Schwindelerregende Pirouette

 Red. © Thinkstock.502581798
Red. / 25. Apr 2019 - Seinen Wahlkampf zum "Klimawahn" startete er mit einem kapitalen Fehler. Jetzt entschuldigt sich Köppel.

"Wo steht die Schweiz? Ihr CO2-Ausstoss nimmt sich wie ein dünner Lufthauch aus: Es sind jährlich 3,6 Millionen Tonnen. Das ist rund ein Zehntausendstel des weltweiten menschengemachten CO2." Das schrieb Roger Köppel unter dem Titel "Klima-Wahn" vor einer Woche in der "Weltwoche". Im Untertitel kündigt er seinen Text als "Ein rationaler Leitfaden in aufgeregten Zeiten" an.

Pech nur: Köppel hat sich mit den Nullen vertan. Es sind nicht "3,6 Millionen", sondern 36 Millionen Tonnen CO2 (Kohlendioxid) jährlich, welche die Schweiz allein mit ihrem direkten Energiekonsum im Inland in die Atmosphäre pufft. Nimmt man die Treibhausgase aus der Zementherstellung (vorab CO2), Landwirtschaft (vorab Methan) und weiteren Quellen im Inland hinzu, sind es 47,2 Millionen Tonnen Treibhausgase (CO2-Equivalent), zeigt die Statistik des Bundesamtes für Umwelt. Zählt man auch die grauen Treibhausgase hinzu, welche die Schweiz über Importprodukte im Ausland verursacht, erhöht sich diese Zahl nochmals um den Faktor 2,5.

"Vielleicht korrigiert die 'Weltwoche' (Eigenwerbung: 'Die andere Sicht') in der Ausgabe nach den Ostern diese Fehlinformation, auf der Köppel seine ganze Argumentation aufbaut", schrieb Infosperber vor einer Woche.

Das hat Köppel jetzt getan. In der neusten "Weltwoche" unter dem Titel "Klimatisten – Der neue grüne Kommunismus" korrigiert Roger Köppel, gut versteckt im dritten Abschnitt, sein Eigengoal mit folgenden Worten: "Dann die Zahlen: Die Schweizer produzieren rund ein Tausendstel des weltweiten menschengemachten CO2, nicht ein Zehntausendstel, wie ich letzte Woche, schwindlig ob all der Winzigkeiten, geschrieben habe. Mea maxima culpa! Am Argument freilich ändert sich nicht das Geringste."

Soweit Köppel. Im Eiskunstlauf würde man seinen Schwindel als schwindelerregende Pirouette bezeichnen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Dossier: Kritik von Zeitungsartikeln

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

6 Meinungen

Fehler passieren und keiner ist davon gefeit. Wenn wir das Ausmass dieses Fehlers mit all den Falschmeldungen die uns die System-Medien täglich bewusst unterjubeln, ist das ein kleiner Klacks der schon mal passieren kann. Ich wundere mich, dass Infosperber diesen Fauxpas nun an eine so grosse Glocke hängen muss und sich damit selbst mehr in Frage stellt als Köppel und die Weltwoche. Schade für Infosperber - die Internetzeitung die ich grundsätzlich gerne lese!
Hans Rudolf Knecht, am 25. April 2019 um 12:07 Uhr
Der Kommafehler spielt eine viel kleinere Rolle als der logische Fehler, besser gesagt die logische Lüge, welche er und die SVP immer wieder auftischen. Mit diesem Argument könnte alles toleriert werden, was nicht einen grossen weltweiten Einfluss hat. Es wäre auch sinnlos an der Urne abzustimmen, da eine einzelene Stimme ja in der Regel nichts ausmacht. Hoffen wir also, dass die SVP dieses Prinzip bei sich selber anwendet!

Ausserdem ist die Schweiz ist durch ihre Konzerne, Finanzinstitute und Aktienfonds für nochmals viel mehr CO2 verantwortlich. Sehe z.B. https://www.srf.ch/news/wirtschaft/bundesamt-fuer-umwelt-warnt-vor-anlagen-in-co2-suender
Theo Schmidt, am 25. April 2019 um 13:08 Uhr
Wir reden entschieden zu viel über diesen widerlichen Schaumschläger.
Walter Schenk, am 25. April 2019 um 18:17 Uhr
Immer feste auf die SVP draufhauen, auch bei kleinsten Ausrutschern; das erhöht die Unvorhergenommenheit von Infosperber!
Alex Schneider, am 25. April 2019 um 18:19 Uhr
Roger Klöppel ist kein Journalist im Sinne von Vierter Gewalt in einem demokratischen Staat (wie z.b. der Infosperber als Positivbeispiel), sondern viel mehr ein Propagandist für seine Financiers welche ihn dafür wahrlich fürstlich entlohnen. Seine gesamte publizistische Tätigkeit ist aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Fakten spielen dementsprechend dann für ihn eine Rolle, wenn sie seine Propaganda stützen. Es ist deshalb auch absolut logisch, dass eine Korrektur von Fakten um das zehnfache sein Argument nicht ändert. Denn das Argument, welches seine Sichtweise (und das seiner Financiers) bestätigt, ist vor den Fakten bereits gebildet. Erst im zweiten Schritt werden dann passende Fakten gesucht.

Fehler passieren jedem mal, dass soll man Köppel auch nicht anlasten. Hingegen wurde hier leider offensichtlich, dass eben die Fakten keinen Einfluss auf die Einstellung und Publizistik von Herr Köppel haben. Und das sollte man ihm auf jeden Fall anlasten.
Stöckli Marc, am 26. April 2019 um 10:49 Uhr
@ Knecht und Schneider. Ja, ich entschuldige mich für mein unüberlegtes «SVP-Bashing» im Kommentar oben, und diese Partei bindet immerhin viele der extremen Rechten ein, welche in anderen Ländern viel Schaden anrichten. Ohne die SVP hätten wir in der Schweiz auch solche Parteien und viel mehr Probleme.

Aber der Artikel ist gerechtfertigt, da die SVP immer noch dringende Massnahmen gegen die Klimaerwärmung bekämpft und dazu sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch logische Zusammenhänge leugnet. Und Herr Köppel ist immerhin Nationalrat und Chefredaktor, richtet hier also besonders viel Schaden an. Zum Glück gibt es aber in der SVP auch z.B. Landwirte, welche die Zeichen der Zeit erkannt haben und etwas Gegensteuer geben. Hoffentlich gelingt es ihnen.
Theo Schmidt, am 26. April 2019 um 12:49 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.