Konzerne produzieren mehr PFAS wegen des KI-Booms
Der enorme Bedarf an Rohstoffen für Rechenzentren schlägt sich bei der Produktion von Ewigkeitschemikalien nieder. PFAS werden möglicherweise bald nachgefragt sein wie nie zuvor. Von den zehn grössten Herstellern hätten fast alle Pläne, die Produktion auszuweiten, berichtet die Organisation Chem-Sec.
Die IT braucht die teilweise giftigen und extrem haltbaren PFAS dringend – etwa zur Produktion von Halbleitern und für die Kühlsysteme. Chem-Sec hat in einem Report aufgenommen, wie viele PFAS die Marktführer produzieren und was sie für die Zukunft planen, sofern dazu öffentlich zugängliche Daten vorliegen. Die Mehrheit der grossen Hersteller plant demnach, die Produktion auszubauen – trotz wachsender Kritik an den Substanzen. Viele verweisen auf die «KI-Revolution» und deren Bedürfnisse.
Der KI-Boom könne eine neue PFAS-Welle auslösen und damit Regulierungsbemühungen in mehreren Ländern untergraben, warnt Chem-Sec. Die europäische Chemikalienbehörde Echa hatte beispielsweise im März ein weitreichendes PFAS-Verbot empfohlen.
Mega-Rechenzentren treiben das Wachstum an
Mehrere Unternehmen nennen KI explizit als Wachstumstreiber. Dass einige der betreffenden Firmen in teure Klagen verstrickt sind, die PFAS-Verschmutzungen betreffen, scheint sie nicht zu hindern.
Der japanische Konzern Daikin etwa plant laut Chem-Sec einen «Datacenter Hub» für Fluorelastomere. Die Produktionskapazitäten sollen sich dadurch bis 2027 verdreifachen. Gleichzeitig habe das Unternehmen die Transparenz seiner US-Produktion reduziert. Ein Trick, den schon DuPont anwandte, schreibt Chem-Sec.
Das französische Unternehmen Arkema baue seine PFAS-Produktion in China und Nordamerika aus, um für die Produktion von Batterien, Halbleitern und Kabeln gut aufgestellt zu sein. Dazu hat das Unternehmen eben einen Standort zur Produktion von Kühlmitteln in Kentucky gebaut, um «mit dem rasanten Anstieg des Kühlbedarfs von Rechenzentren Schritt zu halten».
PFAS-Alternativen wären gerade jetzt nötig
Ähnliche Nachrichten gibt es vom US-Produzenten Chemours, dem japanischen AGC, Orbita Fluor & Energy (Mexiko), Solstice (früher Honeywell, USA) und Syensqo (Belgien). Auch Hersteller, von denen es nur wenig überprüfbare Information gebe, wie das indische Gujarat Fluorochemicals, der russische Produzent Halopolymer und der chinesische Dongyue-Konzern bauten ihre Produktion allem Anschein nach aus.
Als paralleles Wachstumsfeld nennen mehrere Firmen dem «Guardian» PFAS-Beschichtungen für Lithium-Ionen-Batterien, wie sie in Elektroautos, Laptops und Handys verbaut werden. Wenn es einen «richtigen» Zeitpunkt gibt, um Alternativen zu den problematischen Chemikalien zu finden, ist er vermutlich jetzt. Zum Beispiel bei der Konzeption von High-End-Kühlanlagen für grosse Serverfarmen – bevor diese gebaut werden.
Schwieriger wird es in anderen Bereichen. Die Herstellung von Mikrochips beispielsweise ist aufwendig und technisch komplex. PFAS sind dabei mehr als nur Hilfsstoffe. Der Austausch nur einer einzigen Chemikalie kann so zeitaufwendig und teuer werden.
Lob für die Schweizer Firma Archroma, BASF und 3M
Gegenbeispiele sind rar, aber es gibt sie: Das Unternehmen Archroma aus Pratteln setzt inzwischen auf PFAS-freie Alternativen und der deutsche Chemiekonzern BASF will bis 2028 aus der PFAS-Produktion auszusteigen. Nicht ohne Ausnahme: die umfangreiche Pestizidproduktion bleibt bestehen.
Der US-Konzern 3M hat Ende 2025 den PFAS-Ausstieg abgeschlossen, produziert laut Chem-Sec aber weiterhin über 10’000 Produkte mit PFAS-Anteil und ist mit rund 4000 laufenden Klagen konfrontiert. Bereits abgeschlossene PFAS-Verfahren haben für 3M allein in den USA zu Strafzahlungen in Höhe von 14 Milliarden Dollar geführt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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