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Diese Schweinehaltung entspricht den Anforderungen des Tierschutzgesetzes © Tier im Fokus

Diese Bilder wollte die «Berner Zeitung» nicht veröffentlichen

Red. /  Der Bauer hält seine Schweine wie vom Gesetz vorgeschrieben. Darum zeigte die BZ die Fotos von «Tier im Fokus» nicht.

Es ist ein elender Anblick: Verdreckte Schweine liegen dicht gedrängt auf dem Betonboden in ihren Exkrementen. Die Bilder stammen aus einem Stall in Lyssach, veröffentlicht von Tierschützern der Organisation «Tier im Fokus».

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Legale Zustände im Schweinestall


Die «Berner Zeitung» berichtete am 15. September darüber – doch die Aufnahmen aus dem Stall wurden nicht veröffentlicht. Der Grund: Die Schweinehaltung des Bauern erfüllt die Anforderungen des Tierschutzgesetzes. Die Zustände im Schweinestall sind also legal. So zumindest begründet ein BZ-Redaktor das Vorgehen in den Kommentaren des Artikels. Die BZ wolle keinen Unschuldigen an den Pranger stellen.

Der betroffene Landwirt hat für die Kritik an seiner Tierhaltung kein Verständnis. Man könne in jedem Stall solche Fotos machen, lässt er sich von der BZ zitieren. Und weiter: «Es gibt wohl kaum einen Betrieb, der so regelmässig vom Veterinäramt kontrolliert wird wie unserer.»

Dass der Bauer seine Tiere gesetzeskonform hält, weiss die Tierschutzorganisation «Tier im Fokus». Doch gerade deshalb müsse man die Bilder zeigen, findet Tobias Sennhauser, Präsident der Organisation: «In wenigen Tagen urteilt die Schweizer Stimmbevölkerung über die Abschaffung der Massentierhaltung. Zur Meinungsbildung benötigt sie fundierte Informationen. Dazu gehören realistische Bilder aus der konventionellen Fleischindustrie», so Sennhauser.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Kritik von Zeitungsartikeln

Printmedien üben sich kaum mehr in gegenseitiger Blattkritik. Infosperber holt dies ab und zu nach.

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Landwirtschaft

Massentierhaltung? Bio? Gentechnisch? Zu teuer? Verarbeitende Industrie? Verbände? Lobbys?

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8 Meinungen

  • am 20.09.2022 um 11:24 Uhr
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    Neben Volksabstimmungen gibt es noch eine andere Möglichkeit: Schweinefleisch ganz vermeiden.

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  • am 20.09.2022 um 14:01 Uhr
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    Wenn der Landwirt tatsächlich alle veterinärrechtlichen Auflagen erfüllt, ist ihm rechtlich nichts vorzuwerfen – er wird auch nicht der einzige sein, bei dem es so aussieht. Es sollte auch nicht dieser Landwirt am Pranger stehen, sondern das System dahinter, zu dem vor allem die bequemen Konsumenten gehören, die vor dem Fleischgenuss eine Zwangsführung durch die Massentierhaltung und in der industriellen Schlachtung bekommen sollten. Den meisten fiele das Frühstück wieder aus dem Gesicht. Fleischgenuss gehört untrennbar zu unserer Esskultur, aber es sollte eben ein Genuss sein und keine Qual für die Wesen, die da auf unseren Teller landen.

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  • am 20.09.2022 um 14:09 Uhr
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    Vieles kann man nur verändern,indem man bei sich selbst beginnt. Abgesehen von den traurigen Bildern habe ich als gewohnheitsmässiger, anerzogener Fleisch- esser heute immer weniger Lust auf Fleisch. Die Mär von der Abstumpfung wirkt bei mir offenbar nicht. Also fange ich an, genauer hinzuschauen und das wie und was ist mir nicht mehr egal. Wir hätten doch jetzt mit der Abstimmung eine Chance, etwas für die Tiere zu tun, denn verbieten lässt sich Fleischessen ja nicht. Für mich eine klare Sache die Abstimmung, auch wen mein Fleischkonsum inzwischen drastisch reduziert ist.

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  • am 20.09.2022 um 14:12 Uhr
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    Wenn Schweine Menschen wären … aber das sind sie ja wohl nicht. Extrapolationen subjektiver Werteempfindungen sind häufig nicht Arten-konform. Sulende Wildschweine oder fröhliche Hippos finden sich in solchen Situationen durchwegs auch in der freien Wildbahn. Wären sie glücklicher in einem CH-Stall ? Hat irgendwer diese Tiere interviewed ? Wenn Gnus im Mara-River durch Krokodile gefressen werden oder Wölfe schweizer Schafe und Kälber zerlegen ist die Glücksoptimierung dieser Opfer der Natur wohl auch nicht perfekt.

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  • am 20.09.2022 um 14:53 Uhr
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    Ich verstehe die Weigerung der Berner Zeitung null. Sie hätte die Fotos veröffentlichen sollen und dazu titeln: «Vorbildlich, gesetzeskonform, und auch weiterhin so – bei einem NEIN am 25.9.2022» So wären die Bauern nicht angeprangert sondern gelobt worden für ihre Gesetzestreue. Wo liegt das Problem?
    Schweizer Medien wollen mehr Geld. Swissinfo 23.12.2021 titelte: «Die Regierung möchte die Schweizer Medien stärker unterstützen – mit mehr Geld und neu auch Direktzahlungen. Das Volk stimmt am 13. Februar 2022 darüber ab» Der neue Verlegerpräsident Masüger rechtfertig es im Interview 13.9.2022 Südostschweiz mit: «Es ist gefährlich für unsere Demokratie, wenn die Menschen vor wichtigen politischen Abstimmungen nicht mehr informiert sind.» Leider sehe ich mich immer weniger informiert (insbesondere international), insbesondere von der Berner Zeitung (die bisher auch meine Kommentare ablehnte). Dafür zahle ich nicht, erst recht nicht noch mehr, so wie es die Abstimmungsvorlagen soufflieren.

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  • am 20.09.2022 um 18:40 Uhr
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    Danke, mutig und wichtig. Ich esse seit 30 Jahren kein Schweinefleisch mehr. Legen sie mal eine Probe in einen Flüssig oder Gaschromatographen, oder machen sie eine toxikologische Breitbanduntersuchung. Als Clembuterol verboten wurde, haben zuvor einige Tierzüchter, um wirtschaftlich überleben zu können, dies vorher gleich an Massen eingekauft, nachdem der Vertreter ihnen kund tat, das es bald nicht mehr erlaubt sei, dieses Mittel zu verkaufen. Noch heute tauchen verbotene Antibiotika auf. Die illegalen Dealer fahren von Hof zu Hof, mit Mund zu Mund Werbung. Die Bauern haben oft keine Wahl, pleite gehen oder mithalten. Siehe Handelsblatt.com und andere Quellen. (Mein Grossvater war Kleinbauer, Imker und Tierzüchter, einer mit Gewissen, darum lohnte sich für ihn die Schafzucht bald nicht mehr.) Die Gesetzgeber haben wohl andere Sorgen, zudem Essen diese wohl edleres Fleisch. Schweinefleisch ist womöglich eher nicht das Fleisch der Wohlhabenden.

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  • am 22.09.2022 um 08:33 Uhr
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    Kennen Sie das Schwein aus den Bilderbüchern. Ich habe da eine Kindheitserinnerung. Die Schweinemutter wäscht das Schweinchen, schäumt es ein und putzt es mit einer Bürste. Sie dreht sich um und schon nimmt das niedliche Schweinchen Anlauf für in eine Pfütze zu springen. Unsere Schweine haben Auslauf und die Normen entsprechen dem Label Naturafarm. Im Sommer wenn es heiss ist, sehen sie auch ziemlich schmutzig aus. Sie suhlen sich gerne im Dreck, obwohl sie Platz hätten für es nicht zu tun. Weiter ist das Schwein ein Herdentier. Das ist ganz normal, das sie dicht liegen, ein Bein über das andere Schwein legen usw.. oftmals hört man sie noch schnarchen. Es liegt selten ein Schwein alleine – die brauchen Körperkontakt.

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    • am 22.09.2022 um 20:03 Uhr
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      @Brigitte Hurni Ich finde das unzoologische Kinderbücher sowie irreführende Vergleiche. Sie behaupten, Schweine suhlen gerne im Dreck. Ich behaupte, Schweine suhlen gerne in der Erde. Aber nicht in Exkrementen (erst recht nicht, wenn sich darunter Betonboden befindet), so wie auf den gesetzeskonformen Fotos, die die Berner Zeitung der Öffentlichkeit nicht zeigen will.
      https://www.vier-pfoten.ch/kampagnen-themen/tiere/schweine/beduerfnisse-des-hausschweines
      Ich bin Mitglied der Kleinbauern-Vereinigung https://www.kleinbauern.ch/
      Sie sind Naturafarm-Bäuerin?

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