Kupfermine Chuquiacamata in Chile

Kupfermine Chuquiacamata in Chile. Verbraucht und verschwendet wird das Kupfer hauptsächlich in reichen Ländern. © CC-BY-NC-SA 2.0

Das Tabu in Glasgow: Die Wachstums- und Verschleisswirtschaft

Niklaus Ramseyer /  Die grösste Gefahr für unseren Planeten sind immer mehr Menschen, die so leben möchten wie wir in der Schweiz oder in Deutschland.

Der Studiogast lächelte leicht verwundert. Dann sagte er: «Jedes sechsjährige Kind begreift, dass man nicht ewig wachsen kann.» Das war in der Sternstunde Philosophie im Fernsehen SRF Mitte Oktober. Die Moderatorin hatte den Gast gefragt (in Minute 29), was er denn nur gegen das Wirtschaftswachstum habe. Mit dem Hinweis auf das sechsjährige Kind gab sie sich natürlich nicht geschlagen. Es gebe doch auch «qualitatives statt quantitatives Wachstum», gab sie zu bedenken. Sie spielte eine «Expertin» ein, die keck behauptete, moderne «Häuser, die Energie produzieren», seien ein Beispiel für derlei «qualitatives Wachstum». Denn «Innovation» sei doch auch Wachstum – «qualitatives Wachstum» eben.

Da lächelte der Studiogast nun schon fast mitleidig. Er wies nicht darauf hin, dass der Umzug von einer grossen Villa mit Ölheizung in ein kleines Häuschen mit Solarzellen auf dem Dach doch wohl auch «Innovation» sei – aber wohl eher das Gegenteil von Wachstum. Er stellte nur kurz und knapp fest, Wachstum mit Fortschritt gleichzusetzen, sei doch «Mythenbildung» und «Unfug». Er erinnerte daran, dass wichtige Erfindungen, wie die Dampfmaschine oder grosse kulturelle Leistungen wie klassische Kunstgemälde und Musikwerke schon vor Jahrhunderten «in Gesellschaften erschaffen worden sind, die nahezu null Wachstum hatten». Permanentes Wachstum sei jedenfalls ein eher neues, nicht einmal hundert Jahre altes Phänomen.

«Eine Kultur, die ihre eigenen Voraussetzungen konsumiert»

Harald Welzer

Der Studiogast heisst Harald Welzer. Er ist 63 und war ursprünglich Sozialpsychologe. Heute leitet er die «Stiftung Zukunftsfähigkeit Futurzwei». In seinem neusten Buch «Nachruf auf mich selbst» (288 S. bei S.Fischer) fordert er eine «neue Kultur des Aufhörens». Und er meint nicht zuletzt das Aufhören mit dem permanenten Wachstum in der kapitalistischen, einseitig profitorientierten Verschleisswirtschaft.  

Zu dieser «relativ neuen» Wirtschaft und Kultur liefert Welzer gleichermassen eindrückliche, wie erschreckende Fakten: So habe sich die Masse der von Menschen hergestellten Güter (mit entsprechendem Verbrauch von Resourcen und Produkton von Abfällen) seit 1900 etwa alle 20 Jahre verdoppelt. (Was einer Steigerung um das gut 60-Fache entspricht!) Damals hätten diese Produkte noch 3 Prozent der Biomasse, der lebendigen Natur ausgemacht. Letztes Jahr nun habe «die tote Masse – also Häuser, Asphalt, Maschinen, Autos, Plastik, Computer usw. – die Biomasse erstmals übertroffen». 

Unser Kulturmodell blende «die Frage, wo die Ressourcen dazu herkommen, systematisch aus.» Aber: «Irgendeinmal geht das einfach nicht mehr weiter.» Denn: «Eine Kultur, die wie unsere ihre eigenen Voraussetzungen konsumiert, muss ein Irrtum sein.» Ein Irrtum, der dazu führe, dass die Menschheit auf «ihrem» Planeten inzwischen jedes Jahr schon von August an von dessen endlichen Vorräten lebt – und mit ihrer Wachstumswirtschaft ihre eigenen Grundlagen immer schneller zerstört und aufisst. 

Aber – und auch das betont Welzer – jeder Mensch im Nord-Westen der Welt lebe inzwischen bequemer und luxuriöser als seinerzeit Frankreichs «Sonnenkönig» Louis XIV in seinem Prunk-Schloss Versailles. 

Klimaerwärmung ist eine fatale Folge des Grund-Irrtums ewiges Wachstum

Die Klimaerwärmung, die jetzt überall (und auf politischer Gipfelebene temporär in Glasgow) intensiv diskutiert wird, sei bloss eine der vielen fatalen Folgen dieser grundlegend falschen Wirtschaftsweise, stellt Welzer fest. Ihre Verteidiger seien «Standardökonomen, die wie Priester dem Gott Wachstum huldigen». Diese Leute könnten nämlich mit der Tatsache der Endlichkeit nicht umgehen. Bedrohliche Endlichkeitsphänomene wie eben Klimaveränderung oder Artensterben und die Zerstörung der Biodiversität würden von den Wachstums-Apologeten ausgeblendet oder gar geleugnet. 

Und wenn dann ganz gefährliche Folgen des Wachstums wie eben die Erwärmung der Erde «schlicht nicht mehr ignoriert werden» könnten, versuchten diese Wirtschafts-Theoretiker und auch die Politik mit «magischen Formeln» zu reagieren. Mit dem Begriff «Dekarbonisierung» etwa. Dieser meine eine Weltwirtschaft ohne Kohlenstoff, was natürlich illusorisch und auch gar nicht machbar wäre. Und selbst dann, wenn man denn «alles dekarbonisiert und elektrifiziert» hätte, bleibe das Grundproblem des ungebremsten Wachstums – des permanent zunehmenden Verbrauchs von endlichen Ressourcen – immer noch ungelöst.

Welzer nennt es «gesteigerten Weltverbrauch». Dieser werde nicht nur als Problem verkannt und ignoriert, sondern ganz im Gegenteil: «Gesteigerter Weltverbrauch gilt in den Medien wie in der Werbung wie in der Wirtschaft nach wie vor als wünschenswert und wird entsprechend subventioniert und beworben.» Dass zahlreiche Produkte «nachhaltig nur dann wären, wenn es sie nicht gäbe», werde hingegen übersehen. Kurzum: Der ungebremst zunehmende Weltverbrauch sei der wahre Grund, «dass wir im 21. Jahrhundert ein Überlebensproblem haben».

Die Menschheit dezimiert ihre Lebensgrundlage gründlich

Als «Weltverbraucher» agiert dabei nur eine einzige Spezies im ganzen Universum der Fauna und Flora: der Mensch. Welzer stellt fest: «Es lässt sich in der Geschichte der ganzen Zoologie keine andere Spezies verzeichnen, die ihre eigenen Lebensgrundlagen so gründlich dezimiert hat wie der in Sachen Nachhaltigkeit eher nicht weise Homo sapiens.» Dieser habe «andere Lebensformen in einem Mass vernichtet oder verdrängt, wie es keine andere Tierart jemals hingekriegt hat». 

Und von dieser Tierart der ruinösen «Weltverbraucherinnen und Weltverbraucher» gibt es immer mehr Exemplare: Lebten um 1900 erst 1,6 Milliarden Menschen weltweit, sind es heute mit fast 8 Milliarden schon fast fünfmal so viele. Und jedes Jahr kommen netto fast 80 Millionen neu dazu. Das entspricht der ganzen Bevölkerung Deutschlands. Auf diese gefährliche Problematik weist die UNO schon seit 1989 jedes Jahr am 11. Juli zum «Weltbevölkerungstag» warnend hin – ohne grossen Erfolg. 

Die Bevölkerungszunahme wird tabuisiert

Denn wo die Mächtigen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft schon die unhaltbare Wachstumswirtschaft kaum thematisieren und problematisieren (und sich dafür um einzelne Folgeprobleme wie CO2-Belastung oder Erderwärmung streiten), tabuisieren sie die damit zusammenhängende Bevölkerungszunahme erst recht. Dies sogar auch am eigentlich dafür zuständigen «Centre for Development and Environment, CDE» an der Universität Bern (Zentrum für Entwicklung und Umwelt). 

An dieses Institut erging zu Beginn dieses Jahres die Anfrage, ob es nicht möglich wäre, ein Forschungsprojekt zu lancieren das folgende drei Fragen untersuchen würde:

  1. Wie viele Menschen könnten maximal auf der Erde gleichzeitig gut und nachhaltig leben? «Nachhaltig» meint dabei ohne die endlichen Vorräte des Planeten immer schneller aufzubrauchen, wie dies jetzt der Fall ist. Und «gut leben» müsste den sechs Kriterien des britischen Philosophen Ted Hondrich entsprechen: 
    –würdige Lebenslänge;
    – körperliches Wohlbefinden;
    – Freiheit und Kraft genug, in verschiedenen Situationen sein Leben selber zu bestimmen;
    – Respekt und Selbstrespekt;
    – gute soziale Beziehungen;
    – guter Zugang zu Kultur.  
  2. Wie sähe die maximale Bevölkerungszahl in diesem Sinne für die Schweiz aus?
  3. Welche humanen und achtsam verträglichen Möglichkeiten gäbe es, diese nachhaltigen Zustände langfristig national und weltweit zu erreichen?

«Keine wissenschaftliche Antwort»

CDE-Direktorin Sabin Bieri antwortete auf nochmaliges Nachfragen dann doch ausführlich – aber ausweichend und abweisend: «Was Ihre Vorschläge für Forschungsthemen angeht, so gibt es ein grundsätzliches Problem im Wissenschaftsverständnis», schreibt sie. Denn: «Es gibt keine wissenschaftliche Antwort auf Ihre Fragen, jedenfalls keine eindeutigen.» Das Grundproblem sei nämlich, dass die Menschheit längst über das nötige «Systemwissen» verfüge, dass «sich aber dennoch wenig ändert». Und: An ihrem Institut befasse man sich lieber mit «Transformationswissen». Und etwa noch mit der Frage, «wie eine 10-Millionen-Schweiz aussehen könnte». 

Wohl verstanden: Nicht etwa, ob eine solche Massen-Schweiz nachhaltig oder im Sinne der guten Lebensqualität für alle auch sinnvoll sei. Oder wie diese etwa im Vergleich zu einer 4-Millionen-Schweiz aussähe. Wachstum und Bevölkerungszunahme werden offenbar vorausgesetzt und akzeptiert. Dabei hatte Bieri zuvor schon öffentlich eindringlich gewarnt: «Wir sind daran, die Welt mit vollem Tempo an die Wand zu fahren.» 

Glasgow schafft nur laue Symptom-Therapie

Das Beispiel zeigt: Kaum jemand getraut sich die Grundprobleme Wirtschaftswachstum und Bevölkerungszunahme ernsthaft zu benennen und zu erforschen. In Glasgow kaprizieren sich die «Masters of the World» derweil mit der CO2-Problemtik und der Erderwärmung auf einen zwar wichtigen und bedrohlichen, aber doch halt nur auf einen Teilaspekt der akuten Gefahr – auf eine Folge, ein Symptom der Wachstums- und Verschleiss-Wirtschaft.

Und noch nicht einmal da erreichen sie Substantielles: Sie setzen sich nur immer neue «Ziele» – die sie dann aber nie erreichen. So rechnen ernsthafte Forscher inzwischen schon damit, dass noch nicht einmal das «Ziel» von maximal zwei Grad Erwärmung realisiert werden könne. Lautstarke und noch so oft wiederholte Bekenntnisse zum Schutz des Regenwaldes sind erst recht unglaubwürdig: Die ruinöse Zerstörung der Wälder läuft in Lateinamerika und Südostasien brutaler denn je weiter. Aber nicht nur dort: «Geschützte» Urwälder werden auch in Rumänien (in der EU) unvermindert und unwiderruflich abgeholzt.

Endlich lernen aufzuhören!

Welzer sieht da ein grundlegendes Problem: «Wir haben keine Methodik des Aufhörens.» Und: «Weil wir keine Methodik des Aufhörens haben, hören wir auch nicht auf.» Konkret für die bedrohliche Erderhitzung bedeute dies: «Um das zu bewältigen, müsste man mit vielem aufhören, dem Ausbeuten von immer mehr Rohstoffen zur Erzeugung von immer mehr Produkten und Dienstleistungen zum Beispiel.» Man müsste ganz im Gegenteil «aufhören den Umfang unseres wirtschaftlichen Stoffwechsels zu vergrössern, und damit beginnen, ihn zu verringern – und das bedeutet nichts anderes, als lernen aufzuhören». Von Konferenzen wie jener in Glasgow ist diesbezüglich nichts zu erwarten. Die Ältesten und die Jüngsten schätzen den Gipfel in Schottland dabei am nüchternsten ein: Da werde wohl wieder «nur viel geredet und nichts getan», meinte die 95 Jahre alte Queen. Und die jugendliche Klimaaktivistin Greta Thunberg forderte kurz und knapp: «No more blabla!» In Glasgow werde nämlich vorab viel heisse Luft produziert. Und Übleres: Konferenzteilnehmende flogen mit hunderten Privatjets von überall in der Welt über Tausende von Kilometern in die schottische Industriestadt ein – um dort dann lange und laut und geschliffen über die dringend nötige CO2-Reduktion und über «Dekarbonisierung» zu reden.


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36 Meinungen

  • am 14.11.2021 um 11:11 Uhr
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    Renditen – Denken schliesst Vernunft nicht aus oder doch?
    Ich gehöre zu denen, die sich für eine einzelne kleine Schraube dir runterfällt bückt, oder auch für eine noch billigere Unterlagscheibe.
    Dafür habe ich auch schon eine Rüge erhalten von einem bestens ausgebildeten Jungen Mann, er rechnete mir vor, wie viel die Zeit zum Bücken wert sei (hat man ihm im Technikum gelernt) und wie viel die Zeit die ich dazu aufwende, 3 Schrauben aufheben sind teurer als das 100er Pack kommt dabei raus.
    Ich werde aber weiterhin alle Schrauben auflesen und beim Werkstatt aufwischen weitere die ich darin sehe daraus fischen.
    Es sind immer Rohstoffe und Produktionsprozesse dahinter die Berechnung hin oder her nicht in den Abfall gehören.
    Es geht aber nicht nur um Schrauben, man kann das beliebig erweitern, wenn man schaut was alles weggeworfen wird, voll Funktionsfähig. Man kann praktisch aus allem in Haus, Werkstatt oder Fabrikhalle genau das beobachten, weg damit ohne sich einen Gedanken zu machen, müssten wir aber langsam Anfangen, sonst geht der Rückschritt immer weiter bis zum Abgrund!
    Wir machen Rückschritte nicht Fortschritte und zwar auf der ganzen breite.
    Eigentlich müsste man alle Rohstoffe so hoch besteuern, dass sich jedes Wiederverwende lohnt, erst dann könnte der Wahnsinn gestoppt werden.
    Das lernt man aber leider nicht an der Wirtschaftshochschule. Dort lernt man mehr, immer mehr und schneller ohne jede Rücksicht!

    0
    • am 14.11.2021 um 21:28 Uhr
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      Genau so ist das wie sie es schreiben! Ich bin keine Ausnahme und muss wegwerfen damit ich nicht vom Müll erdrückt werde! Ich habe ein Kind, was da alles an China Plastikspielzeug anfällt ist der reine Wahnsinn! Alles gebaut um ein paar mal damit zu spielen. Ich könnte da ein Beispiel nennen: Kinderüberraschungseier! Damit wird nur kurz gespielt dann ist es uninteressant und wird liegen gelassen! Wo landet es? Im Müll! Fakt ist auch dass mehr Katzen und Hunde in der Schweiz leben als Schweine! Die Fressen ja auch nichts! Davon kann ich noch 1000 weitere Beispiele nennen! Aber unsere Grünen und unsere «Fridays for Future» Kinder wollen Kühe und Autos verbieten! Hurra das Klima ist gerettet! Was soll das? Jeder von uns soll mal in den Spiegel schauen und überlegen was er eigentlich den ganzen Tag macht! Danke.

      5
    • am 15.11.2021 um 08:52 Uhr
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      @ Büschi: Sie müssen Ihrem Kind diesen Mist doch nicht kaufen! Auch Hunde und Katzen sind für die meisten freiwillig. Ihr Gingg gegen Grüne und Klimajugend ist voll daneben. Diese bemühen sich, auch wenn auch die Gegenseiten stärker sind. Autos sind z.B. Kindereier für Erwachsene!

      1
    • am 15.11.2021 um 23:29 Uhr
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      Ja ich habe etwas gegen diese kurze Denkens Art der Klimabewegung! Schön wäre es wenn wir ohne Autos leben könnten! Ja Autos sind ein Luxus aber würden wir darauf verzichten so würden wir automatisch im 19 Jahrhundert landen. Dafür bin ich nun auch nicht und mein CO2 Fussabdruck durch das benutzen des Automobils ist gross! Darum habe ich auch schon gesagt ich bin keine Ausnahme! Mein Gedanken dahinter sind aber, dass wir zuerst das Verbieten was wirklich keinen Sinn macht! Eben z.B. die Kinderüberraschungseier! Es ist nur ein Beispiel! Ich habe nie gesagt, dass ich sowas kaufe! Man kann diese Liste der unnötigen Dinge unendlich fortführen. Die Grüne Politik macht es sich aber am einfachsten wenn sie Fossile Brennstoffe einfach verteuert! Der wahre CO2 Skandal finden wir in den Produkten die wir täglich benützen und genau da muss der Hebel angesetzt werden! Das Produkte aus Fernost eine sehr geringe Lebenserwartung haben ist wohl allen bewusst! Darum müssen diese mit Zöllen endlich bestrafen! China pustet Unmengen an Co2 in die Luft weil wir das so wollen! China und andere Staaten befriedigen nur unseren täglichen und unnötigen Luxus. Aber eben das ist schon wie im Artikel erwähnt unserem nicht enden wollenden Wirtschaftssystem geschuldet!

      0
    • am 16.11.2021 um 10:20 Uhr
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      Auto und Lastwagen sind leider kaum wegzudenken und es fehlen wirklich Alternativen oder die Möglichkeit dazu.
      In Bern steht ein altes Mehrfamilienhaus, der Dachstock (alle Balken) hat vor vielen Jahren mein Vater als Zimmermann – Lehrling (Jahrgang 1917) mit dem Handwagen in 2 Fuhren Pro Tag von Gümligen nach Bern gefahren.
      Frage an die Runde, ist das noch möglich, ohne überfahren, Beschimpft als Verkehrsinhinderniss oder als «Bekloppt» bezeichnet zu werden.
      Abgesehen davon, dass das selbst mit dem Lehrling am Karren teurer wäre als mit dem Lastwagen, der das dann mit dem Kran noch auf und ablädt.
      Das Handaufladen ist an sich von der Suva bei so grossen Balken verboten wegen des Gewichts.
      Wir haben sehr viel auf die Heutige Mobilität und die heutigen Möglichkeiten ausgerichtet, das kaum mit vernünftigen Aternativen bewältigt werden kann.
      Einiges ist auch gut was wir heute haben, aber leider nicht alles.
      Ich finde es gut, können gewisse Berufe mit Hubstapler Kranen und weiteren Hilfsmittel alt werden ohne Rücken und Gelenke mit 50 Zerstört zu haben, das wird oft von vielen Theoretikern nicht bedacht. Alles 100 Jahre zurückdrehen würde wohl 99% der Menschen total überfordern.

      1
    • am 16.11.2021 um 13:50 Uhr
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      Hallo Paul! Ich transportiere hier in meiner halbländlichen Umgebung tatsächlich lokal Holz, Heu oder Möbel mit dem Veloanhänger und bin noch nie angehupt worden. Moderne Lastenräder transportieren im urbanen Raum bis einige hundert Kilogram schneller und einfacher als ein Lieferwagen. Selbstverständlich braucht es spezielle Fahrzeuge und Einrichtungen für wirklich viel oder schweres Material, aber das ist meistens nicht der Fall. Mein Schreiner brachte zwar die Balken per Lieferwagen, und das ist vernünftig. Aber dann kam er eine Woche lang damit nur mit wenigen Schrauben oder so beladen und fuhr jeden Tag leer 20 km für’s Mittagessen.
      Noch zu unserem gestrigen Telefon: Ich könnte mein 6m Paddelboot mit seinen 10-20 kg leicht die 3 km zum See per Veloanhänger transportieren, aber das ist (mit Velo) verboten! (Hätte ich einer deiner genialen Faltkayaks ginge es wohl: 3 m liegt glaube ich drin.)

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    • am 17.11.2021 um 08:04 Uhr
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      Hallo Theo, ja ich kann mein Seekajak teilen und wie ein Sackmesser zuasammenklappen, es ist dann 172cm lang und geht auf einen Fahrradanhänger, den ich dazu auch gebaut habe. Legal sind in der Schweiz ab Mitte Hinterachse beim Fahrrad 250 cm, so fällt eigentlich schon alles über 2 Meter weg.
      Nun zur Realität, es gibt immer weniger das Repariert wird, Leider.
      Die wenigen die für Reparaturen unterwegs sind, haben oft so viel Material dabei, damit sie nicht für jedes Teil irgendwo hinfahren müssen, dass ihr Lieferwagen am Gewichtsmässigen Anschlag ist.
      Die Menschen lassen nicht nur kaum mehr etwas flicken, wenn, dann haben sie extrem wenig Geduld und es darf dann auch so wenig wie möglich kosten.
      Da Heute viele Abgaben und Soziallasten die Arbeitstunden extrem teuer machen obwohl der Ausführende Arbeiter sehr wenig verdient, ist es zu teuer ein kleines Teil irgendwo zu holen.
      Kommt dazu, dass man vieles einfach nicht holen kann einfach so.
      Beispiel, ich habe eine Maschine die ich seit 40 Jahren benutze revidiert, Führungkugellager (skf) mit Bombiertem Käfig ausgebaut, angerufen beim Händler, ja gibt es noch wir haben 100 Stück in Belgien. Die waren am nächsten Morgen in Bern abholbar, nur noch Zentrale Lager und eine extrem schnelle Logistik, alles geht über die Nacht und zwar mit 3,5 Tonner weil die grossen in der Nacht nicht fahren dürfen.
      Da geht in unserem System leider nichts mehr mit dem Lastenfahrrad.
      Das ist die Realität.

      0
    • am 16.11.2021 um 13:32 Uhr
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      Ich habe Ihren Text etwas misverstanden, entschuldigen Sie. Aber Ihre Logik verstehe ich immer noch nicht. Sie geben zu, mit intensivem Gebrauch des Autos sehr klimarelevant zu sein. Warum sollten die Grünen nicht dagegen sein? Das Auto ist ein Fahrzeug des 20., nicht des 21. Jahrhunderts, und im Prinzip sogar konstruiert wie eine Pferdekutsche des 19. Jahrhunderts. Auch dann haben die reichen Menschen mehr Pferde eingespannt als nötig und ihren Mitmenschen geschadet. Wir *müssen* weitgehend auf Autos verzichten alernen ausser im extrem ländlichen Raum und für bestimmte Zwecke. Ein korrekter CO2-Preis (mit Rückerstattung via Oekobonus) würde sowohl das heute masslose Autofahren als auch den exorbitanten Konsum und die Verschwendung gleichmassen begegnen. Sonst bin ich mit Ihnen einverstanden.

      0
  • am 14.11.2021 um 14:02 Uhr
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    Danke für diesen Beitrag! Die Direktorin des Club of Rome, Sandrine Dixson-Declève, schlägt in dieselbe Kerbe (Bund vom 9.11.2021 https://www.derbund.ch/schluss-mit-der-verdammten-selbstgefaelligkeit-142027327367), stellvertretend die vielen tausend Beiträge, die seit der Publikation des MIT-Berichts «Die Grenzen des Wachstums» im Jahre 1972, zu diesem drängender werdenden Thema erschienen sind.

    Aber irgendwie gelingt es uns nicht, uns vom Weltbild der klassischen Ökonomie zu lösen, wonach der Konsumdurchlauf (Konjunktur, Bruttoinlandprodukt) als Massstab unseres Wohlbefindens gilt. Je mehr und schneller produziert, konsumiert und entsorgt wird, desto besser geht es uns. Die bio-physikalischen Grundlagen unserer Existenz sind von marginaler Bedeutung, leben wir doch in einer «postmateriellen» Dienstleistungsgesellschaft.

    Nur wenige stellen sich die Frage, wie es kommt, dass die Bevölkerung der Homo Sapiens innerhalb von läppischen 200 Jahren, d.h. seit der Epoche der Aufklärung, von knapp 1 Mrd. auf fast 8 Mrd. gestiegen ist. Und somit zur dominanten und zerstörenden Spezies wurde. Antwort: die Erschliessung und Nutzung der fossilen Energie. Diese ermöglichte unsere industrielle Wirtschaft, unsere Kultur und Zivilisation und den Glauben, dass unsere Ressourcen unerschöpflich seien. «Der Menschheit hat schon immer eine Lösung gefunden. Die Technologie und Innovation wird es richten», so die optimistische Botschaft.
    Nur die Menschheit war noch nie an diesem Punkt…

    0
  • am 14.11.2021 um 14:33 Uhr
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    Welzer super zusammengefasst! Alles was da steht, scheint mir selbstverständlich. Jedoch verbringe ich meine Zeit hauptsächlich damit, das überbordende Wachstum auf lokaler Ebene zu bekämpfen: immer mehr von allem: Gebäude, Geräte, Autos, Kinder. Die ersten drei getrieben durch das Finanzkapital, das stärker ist als jede Vernunft.

    0
  • am 14.11.2021 um 14:36 Uhr
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    Rechnerisch ist die Sache mit dem menschlichen Fussabdruck oder der Umweltbelastung einfach.
    Menschlicher Fussabdruck = Anzahl Füsse x Abdruck pro Fuss.
    Es gibt nur eine Organisation in der Schweiz, die sich dem Thema «Anzahl Füsse» widmet und auch Vorschläge zu deren Reduktion macht: Ecopop. Leider findet das Thema weder in der Schweiz noch sonst in der Welt die Beachtung, die es verdient. So ist zu erwarten, dass in der langen Frist die traditionellen drei «Methoden» zur Begrenzung der Anzahl Menschen zur Anwendung kommen werden: Hunger, Seuchen, Krieg.

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    • am 15.11.2021 um 21:05 Uhr
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      Auch Ecopop hatte ein paar Unvollständigkeiten in der Initiative, was unnötig Angriffsfläche bot.
      Décroissance Bern hatte eine fundierte Kritik formuliert. Ich meine, man müsste auf folgendes aufmerksam machen:
      Europa und viele andere entwickelte Länder wären «am Aussterben», mit ihren Geburtenraten deutlich unter 2! Aber das Wirtschaftswachstum erfordert Einwanderer! Die werden aktiv geholt aus dem jeweils nächstschwächeren Wirtschaftsraum. Und jedes Land, insb. Auswanderungsnationen, haben dann das gleiche «Problem». Am Ende der Kette sind noch die armen Länder, die zur Stabilisierung ihres
      Sozialsystems und gegen Brain Drain nur noch «Kinder produzieren» können.
      Warum wohl schafft der Turbo-Staatskapitalismus von China die Ein-Kind-Politik wieder ab? Weil sie Wachstum in extremis wollen. Auch am globalen Bevölkerungswachstum ist also unser krebsgeschwüriges Wirtschaftssystem schuld; Bevölkerungswachstum ist nur das Symptom davon.

      1
  • am 14.11.2021 um 15:05 Uhr
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    Super Artikel. Trifft den Nagel auf den Kopf.
    Das Militär und Krieg in der ganzen Klimadebatte bewusst ausgelassen wird ist auch so ein Punkt.

    0
  • am 14.11.2021 um 15:16 Uhr
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    Sehr interessant geschrieben! Danke!
    Das mit der Überbevölkerung ist ja schon lange ein Thema. In der Schweiz wollte man dies ja mit der Masseneinwanderungsinitiative bremsen. Leider waren genau die Kräfte dagegen die jetzt Lauthals schreien es brauche Lösungen um den CO2 Ausstoss zu verringern! Das Volk hat die Initiative angenommen aber umgesetzt wird sie nicht das Bürokratiemonster dass geschaffen wurde ist eine Frechheit! Die Dezimierung der Bevölkerung ist die einzige wirksamste Möglichkeit diesen Ausstoss zu bremsen. Alle Technologien die entwickelt werden um den Ausstoss zu verringern ist keine nachhaltige Lösung denn mehr Menschen brauchen automatisch auch mehr! Ich wünsche mir eine Schweiz mit 7,5mio Einwohnern! Wenn einer stirbt oder aus der Schweiz wegzieht kann auch wieder einer hierher kommen! Ansonsten sehe ich keine Möglichkeit dieser Misere zumindest für die Schweiz zu entkommen. Danach kann über Massnahmen beim Ausstoss diskutiert werden! Wirtschaft hin oder her! Ein Rückgang in der Wirtschaft wäre schon lange wünschenswert! Back to the Roots!

    1
    • am 15.11.2021 um 01:28 Uhr
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      Und interessanterweise sind jene Kreise, die gegen «Masseneinwanderung» sind, nicht bereit, die Ursache der Masseneinwanderung anzugehen:
      – Primär unser Wachstum erfordert Einwanderung, wir selber haben ja Geburtenraten weit unter 2.
      – Plus noch die Fluchtbewegungen, die durch unsere imperiale Wirtschaftstätigkeit Armutszonen schaffen.

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    • am 15.11.2021 um 13:15 Uhr
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      Das sehe ich auch so! Unser Wirtschaftssystem erfordert ja Einwanderung! Die Befürworter dieser Masseneinwanderungsinitiative wollen gleichzeitig günstige Mitarbeiter in ihren Firmen anstellen! Da beisst sich der und in den Schwanz! Man halt nicht den Fünfer und s Weggli haben. Daher fühle ich mich von allen Parteien verarscht da alles in Wiedersprüche endet was in Bern entschieden wird! Am Schluss ändert sich nichts ausser, dass ein ein paar Abgaben für uns und Bürojobs beim Bund mehr geschaffen werden.

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  • am 14.11.2021 um 15:32 Uhr
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    Alles richtig, was da so «Nichtwissenschaftlich» behauptet und geredet und geschrieben wird … Herr Welzer, Frau Bieri vom CDE haben die Problematik noch nicht so im Griff. Bevor die obigen Fragen 1. – 3. ueberhaupt verstanden werden koennen von den Bewohnern der Laender wie China, Indien, USA, Brasilien, Korea, Mexiko und in Kontinenten wie Mittel/Suedamerika und Afrika und Asien muss erst einmal das Basiswissen fuer den Inhalt vermittelt werden, was grundsaetzlich nicht der Fall ist. Ihre Untertanen und Landsleute waeren dann informiert, wuerden Wissen und Verstaendnis haben, damit kritischer und Aenderungen an den bestehenden Verhaeltnissen fordern. Und das ist dass, was diese Systeme und ihre ‹leader› genau NICHT wollen. Warum Schulen, Ausbildungsstaetten, Lehrende und Basiswissen/Kenntnisse aufbauen, das Volk teilhaben lassen am Allgemeinwissen wie es in Europa und Japan gelehrt wird? Es ist doch viel einfacher, sich die Taschen zu fuellen durch die Lohnarbeit des Volkes. Das Volk muss in Abhaengigkeit von der Guete, Weitsicht, und Gnade der jeweiligen Regierenden und ihrer Clique nur das tun, was befohlen wird. So ein kleiner Aufstand, wie er immer wieder vorkommt, kann dann durch das eigene Militaer, fuer das man natuerlich Unterstuetzungsgelder aus dem Ausland verwendet, bekaempft werden und ist der Grund, die Macht immer weiter auszubauen. Diese Spirale endet NIE …

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  • am 14.11.2021 um 15:41 Uhr
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    Der Forderung nach einer «neuen Kultur des Aufhörens» wird doch bei uns und in anderen westeuropäischen Ländern bereits nachgekommen, man denke da nur an unser Energiegesetz und an die geplanten Abschaltungen der deutschen Atom- und Kohlekraftwerke – ohne Ersatz durch brauchbare Alternativen. Ohne Gegensteuer stehen uns kalte und dunkle Wintermonate bevor.

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  • am 14.11.2021 um 16:29 Uhr
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    Zitat: «Bedrohliche Endlichkeitsphänomene wie eben Klimaveränderung oder Artensterben und die Zerstörung der Biodiversität würden von den Wachstums-Apologeten ausgeblendet oder gar geleugnet». Zitat Ende. Der Club of Rome, Frederic Vester, Ernst Ulrich von Weizsäcker, Fritjof Capra u.v.m. lassen grüssen. Meine Kurzformel: «Mit der vordergründigen Schaumschlägerei um das Klima, CO2, Energie, Corona, Genderitis und dem dazugehörigen verderben der Sprache, verpassen wir das das Wesentliche – nämlich das Zurückfahren der Erdbevölkerung und erhalten der endlichen Ressourcen – .
    Regierende und agierende Politiker, Heilige und allzu viele Scheinheilige, versuchen im Schaum zu schwimmen, aber ohne zu merken, dass sie den Stöpsel in der Wanne schon vor langer Zeit gezogen und verloren haben….. und die Stöpsel von den korrumpierten, «Alten Medien» merken noch viel weniger was schief läuft…. und werden sich eines Tages zusammen mit den korrumpierenden Stöpseln am hässlichen Abgrund die Hand reichen.
    Wer in der Politik Ideologien etablieren will, verpasst die Realität. Wer die Realität verpasst lernt den hässlichen Abgrund kennen.
    Herrn Ramseyer und dem Sperber sei Dank für diesen hervorragenden Artikel.
    Noch ein Gedanke: Könnte es sein, dass vielen Politikern, die in obigem Artikel aufgezeigten Unregelmässigkeiten diffus bewusst sind?… und Themen wie Corona, Klima, Tempo 30, Genderitis, EU usw. herhalten müssen, um ein beängstigendes, viel grösseres Problem zu verdrängen.

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  • am 14.11.2021 um 17:26 Uhr
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    »Das Tabu in Glasgow: Die Wachstums- und Verschleisswirtschaft«
    Meint wirklich jemand, es würde sich etwas ändern, wenn sich unsere Gesellschaft nicht ändert?
    So blöd kann im Grunde genommen keiner sein. Oder er ist ein unheimlicher Heuchler. Er verschüttet Krokodilstränen über die Armut in der Welt und hofft, dass sich nichts ändert.

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  • am 14.11.2021 um 18:46 Uhr
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    Wachstum ist nicht gleich Wachstum. Und etwas dagegen tun noch viel mehr.
    1. Bzgl. Ansprüchen und Verschleiss: Da kann jeder von uns etwas dagegen tun. Man muss nur wollen und die dumme Rede von «Verzicht» endlich mal in die Besenkammer stellen. Harald Welzer spricht deshalb zu Recht vom «Aufhören». Wer andauernd dem Verzicht den Mund redet muss sich den Vorwurf gefallen lassen, er agitiere absichtlich negativ.
    2. Bzgl. «zu vielen» Menschen auf der Erde: Wer ist denn zuviel? Wer beginn mit aktivem «Abbau»? Im übrigen wirft der Artikel diesbezüglich etwas in die Runde das Harald Welzer so nicht gesagt hat und auch nicht sagen würde. Weil er eben genau auch erkennt, dass hier grundlegende und ethische Probleme lauern. Man sollte die beiden Dinge nicht einfach in den gleichen Handlungs-Topf werfen, lieber Herr Ramseyer. Das ist schon nahe an irreführend.

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    • am 15.11.2021 um 09:32 Uhr
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      Was soll am Verzicht schlecht sein? Oder wie definieren Sie den Unterschied zwischen Verzicht und Aufhören oder Abbauen?
      Jeder vernunftbegabte Mensch weiss, dass das «Waxdumm» nicht ewig weitergehen kann. Also muss man aktiv etwas machen. Wir als kulturfähiges Wesen sollten ja die Begabung haben, freiwillig zu handeln. Sonst zwingt uns die Natur dann zum Verzicht, und das wäre dann Sozialdarwinismus.

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    • am 15.11.2021 um 13:05 Uhr
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      Reto Diener: zu Ihrem suggestiven: „Wer ist denn zuviel?“ Mit dieser altbekannten Frage unterstellen all diejenigen, für welche die Bevölkerungsanzahl ein Tabu ist, denjenigen, die das thematisieren: Für Euch sind ja immer die anderen zuviel. Ich gehe nicht weiter darauf ein.

      Zu Ihrer zweiten Frage:“Wer beginnt mit dem aktiven „Abbau“?“
      Beispiel Schweiz: Die Geburtenzahl pro Frau betrug schon vor 40 Jahren nur noch 1,38 Kinder, ist momentan bei 1,46. Für den Artenerhalt bräuchte es 2,1 Kinder. Wir (und viele andere Länder)) sind also seit Jahrzehnten am, wie Sie das kurioserweise nennen, „Abbauen“.
      Die Bevölkerung der Schweiz nimmt nur noch durch Zuwanderung zu. Auch der Geburtenüberschuss wäre ohne diese schon länger ins Negative gekippt.
      Übrigens: Geburtenziffer pro Frau 1915! in der Schweiz: 2,4 Kinder. (Bundesamt für Statistik).

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  • am 15.11.2021 um 01:24 Uhr
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    Merci für den Beitrag. Ja, diese Töne fehlen (erwartungsgemäss) gänzlich in Glasgow. Nur Greta Thunberg sprach das Problem am Rande an, sinngemäss: «Wir kommen nicht mit den gleichen Methoden aus dem Schlamassel raus, mit denen wir uns reingeritten haben.»
    Jedes Kind weiss, dass Kettenbrief und Schneeballsysteme nicht funktionieren. Aber unsere ganze Wirtschaft inkl. Sozialsystem/Altersvorsorge basiert darauf.
    Die teils angeführte Entkopplung von Ressourcenverbrauchs- und Wirtschaftswachstum hat noch nie stattgefunden bzw. nur in winzigen Teil-Sparten.
    Und dann kommen noch jene, die alles nur am Bevölkerung zuschieben.
    Aber wer wächst denn da und warum? Auch hier werden Ursache und Wirkung verwechselt!
    Denn auch für das Bevölkerungswachstum ist unser Wirtschaftsmodell verantwortlich! Bevölkerungszunamne ist Symptom und nicht Ursache. Denn das Wachstumsmodell funktioniert nur, wenn es immer mehr Produzenten und mehr Konsumenten gibt.

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  • am 15.11.2021 um 07:47 Uhr
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    «In Glasgow werde nämlich vorab viel heisse Luft produziert. Und Übleres: Konferenzteilnehmende flogen mit hunderten Privatjets von überall in der Welt über Tausende von Kilometern in die schottische Industriestadt ein.» – Von wegen «heisse Luft» – genau mit dieser Aktion hat die Konferenz einen Grossteil der «Klimaskeptiker» umprogrammiert. Die sagen jetzt auch, dass man die «Klimaziele» durch persönliche «Lockdowns› in fast allen Lebensbereichen endlich aktiv umsetzen muss und mit persönlichem Beispiel vorangehen sollte. Auch Heuchelei führt zum Ziel. Frieren und Fasten für das Klima.

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  • am 15.11.2021 um 09:49 Uhr
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    @Reto Diener: Ihren Kommentar verstehe ich nicht. / 1 Verzicht ist für mich nicht negativ. Sondern steigert mein Selbstbewusstsein: Ich brauche es nicht! / 2 Wenn alle Menschen Verhütungsmittel hätten, die verhüten wollen, dann wäre das Problem schon zur Hälfte gelöst! Wenn statt ‹mehr Kinder›, ‹Massvoll sein› das Dogma von Kirche und Staat wäre, wäre auch die andere Hälfte zu lösen. Die Alternative beschreibt @Hans Geiger treffend!

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  • am 15.11.2021 um 09:51 Uhr
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    Es wird in den Industrie-Nationen einen Konsumrückgang brauchen, um eine Umverteilung stattfinden zu lassen.

    Das hirnlose Einkaufen macht langfristig ohnehin nicht glücklich. Das Glück, falls es denn ein solches ist, ist nämlich beschränkt auf den Moment.

    Wer das begreift, kann gut auf dies und jenes verzichten – und Hosen, Hemden oder Blusen eben mal X Jahre tragen. Oder den Laptop 10 Jahre verwenden anstelle nur 2 oder 3 Jahre.

    Hier braucht es eine langfristig orientierte Umerziehung, die bei den Kindern, der künftigen Generation starten muss.

    Die Erwachsenen werden sich kaum mehr «umerziehen» lassen.

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  • am 15.11.2021 um 12:55 Uhr
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    Ich stimme diesem Artikel voll zu. Es ist die Profit-Wirtschaft, die als Verschleißwirtschaft bezeichnet wird. Warum die Verschwendung durch unnütze Überproduktion. Niemand kann etwas mitnehmen, wenn er stirbt. Dabei ist es gleich, ob wir Sxhöpfung oder Natur dazu sagen. Der Mensch sollte das Mass aller Dinge sein; aber erist längst das Masslos seines Tuns und Handelns. Moral und Ethik sollten für den Menschen maßgebend sein, nicht die sinnlose Raffgier.

    Kurt Wolfgang Ringel

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  • am 15.11.2021 um 20:57 Uhr
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    Welches Ziel verfolgt die Frage im Rahmen des angestrebten Forschungsprojektes:
    » Wie viele Menschen könnten maximal auf der Erde gleichzeitig gut und nachhaltig leben? …» wenn in diesem Zusammenhang von «würdiger Lebenslänge» als einem Kriterium gesprochen wird?
    Wozu soll das Forschungsergebnis sinnvoll sein? Das Alter der Menschen zu beschränken, d.h. man darf nur noch ein gewisses Alter erreichen? Und wird dabei der Wohlfühl-Ressourcenverbrauch eines Harz 4 Empfängers oder eines Milliardärs zugrunde gelegt?
    Wie wäre der umgekehrte Weg, zu fragen, wie viel ein Mensch auf der Erde verbrauchen darf, wenn er nachhaltig lebt bei einer Gesamtbevölkerung von jeweils 8 Mrd/9 Mrd/10Mrd Menschen? Das wäre zwar nicht im Sinne derjenigen, die über unsere Verhältnisse leben, aber wesentlich humaner.

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  • am 15.11.2021 um 21:07 Uhr
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    In Deutschland (und der EU) verabreden sich gerade Klimaretter und Supply-oriented economic policy zur Mogelpackung des Green New Deal. Competitive Economics.

    Im Übrigen ist es so, dass der Energiebedarf von 10 Milliarden im Jahr 2050 nicht ohne die friedliche Nutzung der Kernenergie gedeckt werden kann. Andernfalls sich spätestens 2050 die Anführer der 10 Milliarden zur Austragung ihrer Verteilungskämpfe um die begrenzten planetaren Ressourcen atomar treffen werden.

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  • am 16.11.2021 um 04:45 Uhr
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    Es gibt Schwarmintelligenz und Schwarmverblödung und ein Ausstieg aus der kapitalistischen Wachstumswirtschaft bei einer Weltbevölkerung von fast 8 000 000 000 ist schlicht unmöglich, weil die Profiteure dies einfach verhindern wollen und die Profiteure sind nicht nur die Vermögenden sondern auch der gehobene und aufstrebende Mittelstand und damit die , die die Massenkommunikation steuern und manipulieren können. Sie haben es mittlerweile geschafft, die Kritiker, die faktenbasiert und wissenschaftlich fundiert, operieren aus den Massenmedien zu entfernen und sie wenn irgendwie möglich mit bekloppten Querdenkern, Esoterikern und Verschwörungsheinis in einen Topf zu werfen. Ich hoffe , daß bald ein Asteroid einschlägt, das ist die einzige Überlebenschance der dann verbleibenden Weltbevölkerung …Ich kann Herrn Welzer nur zustimmen, wer das nicht kann , der kann es eben nicht und die Ursache dafür liegt nicht bei Herrn Welzer sondern …, ( jetzt muß ich mit dem Schreiben aufhören, sonst explodiere ich schriftlich, und dann kann der Kommentar vielleicht nicht veröffentlicht werden … )

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  • am 16.11.2021 um 13:52 Uhr
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    Der Zirkus in Glasgow ist reines Alibi – könnte man weglassen und keiner wird es vermissen. Ich frage mich sowieso, ob die Handelnden selbst an ihr eigenes Geschwurbel glauben – vermutlich nicht, aber sie werden halt (besser als gut) dafür bezahlt und so schwurbelt man eben weiter…. immer in der Hofnung, dass sich schon morgen keiner mehr an das Geschwurbel erinnern möge, wenn man das ganze ersessene Geld in allerlei Luxus ummünzt, bei dessen Genuss sich dann angewidert über die Konsumorgien des Pöbels ablästern lässt.

    Wir haben kein Erkenntnisproblem. Wir haben ein veritables Umsetzungsproblem! Und das lässt sich angesichts der Tragweite nicht mit Appellen lösen. Weniger kaufen hilft erst mal gar nix, wenn das nicht ausgegebene Geld hinterher auf einem Sparbuch liegt und auf Renfite wartet, folglich muss es darum gehen, nicht nur weniger auszugeben, sondern auch weniger einzunehmen, sprich weniger – bezahlt – zu arbeiten. Was es braucht, sind Menschen, die andere Lebensformen in praxi (!) ausprobieren und vorleben und damit Nachahmer anregen, es ihnen gleichzutun, weil ihr Beispiel den Menschen zeigt, dass es sich so BESSER leben lässt. Solche Menschen finden sich aber noch nicht einmal bei den Grünen, auch da nur Geschwurbel aus dem Elfenbeinturm. Vielleicht liegt es ja daran, dass in diesen Kreisen verstanden wird, dass die Schurbel-Jobs als erstes wegfallen, wenn sich alles ändert, weil die Gesellschaft sich dann den Zirkus nicht mehr leisten wird wollen oder können.

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  • am 17.11.2021 um 17:23 Uhr
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    Ich kenne bis heute eigentlich keine öffentliche Debatte, in welcher schlicht vom Verzicht gesprochen wird. Wer politisch überleben will, schürt den Glauben an Technologien, die durch ihre Innovation ökonomischen Mehrwert generieren, gerade weil sie ökologischer sind. Die Folge ist eine Attraktivität, die immer noch mehr Konsum und damit mehr Wirtschaftswachstum generiert. Kein Mensch scheint da begriffen zu haben, dass wir schlicht mit weniger auskommen müssten. Der Umgang mit unserem Klima zeigt genau so wie der Umgang mit Corona tatsächlich: Mit der Perspektive einer Endlichkeit kann die Menschenwelt nicht umgehen. Und die Wissenschaftlichkeit, welche die Endlichkeit besiegen soll, feiert einen Irrtum nach dem Anderen.

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    • am 18.11.2021 um 14:58 Uhr
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      ‹Kein Mensch scheint begriffen zu haben …› ? Die Machtspitzen und deren Medien – öffentliche und private – tun alles, um die längst erkannte, global-projektfähige Evolutionslösung totzuschweigen und totschweigen zu lassen, wissend, dass diese Exoduswissen sofort dominomächtig und mehrheitsfähig ist.

      Ansonsten haben Sie völlig Recht, dass nur Klimamaßnahmen in die Diskussion eingelassen werden /kommen, die dem Wachstumsziel des Ancien-regime der Kapitalstockmaximierer dienen. Die evolutionsprozess-eigene Innovation, wird die Macht-Nr.1 stürzen. Mehr auf meinen Webseiten.

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  • am 18.11.2021 um 12:08 Uhr
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    Das noch grössere Tabu – nicht nur in Glasgow – ist die ungezügelte Vermehrung der Menschen in den afrikanischen, arabischen und teils asiatischen Ländern.
    Unbesehen der Sinnhaftigkeit der Reduktion des CO2 – immerhin der Grundlage allen organischen Wachstums unddamit der Welt-Ernährung – kann und wird es niemals gelingen, den Ressourcenhunger der Welt einzudämmen, wenn aktuell jedes Jahr über 75 Millionen Menschen – pro Generation mit exponentieller Zunahme – dazukommen.
    Allein diese Zahlen zeigen die verbrecherisch-träumerische Naivität derjenigen, welche denken, mit dem Abschalten von KKW und AKW und Umstellung auf nicht-speicherbare Elektrifizierung könne man irgend etwas retten.
    Nur eine rigoros durchgesetzte zwei-Kind oder noch besser ein-Kind-Politik kann das kommende Unheil abmildern um dann, 50 Jahre später, eine Umkehr bringen.
    Allein, wer die Berichterstattungen z.B. zu Glasgow verfolgt, stellt fest: da gibt es offensichtlich Denk- und Sprechverbote, um den rosa Elefanten mitten auf dem Platz nicht anzusprechen.

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  • am 18.11.2021 um 13:35 Uhr
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    Herr Welzer irrt, wenn er urteilt: » «Wir haben keine Methodik des Aufhörens.» Und: «Weil wir keine Methodik des Aufhörens haben, hören wir auch nicht auf.»

    Die «Methodik des Aufhörens» ist sehr wohl erkannt und hat schon seine Wahrheits- und globale Wirkungstest bestanden. Es gibt das evolutionstheoretisch-kybernetische Evolutionsprozess- und Epochenwendewissen, das für die Umsteuerung auf den Fortschrittspfad des KREATIVEN hinreichend ist. Es leistet Geniales: alle Akzelerationskonflikte zw. den Subsystemen und dem Ganzen werden durch eine verteilungspolitische Innovation auflöst. Eine globale und nationale Win-Win-Dauerordnung wird daraus entstehen.

    Die Machtspitzen in D kennen die Evolutionslösung. Da es den installierten Wachstumszwang- beendet haben sie eingegriffen und erreichtr, dass dieses Exoduswissen totgeschwiegen werden konnte.

    Mehr auf den Webseiten des Verfassers …. Ich werde Herrn Welzer nochmals auf diesen Wissensstand hinweisen.

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