des Menschen aus (Festland praktisch ausschliesslich Wälder, Meere voller Chlorophyll und Reinheit) und wie sieht sie heute aus (ver-wüstet, kontaminiert, Milliarden Verbrennungsmotoren)? Ein Arzt würde sagen: Kaum wiederzuerkennen. Das heisst: Man DARF nicht behaupten, der Mensch habe keinen Einfluss. Allerdings, Ignoranz ist die Kernkompetenz der Mehrheit. Gutenacht.
    Dirk C. Fleck:
    https://www.youtube.com/watch?v=OAK36SuxZ5s
    Ich empfehle:
    https://turnaround-to-eden.webnode.com/
    Wolfgang Reuss, am 04. September 2020 um 15:36 Uhr
    Die Eismassen sind nicht von der Erde «verschwunden», weder ins All, noch ins «nichts». Sie sind in Wasser und Dampf konvertiert worden, welches nun im Umlauf ist.
    Felix Stutz, am 07. September 2020 um 13:13 Uhr
    @Felix von Wartburg: Es ist noch viel schlimmer, die zwei Heizstrahler reichen nirgends hin. Ein Liter Benzin entspricht etwa 8.67kWh Heizwert. Braucht ein Auto 6 Liter auf 100km, so sind das 52kWh. Fährt das Auto also in einer Stunde 100km weit, so braucht es 52kW, also die Leistung von 52 Heizstrahlern.
    Stefan Heimers, am 15. September 2020 um 10:38 Uhr

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