Wie viele Van-Eck-Anteile halten Sie, Herr Spieler?
Es ist schon komisch: Am 9. November letzten Jahres empfahl Martin Spieler, Geldberater der «Sonntags-Zeitung» den Rüstungs-Fonds Van Eck Defense zum Kauf. Am 23. November wieder. Und letzten Sonntag gleich nochmals. Jedes Mal lieferte er auch gleich die zwölfstellige Isin-Nummer mit. Sie dient dazu, Wertschriften eindeutig zu identifizieren.
Spieler sprüht vor Begeisterung für die Rüstungsindustrie: «Für Rüstungsaktien spricht, dass viele Länder beschlossen haben, ihre Armeen aufzurüsten. Dieser Prozess hat gerade erst begonnen.» Den deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall bezeichnet er als «Börsenliebling». Und dem tschechischen Rüstungsunternehmen Czechoslovak Group attestiert er «Potenzial, solange der Rüstungsboom angesichts geopolitischer Risiken anhält.»

Doch zurück zum Van-Eck-Fonds: Merkwürdig ist, dass ihn Spieler in jedem seiner drei Artikel bewirbt. Profitiert er etwa persönlich davon? Infosperber stellte zwei Fragen.
Die erste Frage: Warum empfehlen Sie immer wieder diesen Fonds?
Spieler antwortete: «Bei ETFs halte ich es für wichtig, dass sie einen gewünschten Markt oder ein gewünschtes Thema möglichst genau, breit diversifiziert abdecken, ein grosses Volumen haben und somit sehr häufig und liquide gehandelt werden und zusätzlich sehr günstig sind, damit die Anleger ihre Anlageidee umsetzen und eine optimale Rendite haben.» Dies sei beim Exchange Traded Fund (ETF) von Van-Eck der Fall.
Er behauptet: «Ich empfehle diesen ETF nicht aktiv.» Doch genau das tut Spieler. In der letzten Ausgabe der «Sonntags-Zeitung» fragte ihn ein Leser, was er von Aktien des Rüstungsunternehmens CSG halte. Seine Empfehlung: «Ich würde im Sinne der Diversifikation einen Rüstungsgüter-ETF wie den Van Eck Defense (..) gegenüber Einzelaktien vorziehen.»
Angesichts der penetranten Werbung für den Van-Eck-ETF stellt sich auch die Frage, ob er mit seinen Empfehlungen den ETF-Kurs in die Höhe treiben und an den Kursgewinnen teilhaben will.
Deshalb die zweite Frage: Wie viele Anteile halten Sie an diesem ETF?
Spieler antwortet klipp und klar: «Ich halte null Anteile an diesem ETF – weil ich aus persönlicher Überzeugung grundsätzlich nicht in Rüstungsgüteraktien investiere.»
Damit stellt sich natürlich die Frage, warum der Geldberater so häufig für Anlagen in Rüstungskonzerne wirbt. Spieler sagt, er habe nicht den Anspruch, dass er «jemanden moralisch oder ideologisch überzeugen» müsse.
Das tut er auch nicht. Bedenken meldet er in seinen drei Artikeln gerade mal in einem Satz an: «Ob man mit einem Investment in Rüstungsaktien ethisch gut schlafen kann, bleibt eine persönliche Gewissensfrage.»
Infosperber gelangte auch an Tamedia, den Verlag, der die «Sonntags-Zeitung» herausgibt. Infosperber wollte wissen, welche Regeln für private Anlagen von Wirtschaftsredaktoren gelten. Und auch, ob der Verlag für all die Empfehlungen von Van Eck Geld erhält.
Die Frage betreffend interner Regeln beantwortete der Verlag nicht. Zu allfälligen Zahlungen von Van Eck hält der Verlag fest: «Natürlich bekommen weder Tamedia noch unsere Journalisten und Journalistinnen von irgendeinem Anbieter Geld für ihre Arbeit. Wir arbeiten unabhängig.»
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









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