Freysingers Nerven liegen blank

Kurt Marti © ktm
Kurt Marti / 18. Aug 2016 - Der Walliser SVP-Staatsrat Oskar Freysinger steht unter Druck. Statt Argumenten liefert er Verunglimpfungen.

Vor zwei Jahren entmachtete der SVP-Staatsrat und Vorsteher des Walliser Erziehungsdepartements Oskar Freysinger seinen obersten Bildungsbeamten Jean-François Lovey, Chef der Dienststelle für Unterrichtswesen, und versetzte den gedemütigten Vorpensionär auf ein Nebengeleise. An seine Stelle setzte Freysinger seinen Intimus Jean-Marie Cleusix, der sich zunächst mit einer Steuer-Affäre in Szene setzte (siehe Infosperber: «Oskar Freysinger bleibt im CVP-Sumpf stecken»).

Vor drei Wochen erwischte es auch Cleusix. Per sofort reichte er seine Demission ein, wie das Erziehungsdepartement verlauten liess. Vom Amt überfordert, lag er mit einem Magengeschwür im Spital. Zusammen mit seinem Chef Freysinger hatte er das Erziehungsdepartement in ein Chaos-Amt verwandelt. Seither prasselten Filz-Vorwürfe auf Freysinger und Cleusix nieder. Die Geschäftsprüfungskommission des Kantonsparlaments hat eine Untersuchung eingeleitet.

In dieser politisch aufgeheizten Atmosphäre schrieb der frühere Orientierungschullehrer und heutige WWF-Oberwallis-Präsident Klaus Minnig einen Leserbrief gegen Freysinger im «Walliser Boten» (WB) mit dem Titel «Wenn Blender blenden». Freysinger habe «zwei Dienstchefs aufs Abstellgeleise gestellt und mit Posten besetzt, die es eigentlich gar nicht bräuchte». Dabei wies Minnig auf Freysingers Widersprüche hin und stellte kritische Fragen, die auf der Hand liegen.

Freysinger antwortete mit einem WB-Leserbrief mit dem Titel «Minniglich» und demonstrierte damit, dass seine Nerven blank liegen: Statt zur Kritik von Minnig Stellung zu nehmen, deckte er Minnig mit persönlichen Verunglimpfungen ein: «Lieber Herr Minnig, wie verzweifelt und unglücklich müssen Sie sein, um immer wieder diesen Fluchtweg über die Schusslinie zu wählen, an dessen Ende nur der Schatten Ihrer eigenen Projektionen steht.» Jeder Schuss auf das vermeintlich «Böse» sei im Grunde «ein Schuss gegen Sie selber, jede Hasstirade auf die anderen ein Ausdruck Ihres Selbsthasses.» Freysinger verglich Minnig gar mit dem spanischen Grossinquisitor Tomás de Torquemada und zeigte damit eindrücklich, wie er mittlerweile völlig neben den Schuhen agiert.

Schliesslich setzte sich Freysinger als Hobby-Psychoanalytiker und Lebenshelfer in Szene und unterstellt Minnig «pathologische Schreibwut». Dahinter stecke eine «Lebensproblematik», die zugleich «faszinierend» und «bedrückend» sei. Weil sich Minnig «in der Pension zu langweilen» scheine, bietet ihm Freysinger väterlich «eine Einladung zu einem Abendessen bei mir zu Hause» an.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

WB-Leserbrief «Wenn Blender blenden»
WB-Leserbrief «Minniglich»

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2 Meinungen

Ist doch bei SVP'ler üblich. Keine Sachargumente nur niedere Emotionen. Immer auf die Person zielen, an der Sache vorbei, zu welcher man kompetent nichts zu sagen weiss: Die klassische Blocher-Strategie!
Hermann K.J. Fritsche, am 18. August 2016 um 11:42 Uhr
Es ist auch in diesem Fall so, dass narzisstisches, egomanisches oder gar psychopathisches Verhalten die Ursache für über 95% der Schlagzeilen in den Medien sein dürften. Solange es eine ausreichend grosse Entourage gibt welche mitspielt, wird sich kaum jemals etwas ändern.

Erich Kästner beschrieb dieses Phänomen sehr treffend:

An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.
Stephan Siegfried, am 18. August 2016 um 14:27 Uhr

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