Gewollte Russophobie: Putin auf dem Cover des US-Nachrichtenmagazins Newsweek © Newsweek

Gewollte Russophobie: Putin auf dem Cover des US-Nachrichtenmagazins Newsweek

Europa soll für einen Krieg fit gemacht werden

Christian Müller / 31. Jul 2014 - Der prominente deutsche Politiker Willy Wimmer wagt eine andere Meinung zum Kurs der EU gegenüber Russland. Eine Warnung.

Überraschend hat sich nun auch Berlin für massivere Sanktionen gegen Russland ausgesprochen. Überraschend deshalb, weil von keiner Seite neue Fakten auf dem Tisch liegen:

  • Die ukrainische Regierung bombardiert seit Wochen Dörfer und Städte in der Region Dombass und lehnt einen Waffenstillstand mit den Separatisten zwecks genauer Abklärung der Absturzursachen der Boeing 777 der Malaysia Air strikte ab. Auch die persönlich vorgetragene Bitte des betroffenen holländischen Premiers bei Poroschenko hat nichts bewirkt.

  • Die ukrainische Regierung hat die zuletzt geführten Gespräche mit der Boeing 777 der Malaysia Air noch immer nicht zugänglich gemacht. Auch keine anderen Daten.

  • Die USA haben bisher weder Aufnahmen von Satelliten noch Daten von der AWACS-Überwachung zugänglich gemacht.

  • Die Black-Boxes der abgestürzten Boeing 777 sind seit Tagen in den Händen westlicher Spezialisten. Aber noch haben sie keine Resultate vorgelegt.

Trotzdem ist nun auch die deutsche Regierung in ihrem Widerstand gegen schärfere Sanktionen gegen Russland eingeknickt und hat, den drängenden Aufforderungen Obamas Folge leistend, beschlossen, härteren Sanktionen der EU gegen Russland zuzustimmen – ohne Verweis auf neue Erkenntnisse und zugegebenermassen gegen die eigenen Interessen.

Eintopf bei den Medien

Angeheizt wird die Russland-feindliche Stimmung auch von den deutschen Medien, und zwar von der Bild-Zeitung auf der rechten bis hin zum Spiegel auf der linken Seite. Doch die veröffentlichte Meinung ist nicht immer auch die öffentliche Meinung. Wer in Deutschland bei Verwandten, Freunden oder Bekannten nachfragt, hört von einer anderen Stimmung. Inoffizielle Stellen sprechen von einem noch nie dagewesenen Dissens zwischen Regierung und Bevölkerung.

Und tatsächlich: auch nicht alle Politiker schweigen zum mehr und mehr Russland-feindlichen Kurs der Regierung und zum russophoben Eintopf der deutschen Medien-Landschaft. Willy Wimmer zum Beispiel, während vollen 33 Jahren Mitglied der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, von 1985 und 1992 sogar verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU und dann Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung, ein prominenter deutscher Politiker also, der gerade in der Zeit des Zusammenbruchs der Sowjetunion und der Wiedervereinigung der BRD und der DDR unter Helmut Kohl persönlich und intensiv im Gespräch mit West und Ost war, wagt eine diametral andere Analyse der Situation in der und um die Ukraine. Und er kommt – horribile dictu – zum Schluss: Die Nato unternimmt alles, um einen Krieg gegen Russland vom Zaun zu brechen. «Europa soll fit gemacht werden für einen Krieg.»

Die Beobachtungen und Überlegungen von Willy Wimmer sind zumindest bedenkenswert. Man kann sie sich in einem ausführlichen und detailreichen Interview hier anhören.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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3 Meinungen

Auch hier kann ich nur wieder dasselbe sagen: Folge dem Geld wo es hinfliesst, und schon weiss man wer diesen Krieg haben will. Folge immer dem Geld, den es geht letztendlich gegenwärtig nur darum. Rohstoffe sind auch Geld. Alles wird missbraucht, auch Religion, Kinder, Frauen, Menschenleben, damit Geld und Rohstoffe, und Humankapital sind auch Rohstoffe, an einen ganz bestimmten Ort fliessen. Alle anderen Fragen erübrigen sich. Würde man eine bestimmte Gruppe von Menschen entmachten, wären in einer Woche alle Kriege vorbei. Folge dem Geld, und sie kommen zu dieser Gruppe.
Beatus Gubler, am 31. Juli 2014 um 14:26 Uhr
Hilfe, das Interview deckt die ganze gewaltige Lügenpropaganda auf. Die Kriegspropaganda ist am laufen und keiner kann sich retten. Seit dem kalten Krieg ist eine solche Kampagne nicht mehr da gewesen. Für mich fühlt und hört es sich noch genau so an. Was tun????? Warten auf den grossen Paukenschlag? Bei mir macht sich nur Ohnmacht breit.
Gabrielle Haas, am 31. Juli 2014 um 16:25 Uhr
Folgt dem Geld, dann findet ihr die Urheber. Enteignet diese, und nehmt ihnen die Macht weg. Ich könnte hier Namen nennen, doch dann würde man mich als Verschwörungstheoretiker, Rassisten, Kommunisten oder sonst so was beschimpfen. Darum lasse ich dies lieber sein. Denn es gibt mehr Trittbrettfahrer bei diesem System als mancher vermutet. Danke und Gruss B. Gubler www.streetwork.ch
Beatus Gubler, am 02. August 2014 um 04:25 Uhr

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