Monsanto zahlte Glyphosat-Beurteiler

Urs P. Gasche © Peter Mosimann

Urs P. Gasche /  Drei führende Experten, welche Glyphosat jetzt als nicht krebserregend bewerteten, kassierten viel Geld von Monsanto.

Erst am Montag vermeldete eine neue Studie der WHO und der FAO, dass Glyphosatrückstände in Lebensmitteln doch nicht krebserregend seien. Diese Feststellung kam zu einem sensiblen Zeitpunkt. In dieser Woche entscheidet die EU, ob die Zulassung des Pestizids verlängert wird.
Die neue Studie hat die Fachgruppe «Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues» (JMPR) erstellt.
Wie der Guardian jetzt aufdeckte, standen einzelne bewertende Wissenschaftler in einem massiven Interessenskonflikt. Alain Boobis, der Vorsitzende der Fachgruppe JMPR, die Glyphosat für nicht krebserregend erklärte, sowie der stellvertretende Vorsitzende Angelo Moretto und ein weiteres Mitglied gehören auch dem International Life Sciences Institute (ILSI) an.
Das ILSI wird von der Lebensmittelindustrie finanziert. Das Institut bekam im Jahr 2012 eine Spende über 500‘000 Dollar von Monsanto, dem Hersteller von Glyphosat, und 528‘500 Dollar von «Croplife International». Diese Lobbyorganisation arbeitet unter anderen für Monsanto, Dow, DuPont, Bayer und Syngenta.

Für diesen Beitrag hat Daniela Gschweng die Bearbeitung aus den Englischen übernommen.

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Zum Infosperber-Dossier:

Glyphosat

Der Unkraut-Killer Glyphosat

Das in Landwirtschaft (mit «Roundup-Ready»-Saatgut) und Hobbygärten versprühte Herbizid ist in der Kritik.

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5 Meinungen

  • am 19.05.2016 um 15:29 Uhr
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    Leider sind solche Vorfälle nur die Spitze des Eisberges.

    Auf YT gibt es unzählige Beiträge, welche die Verflechtung von Zulassungsbehörden (bis hin zur WHO), Pharmaindustrie und verschreibenden Ärzten (insbesondere im Bereich Psychopharmaka), darlegen.
    Ein Beispiel von vielen: https://www.youtube.com/watch?v=kWwn6zznwkE

    Den Schaden, den viele in der Bevölkerung erleiden, respektive die Bereicherung von gewissen einzelnen, ist enorm.

    Dass hinter diesen Machenschaften in fast allen Fällen Menschen mit einer «antisozialen Persönlichkeitsstörung» (sog. «white collar psychopahts») im Arbeitsalltag stehen, wird seit geraumer Zeit in den USA, ENG, AUS und insbesondere CAN intensiv erforscht. Im D-Sprachraum tut man sich mit diesem Thema noch schwer.

    Wäre es daher nicht an der Zeit, sich mehr mit diesem Phänomen im Allgemeinen auseinanderzusetzen als immer wiederkehrende Einzelbeispiele, die journalistisch sicher interessant sind, zu nennen?

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  • am 19.05.2016 um 15:38 Uhr
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    Das wäre sehr wünschenswert. Leider haben wir die Mittel nicht dazu. Solche Recherchen sollten m.E. auch StudentInnen und angehende ProfessorInnen der politischen Wissenschaften während der Ausbildung machen können.

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  • am 19.05.2016 um 16:15 Uhr
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    @ Herr Gasche: in der Tat, das wäre sehr begrüssenswert. Besteht dazu überhaupt ansatzweise ein politischer Wille?

    Es sollte doch jeder Mensch sich in diesem Zusammenhang mehr mit den Menschen selber auseinandersetzen. Und das ist nicht primär Aufgabe der Bildungsinstitutionen, sondern eines jeden Individuums.

    Vielleicht würden dann mehr Menschen verstehen, wie es überhaupt dazu kommt, dass Korruption und andere Straftaten (medial) an der Tagesordnung sind. Und das jeden Tag von Neuem.

    Dass die Bildung noch weit davon entfernt ist, legt in der aktuellen NZZ am Sonntag Ausgabe (15.5.2016, S. 18) Monika Bütler (Prof. für VWL an der UniSG) treffend dar: «Die Selektionskriterien und das Notensystem an den schweizerischen Gymnasien verhindern Exzellenz».
    Der Beitrag ist abrufbar unter:http://www.emw-winterthur.ch/newsbeitrag/wie-wir-den-intelligentesten-kindern-die-schule-vermiesen.html

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  • am 20.05.2016 um 10:19 Uhr
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    Für mich ist bei dem Thema «Glyphosat» vor allem die Meinung unserer Politiker wichtig. Deutschland wird sich also bei der Abstimmung enthalten!
    Na, klar, man kann doch unmöglich gegen etwas sein, was aus Amerika kommt.
    Wäre Monsanto in Russland ansässig, hätte Deutschland garantiert gegen eine Verlängerung gestimmt.
    Aber es gibt nun ‹mal zwei Länder gegen die man in D nichts sagen darf, und eines davon ist eben Amerika!

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