Eines der wenigen Bilder aus einem chinesischen Lager. Es zeigt inhaftierte Uiguren. © uyghur_nur, twitter
Sayragul Sauytbay (2. v. r) mit ihrer Familie in Kasachstan. © GfbV

Chinas Umgang mit den Uiguren nähert sich dem Genozid

Daniela Gschweng / 18. Nov 2019 - Schläge, Folter, Vergewaltigungen, Medikamententests – so sieht es in den chinesischen «Umerziehungslagern» in Wirklichkeit aus.

Red. Von China wurde es über Jahre hinweg verheimlicht, doch jetzt gelangen mehr und mehr Informationen nach aussen: Im Westen Chinas werden um eine Million Menschen oder gar mehr in sogenannten Umerziehungslagern gefangen gehalten. Die meisten der Gefangenen sind muslimische Uiguren, ein ethnisch den Türken verwandtes Volk. Nun sind der New York Times vertrauliche Dokumente zugespielt worden mit regierungsinternen Anweisungen, wie mit den Uiguren umzugehen sei. Das Schweizer Radio SRF hat im «Echo der Zeit» gestern Sonntag darüber berichtet. Ein Interactive der «New York Times» mit den Originaldokumenten findet sich hier.

Die israelische Tageszeitung «Haaretz» hat schon am 17. Oktober 2019 einen längeren Bericht über so ein Lager publiziert, basierend auf den Aussagen einer Kasachin, die in einem Lager den Insassen die chinesische Sprache unterrichten musste und der dann die Flucht gelang.

In Chinas Provinz Xinjiang sind schätzungsweise ein bis zwei Millionen Menschen in Lagern interniert. Die meisten gehören der muslimischen Ethnie der Uiguren an. Journalisten ist der Zugang nur in sehr begrenztem Umfang gestattet. Lange hat China bestritten, dass es diese Lager überhaupt gibt. Nur selten gelangt einer der wenigen Augenzeugenberichte an die Öffentlichkeit.

Sayragul Sauytbay ist Muslimin und gehört der kasachischen Ethnie an. Ihre Muttersprache ist Kasachisch. Die 43-Jährige war monatelang in einem chinesischen Umerziehungslager eingesperrt. Danach gelang ihr, was nur wenige schaffen: sowohl das Lager wie auch China hinter sich zu lassen. Inzwischen lebt sie als Asylantin in Schweden. Aus dem, was Sauytbay einem Reporter von «Haaretz» berichtet hat, wird deutlich, dass die chinesischen Lager in Xinjiang mehr sind als blosse Gefängnisse. Sie sind Gulags.

Offiziell sind die Lager Bildungsanstalten

«Die Gefangenen wurden geschoren und trugen Tag und Nacht Handschellen, ausser zum Schreiben» sagt Sauytbay. Auch ohne Folter, Bestrafungen und Schikanen ist ihr Leben hart. «In einem Raum von 16 Quadratmetern waren fast 20 Personen», erzählt sie. In jedem Raum seien mehrere Kameras, als Toilette diene ein Eimer. «Jeder Gefangene hat zwei Minuten, um sich zu erleichtern. Wenn der Eimer voll ist, muss er bis zum nächsten Tag warten», präzisiert sie. Die hygienischen Verhältnisse seien «grauenhaft» gewesen.

Ein grosser Teil der Bevölkerung in Xinjiang besteht aus Angehörigen von Turkvölkern. Vor allem diese werden in den Lagern interniert. Für die kommunistische Partei sind sowohl ihre ethnische Identität wie auch ihr islamischer Glaube ein Problem. Offiziell dienen diese «Umerziehungslager» dem Kampf gegen Terrorismus, als kostenlose Bildungszentren und zur Integration der Minderheiten in Xinjiang, oder allerhöchstens noch dazu, aus renitenten Minderheiten folgsame Bürger zu machen.

Sauytbay, die an der chinesisch-kasachischen Grenze aufgewachsen ist, fehlte es weder an Integration noch an Bildung oder Arbeit. Nach einer Ausbildung im Gesundheitsbereich wurde sie Chinesischlehrerin und war jahrelang beim chinesischen Staat angestellt. Eine Tätigkeit, die sie auch als Gefangene ausüben musste.

Es kann fast jeden treffen

Ihre Aufgabe sei es gewesen, anderen Gefangenen Chinesisch beizubringen und mit ihnen Propagandalieder zu singen, berichtet sie. Das verschaffte ihr eine privilegierte Position. Sie bekam ein Zimmer für sich und konnte sich ohne Handschellen bewegen. Sie erzählt von systematischen Vergewaltigungen, Bestrafungen wegen Lappalien und einem «schwarzen Raum», in den die Gefangenen gebracht wurden, um sie zu foltern. «Es gab dort alle möglichen Arten von Folter. Einige Gefangene wurden an die Wand gehängt und mit elektrischen Knüppeln geschlagen. Es gab Gefangene, die auf einem Nagelsessel sitzen mussten. Ich sah, wie Leute blutüberströmt aus dem Raum zurückkehrten. Einige kamen ohne Fingernägel wieder», berichtet sie.

Seit China gegen Minderheiten in Xinjiang vorgeht, kann quasi jeder in einem solchen Lager landen. Um wegen Separatismus und Terrorismus verhaftet zu werden, reicht es aus, Angehöriger eines Turkvolkes zu sein, Kontakte ins Ausland zu haben oder auch nur ein Bild eines türkischen Popstars auf dem Handy. Von den 20 Millionen Menschen, die in der autonomen Region Xinjiang leben, sind nur etwa 40 Prozent Chinesen. Die grösste Bevölkerungsgruppe sind die Uiguren, dazu kommen Kasachen und Kirgisen. Die chinesische Regierung versucht, den Anteil der Chinesen zu vergrössern. Seit Jahrzehnten gibt es deshalb Spannungen in Xinjiang.

«Sie kamen nachts zu mir nach Hause, stülpten mir einen schwarzen Sack über den Kopf»

Sauytbay hat erlebt, wie sich die Lage der Minderheiten in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. 2014 gab es die ersten Repressionen. Zwei Jahre später gelang es ihrem Mann mit den beiden Kindern nach Kasachstan auszureisen. Sie selbst wartete vergebens auf ein Visum. Die Regierung nahm der Bevölkerung die Pässe und SIM-Karten ab und wollte DNA-Proben. Wenig später wurden die ersten Lager eröffnet. 2017 wurde die Lehrerin erstmals festgenommen.

«Sie kamen nachts zu mir nach Hause, stülpten mir einen schwarzen Sack über den Kopf und brachten mich an einen Ort, der aussah wie ein Gefängnis», erinnert sie sich. Ihr wurde aufgetragen, ihren Mann nach China zurückzubeordern. Sauytbay brach den Kontakt zu ihrer Familie ab, weil sie befürchtete, er werde bei seiner Einreise sofort festgenommen. Andere Verhöre folgten. Im November 2017 wurde sie in ein Lager gebracht, wieder mit einem Sack über dem Kopf. Sie weiss bis heute nicht, wohin. Nach ihrer Ankunft musste sie ein Dokument unterschreiben, in dem ihr verboten wurde, mit anderen Gefangenen zu sprechen, zu lachen, zu weinen und Fragen zu beantworten.

Gefangene jeden Alters und jedes Berufes

In den folgenden Monaten begann ihr Tag um sechs Uhr morgens. Nach einem mageren Frühstück folgte Chinesischunterricht, gefolgt von chinesischen Propagandaliedern und dem Rezitieren von Slogans wie «Ich liebe China». Die Nachmittag- und Abendstunden waren für das Bekennen von Vergehen reserviert. «Als Vergehen konnte alles gelten, von mangelhafter Kenntnis der chinesischen Sprache und Kultur über unmoralisches Benehmen», sagt Sauytbay. Gefangene, denen nicht genügend Vergehen eingefallen seien, seien bestraft worden. Anschliessend bekamen alle bis Mitternacht Zeit, ihre Selbstbezichtigung niederzuschreiben.

Sauytbay (2. v.r) mit ihrer Familie in Kasachstan. (GfbV)

Sauytbays Mitgefangene waren Menschen jeden Alters und jedes Berufes. Der Jüngste, den sie kennenlernte, war ein 13-jähriger Junge, die älteste eine 84-jährige Frau. Vergewaltigungen seien in den Lagern an der Tagesordnung, sagt sie, was sich mit Berichten anderer ehemaliger Gefangener deckt. In Teilen erinnern ihre Aussagen an Berichte von IS-Gefangenen oder Häftlingen der Folterlager in Libyen. Zwischen den Methoden von Erpressern, Terroristen und denen, die Terrorismus zu bekämpfen vorgeben, gibt es offensichtlich keinen grossen Unterschied.

Sauytbays furchtbarste Erinnerung ist eine öffentliche Vergewaltigung vor 200 Gefangenen. Wer die Augen schloss oder wegsah, wurde weggebracht und tauchte nie wieder auf. Sie fühlte sich schrecklich hilflos. «Danach konnte ich nachts nicht mehr richtig schlafen», sagt sie. Nach ihrer Entlassung gelang ihr die Flucht nach Kasachstan.

Medikamente, die man nicht nehmen sollte

Sauytbay berichtet von Tabletten und Injektionen, die die Gefangenen bekommen, angeblich zur Vorbeugung von Krankheiten. Die Krankenpflegerinnen hätten sie im Geheimen davor gewarnt, die Pillen zu nehmen. Häftlinge leiden in Folge unter kognitivem Verfall, sagt sie. Frauen menstruierten nicht mehr, Gerüchten zufolge würden Männer steril. Wird eine Frau schwanger, berichten andere Quellen, wird sie einer Abtreibung unterzogen. Wer krank sei, bekomme jedoch keinerlei Hilfe.

Sauytbay schätzt, dass in ihrem Lager, einem neueren Gebäude aus Beton, etwa 2‘500 Menschen festgehalten wurden. Wie viele dieser Lager es genau gibt, ist unbekannt, vermutlich Dutzende. Sicher ist, dass in den vergangenen zwei Jahren einige neu gebaut wurden, das zeigen Satellitenbilder.

Einer dieser Komplexe soll nach Schätzungen von Fachleuten über 10‘000 Häftlinge fassen. Die Repression wird so bald also nicht aufhören, egal wie deutlich westliche Diplomaten auf die Menschenrechtslage im Land zu sprechen kommen. Viele Menschen werden dort Jahre verbringen, für minimale oder erfundene Verbrechen. China schreckt auch nicht davor zurück, Kinder von ihren Eltern zu trennen, um sie von ihrer kulturellen Herkunft abzuschneiden.

Am seidenen Faden

Für die chinesische Regierung ist Xinjiang im Nordwesten des Landes von strategischer Bedeutung, vor allem hinsichtlich des Projekts «Neue Seidenstrasse». Die autonome Region wird mit Hochdruck industrialisiert und nimmt eine wichtige Rolle ein. Ethnien, die im ganzen Land eine Minderheit, in Xinjiang aber eine Mehrheit darstellen, stören da nur.

Mitunter auch ein Grund, weshalb sich muslimische Staaten kaum bis gar nicht zur Situation der Uiguren, Kirgisen und Kasachen äussern, deren Kultur im Begriff ist, von China ausradiert zu werden. Einige dieser Staaten sind in diesem Zusammenhang von China abhängig oder an Projekten beteiligt. Tatsächlich unterstützten 37 Staaten im Juli das Vorgehen Chinas in Xinjiang gegenüber den Vereinten Nationen. Darunter Saudi-Arabien, Syrien, Kuwait und Bahrain – selber ebenfalls keine lupenreine Demokratien.

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Stellungnahme der chinesischen Botschaft in Israel

zum Bericht der Zeitung Haaretz kann man hier konsultieren..

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Siehe dazu auch:

  • Die Uiguren – ein Volk in Gefahr (Reportage von ARTE)

    Infosperber-DOSSIER

    Die Innenpolitik in China

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  • Zum gleichen Thema jetzt auf BBC London (24. November 2019).

  • Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

    keine

    Weiterführende Informationen

    «A Million People Are Jailed at China's Gulags…», Haaretz
    «Kaum Hoffnung für geflohene Kasachen aus China», Deutschlandfunk
    «Pekings "Volkskrieg" gegen die Uiguren», Der Spiegel v. 17.11.2019

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    18 Meinungen

    Gulag und Genozid (bzw. „nähert sich dem .Genozid“) - das sind heftige Vorwürfe, darum ein paar kritische Bemerkungen. Um es vorweg zu nehmen: «Wie glaubwürdig ist der vorliegende Artikel?“, frage ich mich, ohne dass ich eine Antwort darauf hätte.

    Wenn ich da lese, dass
    „… der New York Times vertrauliche Dokumente zugespielt worden …[sind]“,
    dann sträuben sich mir die Nackenhaare. Im Gegensatz zum „Echo der Zeit“ sehe ich die NYT nicht als „Medium mit hoher Glaubwürdigkeit“.
    (Ich kann das bei Bedarf erklären.)

    Gemäss meinem Verständnis stützt sich dieser Artikel einzig auf die Aussagen von Frau Sayragul Sauytbay.
    Hat Daniela Gschweng mit Frau Sauytbay gesprochen, oder basiert der Artikel „nur» auf das Interview aus der „Haaretz?

    „… was sich mit Berichten anderer ehemaliger Gefangener deckt. …“ - auch dieser Nebensatz ändert die Quellenlage nicht.

    Ich erlaube mir eine Stellungsnahme der Chinesischen Botschaft in Israel gegenüber Haaretz zum „Sauytbay Interview“ zu verlinken: http://il.china-embassy.org/eng/gdxw/t1709427.htm

    Abschliessend möchte ich festhalten:
    Ich sage nicht, dass ich Frau Sauytbays Aussagen für erfunden halte.
    Ich sage auch nicht, dass ich das Statement des Sprechers der Chin. Botschaft in Israel für sehr glaubwürdig halte.
    Aber:
    Ich halte den vorliegenden Artikel auf Grund der dünnen Quellenlage für problematisch; auch darum, weil der Artikel das Gegenteil impliziert (vgl. „… doch jetzt gelangen mehr und mehr Informationen nach aussen“).
    Christoph Meier, am 18. November 2019 um 11:55 Uhr
    Das ist grauenhaft. Diktaturen und Welt-Wirtschaftskrieg. Die Gewaltbereitschaft vieler Menschen ist immer noch sehr hoch. Jegliche Gewalt, welche sich jenseits von angemessener Notwehr befindet, sollte weltweit geächtet werden. Die Gewalt jenseits von angemessener Notwehr ist immer noch das grösste Kern-Problem der Welt. Es gibt einen Frauentag, einen Männertag, für alles und jenes gibt es einen Gedenktag, aber es gibt keinen Gedenktag für den freiwilligen Verzicht auf jede Form von Gewalt, welche sich jenseits von Notwehr befindet. Es gibt keinen Gedenktag für alle Opfer sinnloser Gewalt in unserer Welt.
    Beatus Gubler, am 18. November 2019 um 12:32 Uhr
    @Christoph Meier
    Dass der Bericht einer einzelnen Person so nicht unbedingt viel beweist, ist natürlich richtig. Auch wenn der Reporter, der Sauytbay interviewt hat, sie für glaubwürdig hält und ihr Bericht sehr detailliert ist. Und natürlich kann niemand hingehen und einfach nachsehen.
    Zusammen mit Berichten von Human Rights Watch, Amnesty International, der BBC, Al Jazeera, dem Guardian und anderen grossen Medien ergibt sich ein glaubhaftes Bild. Bezeichnend ist auch, dass China BBC News zensierte, als diese chinesische Umerziehungslager thematisierten.
    Daniela Gschweng, am 18. November 2019 um 14:19 Uhr
    Sehr geehrte Frau Gschweng

    Zuallererst, besten Dank für ihre Antwort.

    Ich will ehrlich sein. Ihre Antwort macht mich (bisher) nicht weniger skeptisch.

    Ich müsste jetzt die von ihnen genannten Berichte bei HRW, AI, BBC, Al Jazeera, Guardian und BBC darauf hin prüfen, ob diese noch andere Quellen nennen als die von ihnen erwähnte. (Und das werde ich tun.)

    Ein Bericht im Guardian oder in der BBC ist für mich per se nicht speziell glaubwürdig. Dasselbe gilt leider mittlerweile auch für AI und HRW. (Auch das könnte ich bei Bedarf erklären.)

    Wenn mehrere Medien A, B, C, D über ein Ereignis X berichten, und sich alle dabei auf die Quelle Y berufen, dann ist die Glaubwürdigkeit für mich als Leser immer noch dieselbe. Für weniger kritischere Leser hingegen steigt die Glaubwürdigkeit u.U..
    Wenn die Zeitung D dann noch sagt: „Hey, die Zeitungen A, B und C berichten auch über X … es gibt jetzt immer mehr Hinweise …“ dann macht mich das ehrlich gesagt misstrauisch. So werden Narrative gestrickt.
    Ich will Ihnen das hier nicht unterstellen. Aber ich kenne den Mechanismus.
    Christoph Meier, am 19. November 2019 um 02:06 Uhr
    Eine situative Gesamtbetrachtung an den Schilderungen einer Einzelperson festmachen zu wollen dürfte wohl in Sachen Objektivität voll in die Hose gehen. Dann noch das passende «Friede-, Freude-, Eierkuchenfoto» dazu, dann ist die Welt in Ordnung ... . Dem ist aber nicht so. - Wie wir einmal mehr täglich feststellen können, ist der Islam eine der gefährlichsten und aggressivsten Ideologien der Neuzeit ... mal im Koran blättern. Von daher, die chinesische Regierung handelt richtig.
    christina mueller, am 19. November 2019 um 07:38 Uhr
    Diese Sache mit den Gulags geistert nun schon ein Weile durchs Netz. Ich kann die Erfahrungen von Frau Sauythay nicht in Frage stellen, nur die Dimension der Verfolgung halte ich für stark übertrieben.
    Auf Rubikon ist dazu im Frühjahr 2019 schon ein Artikel erschienen:
    https://www.rubikon.news/artikel/es-bleibt-immer-was-hangen
    Man sollte sich auch mal die Frage stellen:
    in ganz China sollen etwa 9 Mill. Uiguren leben. Wenn nun tatsächlich sich 2 Millionen in Gulags befinden müßte das doch auffallen?
    Wo sollen sich diese Lager befinden?
    Man stelle sich vor, Lager mit insgesamt der Einwohnerzahl von München.
    Ich bin nun kein Freund der chinesichen Regierung, aber man sollte doch einigermaßen sachlich bleiben.
    Wolfgang Feller, am 19. November 2019 um 07:40 Uhr
    Ab dem 1. Dezember können Chinesen nicht mehr im Internet surfen oder ihr Smartphone benutzen, ohne eine Gesichtsregistrierung vornehmen zu lassen. Damit ist die totale Überwachung und Sanktionierung der Bevölkerung erreicht (gelesen im aktuellen factum-magazin). Auch auf Opendoors sind wichtige Hinweise zu verschiedenen Ländern zu finden. // In der Schweiz werden Chinakritiker mittels Wasserwerfern vom Bundesplatz gespült. Geld ist wichtiger als Menschenrechte. Deswegen darf man davon ausgehen, dass totalitäre Systeme auch hierzulande begrüsst werden und nötigenfalls installiert würden. // Was auffällt: Rettungsflottillas werden immer tunlichst unterlassen, ausser es ginge gen Israel.
    Leonhard Fritze, am 19. November 2019 um 17:40 Uhr
    Danke @Christoph Meier für den Link.
    Drei Sätze sind mir aufgefallen:
    "In fact, she is a suspect of a credit fraud case, and still owes RMB400, 000(about 200,000 NIS) to the victims. In order to evade legal punishment, she illegally crossed the boarder and fled to Kazakhstan, and then sought refugee status in Sweden."
    --> sollte doch auch unabhängig vom Staat überprüfbar sein. Wenn sich das bewahrheitet, sinkt mein Vertrauen in die «Zeugen» Aussage.
    "For almost two decades, violent terrorism wreaked havoc in Xinjiang. At its worst, there was an attack every day on average."
    --> Ich weiss nicht ob das jeden Tag einen Anschlag gab, aber über die Aktivität der Islamisten dort habe ich auch gelesen. Hier ein Link zu einem Artikel in Epoch Times. Ich sehe das nicht als primäre Quelle zur Verifizierung, aber die Webseite ist in China für die Öffentlichkeit blockiert, was auf eine gewisse Unabhängigkeit von China hinweist: https://www.epochtimes.de/china/muslimischer-gegen-kommunistischen-totalitarismus-al-qaida-fordert-das-kalifat-in-der-uiguren-region-xinjiang-a1191832.html
    "There are 24,400 mosques in Xinjiang, that means one mosque for every 530 believers,"
    --> sollte doch auch überprüfbar sein. Dürfen die Moscheen von der Bevölkerung besucht werden, kann man nicht von »...deren Kultur im Begriff ist, von China ausradiert zu werden.» sprechen.
    Sollten sich alle drei Sätze als richtig erweisen, würde ich dem Interview wenig Glaubwürdigkeit schenken, oder umgekehrt.
    Raymond Funke, am 20. November 2019 um 13:24 Uhr
    Ich galaube, die Chinesen ziehen die Notbremse vor dem verführerischen hasserfüllten Irrglauben gegen alle Ungläubigen (Kufars), wo das «Gesetzbuch Koran» alle Ungläubigen verdammt und verfolgen läßt. Dafür gibt es Hunderte Zitate und Beweise. Wir im «zivilisierten Europa sollten die sogenannten angeblich aufgeklärten Moslems mitnehmen gegen die Hassprediger, die den IS und die Kopfabschneider immer noch nicht verdammen. Dazu braucht man auch hierzulande unbedingt «Umerziehungslager"!
    Übrigens: ich war schon 8 mal längere Zeit in vielen Metropolen u hatte mit dem Internet keine Probelme; nur Google ging nicht, aber es gibt auch andere Provider wie Gmx.de, Web.de usw.
    Manfred Sauter, am 23. November 2019 um 10:59 Uhr
    Ich persönlich glaube alles was bei uns derzeit über China geschrieben wird generell nicht mehr - es ist einfach zu offensichtlich, dass es sich hierbei um einen wahrscheinlich einseitigen (ich lese die Presse Chinas nicht) Medienkrieg handelt. NYT, Haaretz, WP, BBC, Guardian ist in einem Medienkrieg alles dasselbe; in Kriegen wird immer nur noch gemeinsam gelogen und USA/GB/Israel kommt meistens als Päckchen gebunden daher.

    Um mir sicher zu sein, würde mir in diesem Artikel übrigens bereits der letzte Absatz genügen: Man muss sich noch etwas einfallen lassen, warum die anderen muslimischen und turkstämmigen Nachbarländer ihre «Brüder im schrecklichen Genozid» medial so vernachlässigen.

    Warum übrigens ausgerechnet die eher links oder mittig stehende Presse an diesem Zivilisationskriegs-Theater so hängt (und die rechte nicht), habe ich bis jetzt noch nicht ganz begriffen. Es ist als ob man jeweils im eigenen Infonetzwerk gefangen ist aber die «Wahrheit» kann nie auf eigene Recherchen verzichten. Und Presse darf nicht nur Politik sein, sonst verliert sie ihren Wert für die Bürger.
    Ursula Keller, am 23. November 2019 um 13:05 Uhr
    So wie es für mich aussieht wird gerade eine Kampagne losgetreten. Es gibt sicher berechtigte Kritik daran, wie in China eine ethnische Minderheit behandelt wird, doch dieses Rauschen im Blätterwald, im Radio und TV ist dadurch nicht zu erklären.
    Über die Hintergründe und Hintermänner gab es gestern einen interessanten Artikel auf den Nachdenkseiten
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=56639
    Wenn man bedenkt, wie zum Beispiel Pälestinenser von Israel, oder die indigene Bevölkerung in manchen lateinamerikanischen Ländern behandelt wird und welche Resonanz dies in den Medien findet, kann man hier wirklich nur von einer Kampagne sprechen.
    Wolfgang Feller, am 26. November 2019 um 07:01 Uhr
    Ich erlaube mir hier einen Nachtrag.

    Der «Informationskrieg» und damit auch der Krieg um die Deutungshoheit betreffend China wurde / wird auf ein neues Level angehoben.
    Willy Wimmer heute auf RT deutsch: «Westliche Mobilmachung gegen China unter US-Führung hat begonnen». (https://deutsch.rt.com/meinung/95060-willy-wimmer-mobilmachung-westens-gegen/)
    Diesen Eindruck habe ich auch!

    Das zeigt sich u.a. in der Berichterstattung zu den «Ausschreitungen» in Hongkong.
    Zudem hat das «Internationales Konsortium investigativer Journalisten» (https://www.icij.org/) diese Tage eine ganze Artikel-Serie veröffentlicht, viele davon wurden in den grossen Leitmedien abgedruckt. (Die Quellenlage der icij Artikel ist ähnlich wie im Artikel von Daniela Gschweng.) Als kritischer Medienkonsument sollte man sich fragen, warum es so was wie ein «Internationales Konsortium investigativer Journalisten» braucht, wenn doch die Leitmedien alles so objektiv sind ;^).

    Für Unvoreingenommene möchte ich noch diesen Artikel empfehlen:
    "Das Fake-Massaker» - http://www.free21.org/das-fake-massaker/ .
    Der Titel ist etwas reisserisch, der Artikel aber lesenswert (und ja, mit sehr vielen Quellen).

    Und weil ich schon dabei bin und selber grad sehr viel lese zum Thema zum Schluss ein Buch-Tipp - z.B. für Frau Gschweng:
    "China Rising: Capitalist Roads, Socialist Destinations» von Jeff J. Brown.
    Christoph Meier, am 27. November 2019 um 13:59 Uhr
    Es werden hier von Einigen die üblichen Nebel-Patronen geworfen, damit nur das gewohnte «liberale» Bild sichtbar bleibt ; mit China kann man viel Geld verdienen , und: der Islam ist an sich schlecht. Dass China zum totalen Überwachung-Staat «avanciert» und dass keine 5 % der Muslime weltweit gewaltbereit sind verschwindet in diesem Nebel. Übrigens: Die selben Kreise versuchen zur Zeit die Bewusstwerdung der jetzigen Umweltkatastrophe (Klima, Artensterben, Vermüllung der Meere, usw) zu «benebeln» ...
    bernhard sartorius, am 29. November 2019 um 20:52 Uhr
    1. «In Chinas Provinz Xinjiang sind schätzungsweise ein bis zwei Millionen Menschen in Lagern interniert.» (Annahme 1,5 Millionen)

    2. «Sauytbay schätzt, dass in ihrem Lager, einem neueren Gebäude aus Beton, etwa 2‘500 Menschen festgehalten wurden. Wie viele dieser Lager es genau gibt, ist unbekannt, vermutlich Dutzende."

    Auch wenn es nun einige neue Lager mit bis zu 10'000 Eingekerkerten gibt (wie im Text erwähnt), wären es nicht dutzende Lager, sondern weit über 500.

    Ich bin ganz sicher kein Freund von Internierungslagern, aber irgend etwas stimmt hier nicht. Herr Christoph Meier seien sie versichert, Sie sind mit Ihrer Skepsis nicht alleine.
    Alex Bötschi, am 30. November 2019 um 23:33 Uhr
    Ich staune immer wieder, wie leichtgläubig man «Zeugenberichte» hinnimmt, wenn sie die eigenen Vorurteile bestätigen. Mich macht folgendes stutzen:
    1. Warum soll eine Kasachin unter Zwang Mandarin unterrichten? Es gibt Millionen von muttersprachlichen Han-Chinesen die freiwillig einen Job als Lehrer in Xinjiang annehmen würden. Würden wir Tschechen beauftragen Migranten deutsch beizubringen?
    2. Wie soll eine Person fliehen, wenn es tatsächlich ein Internierungslager ist? Wer Xinjiang kennt, weiss dass das endlose Wüste ist. Da rennt man nicht einfach so weg. Angeblich sei ja die ganze Provinz voll von Kameras mit Gesichtserkennung. Wie soll die Person da aus dem Land gekommen sein?
    3. Iran, Saudi-Arabien und Pakistan erklären einhellig und öffentlich, dass sie die Deradikalisierung Chinas gutheissen. Gerade Saudi-Arabien benötigt weder Geld noch Verbündete, haben sie doch die USA hinter sich. Warum sollten diese 3 extrem konservativ islamischen Länder eine Vernichtungskampagne gegen den Islam in China nicht nur tolerieren, sondern öffentlich gutheissen?
    4. Die angebliche «internationale Gemeinschaft» welche die Kampagne in Xinjiang verurteilt, ist bei genauem hinschauen sehr homogen: weiss, westlich, europäisch (Westeuropa, Australien, Kanada) mit der einzigen Ausnahme Japan, welches militärisch komplett von den USA abhängig ist.
    Das sind alles keine Beweise, aber doch klare Hinweise, dass man sich ein Urteil mit Vorsicht bilden sollte.
    Harald Buchmann, am 03. Dezember 2019 um 06:23 Uhr
    Noch ein Kommentar, zu den Kommentaren hier, deren Skepsis mich sehr erfreut:
    1. Ich wohne in Peking und seit 6 Jahren fix in China. Ja, es gibt in Peking Moscheen mit Halbmond und Minarett. Ja, die haben Kameras am Eingang - das haben aber auch Shopping-Malls und sogar Wohnblocks (man kann bei Bedarf die Aufnahmen anschauen bei der Verwaltung).
    2. Die Gesichts"registrierung» für die Internetnutzung ist irreführend. Es gibt einfach 3D-Kameras welche das Gesicht mit den Biometrischen Daten im Pass vergleichen, um sicherzustellen, dass der Ausweis tatsächlich der Person gehört. Ja, es gibt kein anonymes Internet in China, aber schon seit rund 10 Jahren.
    3. Die Epoch Times ist ein Propaganda-Organ von Falun Gong - eine von CIA und National Endowment for Democracy gesponsorten Sekte mit dem Ziel, Chinas Regierung zu stürzen, oder zumindest ihr Image im Ausland zu beschädigen. Unabhängig von China sicher, aber mit Vorsicht zu geniessen.
    4. China tut enorm viel gegen Klimawandel und Umweltverschmutzung allgemein. Im Gegensatz zum Westen gibt es in China überhaupt keine Infragestellung dass der Klimawandel durch menschliche CO2 Emissionen gemacht ist. Wissenschaft hat einen sehr hohen Stellenwert in der chinesischen Politik.
    Ich weiss nicht ob dieser Nachtrag jetzt möglich ist, solange niemand dazwischen eine andere Meinung schreibt...
    Harald Buchmann, am 03. Dezember 2019 um 06:37 Uhr
    Diese beiden Beiträge von Herrn Buchmann scheinen so klar, ja «geleckt», dass man ein PR Agentur dahinter vermuten muss. Denn: auf geschickte Art und Weise verschleiern sie Tatbestände , die jetzt mal, ob es der Chinesischen Regierung passt oder nicht, zum deren Politik gehört: die Minoritäten ideologisch «gleichschalten» (Tibet, Uiguren ... später mal Hong-Kong ?) und die gesamte Bevölkerung, dank Gesichtserkennung - Technologie , erfassen um deren Benehmen zu bewerten und mit Punkten - die Konsequenzen beinhalten ...- zu «honorieren».
    bernhard sartorius, am 04. Dezember 2019 um 16:36 Uhr
    Einerseits bin ich beeindruckt von den vielen differenzierten Kommentaren. Andererseits kann ich nicht nachvollziehen, wie oft der Einfluss der USA völlig ausgeklammert wird.
    Eben ist ein lesenswerter Hintergrundbericht erschienen: «Terror in Xinjiang
    Die Kritik des Westens an den staatlichen »Umerziehungslagern« für Uiguren blendet die Hintergründe systematisch aus.»: https://www.jungewelt.de/artikel/368173.anti-terror-krieg-terror-in-xinjiang.html
    Samuel Wanitsch, am 05. Dezember 2019 um 23:06 Uhr

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