Arbeit für die Post: Sie bekämpft Borkenkäfer
Ein Waldkauf der Post vor zwei Jahren erweist sich als gehöriger Fehlentscheid. Eigentlich wollte die Post ihre CO2 -Bilanz schönen. Deshalb befahl der damalige Post-Chef Roberto Cirillo vor zwei Jahren den Kauf einer Waldfläche namens Zillbacher Forst in Thüringen. Das Waldstück ist etwa so gross wie der Murtensee und kostete 70 Millionen Franken. Die Post hat es einem adligen Privatbesitzer, Prinz Michael-Benedikt von Sachsen-Weimar-Eisenach, abgekauft.
«Abenteuerlicher Deal»
In Deutschland fand der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), «dieser «Deal klingt etwas abenteuerlich». Die Gemeinde Zillbach, die eigentlich das Vorkaufsrecht hatte, wollte den Wald jedenfalls nicht übernehmen. Dem Prinzen dürfte deshalb das Angebot der Post, seinen Wald für 30’000 Franken pro Hektar zu kaufen, gelegen gekommen sein.
In der Schweiz kann eine Hektare flacher, gut gepflegter Laubwald 50’000 Franken kosten. Der Zustand das Post-Walds ist allerdings schlecht. Trockenheit und Borkenkäfer haben den Bäumen zugesetzt. Im Frühjahr meldete der «Spiegel»: «23 Prozent des thüringischen Waldes sind offenbar so kaputt, dass sie aufgeforstet gehören. Die Besitzer müssen umdenken.»
«Nahe an der Depression»
Der Revierleiter Bernd Taubert, der seit über 50 Jahren im Zillbacher Forst arbeitet, wurde noch deutlicher: «Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen retten, was noch zu retten ist. Wenn du Teile des Waldes siehst, dann bist du nah an der Depression, wenn du nicht ganz hartgesotten bist.»
Die Schweizer Post scheint von der hartgesottenen Sorte zu sein. Dem Online-Medium «Inside Paradeplatz» teilte sie mit: «Wir haben diese Entwicklung erwartet und handeln entsprechend.» Und: «Besonders intensiv bekämpfen wir den Borkenkäfer», so die Post.
Die Bäume taugen nur noch als Brennholz
In ihrem Nachhaltigkeitsbericht 2024 erwähnt die Post die Borkenkäfer nicht. Dort steht, dass die Post im Holz des Zillbacher Forsts möglichst viel CO2 speichern wolle. Zu diesem Zweck widmet sich das Unternehmen völlig neuen Aufgaben: Um diese Kohlenstoffspeicherung zu optimieren, entwickle sie «eine Methodik für naturnahe Waldbewirtschaftung und Holznutzung». Der Plan der Post ist, die Fichten mit klimaresistenten Baumarten wie Douglasien zu ersetzen. Bis sie dieses Holz ernten kann, dauert es Jahrzehnte. Vorerst muss sie die kaputten Bäume als Brennholz entsorgen. Statt im Thüringer Wald CO2 zu speichern, verschlechtert das Unternehmen also seine Bilanz und verursacht noch mehr Schadstoffe.
Kolossaler Wertverlust
Auch im Finanzbericht schlägt der Wald negativ zu Buche: 2023 war das 70 Millionen Franken teure Stück noch unter «biologischen Vermögenswerten» mit immerhin 37 Millionen Franken aufgeführt. 2024 blieb davon gerade noch eine Million übrig.
Für Cirillo war der Kauf in Thüringen nur ein erster Schritt. Er wollte weitere Wälder in der Schweiz oder in europäischen Ländern kaufen. Doch Bundesrat Albert Rösti verwirft solche Pläne. Er sagte vor zwei Wochen an einer Medienkonferenz über die Zukunft der Post klipp und klar: «Wir erwarten nicht, dass die Post weiter Wald kauft.»
Der Zillbacher Forst ist derzeit immer noch im Besitz der Post. Und: Es sind tatsächlich Post-Angestellte, welche im Thüringer Wald die Borkenkäfer bekämpfen und neue Bäume pflanzen. Denn für die Bewirtschaftung ihres Waldes hat das Unternehmen nicht eine externe Firma beauftragt, sondern gleich eine eigene Tochtergesellschaft gegründet: die CDR-Services Deutschland.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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