Das Feilschen macht die Bahnen nicht billiger

Hanspeter Guggenbühl ©

Hanspeter Guggenbühl /  Der Preisüberwacher bremst die Tariferhöhung. Der «Spareffekt» aber bleibt eine Illusion.

Das Prozedere wiederholt sich: Die Bahnen beantragen eine Tariferhöhung, um ihre steigenden Kosten zu decken. Die Lobby der Bahnbenutzer protestiert. Der Preisüberwacher interveniert. Daraus entsteht jeweils ein Kompromiss, der die einen etwas weniger unzufrieden zurück lässt als die andern.
Im aktuellen Fall erscheint der Preisüberwacher als Sieger: Die Bahntarife erhöhen sich nächstes Jahr im Schnitt nur um 2,3 statt 2,9 Prozent, weil der beantragte Aufschlag für das Halbtax-Abo und die 9-Uhr-Karte jetzt wegfällt. Zudem müssen die Bahnen ihr Kontingent für Rabatt-Billette verdoppeln, mit denen sie Kunden schon jetzt in schlecht ausgelastete Züge locken. «Kumuliert» ergebe das einen «Spareffekt» von 48 Millionen Franken, lobte sich gestern Preisüberwacher Stefan Meierhans. Allerdings dürften die Bahnfahrenden einen Teil dieses «Spareffekts» wieder preisgeben, sei es durch zusätzliche Bahnreisen oder durch bürokratischen Aufwand, den der Bezug der Rabatt-Billette nach sich zieht.
Der wiederkehrende Tarif-Basar macht das Bahnfahren jedenfalls nicht billiger. Er entscheidet nur, wer wie viel daran bezahlt. Heute decken die Benutzer mit ihren Abo- und Billettpreisen knapp die Hälfte aller Bahnkosten, zeigt die Eisenbahnrechnung. Die andere Hälfte zahlen die Steuerzahler; dies im Form von Infrastrukturbeiträgen und allerlei Abgeltungen. Das verletzt zwar das Verursacherprinzip, doch Parlament und Volk haben diese Verletzung in vielen Abstimmungen demokratisch gestützt. An dieser Verteilung der Bahnkosten ändert das wiederkehrende Feilschen um die Tarife somit nur wenig.


Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Zum Infosperber-Dossier:

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Auto oder Bahn: Wer zahlt Defizite?

Wer subventioniert wen und wieviel? Kann oder soll man Pendler zur Kasse bitten?

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2 Meinungen

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    am 9. Aug 2014 um 08:22 Uhr
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    Wir müssten zurück (oder vorwärts) zur Kostenwahrheit. Sobald wir in den Zug oder ins Auto steigen, werden wir Subventionsempfänger. Beim wohnen ist das ganz anders, da herrscht der Markt und obendrein gibt es viele Gebühren und den Eigenmietwert als steuerbares Virtualeinkommen. Wir könnten doch auf alle Fahzeuge einen «Eigenfahrwert» einführen….
    Weshalb denn wird die Mobilität überhaupt subventioniert? Diese Subventionen bedeuten einen Eingriff in den Markt zum Nachteil aller kleinräumigen Strukturen, die Agglomerationen schwellen und die Dörfen werden zu Schlafdörfern. Dörflisterben durch Mobilitätssubventionen!!!

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    am 9. Aug 2014 um 21:21 Uhr
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    Die SBB und die Post als Betreiber der Postautos haben es als Monopolbetriebe sehr einfach. Sie geben angebliche Kostensteigerungen einfach an die Kunden und/oder Steuerzahler weiter. Die Frage der betrieblichen Effizienz stellen sie sich nicht, denn als Monopolbetriebe haben sie das natürlich nicht nötig. Jeder Besuch eines SBB-Schalters bestätigt das. Entweder zu wenig Schalter geöffnet, weil es zu viele Kunden hat oder zu viele Schalter geöffnet, weil es kaum Kunden hat.

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