Tesla Touchscreen Cockpit

Im Cockpit des Tesla Model 3 ist kaum ein Knopf oder eine Taste übrig geblieben. © ADAC

Zurück zum Tastsinn: China will wieder Autos mit Schaltern

Esther Diener-Morscher /  Geplant ist eine neue Vorschrift: In Auto-Cockpits sollen nur richtige Knöpfe und Schalter erlaubt sein – wegen der Sicherheit.

Chinas Verkehrsexperten haben ein zunehmendes Sicherheitsproblem in modernen Autos erkannt: In den neuen Modellen vieler Hersteller gibt es kaum noch Knöpfe, sondern nur noch Bildschirme, deren Bedienung viel Aufmerksamkeit bindet.

Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie will nun Gegensteuer geben: Autos, die in China verkauft werden, müssen wieder echte Schalter und Tasten in ihren Cockpits haben. Geplant ist diese Vorschrift für die Gangwahl, die Blinker, die Warnblinker, die Fensterheber und für Notrufe. Die Bedientasten müssen mindestens einen Quadratzentimeter gross sein. Die Vorgabe soll ab 1. Juli 2027 für neu hergestellte Fahrzeuge gelten, wie der «Spiegel» schreibt.

Auch in Europa stehen die Touchdisplays, die immer mehr Knöpfe und Tasten ersetzen, in der Kritik. «Mit der Bedienung via Bildschirm ist man nicht nur visuell und haptisch, sondern auch mental abgelenkt», sagte Christoph Lauterwasser, Verkehrssicherheitsexperte des Allianz-Zentrums für Technik (AZT), in einem Interview mit der «Automobil-Revue».

«Zu 100 Prozent abgelenkt»

Er findet, dass sich wichtige Funktionen im Auto intuitiv mit dem Tastsinn bedienen lassen müssen. Und deshalb fordert er für Blinker, Scheibenwischer oder Licht wieder Knöpfe, die sich sofort betätigen lassen. Auf dem Bildschirm müssen die Funktionen zuerst aus einem Menü ausgewählt werden. Oft erscheinen dann lange Listen zum Hinunterscrollen. «Man ist zu 100 Prozent nicht mehr mit dem Verkehrsgeschehen beschäftigt», stellte Lauterwasser fest.

Auch beim Bundesamt für Strassen (Astra) ist man der Meinung, dass «Bedienkonzepte, die zentrale Funktionen ausschliesslich über menügeführte oder verschachtelte Touchscreen-Lösungen zugänglich machen», ablenken und überfordern können, wie Astra-Sprecher Thomas Rohrbach dem Infosperber schreibt.

Die Schweiz wird aber keine eigenen Vorschriften für Knöpfe im Cockpit einführen. Sie darf wegen der bilateralen Abkommen keine zusätzlichen technischen Anforderungen für die Zulassung in der Schweiz stellen, wenn Fahrzeuge eine EU-Gesamtgenehmigung haben.

Europa setzt auf Noten statt Verbote

Die Schweiz muss also abwarten, was die EU macht. Immerhin vergibt das Europäische Neuwagen-Bewertungs-Programm (Euro-NCAP), das die Sicherheit von Neuwagen bisher mittels Crashtests bewertet hat, seit Anfang Jahr nur noch dann die Höchstbewertung, wenn bestimmte Funktionen über eine Taste oder einen Schalter gesteuert werden können.

«Solche Anreizsysteme können Hersteller dazu bewegen, ergonomische und sicherheitsorientierte Lösungen verstärkt zu berücksichtigen», erklärt Thomas Rohrbach.

Auch Verbot für versenkbare Türgriffe und Joch-Lenkräder

China will Autos auch mit weiteren Vorschriften sicherer machen. So dürfen in China verkaufte Autos keine versenkbaren Türgriffe mehr haben. Diese modernen Griffe sorgen zwar für ein windschlüpfriges Design. Aber bei Unfällen kann der Öffnungsmechanismus ausfallen und dadurch zu lebensgefährlichen Situationen führen. Der US-Hersteller Tesla baut Autos mit versenkbaren Türgriffen. Einige chinesische Hersteller haben das übernommen.

Tesla
Windschlüpfriges Design – aber im Notfall lebensgefährlich: Versenkbare Türgriffe bei einem Tesla.

Auch die U-förmigen Joch-Lenkräder ohne oberen Rand, die Tesla populär gemacht hat, sollen verboten werden. In engen Kurven kann es vorkommen, dass Fahrer ins Leere greifen, weil der obere Teil fehlt.

Tesla Joch-Lenkrad
Gefährlich in engen Kurven: Das futuristische Joch-Lenkrad im Tesla.

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