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Thomas Jordan vertritt politisch die Interessen der privatwirtschaftlichen Geschäftsbanken

Ist SNB-Präsident Thomas Jordan politisch noch tragbar?

Christian Müller / 07. Jun 2018 - Dass SNB-Präsident Thomas Jordan für die Interessen der Geschäftsbanken kämpft, ist vor allem aus ethischer Sicht problematisch.

Die Schweiz, mit der Finanzindustrie in Zürich und Genf einer der grössten Finanzplätze der Welt, leistet sich einen Präsidenten des Direktoriums der eigenen Nationalbank, der nicht die Interessen eben dieser Nationalbank und nicht die Interessen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und ihrer Kantone und Gemeinden vertritt, sondern die Interessen der privatwirtschaftlichen Geschäftsbanken, ihrer Manager und ihrer Aktionäre. Prof. Dr. Mark Joób, spezialisiert auf Fragen der Wirtschaftsethik und tätig an verschiedenen Hochschulen, darunter auch an der Universität St. Gallen, selber Mitinitiant der Vollgeld-Initiative, schreibt dazu:

«Die Vollgeld-Initiative hat in der letzten Zeit an Zustimmung eingebüsst und scheint keine Chance mehr zu haben. Das ist zu einem grossen Teil dem Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, zu verdanken. Er ist nämlich zur Speerspitze der politischen Offensive gegen die Vollgeld-Initiative geworden und hat diese in unzähligen Interviews mit dramatischen Worten als Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft dargestellt. Damit hat Jordan den Abstimmungskampf im Wesentlichen entschieden. Denn wie sollte das Stimmvolk die Geld-Erzeugung der Nationalbank anvertrauen, wenn sich die Nationalbank dagegen wehrt?

Jordan hat zur Vollgeld-Initiative nicht als unabhängiger Experte Stellung bezogen. Er hat klar Partei dagegen ergriffen. Und was ebenso schwer wiegt: Seine Kritik am Vollgeld deckt sich vollkommen mit der Kritik, welche die Bankiervereinigung im Vorfeld schon formuliert hat. Das ist wohl kein Zufall. Offenbar hat sich die Nationalbank als Bundesinstanz mit der privaten Lobbyorganisation der Banken abgesprochen. Das lässt Zweifel an der Unabhängigkeit der Nationalbank aufkommen, zu der sie gesetzlich verpflichtet wäre.

Jordans Kritik am Vollgeld ist mit etlichen Widersprüchen verbunden. So wirft er den Initianten wiederholt vor, die Nachteile von Vollgeld zu verschweigen, während er selbst die Vorteile von Vollgeld beharrlich verschweigt. Er gibt an, die Öffentlichkeit vor einem riskanten Systemwechsel schützen zu wollen, während er das Geldsystem gar nicht als öffentliches Gut versteht, sondern weiterhin dem Profitstreben privater Banken aussetzen will. Er behauptet, Banken könnten keine Kredite mit selbst geschaffenem Geld finanzieren, während die Nationalbank bereits klargestellt hat, dass Banken bei der Kreditvergabe neue Kundeneinlagen erzeugen.

Jordan hat sich als Präsident der Nationalbank in hohem Mass politisch exponiert. Das steht in Widerspruch mit seinem Amt, in dem er das Gesamtinteresse des Landes vertreten und sich deshalb politisch neutral verhalten muss. Auch steht es in Widerspruch mit seiner eigenen Aussage, wonach eine durch Vollgeld drohende ´Verpolitisierung´ der Nationalbank abgewehrt werden sollte. Jordan hat genau das gemacht, wovor er selbst gewarnt hat: Er hat die Nationalbank ins Kreuzfeuer politischer Debatten geführt, anstatt dem Souverän die Gestaltung des Geldsystems zu überlassen.

Jordan hat das Ansehen seines Amtes und die Glaubwürdigkeit der Nationalbank beschädigt. Es stellt sich die Frage, ob er die Konsequenzen daraus ziehen wird oder nicht. Philipp Hildebrand jedenfalls hat sein Amt als Präsident der Nationalbank im Jahr 2012 wegen einer Affäre aufgegeben, die im Vergleich zum Fall Jordan als Bagatelle erscheint.»

Ein HSG-Professor bestätigt den SNB-Gewinn aus der Geldschöpfung

Die Schweizerische Nationalbank wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet, damit nicht mehr jede beliebige Bank ihr eigenes Geld herausgeben kann. Sie erhielt als einzige Schweizer Bank das Recht, Münzen und Banknoten herauszugeben. Münzen und Banknoten herauszugeben ist auch heute noch eine der Hauptaufgaben der Schweizerischen Nationalbank. Dr. Tobias Trütsch, Head of Economics Division der Universität St. Gallen, sagt dazu: «Die Herstellung von Banknoten ist für die SNB zwar teuer, aber auch ein gutes Geschäft. Die Notenbank erzielt sogenannte Seigniorage-Einnahmen, indem sie die Notenbankgeldmenge nicht verzinsen muss und das Geld ertragsbringend anlegen kann. Mit diesem Seigniorage erwirtschaftet die SNB jährliche Erträge in Milliardenhöhe.» (AZ Nordwestschweiz vom 1.6.2018)

Politisch und wirtschaftlich auftragsgemäss und richtig wäre, wenn diese Geldschöpfung der Nationalbank sich nicht nur auf Münzen und Banknoten beschränken würde, sondern auch beim sogenannten Buch- oder Giralgeld in den Computern der Geschäftsbanken zur Anwendung käme: dass auch dieses «Geld» nur von der SNB «produziert» werden dürfte, und nicht von den Geschäftsbanken selber. Das wäre das, was die Vollgeld-Initiative verlangt. Da die Geschäftsbanken nach dem heutigen System Geld ausleihen dürfen, das die Nationalbank gar nie «produziert» hat – um nochmals den Terminus von HSG-Dozent Tobias Trütsch zu verwenden –, entgehen der Schweizerischen Nationalbank Milliarden an Seigniorage-Gewinn, den sie sonst der Schweiz, den Schweizer Kantonen und Gemeinden, weitergeben könnte.

SNB-Präsident Thomas Jordan dreht das um und sagt, durch dieses Weitergeben eines deutlich höheren Gewinns der Nationalbank an die Öffentliche Hand entstünden neue «Begehrlichkeiten». Dadurch würde die Nationalbank «verpolitisiert». Dass er der Schweiz und ihren Kantonen de facto mit dem heutigen System Geld vorenthält, sagt er natürlich nicht.

Ist ein Nationalbank-Präsident, der dafür kämpft, dass viele Milliarden, die der eigenen Nationalbank und damit der schweizerischen Allgemeinheit zugute kämen, statt dessen in den Kassen der Geschäftsbanken und damit letztlich in den Taschen deren Manager und Aktionäre landen, politisch aber noch tragbar? Die Frage von Prof. Mark Joób ist berechtigt.

Die Abstimmung am 10. Juni über die Vollgeld-Initiative wird im Resultat wohl ein Nein ergeben – zum Schaden der schweizerischen Allgemeinheit und zum Nutzen der Banken und Banker. Dafür ist, da hat Prof. Mark Joób sicher recht, zu einem grossen Teil Thomas Jordan mit seinem persönlichen politischen Engagement zugunsten der Geschäftsbanken verantwortlich. Die Gefahr der Verpolitisierung der Nationalbank wäre nicht im Anschluss einer Annahme der Vollgeld-Initiative entstanden, Thomas Jordan selber hat diese Verpolitisierung der Nationalbank bereits erzeugt.

Das Thema bleibt ein Thema

Auch mit einem wahrscheinlichen Nein am Wochenende ist das Thema Geldschöpfung durch privatwirtschaftliche Banken nicht einfach aus der Welt. Die Initianten der Vollgeld-Initiative und mit ihr mittlerweile Hunderttausende von Bürgern, die das Missbrauchsmodell der Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken in der Sache verstanden haben, werden nicht Ruhe geben – nicht zuletzt auch aus ethischer Sicht.

So ist es kein Zufall, dass auch Prof. Peter Ulrich, langjähriger und jetzt emeritierter Professor für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen, sich intensiv für die Vollgeld-Reform einsetzt. Seine Argumente können hier nachgelesen werden, einfach hier anklicken.

Achtung! Selbst der Chefökonom der Financial Times empfiehlt den Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, ein JA in die Urne zu legen!

Hier seine Empfehlung (in Englisch):

Why the Swiss should vote for ‘Vollgeld’

A radical rethink of the financial system was essential after a devastating crisis

By Martin Wolf

«A radical rethink of how the financial system works was, one might have thought, essential after the devastating crisis of a decade ago. Instead, the system was patched up. Now, predictably, the mood is shifting towards removing much of the regulation. That is why I hope, despite the polls, that the Swiss vote in favour of the Vollgeld proposal in the referendum on June 10.

Finance needs change. For that, it needs experiments. According to a database compiled at the IMF, 147 individual national banking crises occurred between 1970 and 2011. These crises afflicted small and poor countries like Guinea, and big and rich ones, like the US. They were colossally expensive, in terms of lost output, increased public debt and, not least, political credibility. Within just three years from 2007, cumulative output losses, relative to trend, were 31 per cent of gross domestic product in the US.

In the UK, the recent crisis imposed a fiscal cost only exceeded by the Napoleonic war and the two world wars. So how does this industry create mayhem on this scale? And why is it allowed to do so? It does so — and is allowed to do so — because, as the Bank of England has explained, banks create money, which is an essential public good, as a byproduct of their lending, which is an important economic good. We want banks to have risky assets and safe liabilities. Yet the liabilities of a highly leveraged, risk-taking institution cannot be safe and will unavoidably seem least safe during a crisis. Yet it is then that people want their money — their reserve of purchasing power in a frightening world — to be at its safest. Worse, it is often easiest for banks to justify lending more just when they should lend less, because lending creates credit booms and asset-price bubbles, notably in property. The willingness of the public to treat bank liabilities as stores of safe purchasing power provides stable funding, until panic sets in. To reduce the likelihood of panic, governments insure bank deposits, liquidity and even solvency. That makes crises rarer, but bigger.

The authorities are simultaneously supporting banks and reining in the excesses created by support. This is a system designed to fail. Today, banks are less leveraged and better supervised than before the crisis. In the UK, retail banking is also ringfenced. Yet, the banks are leveraged at about 20 to 1: if the value of their assets falls by 5 per cent or more, such a bank becomes insolvent.

One way to make banks safer then would be to increase their equity capital four or five times, as recommended by Anat Admati and Martin Hellwig in The Bankers’ New Clothes. An alternative way to make the system safer is to strip banks of the power to create money, by turning their liquid deposits into “state” or “sovereign” money. That is the idea backed by the Vollgeld initiative.

An alternative way of achieving the same outcome would be via 100 per cent backing of deposits by claims on the central bank — an idea proposed by free-market Chicago School economists in the 1930s. The rest of the financial system would then consist mainly of investment banking and mutual funds. The latter shift risk on to the investors automatically. The former might need to be regulated, but mainly on capital. The shift to a system like this would, as Thomas Jordan of the Swiss National Bank argues, be a mini-earthquake. Moreover, the proposal raises questions about the purposes to which the new sovereign money might be used. The obvious possibility is to use the money to finance the government. This idea is highly objectionable to some: it would surely create big challenges. Yet those challenges are nothing like as fundamental as was transferring responsibility for a core attribute of the state — the creation of sound money — to a favoured set of profit-seeking private businesses, co-ordinated by a price-setting government institution, the central bank. In no other economic area is public power so mixed with private interests. Familiarity with this arrangement cannot make it less undesirable. Nor can familiarity with its performance.

There are many other ideas in this broad area that seem worth pursuing. One would be to allow every citizen to hold an account directly at the central bank. The technological reasons for branch banking are, after all, perishing quickly. Nicholas Gruen, an Australian economist, has argued that no private institution should have better access to the public’s central bank than the public itself does. Furthermore, he adds, the central bank could operate monetary policy by lending freely against safe mortgages. The central bank would not need to lend to banks per se at all. It would focus on assets.

The fundamental point here is that the burden of proof should not be on those who favour change. After a long series of huge and destructive crises, it falls rather on those who support the status quo, even today’s modified status quo. The advantage of the Vollgeld proposal is that it is a credible experiment in the direction of separating the safety rightly demanded of money from the risk-bearing expected of private banks. With money unambiguously safe, it would be far easier to let risk-taking institutions bear the full consequences of their failures. To the extent that bankruptcy remained difficult, regulation would still be needed, especially of equity capital. At the limit, as some argue, risk-bearing financial intermediation might need to be ended.

The Vollgeld proposal is not as radical as this. Yet it could provide an illuminating test of a better possible future for what has long been the world’s most perilous industry. May the Swiss dare.»

Zu einer deutschen Zusammenfassung siehe das Sperberauge «Financial Times empfiehlt ein Ja» , hier anklicken.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Zum Autor. Es gibt keine Interessenkollisionen.

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17 Meinungen

Je mehr wir einfachen Büezer diese fantastisch verdienenden Politiker und leicht dahinredenden Bänker anhören (müssen), desto besser gefällt uns die Vollgeldinitiative. Da brauchts nicht mal einen Professor Ulrich, um dahinter zu kommen, wer nun seine Pfründli schützen will. Das merkt Otto Normalbüzer auch so zwischen dem Politiker-/Bänkergeschwafel.
Kurt Wieser, am 07. Juni 2018 um 11:49 Uhr
Er ist halt keine Führungspersönlichkeit und sowieso in dieses Präsidium nur reingerutscht (wenn ich mich recht erinnere, hat er es auch nur sehr zögerlich angenommen). Jetzt schadet er uns allen.
Marianne Mäder, am 07. Juni 2018 um 11:57 Uhr
Sorry, Christian Müller: Da sind wir uns für einmal nicht einig.
- Für mich ist die Zeit nicht reif für die VGI. Ich habe meine Bedenken beim Komitee frühzeitig eingebracht + wiederholt geäussert.
- Deshalb betrachte ich es auch nicht als Ziel-führend, den Kopf von Jordan zu fordern.
-- Er ist aus durchsichtigen Gründen gegen die VGI.
-- Darunter gibt es lautere Gründe, welche ich (+ Sie) teilen, welche das Komitee in den 3 Jahren seit meinen Hinweisen nicht auflösen konnte.

Warten wir also ab, bis die Zeit für sowas wie das VG reif ist ...
Konrad Staudacher, am 07. Juni 2018 um 12:00 Uhr
Die Frage ist doch, wem Jordan eigentlich verpflichtet ist. Die SNB gehört zu fast 50% privaten Anlegern. Der grösste Einzelaktionär ist ein deutscher Geschäftsmann. Der Bund hat genau null! Aktien. Dafür haben diverse Kantonalbanken Aktien welche selber ja fast zu 50% privaten Anlegern gehört. Man muss daraus schlussfolgern, dass die SNB nicht im Interesse des Bundes handelt, da er ja kein Anteilseigner ist, sondern im Interesse von privaten Anlegern, welche in der Summe wahrscheinlich sogar mehr als 50% Anteil besitzen. So betrachtet macht Jordan's verhalten absolut Sinn und er handelt im Interesse der SNB Besitzer. Die Frage ist: Will das Volk eine privatisierte SNB?
Stöckli Marc, am 07. Juni 2018 um 13:48 Uhr
Die Frage nach der Tragbarkeit von SNB-Präsident Thomas Jordan ist abstrus. Christian Müller argumentiert wie alle überzeugten Vollgeldler. Wer nicht für die Vollgeld-Initiative ist, ist unethisch und steht im Dienste der bösen Geschäftsbanken. Doch Jordan ist in guter Gesellschaft: Alle Parteien von links bis rechts sind demnach unethisch. Die ganz grosse Zahl der Parlamentarier von links bis rechts ist unethisch und offensichtlich dumm. Wie sonst könnten sie der Schönheit und Überlegenheit der Vollgeld-Idee widerstehen.
Nicht dumm ist der englische Starjournalist Martin Wolf. Er findet Vollgeld, das von der Notenbank ausgegeben wird, unzweideutig sicher, „money unambiguously safe“. An der Wand über meinem Schreibtisch hängt eine Reichsbanknote im Wert von Eintausend Mark, am 15. Dezember 1922 mit vier Unterschriften des Reichsbankdirektoriums in Berlin herausgegeben. Unzweideutig ist diese Note mit einem roten Stempel überdruckt, der lautet „Eine Milliarde Mark“. Die Finanzkrise der 20er Jahre war wohl die grösste finanzielle (und in der Folge auch weltpolitische) Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Und es würde nicht überraschen, wenn die Politik der Notenbanken Ursache der nächsten ganz grossen Finanzkrise stehen würde. Aber Wolf will ja Vollgeld nicht für England. Er schreibt: „May the Swiss dare.“ In einem Punkt ist Christian Müller wohl zuzustimmen: Die Stimmbürger werden es nicht wagen.
Hans Geiger, am 07. Juni 2018 um 15:55 Uhr
Mir fällt im Abstimmungskampf auf, wie sehr die Gegner das jetzige internationale Geldsystem rühmen. Erwähnung der letzten Finanzkrisen und wahrscheinlich kommende Finanzkrise(n)? - Fehlanzeige! Auch diesmal ist es wie bei allen Abstimmungen: Mit Plakaten und Schlagzeilen in den Medien kann zwar Stimmung gemacht, aber nicht seriös und umfassend informiert werden.
Bitte helft mir, es gab doch schon Vollgeldsysteme, wenn auch nur lokal begrenzt. War da nicht mal in Oesterreich etwas?
Markus Schmid, am 07. Juni 2018 um 17:49 Uhr
Schon die lange einseitige Vollgeld-Kampagne auf Infosperber ist sonderbar. Die Rücktrittsforderung an den Nationalbankchef ist nun effektiv absurd und übertrieben. Ich verstehe Kritik an seiner Politik, vor allem auch nach er im falschesten Zeitpunkt und miserabel begründet die Verteidigung des Frankenkurses fallen liess. Aber jetzt ist er einfach ein Warner unter vielen. Die Vollgeldleute sollten auch etwas selbstkritisch sein. Sie versprechen mit der Buchgeldbeseitigung schlicht zu viel, um glaubwürdig zu sein. Es ist kaum der stets behauptete Haupttreiber der krisenverursachenden Spekulation. Buchgeld gab es schon vor der Nationalbankgründung und sie hatte nie den Auftrag es aus der Welt zu schaffen. Ich bin aber einverstanden, dass die Nationalbank ihre vielen Instrumente besser nutzen müsste um die Bankenmacht zu beschränken. Mit Vollgeld würde sie das auch schaffen, weil es mit Fremdwährungen und Auslandkonti probemlos umgangen würde. Die Rücktrittforderung kann das Fehlkonstrukt der Initiative nicht wettmachen.
Rolf Zimmermann, am 07. Juni 2018 um 18:38 Uhr
Herr Thomas Jordan ist gegen die Vollgeldinitiative, die ja sehr wahrscheinlich zu seiner Freude abgelehnt wird. Aber nach der Ablehnung der Initiative müsste man Thomas Jordan mit «seiner» Nationalbank, den Banken, Versicherungen und Pensionskassen, der neutralen und dem Frieden verpflichteten Schweiz, verbieten, dass diese Geldhäuser weiter Mittel in Konzerne investieren die Atombomben und Rüstungsgüter produzieren. Das Bundesgericht sollte die widerlichen Geschäfte mit dem Krieg dieser Finanzinstitute stoppen. Oder sind solche abscheulichen Kriegsgewinnler Deals für das Bundesgericht in Lausanne eine Schuhnummer zu gross?

Wie am 20. August 2017 in der NZZ am Sonntag zu lesen war, hatte damals „unsere“ Schweizerische Nationalbank 1,2 Milliarden Franken in US-Unternehmen angelegt die Nuklearwaffen produzieren. Laut dem «Don’t Bank on the Bomb» Report investieren weltweit seit Januar 2013 390 Banken, Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen und Investitionsgesellschaften aus 26 Ländern in die Atomwaffenindustrie. Total soll es sich um 498 Milliarden US Dollar handeln.

Siehe auch: Finanzplatz Schweiz: Weltweit Vermögensverwalter Nummer 1, Finanziere keine Atombomben, Streubomben, Anti-Personenminen und überhaupt kein Kriegsmaterial, Von Heinrich Frei, www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24180
Heinrich Frei, am 07. Juni 2018 um 23:22 Uhr
Die Geschichte der National- bzw. Zentralbanken zeigt, dass sie fusionierte Banken sind und keine Wohlfahrtsorganisation.
Sie dienen dem Kapital und somit den Banken.
Zudem gehorchen die Zentralbanken ihrer «Mutti» der BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) Sie wurde durch die USA und die Nazis (von einem Nazi persönlich, Hjalmar Schacht) gegründet zur Aufrüstung Deutschlands. (Hitler war angewiesen auf harte ausländische Währung zur Aufrüstung)
Die BIZ hat den Nazis während den Kriegsjahren noch Gold ausgezahlt damit der Krieg auch möglichst lange dauert. Man muss sich das schon genau vorstellen; offiziell bekriegen sich die europäischen Länder bis aufs Blut und deren Banker und Politiker sitzen in Basel und diskutieren wem der nächste Kredit oder das Gold ausgezahlt wird. https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/Der-exklusivste-Club-der-Welt-und-seine-dunkle-Vergangenheit/story/16737331
Das Kapital muss schliesslich dahin wo es gebraucht wird. Die Geschichte der Gründung der «Mutti» aller Zentralbanken zeigt welche Interessen verfolgt werden und wie hoch der Preis sein kann.
Vielleicht sollte man sich der Schlange vom Kopf her nähern und die BIZ, welche in Basel ist, ans Tageslicht ziehen und etwas genauer durchleuchten.
Daniel Bertschi, am 08. Juni 2018 um 00:26 Uhr
Historischer Revisionismus macht ökonomische Fehlinterpretationen auch nicht besser und nur weil ein Text in englisch geschrieben erscheint, wird sein Inhalt auch nicht gescheiter.

Die Attacke auf Jordan ist einfach polit-ökonomischer Unsinn, wenn ich auch einverstanden bin, dass die Art und Weise der Aufgabe des Mndestwechselkurses nicht das Gelbe vom Ei war. Aber wenn Uncle Sam Wechselkursmanipulation wittert...
Tatsache bleibt aber, dass die Vollgeldinitiative ein Problem löst, oder zu lösen behauptet, welches noch nie jemanden wirklich gestört hat.

Die Devisenkomponente unserer Geldschöpfung wird aber offensichtlich wissentlich in dieser Diskussion unterschlagen und pseudo-Vogel-Ei-Argumentationen führen hier auch nicht weiter.

Die Bankenregulierung, inkl. der Beitrag der BIZ, hat einiges zur Stabilisierung des Bankensystems beigetragen, Tatsache, welche von den Vollgeld-Enthusiasten wissentlich verneint wird. Die CH-Bilanzen 2017 haben mit den Werten vor der Finanzkrise nichts zu tun und das Finanzcasino, findet nicht auf der Basis von Bankengeld, sondern sehr wohl von Zentralbankengeld statt.

Geldpolitik sollte nicht zum Stammtischdisput verkommen, sondern seriös in allen Aspekten und Konsequenzen durchdacht sein. Das haben die Vertreter der Vollgeldinitiative aber nicht getan, dafür auf billige Emotionsmacherei zurückgegriffen.

Sorry, aber sehr seriös ist das nicht.
Josef Hunkeler, am 08. Juni 2018 um 21:58 Uhr
@Geiger: Nicht nur die Wand bzw. Ihre Banknote anstarren - auch über die Nasenspitze (bzw. die Zentralbank) hinaus denken! Der Stempelabdruck «Eine Milliarde Mark» erfolgte durch die Reichsbank - aber ist sie die Ursache hierfür? Natürlich nicht! Das vorhandene Geldvermögen (u.a. Spargelder, Rentenansprüche, aufgenommene Kriegsanleihen) war schlicht nichts mehr wert. Warum? Weil der Krieg (1. WK) immens viel kostete, aber keinen Gegenwert zurückliess. Im Gegenteil: Es wurde Zerstörung «hergestellt». Zudem, entscheidend, wurden Deutschland Reparationszahlungen aufgebrummt, die - wenn sie dann effektiv bezahlt worden wären - über Jahrzehnte so rund 20% des Bruttoinlandsproduktes - ohne Gegenleistung - ins Ausland abgeführt hätte. Wollen wir mal schauen, was solches - ein kostspieliger, selbstzerstörerischer Krieg plus massive Reparationszahlungen - in irgendeinem anderen Land bezüglich Inflation (also: Geldentwertung) bewirkt? Zu meinen: Die Zentralbank hat zu viel Geld geschöpft, ist - Herr Geiger - zu kurz gedacht. Passt aber gut zu unserem allgemein kurzfristigen Denken in der Ökonomie.
Stan Kurz, am 09. Juni 2018 um 00:26 Uhr
Wenn es um seine Aussagen zur VG-Initiative geht, scheint mir Thomas Jordan per Definition *politisch* tragbar, da die meisten politischen Parteien auch so denken, aber *fachlich* scheint er mir diesbezüglich nicht tragbar, wie auch fast alle PolitikerInnen nicht, da sie zu kurze Zeitrahmen und zu kleine Segmente der Bevölkerung betrachten. «Unser gut funktionierendes Finanzsystem», ich kann es nicht mehr hören!
Theo Schmidt, am 10. Juni 2018 um 13:56 Uhr
@Hunkeler

"das Finanzcasino, findet nicht auf der Basis von Bankengeld, sondern sehr wohl von Zentralbankengeld statt"

Wie kommen Sie darauf? Da ja der ZB-Geldkreislauf vom Buchgeldkreislauf getrennt ist, hat doch eine Erhöhung von «M0» keine direkte Auswirkung auf «das Finanzcasino» (was auch immer sie mit diesem Begriff genau meinen)!?
Michael Schwyzer, am 11. Juni 2018 um 23:48 Uhr
@Schwyzer. Das Giro-Geld der Banken hat sich in wenigen Jahren von etwas unter 4 Mrd auf 600 Mrd erhöht. Gemäss Aussage der Nationalbank entspricht ein Grossteil dieser Gelder den von der SNB den Kommerzbanken «abgekauften», von Draghi und Uncle Sam gedruckten Devisen.

Das hat mit lokaler «ex-nihilo» Kreditgewährung der Kommerzbanken nichts zu tun.
Josef Hunkeler, am 12. Juni 2018 um 09:41 Uhr
@ Hunkeler: Ich bitte Sie, Ihre Aussage zu Ende zu denken - nicht mittendrin (wo es Ihrer Meinung bzw. Ihrem Vorurteil gerade passt) stehe zu bleiben. Sie schreiben: «den Kommerzbanken «abgekauften», von Draghi und Uncle Sam gedruckten Devisen».
Herr Hunkeler, was kauft denn die Nationalbank den Kommerzbanken ab? Sie meinen die «von Draghi und Uncle Sam gedruckten Devisen». Und jetzt denken! Wie kommen denn die Kommerzbanken zu diesen «gedruckten Devisen"? Verschenkt wurden sie nicht. Also mussten sie - oh je, jetzt kommt es: - durch «ex-nihilo» Kreditgeldschöpfung erworben werden.
Ich wünsche, ganz allgemein, ein zu Ende denken von Kreisläufen. Stehen bleiben, wo es einem gerade in den Kram bzw. ins Vorurteil passt, ist öde.
Stan Kurz, am 13. Juni 2018 um 17:05 Uhr
@Kurz. Gemäss SNB-Statistiken kommen diese Devisen von internationalen Anlegern, welche ihr Geld in der Schweiz, wohl in der Hoffnung auf eine Aufwertung des CHF, «parkieren».

Das hat mit Vorurteilen nichts zu tun. Diese SNB-Geldschöpfung auf der Basis der «parkierten» Euros und Dollars ist für die letzten drei Jahre das Vierfache der gesamten CH-Kreditausweitung.
Josef Hunkeler, am 14. Juni 2018 um 16:04 Uhr
@ Hunkeler: Sie schreiben: «Devisen von internationalen Anlegern». Bitte weiterdenken! Wer sind diese 'bösen' «internationalen Anleger"? Könnte es sich etwa um so Figuren wie unser Bundesrat Schneider-Ammann handeln? Der vom Ausland aus (Insel Jersey), die dort 'steuer-optimiert' angesammelten Devisen in heimische sFr. gewechselt (bzw. anlegt) haben will?
Also: Es sind die 'Schweizer' [Unternehmen], die massiv sFr. nachfragen (und so dessen Kurs hochtreiben/'stärken'). Es sind nicht die «bösen» 'Internationalen' (also Ausländer), die laufend Unmengen an sFr. nachfragen, sondern unsere «lieben» Schweizer, die mit ihren 'Exporten' im Ausland viel mehr Devisen einnehmen als sie dort (für 'Importe') ausgeben! Der resultierende Devisenüberschuss wird - von 'Schweizern' - «repatriiert», weil sie Löhne, Lieferanten, Aktionäre in sFr. bezahlen müssen und ihr verdientes Geld lieber in sFr. angelegt haben wollen. Folglich: Die Nachfrage nach sFr. steigt, d.h. Devisen werden in sFr. angelegt (!); der sFr.-Kurs steigt (sofern nicht SNB gegenhält).
CH-Leistungsbilanzüberschuss 2017: 65 Mia. [11% des BIP] - und so halten wir's seit Menschengedenken. Überschlagsrechnung: Devisenüberschüsse aufgrund des 'Exportüberschusses' nur schon in den letzten 10 Jahre umgerechnet - bzw. «gewechselt/in sFr. angelegt» - rund 500 Mia. sFr.. Und wer musste den Gegenpart dieser von 'Schweizern' betriebenen Devisenverkäufe (für sFr.) spielen? Die SNB.
Stan Kurz, am 16. Juni 2018 um 13:23 Uhr

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