ENSI: «Kernkraftwerke sind [mit Flugzeugen] zerstörbar»

Urs P. Gasche © Peter Mosimann

Urs P. Gasche /  Gösgen und Leibstadt seien «voll geschützt», sagte das ENSI früher. Doch jetzt droht den AKWs doch eine Terroristen-Katastrophe.

Dem «Saldo» sei Dank. Das Konsumentenmagazin berief sich auf das Öffentlichkeitsgesetz und wollte Einsicht in neue Sicherheitsberichte der AKW-Betreiber. Die Aufsichtsbehörde ENSI lehnte das Gesuch ab, doch sie willigte bei einer Schlichtung vor dem Öffentlichkeitsbeauftragten ein, in Form eines selbst fabrizierten «Interviews» mit dem stellvertretenden ENSI-Direktor Georg Schwarz, Leiter Aufsichtsbereich Kernkraftwerk, eine Einschätzung aufgrund der neuen Sicherheitsberichte zu veröffentlichen. In diesem neu aufgeschalteten Interview erklärt jetzt das ENSI aufgrund von Simulationen mit neuen neuer Flugzeugen und neuer Navigationstechnik:

«Die Kernkraftwere sind nicht unzerstörbar.»
Das heisst in besserem Deutsch:
«Die Kernkraftwerke sind [mit Flugzeugen] zerstörbar.»

Welches die Voraussetzungen sind, damit Terroristen mit einer gezielt geflogenen Maschine ein AKW zerstören können, gibt das ENSI nicht bekannt. Terroristen sollen keine Anleitung dafür erhalten.

Die Aufsichtsbehörde informiert jetzt wenigstens darüber, dass die Analysen am Flugsimulator mit Flugzeugtypen aus acht Grössenklassen durchgeführt wurden – von Turboprop-Maschinen wie dem Saab 2000 bis zu Supergrossraumflugzeugen wie dem Airbus A380.

Allerdings gibt das ENSI nicht bekannt, wie hoch die Behörde das Risiko eines erfolgreichen Angriffs auf ein AKW einschätzt. Der ganze Abschnitt im «Interview» lautet wie folgt:

«Abgesehen von militärischen Festungen gehören die KKW sicher zu den robustesten Gebäuden der Schweiz. Die Nachrüstungen und Erweiterungen der Notfallmassnahmen, die seit den letzten Analysen zum vorsätzlichen Flugzeugabsturz vorgenommen wurden, haben diesen Schutzgrad weiter erhöht. Trotzdem sind die KKW nicht unzerstörbar.
Insgesamt beurteilen wir jedoch auch nach der Aktualisierung der Studien zum vorsätzlichen Flugzeugabsturz den Schutz der Schweizer KKW insbesondere aufgrund der seit 9/11 national und international massiv verschärften Massnahmen gegen Flugzeugentführungen sowie der sehr robusten sicherheitstechnischen Auslegung der Werke als gut.»

Es fragt sich, ob «gut» gut genug ist und «ausgezeichnet» nicht besser wäre.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Weiterführende Informationen

Zum Infosperber-Dossier:

Ensi

Atomaufsichtsbehörde Ensi

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi entscheidet darüber, ob AKWs noch sicher genug sind.

1920px-AKW_Leibstadt_CH

Die Sicherheit Schweizer AKWs

Nach einer Katastrophe drohen Krankheiten oder Tod. Und Gebäude- und Hausratversicherungen zahlen keinen Rappen.

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8 Meinungen

  • am 29.09.2021 um 11:17 Uhr
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    Alles auf der Erde ist zerstörbar.
    Wenn aber AL-Qaida in Pakistan an die Atombombe kommt, und sie sind nahe dran, ist das viel gefährlicher.
    Auf der ganzen Erde sind die AKWs grösseren Gefahren ausgestzt, als in der Schweiz.
    Wenn wir die AKWs in der CH abstellen, werden wir uns damit noch abhängiger machen.
    Wenn ein Vulkan explodiert, werden die Solarkollektoren u.U. für Jahre weltweit nur noch ein Bruchteil der deklarierten Leistung erbringen können.
    Das ist meine Meinung.

    3
  • am 29.09.2021 um 11:20 Uhr
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    «Restrisiko» fehlt mir noch in der Antwort des ENSI… Getrauen die sich nicht?

    0
  • am 29.09.2021 um 12:26 Uhr
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    Neben Flugzeugabstürzen sind noch beliebig viele Möglichkeiten denkbar um das radioaktive Inventar von AKW’s freizusetzen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. – Solange die Kernkraftwerke am Netz sind, spielen solche Überlegungen keine Rolle. – Das alternative Szenario wird aber kaum erwähnt: Eine Schweiz ohne Kernkraft, sagen wir ab 2022, ohne Ersatz durch Importe und ohne fiktive alternative Energieträger. Dazu sähe ich gerne eine Studie.

    0
  • am 29.09.2021 um 15:13 Uhr
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    Es wäre definitiv einfacher und billiger, das Bundeshaus in die Luft zu jagen. Mani Matter meinte dazu vor Jahren «es gnüged e paar Säck Dynamit.»

    Immerhin haben wir eine Luftwaffe die uns, das WEF in Davos, und die Interessen von ein paar Investoren schützen kann.

    Vor etwa bald 30 Jahren hatte ich das Szenario einer grossen Versicherung auf dem Tisch. Was passiert, wenn ein Grossraumflugzeug, kurz nach dem Start auf ein Stadtzentrum abstürzt ? Ist so etwas versicherungsmässig abzudecken ? Müsste man nicht die Prämien präventiv erhöhen ?

    Das war einiges vor 9/11. Aber nicht weniger realistisch. Inklusiv von Sekundärfeuern, welche durch auslaufendes Kerosen in Abwasserkanälen über weite Quartiere einer Stadt verbreitet werden könnten.

    Ich hatte einiges an Verständnis für das Bedürfnis der Versicherung, adäquate Reserven aufzubauen… Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis erschien damals allerdings eher gering, so dass ich gegen einen Blankocheck für Reservenerhöhung votierte.

    1
  • am 30.09.2021 um 10:46 Uhr
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    ad Hunkeler: Ja, so ist es. Die Menschheit begrüsst stets unbedenklich technische Erfindungen um dann hinterher festzustellen, dass sie eben nicht die versprochene Wiedererlangung des Paradieses bedeuten – sondern im Gegenteil die Aussicht auf die Hölle sichtbar machen. Kann man in der 5’000 Jahre alten Bibel nachlesen, u.a. das Gleichnis des Turms von Babel… PS. Ich bin Atheist!

    0
  • am 30.09.2021 um 10:47 Uhr
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    Ich war selber persönlich, mit einem Pilot, beim ENSI im Jahr 2014 bei der ehemaligen ENSI Rat Präsidentin Frau Dr. Anne Eckardt.
    Es wurde uns ganz klar gesagt, dass ein A380 oder eine Antonov 225 bei einem direktem Aufprall mit 700 km auf z.B. den Reaktor von Beznau zu einem Super GAU führen würde. Nur das AKW Flamville 3 EPR könnte so einen Aufprall aushalten, dies ist aber immer noch nicht im Betrieb. Alle alten AKW sind nicht auf solche Flugzeugangriffe ausgelegt.
    Alle AKW sind einfach auf Googel Map auf 1 Meter genau eingezeichnet und jeder Pilot kann dies eingeben in seine Flug Navi.
    Nun ist aber alles Geheim und es gibt keine weitere Auskunft mehr vom ENSI oder dem Bundesrat. Wir haben zu viele Antworten erhalten und jetzt ist alles geheim, aber das grosse Risiko bleibt bestehen und die Welt wird ja nicht sicherer auch nicht mit Corona.

    0
  • am 3.10.2021 um 16:04 Uhr
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    Wir kommen nicht drum herum die alten AKWs zu erneuern.
    Wenn man diese tief in den Alpen platziert, ist die Gefahr von Aussen vollständig eliminiert.

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