Foodwatch fordert Hygiene-Smileys für die Gastro
Die deutsche Konsumentenorganisation Foodwatch fordert transparente Lebensmittelkontrollen. Nicht zum ersten Mal und aus nachvollziehbaren Gründen: Wer sich schnell eine Pizza holt oder viel Geld für ein Abendessen ausgibt, will sicher sein, dass der Betrieb hygienisch einwandfrei wirtschaftet.
Auf einen Blick erkennen, wie die Pizzeria, die Bäckerei und das Sternerestaurant hygienisch dastehen, das wünschen sich viele. In der Schweiz und in Deutschland bleibt es bisher ein Wunsch. Nachzuvollziehen, was die letzte Lebensmittelkontrolle ergeben hat oder wann sie stattgefunden hat, ist kaum möglich. Kontrollergebnisse sind so gut wie nie öffentlich einsehbar. Von abgelaufenen Lebensmitteln, schmutzigem Arbeitsgerät, Schimmel oder Schädlingen erfahren Kundin und Kunde also oft nur, wenn einem Betrieb die Lizenz entzogen wird.
Vorbild Dänemark
Mindestens eine Kennzeichnung sei überfällig, argumentiert Foodwatch. Dänemark hat mit Transparenz gute Erfahrungen gemacht. Seit 2001 gibt es dort ein einfaches «Smiley-System», das Aufschluss darüber gibt, wie es in Küche und Keller aussieht. Restaurants, Bäckereien und Beizen müssen ihren Smiley öffentlich aushängen und auf ihrer Website veröffentlichen.
Es gibt drei Arten von Smileys: lächelnd, neutral und negativ. Dazu kommt ein Symbol für Betriebe, die noch nicht kontrolliert wurden oder von der Kontrolle ausgenommen sind, und ein «Elite-Smiley» für solche, bei denen es viermal in Folge nichts zu beanstanden gab. Auf dem Aushang ist aufgeführt, wann die beiden vorhergehenden Kontrollen waren und wie sie verlaufen sind:

Über einen QR-Code oder direkt lässt sich auf findsmiley.dk der Prüfbericht einsehen. Neben Hygienekontrollen werden wie in der Schweiz und Deutschland auch Kennzeichnungspflichten und Dokumentation wie Reinigungsprotokolle geprüft. Laut Foodwatch haben Norwegen und Wales ebenfalls transparente Systeme.
Das Smiley-System trug sicher auch seinen Teil dazu bei, dass die Fastfoodkette KFC im vergangenen Jahr alle Filialen in Dänemark schliessen musste. Bei KFC-Restaurants in Kopenhagen waren zuvor schwere Hygienemängel aufgeflogen. KFC steht auch in anderen Ländern wegen des Umgangs mit Poulet in der Kritik.
Erfolg in Dänemark – Ablehnung in der Schweiz und Deutschland
Nicht nur Foodwatch fordert seit Jahren «Smileys für Deutschland!». Bisher erfolglos – in Deutschland gab es mehrere vergebliche Versuche, ein transparenteres Kontrollsystem einzuführen, sowie ein lokales Projekt in Berlin, das eingestellt wurde. In der Schweiz wird das Thema kontrovers diskutiert, mehrere Vorschläge dazu wurden auf parlamentarischem Weg abgelehnt. Einzelne Betriebe veröffentlichen laut «Blick» ihre Kontrollergebnisse, andere sind strikt dagegen.
In Dänemark kennen 97 Prozent der dänischen Konsumentinnen und Konsumenten den Lebensmittel-Smiley, 90 Prozent orientieren sich laut Foodwatch daran. Der Anteil «lächelnder Smileys» oder beanstandungsfreier Kontrollen ist seit der Einführung von 70 auf über 80 Prozent deutlich gestiegen. Er trägt also zur Qualitätsverbesserung bei.
Das entlastet auch die Behörden, was der Forderung nach einem transparenten System Nachdruck verleiht. In Deutschland falle jede vierte geplante Kontrolle aus, legt Foodwatch in einem aktuellen Bericht dar. In der Schweiz bemängelte die Eidgenössische Finanzkontrolle vor drei Jahren dass Kontrollen zu selten stattfänden.
Die deutsche Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen nach dem Verbraucherinformationsgesetz offengelegt werden müssen. Eine Anfrage ist ein einigermassen mühsames Unterfangen. Die Verbraucherzentrale stellt dazu einen Musterbrief zur Verfügung und beschreibt, wie man die Anfrage stellt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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