KevinDooley/Flickr/CC © Cover einer Platte der Rolling Stones

Die Stones: Echter, nachhaltiger, wichtiger!

Niklaus Ramseyer / 16. Okt 2012 - Radio DRS hat uns mit einer Endlos-Serie über die Beatles belästigt. Dabei sind die Rolling Stones viel spannender und wichtiger.

Wer keine grosse Ahnung davon hat, was in den Sechzigerjahren bei der Überwindung des totalitären, miefigen Kleinbürgertums mitsamt seiner verdrückten Sexualität, der Benachteiligung der Frauen und seinem eng limitierten Lebensstil auch hierzulande wirklich abging, der unterliegt in punkto Musik etwa mal zwei fundamentalen Irrtümern: Erstens meint er oder sie, die Begleitmusik zu diesem Aufbruch, der dann in die 68er-Revolte münden sollte, hätten die Beatles gemacht. Und zweitens glauben solche Leute, «Angie» sei ein typischer Stones-Song.

Ahnungsloses Radio DRS

Den ersten Irrtum hat Radio DRS nun den ganzen Sommer über als Falschmeldung fast täglich in einer ebenso endlosen wie langweiligen Serie über die Beatles morgens kurz vor sieben verbreitet. Das Ganze war und ist völlig überrissen. Unser öffentlich-rechtliches Radio verkennt und überschätzt die Bedeutung der Pilzköpfe aus Liverpool. Denn: Natürlich liess deren Song «I Want to Hold Your Hand» manche Sekundarschülerin beim Schulabschlusstanz schon 1963 leicht erschauern und erahnen, was da noch alles kommen könnte. Und sicher sind Beatles-Titel, wie «A Hard Days Night», «Help» oder «Get Back» grossartige Musik. Dass sie Chuck-Berry -Klassiker wie «Rock n` Roll Music» oder «Roll Over Beethoven» in Europa erst richtig bekannt gemacht haben, sei den Beatles auf ewig verdankt.

Wenn die längst verschwundene Band aus Liverpool posthum jubiläumsmässig gewürdigt wird, geht das auch total in Ordnung. Hingegen zeugt es von einer Ahnungslosigkeit, in einem Jahr, in dem die weiterhin voll aktiven Rolling Stones ebenfalls einiges zu feiern haben (1. Auftritt am 12. Juli 1962), eine endlose Beatles-Mania loszutreten.

Schon Mitte der rasant unruhiger werdenden Sechziger nämlich entpuppten sich die Beatles rasch als relativ harmlose, angepasste (teils gar tanzmusikmässig uniformierte und krawattierte) Liedchensänger («Please Please Me»). Zum musikalischen «Streetfighting Man» würden diese Bubis jedenfalls nie taugen.

«Time is on My Side» – for «Satisfaction»

Doch zum Glück gab es spätestens ab 64 anderes, besseres: The Rolling Stones! Diese Burschen kamen nicht sauber frisiert daher und sangen «Happy just do Dance with you». Sie bereicherten die Gymer-Klassenfêten vielmehr mit Parolen zum Auf- und Ausbruch: «I m Free» (to do what I want – any o time). Sie zelebrierten «Abgrenzung» avant la lettre mit «Get Out of My Cloud». Und während die Beatles noch dem «ersten Mal» entgegen fieberten (I Wanna hold Your Hand), sangen die Stones schon Klartext («Let’s Spend The Night Together») und droschen ihre emotionale Gewinnwarnung aus ihren Anlagen: «This Could Be the Last Time». Sowie gar den Zusammenbruch: «19th Nervous Breakdown».

Aber sie verbreiteten auch Hoffnung mit «Time is On My Side». Und sie nahmen den späteren Reggae-Klassiker «You can get it, if you really want» voraus mit «You can make it, if you try».

Das alles war viel stärkerer Tobak, als jene manierlichen Beatles, die sich schon bald ihren lokalen Royals angebiedert hatten. Und mit «Satisfaction» brachten die Stones in geradezu genialer Weise die Aufbruchstimmung und worum es spätestens ab Mitte der Sechzigerjahre den Jugendlichen wirklich ging, musikalisch und lyrisch auf den Punkt – einfach, schnörkellos, brilliant. Noch bessere Stones-Songs sollten später kommen mit «Sympathy For The Devil» etwa «Honky Tonk Women» oder «Brown Sugar» und «Gimmie Shelter». Jean-Luc Godard hat über das erfrischend blasphemische Sympathy (was rythmisch übrigens ein Samba ist) in Paris einen Dokumentarfilm gedreht. Das Film-Genie wusste eben genau, was auch in der Musik-Szene wirklich wichtig ist.

Respekt vor schwarzen Bluesern

In Gesamtwerk der Stones, in dem fast alle Kenner das Doppelalbum «Exile on Main Street» (1972) als absolute Spitze und Weltklasse erkennen, ist nun «Angie» wohl einer der bekanntesten Titel – aber auch einer der atypischsten, ein wenig Beatles-Sirup eben. Dabei haben die Stones durchaus sehr schöne sanftere und bluesigere Sachen gemacht. Allen voran «Love in Vain» oder «Heart of Stone» und «Long Long While». Und sie haben stets grossen Respekt vor den Wurzeln ihrer Musik in der Blues-Kultur der unterdrückten schwarzen US-Bevölkerung gezeigt.

Von Radiostationen boykottiert

Die teils genialen schwarzen Musiker wurden in den USA ja noch bis weit in die Sechzigerjahre hinein verdrängt, von Radiostationen boykottiert und von weissen Imitatoren schamlos kopiert – auch etwa von einem gewissen Elvis Presley. Auch dagegen haben die Stones rebelliert – mit ihrer Verehrung für Muddy Waters beispielweise. Über und mit Chuck Berry haben sie sogar einen sehr schönen Dokumentarfilm gedreht («Hail! Hail! Rock'n'Roll»).

Zu Beginne einer US-Tournee fragte ein blöder TV-Reporter Keith Richards mal, was die Stones denn in den USA so sehen wollten. Der gab knapp zur Antwort: «Muddy Waters». Worauf der Mann zurückfragte: «Where’s that?» Wo ist das?

Verachtung für Macht und Establishment

Das war zu einer Zeit, als auch hierzulande das Establishment noch gegen «Negermusig im Radio» Sturm lief. Und der Vorfall erklärt, warum die Stones auch den Medien als Teil des Establishments eher mit Verachtung begegnen. Als ihn ein TV-Mann in einem Interview mal zum hundertsten Mal fragte, wie das denn mit «Drugs, Sex and Rock’n'Roll» so gewesen sei, nahm Keith Richards einen Schluck von seine Jack Daniels Flasche, grinste böse und sagte: «We invented them all three – wir haben alle drei erfunden». Und fügte dann bissig bei: «You believe anything – du glaubst ja irgendwas!»

Ähnlich bissig begegneten die Stones wirtschaftlicher Macht. Als sie der Platten-Firma Decca zur Beendigung eines veritablen Knebelvertrags 1968 noch einen Song schuldig waren, lieferten sie diesen pflichtgemäss ab. Er hiess aber «Cocksucker-Blues». Und im Refrain lautet eine Zeile: «Where can I get my cock sucked? Where can I get my ass fucked?» Logisch, dass Decca in den damals immer noch prüden Zeiten, den Song, der bis heute nur als Bootleg erhältlich ist, nie publizieren und verwerten konnte.

Lang anhaltende Wirkung

Logisch auch, dass diese Stones unzählige gute Musiker inspiriert haben – von den Weltstars Eric Clapton und Bruce Springsteen bis hierzulande hin zu Polo Hofer oder Gölä. Und weil die Stones eben leidenschaftliche Musiker sind, die nicht anders können, gibt es sie (ganz im Unterschied zu den Beatles) nach 50 Jahren immer noch. Und immer besser. Auf die Frage, wie lange sie denn noch weiter machen wollten, sagte Richards kürzlich lachend: «Sie können davon ausgehen, dass unsere Grosskinder uns noch im Rollstuhl auf die Bühne schieben werden.»

Das wären alles spannende Geschichten zu super-schöner Musik. Wie auch die Richards-Autobiografie unter dem schlichten Titel «Life» (by Weidenfeld & Nicolson 2010) – oder eine jetzt gerade herausgekommene, neue Biografie über Jagger. Wann hören wir darüber etwas an unserem Radio DRS?

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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15 Meinungen

Danke, danke, danke. Und ich dachte schon, ich sei der Depp in der Musikwelt, weil er nie verstanden hat, warum die Beatles derart hochgejubelt werden, derweil ihre Songs zwar musikalisch anspruchsvoller (Akkorde, Melodieführungen) , aber weder Sex noch Blut haben sondern (zum grössten Teil) eben Trällerliedchen sind. Vielleicht liegt das Geheimnis für grossen Ruhm darin, dass man früh stirbt (Monroe, Dean, Cobain etc.). Wer bis zuletzt sein Ding durchzieht, gehört irgendwann zum Inventar und wird verkannt.
Beat Glogger, am 16. Oktober 2012 um 12:21 Uhr
Ebenso toller wie wahrer Bericht. Natürlich setzten auch die Beatles ihr Markenzeichen, doch die Stones sind die wahren (Musik-)helden. Dazu gabs noch die «Dritten» (Kinks), die leider kaum mehr im Äther zu hören sind. Schade einzig, dass der Bericht von NR erst jetzt kommt; die erwähnte Beatles-Serie auf DRS 1 ist nämlich Ende September zu Ende gegangen.
Claudio A. Engeloch, am 16. Oktober 2012 um 14:10 Uhr
Ach, was für ein Quatsch! Natürlich waren die Beatles für ihre Zeit die Grössten. Ich habe sie unter scharfer Strafandrohung im Geheimen im Internat gehört. Natürlich war das für uns Revolution. Und natürlich spürte man , beflügelt durch alles ,was die Beatles ausmachte inkl. Frisur die Bestätigung für den Aufbruch, den Widerspruch, die Lust , nicht nur dauernd von Veränderung zu schwätzen, sondern sie tatsächlich zu versuchen.

Natürlich waren die Stones dann fetziger, aber sie hatten nicht mehr diese tiefgehende Breitenwirkung. Da romantisiert Niklaus Ramseyer zu viel hinein. Den Boden breitflächig aufgerissen und bereitet - auch musikalisch - haben die Beatles. Das waren für uns eben keine Trällerliedchen. Mit «Hey Jude» war der Höhepunkt der Popularität zwar überschritten, aber unsere Gefühle und Sehnsüchte fanden wir darin wieder.

Das angeblich «ahnungslose DRS» lag mit seinem Beatles-Festival absolut richtig. Von mir aus kann's bei passender Gelegenheit auch ein Stones-Festival geben , aber mit wippenden Grossvätern auf der Bühne ist das eben dann doch nicht mehr ganz so heiss.Sie haben - leider - den richtigen Absprung verpasst.
Fred David, am 16. Oktober 2012 um 16:51 Uhr
Ich habe gar nichts gegen wippende Grossväter auf der Bühne (warum dürfen übrigens nur Schwarze als Blueser auf der Bühne alt werden? Warum werden alternde weisse Rocker als Grossväter belächelt?) aber ich habe etwas dagegen, dass Grossväter sich immer noch dafür prügeln, ob die Beatles oder die Stones die Grössten waren, bzw. seien. Die Stones (incl. Angie!) fahren mir immer noch in die Knochen, weil auch ich ihre schwarzen Ziehväter heraushöre, aber auch ein Song der Beatles hat immer noch mehr musikalische Substanz als eine ganze Jahresproduktion der PopulärmusikINDUSTRIE von heute. Die privaten Radiostationen (und auch Radio SRF mehrheitlich) sind meine Kronzeugen.
Bruno Gut, am 17. Oktober 2012 um 12:01 Uhr
@)Bruno Gut: Da stimme ich Ihnen zu. Wenn ich im Auto unterwegs bin und Zeit für Musik hätte, quäle ich mich stattdessen durch jede Menge Sender und höre überall Dasselbe und langweile ich ziemlich.

...und lassen Sie uns Grossväter ruhig ein wenig auf einander einprügeln. Wir vertragen das. Wir haben sie ja alle von ihren Anfängen an erlebt. Was jungen Leute heute etwas schwerfällt zu akzeptieren (ich weiss das von meinem Sohn): Die Grossväter haben eine ganze Menge erlebt, von dem sie bis heute zehren, es bis heute engagiert verteidigen und von dem sie sich wünschen, die Jungen könnten es in ähnlicher Freiheit aus- und erleben. Ehrlich: Es war eine tolle Zeit! Und SRF hat ein Stück davon zurückgeholt.
Fred David, am 17. Oktober 2012 um 18:29 Uhr
Niklaus Ramseyer ist sich offenbar nicht bewusst, dass er einem bereits vor 30 Jahren entlarvten Klischeeverständnis anhängt und Geschichtsklitterung treibt. Diedrich Diedrichsen hat in der Zeitschrift sounds analysiert, wie die Stones laufend die Entwicklungsideen der Beatles abgekupfert haben und dann 1982 (!) im Spiegel eine perfekte Replik zu diesem Ramseyer-Beitrag verfasst. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14339066.html
Mic Rasmussen Meyer, am 20. Oktober 2012 um 11:56 Uhr
...und sie streiten immer noch, erbittert und verbissen, die Opas, weil es sie nicht wirklich interessiert, was vor und danach und neben und trotzdem oder nicht alles passierte und wie alles zusammenhängt und sich gegenseitig beeinflusst. Eine 30 Jahre alte Polemik von DD, die damals schon mehr über den Autor (den ich sonst schätze) selbst aussagte, als sie Fakten verbreitete, würde wohl auch von ihm nicht mehr so formuliert, der letzte Satz deutet es an: «Beatles-Fans, die die Weisheit mit Löffeln [gell, Herr Koller] gegessen haben, und Stones-Fans, denen eh nicht zu helfen ist.» Ich lass mir gerne nicht helfen und halte es mit dem Satz: Wer n u r von den Beatles etwas versteht, versteht auch sie nicht. Das gilt auch für die Gegenseite.
Bruno Gut, am 20. Oktober 2012 um 22:57 Uhr
Ein Nachsatz noch: Natürlich ist der Satz im Lead von N. Ramseyer ausgesuchter Quatsch: «Dabei sind die Rolling Stones viel spannender und wichtiger."
Bruno Gut, am 20. Oktober 2012 um 23:06 Uhr
...@ Bruno Gut: Es geht uns streitbaren Opas doch nicht um «n-u-r". Aber die Rangfolge wollen wir, bitteschön, eingehalten haben. Da sind wir eigen. Es ist ein Teil unserer Geschichte (und die war nicht langweilig), und an der lassen wir uns von recht schnell gelangweilten Enkeln nicht einfach freihändig herumbasteln und -deuteln. Sonst müssen sie mit erheblichem Gegenverkehr rechnen.
Fred David, am 21. Oktober 2012 um 13:22 Uhr
Liebe Leserschaft!

das rege Interesse an meinem fundierten Elaborat hat mich erstaunt und sehr erfreut. Ich hätte mir allerdings doch etwas mehr argumentative Substanz erhofft. Ich jedenfalls «prügle» mich hier nicht herum. Ich liefere Fakten für das was ich Rock- und Bluesmässig seit 1962 erlebt und mir in Übungskellern und auf Bühnen (am Fender Jazz-Bass von 1963 über einen Sovtek-Amp) erspielt habe.
(Verschiedene sehr gute Beatles-Songs wie etwa Get Back gehörten auch dazu.)
Aber so wie weiland (seit 1982 ist auch schon wieder eine «Long long while» vergangen!) Herr Diedrichsen sich selber entlarvt hat, qualifiziert sich heute erst recht selber brutal, wer Brown Sugar, Satisfaction, Honkytonk Women und die ganze Exile on Mainstreet einfach als «Lärm» abtut. Das ist etwa das Niveau auf welchem in den Sechzigern an Stammtischen gegen «Negermusig am Radio» losgeprügelt wurde. Ich war der Meinung, das sei nun definitiv überwunden. Aber man lernt nie aus.
Was nun der Meinungsautor mit seiner Abscheu vor «wippenden Grossvätern» angeht, so ist der Mann ganz offensichtlich noch nie an einem Stones-Konzert gewesen (Dübendorf!!!). Und apropos Spiegel kann ich auch www. Nämlich: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-86679262.html
Da findet der interessierte Leser/Musiker ganz aktuell vom 2. Juli dieses Jahres als «weiterführende Literatur» einen hervorragenden Artikel (viel besser als meiner) , der so anfängt:



"LEGENDEN
Die Letzten ihrer Art

Von Diez, Georg und Hüetlin, Thomas

Sie lieferten den Sound zur sexuellen Revolution, zum Studentenprotest und zum Drogenrausch. Seit 50 Jahren tun die Rolling Stones Dienst, immer noch als die größte Band der Welt.

Mick und Keith, was soll man dazu sagen: zwei Helden, zwei Irre, zwei Untote? Der eine ein teuflischer Engel, der andere ein Gitarrist wie eine rauchende Lunte. Narziss und Totenkopf. Eines der großen Paare des 20. Jahrhunderts.

Sie passen im Grunde nicht zusammen, der ehemalige Student und der Arbeitersohn, der Geschäftsmann und der Selbstzerstörer. Gemeinsam veränderten sie den Lauf der Dinge."

SO!

Dem habe ich nichts beizufügen. Die Spiegel-Autoren hingegen noch sehr viel hoch Interessantes.
Es lohnt sich sehr! Mit Gruss und Dank! Niklaus Ramseyer
Niklaus Ramseyer, am 21. Oktober 2012 um 20:28 Uhr
@) Niklaus Ramseyer: Der «Meinungsautor» (?) hat nur einen kleinen Nachtrag: Natürlich war ich an Stones-Konzerten, einmal in einem Riesenstadion in Hannover, mit weit mehr Menschen als in Dübendorf. Die Atmosphäre war super. Aber trotzdem fand ich die wippenden Grossväter auf der Bühne , naja, leicht albern, aber von «Abscheu» keine Rede, wie käme ich dazu? Meine Begleiterin war übrigens hingerissen von den Grossvätern, was die in ihrem Alter noch alles hinkriegen, «und kein Gramm Fett"! Und das war natürlich schon eine Herausforderung für mich. Als Grossvater. Aber wie gesagt: Ich erhebe keinerlei Absolutheitsansprüche auf meine Meinung. Ich sag sie halt einfach.
Fred David, am 21. Oktober 2012 um 21:18 Uhr
Taj, Herr Leemann: Ihr Beispiel zeigt einiges. Wären Sie mir nun etwa mit The Who, Kinks, Doors, Hendrix, Ten Years After oder gar auch mit CCR gekommen...ja dann. Aber Beach Boys? Wohlverstanden, gar nichts gegen sauberen Surf-Sound (Little Honda, Sloop John B)! Dass aber eine Band, die 1985 in Frack und Fliege gekleidet einem gewissen Herrn Ronald Reagan öffentlich die Ehre bezeugt und ihn als «Quelle ihrer Inspiration» bejubelt hat, dass diese clean cut boys 20 Jahre früher die 68-er Revolte begleitet und befeuert haben sollen ... Da verwechseln Sie wohl einiges. Zum Beispiel dies: Die 60er waren auch die Anfänge der Konsumgesellschaft – und auch die eröffnete cleveren Musikern lustige Marktlücken. Mit Gruss! N.R.
Niklaus Ramseyer, am 24. Oktober 2012 um 13:00 Uhr
Hoppla, da wird ja ein richtiges Seminar draus:... «dass diese clean cut boys 20 Jahre früher die 68-er Revolte begleitet und befeuert haben sollen ...» - Natürlich war das so! Auch wenn die Beatles unpolitisch waren, in ihrer frühen, aktiven Phase markierten, flankierten, begleiteten sie (wie immer Sie das nennen wollen) eine kreative Phase des erst aufkeimenden zivilen Ungehorsams gegen überholte Strukturen, Verhaltensregeln und vorgestrigen Personen. Ihre Musik verband eine Generation, was es übrigens bei Elvis auch schon gab, aber nicht mit dieser Breitenwirkung. Der Massenerfolg der Beatles markiert eine Zäsur.
Fred David, am 24. Oktober 2012 um 15:07 Uhr
Meine ja auch gar nicht die Beatles, sondern die Beach Boys (nuance!). Beatles und Elvis habe ich in meiner Analyse gebührend erwähnt. Und wenn ich schon wieder drin bin: Wer hat denn im April 67 mit fetzigem Vorspiel zu den 68-Revolten die Jugend zu Begeisterungsstürmen NZZ zur publizistischen Weissglut getrieben? War dabei, habe noch SW-Fotos... Aber mit «Fans» habe ich nichts am Hut! N.R.
Niklaus Ramseyer, am 24. Oktober 2012 um 16:01 Uhr
Bingo, die Beach Boys sind eine andere Kategorie. Die NZZ sah damals schon wegen viel, viel harmloserer Ereignisse den Untergang des Abendlandes heraufziehen. Und «68» fing nicht mit einem Paukenschlag in Züri an, das hatten einen viel längeren Vorlauf.
Fred David, am 24. Oktober 2012 um 16:39 Uhr

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