SWAP SHOP Prague

Tauschen statt Kaufen: Ein innovativer Beitrag zur Reduktion des Kaufrausches in unserer neoliberal gesteuerten Konsumgesellschaft. © Prague Daily Monitor

Prag: Mit einem Tauschladen gegen die Konsumgesellschaft

Christian Müller /  Wir alle kennen das: Kleider im Schrank, die wir lange nicht mehr getragen haben, die aber noch zu gut sind, weggeworfen zu werden.

Prag, die schönste Stadt nördlich der Alpen, wie viele wissen. Oder davon gehört haben und jetzt hinreisen – zu Zehntausenden. Prag hat allerdings nicht nur den Wenzelsplatz, die Altstadt, die Karlsbrücke, die Kleine Seite und das Schloss, wie es die meisten Touristen es zu Gesicht bekommen. Es gibt auch, noch etwas weiter nördlich, den Stadtteil Prag 7, Holešovice, mit einem eigenen Hafen an der Moldau – und auch mit neuen, eigenen Ideen. Seit kurzem zum Beispiel gibt es in Holešovice einen neuen, ganz besonderen Laden, wie «Prague Daily Monitor» meldet. «Sein unkonventioneller Ansatz für den Verkauf von Waren könnte viele ansprechen, denn das Konzept dieses Einkaufserlebnisses dreht sich darum, dass man für seine Einkäufe kein Geld ausgeben muss, ausser einer kleinen Eintrittsgebühr zur Finanzierung des Projekts. Der Grund dafür ist, dass dieser Laden ein Swap Shop ist», ein Tauschladen. «Die Kunden bringen ihre gebrauchte Kleidung, Elektronik oder Küchengeräte mit. Im Gegenzug können sie die Sachen von jemand anderem mit nach Hause nehmen. Manche Leute kommen sogar mit leeren Händen in den Laden und bieten im Gegenzug nur ihre Dienste an.»

«Ich habe ein paar Kleidungsstücke und einige Haushaltsgegenstände mitgebracht. Im Gegenzug habe ich ein Stück Porzellan, Schuhe für meinen Mann, einen Schal für meinen Vater und ein Kleid für mich mitgenommen», zitiert «Prague Daily Monitor» eine Besucherin des Holešovice-Tauschladens.

Für einmal nicht profitorientiert, im Gegenteil

Ziel dieses Ladens ist es, den unsinnigen Konsum unserer Gesellschaft zu verringern, indem die Wiederverwertung gebrauchter, aber noch brauchbarer Gegenstände noch mehr als nur mit den traditionellen Second-Hand-Shops erleichtert wird. «Manche spenden ihre Sachen auch einfach ohne Gegenleistung, andere nehmen einfach etwas mit, ohne etwas mitzubringen», schreibt der «Prague Daily Monitor». Nach Ansicht der Organisatoren sei auch das in Ordnung. «Solange die Gegenstände ein neues Zuhause finden und nicht in der Mülltonne landen, betrachten die Organisatoren des Tauschladens ihre Arbeit als Erfolg».

Die Idee dieses Tauschladens darf gut beobachtet und auch in anderen Städten Europas kopiert werden.


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Zum Autor Christian Müller deutsch und englisch.
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4 Meinungen

  • am 20.09.2021 um 10:48 Uhr
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    ‹Die Idee dieses Tauschladens darf gut beobachtet und auch in anderen Städten Europas kopiert werden.›
    … und wenn es 1000x gelingt spart es die Ressourcen für einen touristischen Ausflug ins All. Ein richtig effizientes Unternehmen. Engagement ist gut, aber gepaart mit einem physikalisch darstellbaren Wirkungsgrad wäre es besser.

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  • am 20.09.2021 um 11:53 Uhr
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    Bei mir sieht das etwas anders aus. Da ich keinem Style folge, kaufe ich häufig im Brocki und trage das Zeug bis ich es nicht mehr flicken kann.

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  • am 20.09.2021 um 13:13 Uhr
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    Gibt es schon in etlichen Schweizer Städten. Zürich, Uster, Winterthur, Basel, Bern sind mit persönlich bekannt aber sicher nicht die einzigen. Ebenso wie verschiedene Repaircafés. Unter den Stichwort Transition cities / transition towns findet man viele Infos zu solchen Ansätzen. Vorherige Recherche wäre vielleicht auch mal noch was ;-))

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  • am 20.09.2021 um 16:56 Uhr
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    Schön, dass auch dies hier Raum findet. Durfte am 15.12.2013 bei der Eröffnung des «Kostnix-Ladens» in Cottbus (Brandenburg) dabei sein der ein ähnliches Konzept verfolgt. Mit Hilfe von kleinen Spenden, welche auch vor Ort getätigt werden, können die Initianten und deren Nachfolger bis heute Mietzins und Stromkosten decken. Zwei Nähmaschinen welche hier niemand haben wollte, jedoch noch voll funktionsfähig waren, fanden vor Ort sofort neue Besitzer, die nun anderen helfen, Kleider zu reparieren oder auch Baby – bzw. Kinderkleider nähen, etc. Zudem, stellen diese Läden auch eine Form der Hilfe zur Selbsthilfe dar.

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