Irshad Manji, eine junge Muslima, wird mehr und mehr zur weltweiten Seelsorgerin von jungen Glaubensbrüdern und -schwestern.
»Dieses Buch ist aus der Interaktion mit jungen Muslimen und Nichtmuslimen aus der ganzen Welt in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass es eine globale Community reformistischer Denker gibt. So ist dieses Buch eine Art Lebensratgeber für junge Muslime weltweit. Denn sie fragen nicht mehr: Warum soll ich aufbegehren, sondern: Wie soll ich aufbegehren? Wie soll ich mit der Beschuldigung umgehen, dass ich meine Familie entehre, wenn ich die Wahrheit ausspreche? Wie soll ich dem Gegenwind begegnen, dem ich von meiner Gemeinschaft her ausgesetzt bin?» Das sagte die in Kanada lebende Muslima Irshad Manji in einem Interview, das auf www.welt.de veröffentlicht wurde.
Ist der Islam reformfähig?
Es gibt sie, die Muslime, die an die Reformfähigkeit des Islams glauben. Zu ihnen gehört eben auch Irshad Manji. Sie weiss aber natürlich auch, dass ein Umdenken nicht über Nacht stattfinden kann. Auf die Umstürze in den arabischen Ländern angesprochen, sagte sie: «Die Dinge können sich natürlich nicht über Nacht verändern. Denken Sie an die USA, die im Zeichen der europäischen Aufklärung gegründet wurden. Und doch brauchte es hundert Jahre, bis dort die Sklaverei besiegt war, und noch einmal hundert Jahre, bis eine durchsetzungsfähige Bürgerrechtsbewegung gegen die Segregation, die rechtliche Benachteiligung der Afroamerikaner, entstand.- Wenn dies in einem Land so war, das aus dem aufklärerischen Geist entstand – müssen wir dann nicht den Arabern mindestens dieselbe Zeit geben, um sich eine Demokratie zu schaffen?»
Das Negativbild zum Islam überwiegt
Wer sich in den westlichen Medien umschaut, muss feststellen, dass der Islam vor allem in negativem Zusammenhang ein Thema ist. Neben den Berichten zu terroristischen Anschlägen beherrschen Berichte und Kommentare zu Zwangsehe, sogenannten Ehrenmorden und anderen im Widerspruch zu den Menschenrechten stehenden Usanzen die westliche Medienwelt. Dass es auch Muslime gibt, die offen für Reformen plädieren und den Koran als historisches Dokument ansehen, das - nicht anders als die Bibel - aus der Zeit und der Region heraus zu verstehen ist und der Interpretation bedarf, das findet in den Medien wenig Widerhall. Zu den Ausnahmen gehören spezielle Internet-Plattformen wie etwa in der Schweiz www.forum-islam.ch, die die An- und Einsichten des von Saïda Keller-Messahli gegründeten «Forums für einen fortschrittlichen Islam» wiedergibt.
Eine kleine Sensation
Dass es mittlerweile eine lesbische Muslima wagt, auf einer eigenen Website für einen modernen, freiheitlichen und toleranten Islam zu werben, und die zum gleichen Thema ein Buch veröffentlicht hat, darf als kleine Sensation gewertet werden.
Es ist zu hoffen, dass davon sowohl Muslime als auch Nicht-Muslime wohlwollend Kenntnis nehmen.
Leserinnen und Leser finden unten die Links zum «Welt»-Interview mit Irshad Manji und zu ihrer Website.
Keine
Lesbische Muslima fordert freiheitliches Denken (Welt-Interview)
Irshad Manji's eigene Website mit den Informationen zu ihrem Buch
Link zum (Schweizer) Forum für einen fortschrittlichen Islam
Irshad Manji im Interview (englisch, auf You Tube)
Berliner Freiheiten: Weitere Infos zu Irshad Manji
Interview von Jungle World mit Irshad Manji vom 12.1.2012
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