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Das Installieren von Solarzellen lohnt sich oft nur, wenn das EW überschüssigen Strom zu einem vernünftigen Preis abkauft. © anatoliy_gleb/Depositphotos

Für Solarstrom vom Dach erhalten die einen dreimal mehr

Urs P. Gasche /  Ausgerechnet im sonnigen Wallis und Tessin behindern Stromfirmen die Installation von Solarzellen auf Dächern, an Balkonen, Wänden.

Wer Strom selber produziert, kann meistens nicht alle Kilowattstunden selber verbrauchen, sondern speist die Überschüsse ins öffentliche Netz ein. Je höher solche Einspeisungen vergütet werden, desto eher lohnen sich für Hausbesitzende Investitionen in Solaranlagen. Die zentralschweizerische CKW sowie die bernische BKW vergüten im laufenden Jahr 2023 mehr als doppelt so viel wie die Stromanbieter im Kanton Zürich und in der Stadt Zürich.

Während allzu langer Zeit waren die Elektrizitätswerke und Stromverteiler äusserst knausrig. Das hat sich in den letzten Jahren zum Guten verändert. Doch ausgerechnet die EWs in den sonnenreichen Wallis und Tessin behindern weiterhin die private Stromproduktion, anstatt sie zu fördern. Die dortigen Einwohner erhalten nicht einmal halb so viel vergütet wie die die meisten Aargauer, Berner und Jurassier. An wenigen Orten (dunkelrot) erhielten die Hausbesitzer im Jahr 2022 weniger als 4 Rappen, also nicht einmal zwanzig Prozent so viel wie die Aargauer, Berner und Jurassier. Das zeigen folgende Grafiken des Verbands unabhängiger Energieerzeuger
Falls die Vergütungen je nach Tageszeit, Wochentag oder Jahreszeit unterschiedlich sind, wird der berechnete Jahresdurchschnitt angezeigt:

Im Jahr 2017 waren die Einspeisevergütungen noch mickrig und schreckten viele Private ab, in Solaranlagen zu investieren.

Einspeisung 2017
Einspeisevergütungen im Jahr 2017. Dunkelgrün = 20 Rappen und mehr pro kWh. Dunkelrot = weniger als 4 Rappen.

Im Jahr 2022 waren die Einspeisevergütungen endlich deutlich höher, doch vielerorts immer noch schäbig

Einspeisung 2022
Einspeisevergütungen im Jahr 2022. Dunkelgrün = 20 Rappen und mehr pro kWh. Dunkelrot = weniger als 4 Rappen.

Im laufenden Jahr 2023 erhöhten etliche Anbieter namentlich in der Westschweiz ihre Vergütungen für privaten Strom. Doch die Vergütungen in den hier noch nicht erfassten, grau gefärbten Gegenden bleiben teilweise stossend tief.

Einspeisung 2023
Angekündigte Einspeisevergütungen im Jahr 2023. Dunkelgrün = 20 Rappen und mehr pro kWh. GRAU = Vergütungen auf den Webseiten noch nicht ersichtlich (betrifft vor allem Anbieter mit niedrigen Vergütungen)

Tarife hängen von den Elektrizitätswerken und Stromverteilern ab

Vorbildliche Vergütungen mit 30 Rappen und mehr pro Kilowattstunde zahlen das Kantonale Elektrizitätswerk Nidwalden, die zentralschweizerische CKW sowie die bernische BKW. Sie zahlen mehr als doppelt so viel wie beispielsweise das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich und die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich. Die angezeigten Stromverkäufer decken zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung ab.

Einspeisung pro EW 2023
Rappen pro KWh. Blau = Vergütung für ins Netz eingespeisten Strom aus Solaranlagen. Grün = zusätzliche Vergütung mit einem Herkunftsnachweis. Grössere Auflösung der Grafik HIER.

Individuelle Suche

➔ HIER (nach unten scrollen und das Jahr 2023 wählen) kann man die Gemeinde oder sein EW eingeben und die Einspeisevergütung am Wohnort nachsehen. Weil die Daten den Webseiten der EWs entnommen sind, werden auch deren Fehler übernommen. Die Methode der Datenerhebung und allfällige Fehlerquellen finden Sie hier

Wer weniger als 100’000 Kilowattstunden verbraucht, darf den Lieferanten des Stroms nicht auswählen, sondern ist vom Stromverkäufer abhängig. Gehört ein EW der Gemeinde oder dem Kanton, kann mit politischem Druck erreicht werden, dass das EW die Einspeisung besser vergütet.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Stromleitungd

Die Politik der Stromkonzerne

Elektrizitätsgesellschaften verdienen am Verkaufen von möglichst viel Strom. Es braucht endlich andere Anreize.

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6 Meinungen

  • am 16.01.2023 um 12:07 Uhr
    Permalink

    Ich wohne im Kanton Nidwalden und profitiere selbst von den hohen Rückspeisepreisen für Photovoltaik. Zur Zeit investiere ich vor allem in die Stromentschwendung im Winter. Sie blenden in ihrem Artikel aus, dass es für Kantone mit hoher Wasserkraftproduktion nicht interssant ist noch mehr Strom im Sommer zu produzieren, da die Schweiz als ganzes in den Sommermonaten, selbst wenn alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden, überschüssgen Strom hat. Dies trifft noch mehr zu, wenn Strom entschwendet wird. Ganz anders sieht es im Winter aus. Im Kanton Nidwalden wird das bestehende Hozkraftwerk in Stans ausgeschaltet. Soweit ich weiss, hat das EW Nidwwalden sich nie bemüht gezielt Winterstrom zu produzieren mit Biomasse. Die tiefen Strompreise in NW führen dazu, dass sehr viel Stromverschwendet wird. Das bisschen Photovoltaiksubvention spiel keine Rolle hilft aber das Image des EW zu verbessern. Wieso sie dies Spiel mitmachen verstehe ich nicht. Mit nachhaltigen Grüssen

    1
  • am 16.01.2023 um 12:27 Uhr
    Permalink

    Die Solarstrom-Rückliefertarife sind unbestreitbar ein wesentlicher Faktor für die Rentabilität einer privaten Photovoltaikanlage über ca. 30 Jahre und sie stellen einen direkten Anreiz zur privaten Investition dar.

    Die staatlichen Subventionen für Private betragen maximal ein Drittel der Investition – bei einer Grossanlage eines Stromkonzerns aber 60%, ganz nach dem bewährten Prinzip «wer hat, dem wird gegeben».

    Es gibt aber (leider nur für Hausbesitzer und nicht für Mieter – warum nicht?) einen legalen Weg, um jede private Photovoltaikanlage ab Start deutlich lukrativer zu machen!
    Es ist praktisch mehrfach erprobt.

    https://docs.google.com/document/d/15Za0O1ifgOsj5_CLa86-ICKfd4ZGy4G75e2tvWmtMHM/edit

    2
  • am 16.01.2023 um 20:26 Uhr
    Permalink

    Infosperber auf Abwegen. Warum? Wir kennen die Tatsachen: Kein Sonnenstrom in der Nacht, fast kein Sonnenstrom im Winter (genau dann wenn wir ihn bräuchten), wenig Sonnenstrom bei schlechtem Wetter. Dazu die Flatterstromproblematik. Gegen diese Tatsachen die ewige Leier der Solarstrombefürworter. Da hilft keine noch so hohe KWh-Vergütung für Strom, der nur dann anfällt, wenn wir eh weniger Bedarf haben (im Sommer).

    6
  • Portrait_Josef_Hunkeler
    am 17.01.2023 um 20:24 Uhr
    Permalink

    Ich wurde verschiedentlich eingeladen mein «2.Säule»-Kapital in Solaranlagen zu investieren. Das Hauptargument der Anbieter war aber immer das Niveau der erwarteten Subventionen.

    Als Ökonom würde ich erwarten, dass «ökologische Vernunft» auch » rentabel sein kann.

    Meine Investitionen in der CH-Solarindustrie scheinen diese Ansicht zu bestätigen.

    5
    • am 18.01.2023 um 17:40 Uhr
      Permalink

      Wenn ich Sie recht verstehe, rentieren Ihre Solarinvestitionen aus den dem Bürger verordneten Subventionen heraus?

      1

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