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Russlands Präsident © kremlin.ru

Putin – Der Mann von gestern

Robert Ruoff /  Putins Politik ist innen- und aussenpolitisch ein Rückfall in die totalitäre Vergangenheit Russlands. Eine «Arte»-Serie zeigt das.

Wieder einmal erwirbt sich «arte» mit seinem Programm Verdienste. Genau gesagt: mit einem sehr sicheren Griff in das Archiv. «Adieu Camarades» – «Lebt wohl, Genossen!» –, erlaubt uns nicht nur einen bildungsbürgerlichen Blick in die jüngste Vergangenheit. Der renommierte «Grimme-Preis», den die Fernsehproduktion 2013 erhielt, zeichnet auch noch andere Qualitäten aus.

Die sechsteilige Serie beleuchtet nicht nur die Geschichte. Sie wirft auch ein wirklich erhellendes Licht auf die Gegenwart. Dabei ist die Dokfilm-Reihe über das Ende und den Zerfall der Sowjetunion auch noch sehr schön und knapp gestaltet. Drei Folgen sind schon gelaufen, drei weitere folgen am Dienstag, 12. August, ab 22 Uhr. Sie arbeiten mit comicartigen Einschüben, mit dem Blick von unten und von oben, von damals jugendlichen Betroffenen aller Schichten genauso wie von Insidern des Machtapparats: Leonid Breschnews Ghostwriter oder Michail Gorbatschows Berater und Sprecher. Für einmal bewährt sich das französische Konzept der vielen sprechenden Köpfe, denn sie erzählen die grosse Geschichte in vielen kleinen Geschichten.

Es ist die Geschichte, mit der Russlands Präsident Wladimir Putin sich noch heute herumschlägt.

Geschichte, nicht gezielte Auswahl

Die Geschichte Russlands sei eine Geschichte der Demütigungen, wollen uns seit einigen Monaten manche weismachen, aus welchen Gründen auch immer. Dabei erzählen sie uns nur von den Gebietsverlusten, die Russland im Wechselspiel mit seiner imperialen Ausdehnung zur slawischen Grossmacht erlebt hat. Sie erzählen vielleicht vom Vorstoss Napoleons bis nach Moskau oder vom Überfall Hitlers auf die Sowjetunion. Und sie erzählen vom Verlust des Sowjetreichs, also der imperialen Kontrolle über fremde Völker und Staaten.

Sie erzählen gewiss nicht davon, dass bis um 1650 das polnisch-litauische Königreich bis vor die Tore Moskaus reichte. Sie erzählen uns demnach auch nicht von der kriegerischen Ausdehnung des zaristischen Russland vom Moskauer Grossfürstentum bis hinauf an die Ostsee (Baltikum) und hinunter ans Schwarze Meer (Ukraine). Sie erzählen uns nicht davon, dass das Khanat der Krim-Tataren bis 1783 zum Osmanischen Reich gehörte und erst vom Grossfürsten Potjomkin für die deutschstämmige Zarin Katharina die Grosse besetzt und zum russischen Reich geschlagen wurde. Und sie erzählen schon gar nicht von der mehrfachen Aufteilung Polens bis zur völligen staatlichen Auslöschung, zuletzt im sogenannten Hitler-Stalin-Pakt von 1939. Hitlers Deutschland und Stalins Sowjetunion teilten nicht nur Polen und das Baltikum untereinander auf. Sie vereinbarten auch den Austausch seiner deutschen, weissrussischen und ukrainischen (damals: südpolnischen) Bevölkerung (Man nennt diese besonders bei Stalin beliebte Methode «Deportation»). Bis Hitler dann, im Juni 1941, den Nichtangriffspakt auf den Müllhaufen der Geschichte warf und die Sowjetunion überfiel. Erst damit begann für Russland der schreckliche «Grosse Vaterländische Krieg» mit seinen Millionen Toten.

Die Reihe der Tragödien

Manche einigermassen unbedarften Kommentare zum gegenwärtigen Konflikt in der Ukraine und zum dringenden Wunsch der mitteleuropäischen Staaten nach Zugehörigkeit zu EU und Nato hätten sich bei einiger Kenntnis der Geschichte wohl erübrigt. Die Geschichte (Mittel- und Ost-)Europas ist unter anderem eine Aneinanderreihung von Kriegen, Triumphen und Tragödien, in der sich, mit wenigen Ausnahmen, die einfachen Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen verbieten – schon gar als Rechtfertigungen neuer Gewalt.

Wer von «Demütigung» spricht, müsste von wechselseitiger Demütigung sprechen. Alles andere ist gezielte Auswahl. Geschichtsklitterung.

Aber die Erinnerung an die Geschehnisse ist wichtig. Denn diese Geschichte reicht ja bis in die jüngste Gegenwart, von der die «Arte»-Serie über den Zerfall und das Ende der Sowjetunion berichtet. Von dieser Geschichte erzählen nochmals an diesem Dienstag (Arte, 12. August, 22 Uhr) die Zeitzeugen des Geschehens, in der Regie des Autors, Philosophen und Putin-Kritikers Andrei Nekrasov (Der Fall Litwinenko).

Hatten Hitler und Stalin Polen entlang der Weichsel geteilt, so gaben am Ende des Zweiten Weltkriegs (1945) die West-Alliierten Mittel- und Osteuropa von der Elbe an in die Hände Stalins. Die Befreiung von Nazi-Deutschland ging nahtlos über in die totalitäre Herrschaft aus Sowjetrussland. Von Berlin (Ost) bis Kiew wurde die kommunistische Parteidiktatur etabliert.

Die Breschnew-Doktrin

Und jeder Widerstand wurde mit massiver Militärmacht unterdrückt, niedergeschlagen, niedergeschossen. In Berlin und Ostdeutschland, 1952, sorgten 16 sowjetische Divisionen mit etwa 20’000 Soldaten für Ruhe. In Ungarn, 1956, liess die Regierung in eine friedliche Studentendemonstration schiessen, und die Sowjetarmee kämpfte während Monaten den Aufstand nieder. Ungarn wurde wieder in den Warschauer Pakt gezwungen. Zwölf Jahre später, 1968 in der Tschechoslowakei, erledigten die Truppen des Warschauer Pakts das Projekt des «Sozialismus mit menschlichem Antlitz». Und in Polen verhinderte 1981 das Militär den demokratischen Erfolg der Gewerkschaft «Solidarnosc», während die russischen Truppen an der Grenze bereit standen. Die polnische kommunistische Partei mit General Jaruzelski an der Spitze zog eine landeseigene Militärdiktatur dem Einmarsch der Sowjettruppen vor.

Denn Leonid Breschnew, von 1966 bis 1982 Generalsekretär und Staatschef der Sowjetunion, hatte bereits im November 1968 – nach dem Einmarsch in die Tschechoslowakei – die Doktrin von der begrenzten Souveränität der sozialistischen Staaten verkündet. Wenn in einem dieser Staaten der Sozialismus bedroht würde, hätte Moskau das Recht, einzugreifen.
Es wäre gewiss unangemessen, Russland einfach als imperiale Macht zu zeichnen. Aber der imperiale Anspruch ist Teil von Russlands Geschichte. In den Jahrhunderte langen Kämpfen um die Grenzen der Herrschaftsgebiete in Europa haben die Herrinnen und Herren Russlands die Rechte und die Souveränität ihrer Nachbarn nur soweit respektiert, wie es ihre Interessen und die realen Machtverhältnisse geboten.

Versuch der Versöhnung

Erst Michail Gorbatschow, von 1985 bis 1991 Generalsekretär und Staatspräsident der Sowjetunion, löste sich von dieser imperialistischen Geschichte. Schon bei seiner Pressekonferenz nach dem Gipfeltreffen mit US-Präsident Ronald Reagan 1985 in Genf kündigte er eine neue Europa- und Weltpolitik an, und 1988 distanzierte er sich nochmals offiziell von der Breschnew Doktrin. Damit war der Weg frei für den Erfolg der Bürgerrechtsbewegungen in Mitteleuropa, von Berlin bis Budapest und Bukarest, und für eine zukunftsorientierte Politik.

Wladimir Putin hingegen ist, in der Nachfolge von Boris Jelzin, zurückgekehrt zur alten, imperialen Politik Russlands. Es begann mit seinem rücksichtlosen Eingreifen in Tschetschenien und ging weiter mit den militärischen Vorstössen in Georgien und der Besetzung Transnistriens bis hin zur Verletzung des Völkerrechts durch die Annexion der Krim und der Unterstützung der Separatisten im Südosten der Ukraine.

Der Mann von gestern

Mit dieser Politik ist Putin ein Mann von gestern. Er kehrt zurück zur zentralistischen Lenkung des Staates und zu einer religiös-nationalistischen Propaganda der Grösse Russlands und seiner Heiligen Erde – die «russische» Krim war immerhin rund 400 Jahre lang «osmanisch» und «tatarisch». Er teilt offenbar die Ängste des früheren KGB-Chefs Juri Andropov (1967 – 1982) der sich als Partei- und Staatschef (1982/83) von der Angst vor der Ausbreitung des Islamismus leiten liess. Putin teilt offenbar diese Furcht vor der Selbständigkeit islamischer Nachbarn wie Tschetschenien. Er fürchtet offenkundig – bei allem Bemühen um wirtschaftlich-politische Zusammenarbeit mit dem «Westen» – die Nähe der EU und der Nato zu den russischen Grenzen und die Attraktivität des wirtschaftlichen Wohlstands und des Rechts auf freie Meinungsäusserung bei einer Mehrheit der Bevölkerung in Nachbarstaaten wie der Ukraine.

Gewiss gaben Ronald Reagans «Krieg der Sterne», die geplante Raketenabwehr der Nato in Europa und der Triumph über den «Sieg des Kapitalismus» nach dem Zerfall der Sowjetunion Grund zur Sorge.

Aber Wladimir Putin weiss darauf keine andere Antwort als das alte Machtspiel der russischen Herrscher. Mit wirtschaftlichen Mitteln, wie dem wiederholten Gaskrieg gegen die Ukraine. Mit militärischen Mitteln gegen schwächere Nachbarn wie Moldawien und Georgien und die Ukraine. Nach dem Motto des Erlkönigs, der das Kind umbringt, das er nicht besitzen kann: «Und bist Du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.»

Diese schiere Machtpolitik – eine Politik von gestern – schürt bei den Nachbarn die Ängste aus der Geschichte, die so weit nicht zurück liegt. Die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland haben ihre Unabhängigkeit von Sowjetrussland vor 24 Jahren mühsam gegen Drohungen durchgesetzt, und vor gerade mal 20 Jahren haben die Präsidenten Russlands, Boris Jelzin, und der USA, Bill Clinton im trilateralen Abkommen mit Leonid Krawtschuk der Ukraine die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität zugesichert…

Diese einfachen, grundlegenden Fakten gehen in mancher aufgeregten Diskussion und ideologisch aufgeladenen Parteinahme nur zu gerne vergessen.

(wird fortgesetzt mit: Das grosse Missverständnis: Helsinki 1975)

Lebt wohl Genossen (4 – 6). Arte, 12. August 2014, 22 Uhr


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Der Autor hatte die Chance, die Geschichte von Berlin aus in den Nachbarstaaten und als Fernsehjournalist die Perestroika, KSZE und die Gipfeltreffen zwischen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow zu verfolgen.

Zum Infosperber-Dossier:

Putin_FlorisLooijesteijn_DSC01202_cc

Der Umgang mit Putins Russland

Russland zwischen Europa, USA und China. Berechtigte Kritik und viele Vorurteile.

Ukraine_Sprachen

Die Ukraine zwischen Ost und West

Die Ukraine ist sprachlich und kulturell ein geteiltes Land. Die Interessen klaffen weit auseinander.

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53 Meinungen

  • am 11.08.2014 um 11:56 Uhr
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    Richtig – Putin ein Mann von gestern, genaus so wie Obama und die übrigen Monster…

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  • am 11.08.2014 um 12:34 Uhr
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    Ein sehr einseitiger Bericht. Die baltischen Staaten sollen ihre Unabhängigkeit von Russland müham erkämpft haben. Das stimmt schlicht nicht. Sie ist Ihnen durch den alkoholsüchtigen Jelzin buchstäblich in den Schoss gefallen. Dann kam es entgegen den Ansprachen zum NATO-Beitritt. Dabei verstossen die Regierungen dieser Länder gegen fundamentale
    Menschenrechte: ein guter Teil der russischen Minderheit. hat keine..politischen Rechte

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  • am 11.08.2014 um 13:02 Uhr
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    Obwohl eine Readers Digest-Fassung der Geschichte besser ist als nichts, mit «Putinkritiker» als vertrauenswürdigem Experten, wäre es von Vorteil, sich in dieser Sache auf Bücher und Quellen abzustützen statt auf Fernsehserien, so wie «Holocaust» halt nun mal eine Fernsehserie war, nicht zu vergleichen mit wirklicher Forschung über das Geschehen. Ein noch interessanter Beitrag über Putins derzeitige Politik, einschliesslich Vergangenheitspolitik, war der Beitrag in der NZZ vom vergangenen Samstag betr. die Säuberung des GULAG-Museums in Perm. Ganz offensichtlich will Putin keine politische Instrumentalisierung dieser Vergangenheit zuungunsten Russlands, wenngleich nicht in dem selben Ausmass, wie China seine Vergangenheit durch ein Orwellsches Wahrheitsministerium verwaltet. Wahrscheinlich hätte Putin-Freund Solchenizyn, der den GULAG allgemein bekannt machte, sich auch gegen westliche Instrumentalisierung gewandt, aber sicher nicht Verdrängung begrüsst, was sich jetzt abzeichnet. @Putin und Obama sind keine Monster, sondern handeln systemimmanent rational und insofern berechenbar, wobei Putin über mehr selber erarbeitetes Wissen verfügt. Man hätte ihn gleich selber als Experten in die Sendung einbringen können, hat er sich doch 2009 in Gegenwart Merkels auf der Westerplatte klug über die Hintergründe des Münchner Abkommens und des Hitler-Stalin-Paktes geäussert. Männer von gestern: Churchill, Adenauer, Thatcher als Frau, Deng, Putin, ein brutal russischer Minimaldemokrat.

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  • am 11.08.2014 um 14:30 Uhr
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    Oha, auch beim Infosperber gibt es offenbar qualitative Tiefschläge. Immerhin ist hier keine manipulierende Absicht erkennbar. Doch leider ging der Autor wohl selbst der einen oder anderen Manipulation auf den Leim. Herr Ruoff hat sich also eine Fernsehsendung des «Putin-Kritikers Andrei Nekrasov» angeschaut und traut sich nun zu, uns die Geschichte Russlands der letzten 500 Jahre zu erklären sowie ein Psychogramm Putins anzufertigen. An diesem Anspruch musste er freilich scheitern. Hier nur kurz einige der wichtigsten Irrungen:

    1) «Eine «Arte»-Serie zeigt das.» Ein solches Vertrauen ins TV war mir seit der «Sendung mit der Maus» leider nicht mehr vergönnt. Eine TV-Serie mag vieles «zeigen", aber noch selten war es die historische Wahrheit, egal zu welchem Thema.

    2)"Dabei ist die Dokfilm-Reihe über das Ende und den Zerfall der Sowjetunion auch noch sehr schön und knapp gestaltet.» Ein klares Plus für eine TV-Serie. Geschichtliche Wahrheit ist leider meist weder schön noch knapp.

    3) «Sie arbeiten mit comicartigen Einschüben […]". Erinnert mich schon wieder eher an «Die Sendung mit der Maus", als an eine seriöse historische Dokumentation.

    4)"Für einmal bewährt sich das französische Konzept der vielen sprechenden Köpfe, denn sie erzählen die grosse Geschichte in vielen kleinen Geschichten.» Das ist eine gewagte These. Eher erzählen solche Zusammenschnitte, bei denen keiner ausreden konnte, am Ende die Geschichte, die der Autor erzählen wollte.

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  • am 11.08.2014 um 14:31 Uhr
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    5)"Die Geschichte Russlands sei eine Geschichte der Demütigungen, wollen uns seit einigen Monaten manche weismachen, aus welchen Gründen auch immer. » Wer genau möchte uns das denn weismachen, Herr Ruoff? Und wer genau hat solche einsilbigen Geschichtsdarstellungen jemals ernst genommen? Mit Ihrem ganzen Artikel versuchen Sie im folgenden diese eine Position zu widerlegen. Doch seien wir ehrlich: Es ist nicht mehr als ein Strohmann-Argument.

    6) «in der sich […] die einfachen Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen verbieten – schon gar als Rechtfertigungen neuer Gewalt.» Woran erinnert mich dies nur? Doch nicht etwa an die Schlagzeilen unserer Presse nach dem Absturz der MH17?

    7) «Hatten Hitler und Stalin Polen entlang der Weichsel geteilt". Sie sprechen mehrfach von Polen, Litauen und anderen osteuropäischen Staaten bzw. ehemaligen Königreichen. Seltsamerweise erwähnen Sie in Ihrer ganzen Darstellung seit 1650 nicht einmal den 1.Weltkrieg und den verheerenden Versailler Vertrag, obschon dies das wohl wichtigste Einzelereignis für die Region darstellt. Dies hindert Sie freilich nicht daran, Ihrem imaginären Strohmann vorzuwerfen, «gezielte Auswahl [und] Geschichtsklitterung» zu betreiben…

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  • am 11.08.2014 um 14:33 Uhr
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    8)"Und jeder Widerstand wurde mit massiver Militärmacht unterdrückt, niedergeschlagen, niedergeschossen.» Für Ihre Argumentation (bzw. jene, die Ihnen Filmautor und «Putin-Kritiker» Nekrasov schmackhaft gemacht hat) ist es entscheidend, das moderne Russland implizit mit der vormaligen Sowjetunion gleichzusetzen, wenn nicht gar mir dem zaristischen russischen Reich. Einmal imperial, immer imperial! Auch die Schweiz ist eigentlich noch eine kleine Imperialmacht, die es stets gelüstet, in Mailand einzumarschieren…

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  • am 11.08.2014 um 14:34 Uhr
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    9)"Wladimir Putin hingegen ist, in der Nachfolge von Boris Jelzin, zurückgekehrt zur alten, imperialen Politik Russlands. Es begann mit seinem rücksichtlosen Eingreifen in Tschetschenien und ging weiter mit den militärischen Vorstössen in Georgien und der Besetzung Transnistriens bis hin zur Verletzung des Völkerrechts durch die Annexion der Krim und der Unterstützung der Separatisten im Südosten der Ukraine.»

    Dies ist nun ein Highlight und Kern Ihrer Argumentation gegen das zu Beginn formulierte Strohmann-Argument. Vermutlich reichte in der TV-Serie des «Putin-Kritiker» Nekrasov die Zeit nicht, um die Hintergründe der von Ihnen angesprochenen Konflikte auszuführen.

    Sonst wüssten Sie, dass Tschetschenien, anders als die späteren GUS-Staaten, schon zu Sowjetzeiten zur Russischen Sowjetrepublik gehörte, bevor Islamisten 1991 die Tschetschenische Republik Itschkeria einseitig ausriefen und mit Waffengewalt durchsetzen wollten (wie würde Bern reagieren, wenn das Jura einen solchen Weg gewählt hätte?).

    Sonst wüssten Sie auch, dass 2008 die Aggression am 8. August von Georgien ausging, und nicht von Russland, wobei Georgien schon einmal 1918 Südossetien und 1991 Abchasien angriff.

    Sonst wüssten Sie zudem, dass die moldawische Volksfront schon 1989 russische Sprache und Alphabet verbot, dass Referendum Transnistriens trotz 90%iger Zustimmung zur Unabhängigkeit missachtete, und am 1. März 1992 mit Truppen einmarschierte.

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  • am 11.08.2014 um 14:36 Uhr
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    Sie wüssten weiter, dass auch auf der Krim eine Volksabstimmung mit eindeutigem Ergebnis abgehalten wurde, nachdem in Kiew ein belegtermassen gewaltsamer Putsch stattfand. Ob der Anschluss an Russland nun völkerrechtswidrig ist oder nicht, ist umstritten, gerade vor dem Hintergrund des Kosovo (wo es statt einer Abstimmung nur NATO-Bomben gab).

    Und schliesslich wüssten Sie auch, dass bis heute keine Belege präsentiert wurden, dass die «Separatisten im Süd-Osten der Ukraine von Russland Unterstützung erhalten.» Vielleicht ist dem so, doch Belege wurde bislang keine präsentiert.

    Dass Sie all diese Aspekte unerwähnt lassen, konfrontiert Sie erneut mit Ihrem eigenen Vorwurf der «gezielten Auswahl [und] Geschichtsklitterung". Von Ihrer zentralen Argumentation in diesem Abschnitt, die Sie vermutlich westlichen Medien und TV-Serien von «Putin-Kritikern» entnommen haben, bleibt leider kein Buchstabe mehr stehen. Ihr Fazit, «Mit dieser Politik ist Putin ein Mann von gestern.", bricht damit vorläufig zusammen.

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  • am 11.08.2014 um 14:36 Uhr
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    10) Ob Putin «die Nähe der EU und der Nato zu den russischen Grenzen und die Attraktivität des wirtschaftlichen Wohlstands und des Rechts auf freie Meinungsäusserung» fürchtet, oder eher die Stationierung von US-Raketen direkt vor der Haustüre, müsste noch eingehend erörtert werden. Filmautor und «Putin-Kritiker» Nekrasov hatte dafür in seiner Serie offenbar keine Zeit. Und ob Putin nun einen «wiederholten Gaskrieg gegen die Ukraine» geführt hat, oder ob die Ukraine schlicht und einfach Ihre Gasrechnungen in Milliardenhöhe nicht mehr bezahlte (trotz russischer Subventionen), scheint in der «sehr schönen und knappen» TV-Serie ebenfalls nicht thematisiert worden zu sein.

    11) «Und bist Du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.» Sprechen Sie jetzt ernsthaft vom internationalen Gebaren Russlands seit 1991, oder doch eher von jenem der USA im selben Zeitraum? Selbst wenn Ihre obigen Anschuldigungen vollends zutreffen würden (was sie, wie gezeigt, nicht tun), passt diese Charakterisierug denkbar schlecht.

    12) «Diese einfachen, grundlegenden Fakten gehen in mancher aufgeregten Diskussion und ideologisch aufgeladenen Parteinahme nur zu gerne vergessen.» Lieber Herr Ruoff, Sie nehmen mir das Wort aus dem Munde. Deshalb mein Tipp: Weniger TV-Serien schauen, und mehr Geschichtbücher und Primärquellen lesen.

    Freundliche Grüsse,
    Andreas Elmer, Zürich

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  • am 11.08.2014 um 15:01 Uhr
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    @Elmer. Dass man auf Fernsehserien nicht abstellen sollte, wurde gesagt. Da braucht es keinen Hinweis auf «Sendung mit der Maus» und Polemik gegen Ruoff. Und mit den Schweizern und Mailand im Vergleich zu russischen Gebietsansprüchen haben Sie, gerade jetzt, da wieder über Marignano diskutiert wird, sehr platt danebengegriffen. Die Schweizer Aussenpolitik von damals wird überschätzt und war im Ansatz nie imperialistisch, sogar die Freigrafschaft Burgund haben «wir» nicht gewollt, lieber 50 000 Gulden genommen, das war umgerechnet kaum der Preis von Alaska, den die Amerikaner 1867 dem Zaren bezahlten.

    Natürlich war und ist noch in Nachwirkung Russland eine Art Imperium, ganz gewiss keine Föderation wie die Schweiz, und Russland kann und wird nie von der Schweiz lernen, so wie Jugoslawien vor 50 Jahren gewiss keine vergrösserte Schweiz war. Die Perspektiven Polens und das Baltikum müssen ernst genommen werden, sage ich als langjähriger Leser von Bergengruen und Schaper, welche beide keine «Russenfresser» waren, wiewohl Kommunismus-Geschädigte; sahen die Sache wohl nicht gleich wie Kollege Beutler, dessen Beitrag als sachlicher kritischer Diskussionsbeitrag schätzenswert ist.

    Es genügt nicht zu sagen: «Die Amerikaner auch.» So wie die Sowjets trotz 1000fachen Schweinereien immerhin das KZ Auschwitz befreit haben, bleibt nicht auszuschliessen, dass verfolgte Christen in Nahost ev. auf US-Hilfe angewiesen sind. In unseren Pfarr- u. Kirchgemeindehäusern haben nicht alle Platz!

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  • am 11.08.2014 um 15:23 Uhr
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    Lieber Herr Meier,

    danke für Ihre Replik Der Vergleich mit der «Sendung mit der Maus» war natürlich zum Schmunzeln gedacht, ist mir beim Lesen aber wirklich spontan als Erstes in den Sinn gekommen.

    Dass die alte Schweiz bzw. einzelne Kantone vor 1515 innen- und aussenpolitische Offensivkriege geführt und später Söldnerheere gestellt haben, wird mit «platt danebengegriffen» als Gegenargument noch nicht widerlegt. Und beachten Sie, dass auch dieser Vergleich ironisch gemeint war.

    Ihr zweiter Abschnitt zielt leider vollständig an meiner Argumentation vorbei. Ich habe weder behauptet, Russland sei kein Imperium gewesen, noch angeregt, dass Russland etwas von der Schweiz lernen müsse. Erst recht habe ich nirgends impliziert, die Perspektiven und Rechte Polens, Litauens etc. müssten nicht ernst genommen werden. Im Gegenteil.

    Weiter habe ich nirgends argumentiert, «die Amerikaner auch", erst recht nicht im Sinne einer Rechtfertigung, und noch weniger im Sinne einer Rechtfertigung für unangebrachte Anschuldigungen an Russland. Herr Ruoffs pointierte Charaktersierung passt nunmal, objektiv betrachtet, wirklich viel besser auf die US-Aussenpolitik im Vergleichszentrum seit 1991. Vergleichen Sie hierzu, neben den tatsächlich geführten Kriegen, die Reden von Herrn Putin vom 18.3. und 22.7., mit jener von Herrn Obama vom 22.7. (West Point) Putin spricht sich gegen Angriffskriege aus, Obama spricht vom American Exceptionalism und Kriegen auch ohne UN-Mandat.

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  • am 11.08.2014 um 15:25 Uhr
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    PS: Nun würde ich mich aber freuen, wenn Sie noch auf eines meiner 12 Argumente eingehen möchten.

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  • am 11.08.2014 um 16:03 Uhr
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    Als Einstieg zur Lektüre von Primärquellen, hier extra für Herr Ruoff die Originaltexte der erwähnten Reden. Beim Lesen den Fernseher am besten für einen Moment abstellen, selbst wenn Arte läuft…

    Putin, 18. März 2014: http://eng.kremlin.ru/news/6889
    Putin, 22. Juli 2014: http://eng.kremlin.ru/news/22714

    Obama, 28. Mai 2014: http://www.whitehouse.gov/the-press-office/2014/05/28/remarks-president-united-states-military-academy-commencement-ceremony

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  • am 11.08.2014 um 16:31 Uhr
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    Zerohedge hat gerade heute einen guten Artikel passend zu Herr Ruoffs Bonmot «Und bist Du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt»:

    The Complete Annotated History Of US Presidents Bombing Iraq Back Into The Middle Ages [1]:

    Operation Desert Shield; Operation Desert Storm
    Operation Provide Comfort I and II; Operation Southern Watch
    Operation Desert Strike; Operation Northern Watch
    Operation Desert Fox; Operation Southern Focus
    Operation Iraqi Freedom; Operation New Dawn
    Operation [Provide Humanitarian Aid]

    Zynischerweise wurde Saddam Hussein 1979 von eben dieser USA ins Amt gehievt, um einen achtjährigen Krieg gegen den Iran loszutreten [2]. Freilich wurde eben dieser Iran von den USA kurz darauf benutzt, um Islamisten, die die USA zuvor in Afghanistan gegen die UDSSR gehetzt hatten [3], nach Bosnien zu schleusen und den Krieg gegen Serbien zu anzuheizen [4]. Unterdessen fielen auf Irak bereits die ersten US-Bomben. «Und bist Du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt»

    [1] http://www.zerohedge.com/news/2014-08-11/complete-annotated-history-us-presidents-bombing-iraq-back-middle-ages

    [2] http://www.foreignpolicy.com/articles/2013/08/25/secret_cia_files_prove_america_helped_saddam_as_he_gassed_iran

    [3] http://news.bbc.co.uk/2/hi/south_asia/155236.stm

    [4] http://www.theguardian.com/world/2002/apr/22/warcrimes.comment

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  • am 11.08.2014 um 17:29 Uhr
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    Ein sehr guter Artikel.

    Putin versucht die Politik des «Sozialimperialismus» – so genannt von den damals noch nicht staatskapitalistischen Genossen in Peking – der Sowjetunion der 50er- und 60er-Jahre zu reaktivieren. Die schmähliche Niederlage in Afghanistan scheint vergessen, und Lehren daraus wurden keine gezogen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion erfolgte im Wesentlichen darum, weil sich die Sowjetunion das Wettrüsten das Kalten Krieges wirtschaftlich nicht mehr leisten konnte, und Gortbatschow erkannte das und leitete das Ende des Kalten Krieges. Putin will das Rad der Geschichte zurückdrehen, das wird aber nicht gehen, trotz völkerrechtswidriger Annexion der Krim und Anheizung des Bürgerkrieges in der Ukraine.

    Die USA und die NATO verfolgen ähnlich expansionistische Ziele und sind mit ihrer Politik in vielen Teilen der Welt gescheitert: Afghanistan, Irak, Libyen, Ägypten, Syrien usw.

    Auch China verfolgt in letzter Zeit eine expansionistische Grossmachtpolitik in Südostasien und brüskiert damit die Länder der ASEAN und Japan. Da ist die aktuelle Annäherung zwischen Russland und China nur logisch.

    Solange Putin die Hebel der Macht in der Hand hält, werden die Spannungen kaum abnehmen, denn er braucht den entfachten russischen Nationalismus, um von inneren Problemen abzulenken. Auf die Dauer wird aber diese Rechnung nicht aufgehen.

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  • am 11.08.2014 um 18:05 Uhr
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    @Elmer: Vielen Dank! Bin ich froh mal pausieren zu können. Echt anstrengend gegen 50 Jahre Hirwäsche anzukommen.

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  • am 11.08.2014 um 18:26 Uhr
    Permalink

    @Elmer. Ich hätte nie behauptet, Sie würden bei Ruoff-Schelte nicht argumentieren. Ihren Hinweis auf 1. Weltkrieg finde ich weiterführend, vom 2. zu schweigen, man sollte in der Wochenschau der Nazis mal per youtube eine zehnminütige Darstellung der Bombardierung Sewastopols 1942 anschauen, obwohl Propagandafilm u. Modell für den CNN betr. Irak, man würde schaudern und sich anstelle Steinmeiers zurückhaltender äussern.

    Betr. 1. Weltkrieg empfehle ich das Buch «August 1914» von Solschenizyn. Dieser erfasste ebenso wie «progressive» westliche Historiker wie Wehler/Fetscher den 1. Weltkrieg als Urkatastrophe des Jahrhunderts, bei der es aber keine «Unschuldigen» gab.

    Zudem habe ich in meiner Grossbiographie über Klaus von Flüe, 3. Auflage August 2014, klargemacht, dass die Eidgenossen damals praktisch nur Offensivkriege geführt haben. Krieg war ein Handwerk, ein für viele unentbehrlicher Wirtschaftsfaktor. Aber im Gegensatz zum König von Frankreich oder zum Grossfürsten von Moskau und den späteren Zaren ging es «uns» nicht um ein eidgenössisches Imperium.

    @Amrein. Es ist vom Modelldenken her nie falsch, dass Sie geopolitische Überlegungen anstellen; was die NATO gemacht hat, ist aber nicht leicht über einen einzigen Leisten zu schlagen, und was die Politik der «nicht staatskapitalistischen Genossen» Chinas betrifft, wird deren Wahnsinn von P. Achten auf 25, von Frank Dikötter, Klett-Kotta 2014, auf 35 Mio Opfer geschätzt. Mit Wiederaneignung der Krim nicht zu vergleichen.

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  • am 11.08.2014 um 20:38 Uhr
    Permalink

    Hier noch die Deutsche Wochenschau vom 18. Juni 1942 (Sewastopol ab Minute 18): http://www.youtube.com/watch?v=bwhmReHspVc

    Wobei gerade die Geschehnisse in der Ukraine ohne den 1. Weltkrieg und die Versailles-Bestimmungen unverständlich sind. Zusammengebastelt aus den früheren Provinzen und Königreichen Gallizien, Bessarabien, Bukowina etc., zerfiel sie schon nach wenigen Jahren wieder und wurde von den umliegenden Versailles-Staaten absorbiert/annektiert (leider erging es ihnen unter der polnischen Militärdiktatur und den tschechischen Herrschern der Tschechoslowakei gleich mies wie den deutschen Minderheiten, weshalb Gallizien, wie die Slowakei, Hitler nach München 1938 als Schutzmacht anfragte). Dann natürlich der schreckliche Holodomor anfang der 30er, einer der grössten und am wenigsten thematisierten Völkermorde überhaupt (ca. 6 Millionen tote ukrainische Bauern, ausgehungert durch Stalin und seine Kommissare, da sie ihre Höfe nicht in das Sowjetsystem eingliedern wollten). Damit wird auch klar, warum beachtliche Teile der Ukraine, ähnlich wie im Baltikum und in Finnland, die Nationalsozialisten (die sich übrigens selbst nie «Nazis» nannten. Die Italiener werden auch nicht als «Tschinggen» im Geschichtsbuch geführt) als Befreier empfingen. Freilich gestanden letztere den ukranischen Nationalisten dann doch nicht soviel Selbstbestimmung zu wie von jenen erwartet – Bandera landete bekanntlich in deutscher Gefangenschaft.

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  • am 11.08.2014 um 20:44 Uhr
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    Putin, der Mann von gestern?

    Dann darf man sicher fragen, wer ist der Mann der Zukunft?

    Vielleicht ein gewisser Kolomoisky. Er ist israelischer Staatsbürger und setzt in der Ostukraine seine private Armeen gegen Zivilisten ein. Ihm gehört Burismas Holding mit Schürfrechten im Osten und Joe Biden-Sohn als Leiter der Rechtsabteilung. Er steht wegen diversen Vorfälle vor Gericht – Masche: nimmt mutmasslich westliches KnowHow, baut eine Firma auf und verdrängt dann als Minderheitsaktionär die westlichen Investoren.
    Daneben präsidiert er diverse jüdische Organisationen und ist angeblich in Genf wohnhaft.

    http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/geld/Wer-mit-Kolomoisky-geschaeftet-landet-gelegentlich-vor-dem-Richter/story/27052314

    Er ist der Mann der Zukunft, Herr Ruoff.

    Seine Unternehmen sind Schlüsselelemente im ukrainischen Finazwesen, in der Rohstoffindustrie.

    Man sollte sich mal mit ihm beschäftigen.

    http://www.handelszeitung.ch/politik/schweizer-oligarch-wird-gouverneur-der-ukraine-576978

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  • am 11.08.2014 um 20:53 Uhr
    Permalink

    Uebrigens noch zum Vergleich Deutsche Wochenschau vs. CNN: Die Deutsche Wochenschau musste bei den deutschen Einmärschen im Allgemeinen nichts fälschen (genauso wenig wie sie den Jubel in Wien, dem Memelland, dem Sudetenland oder Danzig fälschen mussten. Oesterreich wollte sich bekanntlich schon 1919/21 mit Deutschland vereinigen, wobei der Vertrag von St. Germain den Oesterreichern als einzigem Volk Europas und entgegen Wilsons 14 Punkten die Selbstbestimmung verwehrte). Anders die Amerikaner. Zu den gefälschten Jubelszenen in Kabul 2001 weiss Christoph Hörstel Spannendes zu berichten (er war damals vor Ort), die ebenso gefälschten Jubelszenen im Irak 2003 sind hier dokumentiert: http://www.youtube.com/watch?v=YDu7bXqx8Ig . Was dies über die amerikanischen «Befreiuungskriege» aussagt, mag jeder selbst entscheiden.

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  • am 11.08.2014 um 20:59 Uhr
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    @ P. Meier: Ich habe nie den Wahnsinn der Maoisten in China verteidigt, wie Sie mir zu unterstellen versuchen. Ich erinnere an die üble Rolle Chinas bei der Unterstützung der Khmer Rouges in Kambodscha, Holocaust mit mind. 2 Mio. Toten, und an die mehr als fragwürdige Rolle der heutigen Regierung Chinas gegenüber dem Regime in Nordkorea uns seiner Politik in Afrika.

    Dies hindert jedoch Schweizer Bundesräte nicht, im Jahr 2013 gleich 5-fach nach Peking zu pilgern und dort für das Freihandelsabkommen zu hofieren, mit tiefen Bücklingen, Menschenrechtsfrage ausgeklammert. In Bundesbern hat man lieber einen Spatz auf dem Dach (Freihandelsabkommen mit China) als eine Taube in der Hand (EU).

    Doch die damalige Kritik Chinas am Sozialimperialismus der Sowjetunion war durchaus berechtigt (siehe Berlin 1953, Budapest 1956, CSSR 1968 usw., wenn auch bei den Chinesen sehr viel Eigennutz dabei mitspielte, ging es doch um die Vorherrschaft im südostasiatischen Raum. Vgl. sino-vietnamesischer Krieg 1979 und die Vorgeschichte dazu (Vietnam stürzte am 17. April 1975 das von China am Leben gehaltene Terrorregime der Khmer Rouges in Phnom Phen).

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  • am 11.08.2014 um 21:10 Uhr
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    Wer noch mehr mediale Fälschungen für US-Kriege (indirekt auch gegen Russland bzw. seine Partner) braucht, dem seien die gefälschten «serbischen Konzentrationslager» von 1992 empfohlen, oder natürlich der gefälschte «demokratische Protest» gegen Mubarak 2011 (http://emperors-clothes.com/kristof.htm), inklusive dem geradezu legendär gefälschten Anschlag des «demokratischen Protestes» (in Wirklichkeit militante Muslimbrüder) auf die «Parteizentrale Mubaraks» (in Wirklich der National Council for Women): http://tenc.net/time.htm.

    Die Brutkastenlüge Irak 1991 und die Massenvernichtungswaffen Irak 2003 setze ich als bekannt voraus.

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  • am 11.08.2014 um 21:15 Uhr
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    .@Der genannte Wahnsinn gewisser Phasen der Politik Maos ändert tatsächlich nichts daran, dass er in aussenpolitischen Einschätzungen, wie später Deng, oft erstaunlich klug war, gewiss das Gegenteil eines Polit-Amateurs. 1968/69 war ich in Berlin und Zürich im Gespräch mit Mao-Anhängern, die im Ernst an den reinen, nicht staatskapitalistischen Kommunismus glaubten. Das waren in der Tat denkwürdige politische Fanatiker, besonders wenn sie Deutsche waren. Bei Chinesen kam wenigstens noch der Sinn für die berühmte List und eine gewisse Schlitzohrigkeit hinzu.

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  • am 11.08.2014 um 21:20 Uhr
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    @Elmer. Ich hoffe aber sehr, dass sie die Abgestürzten von MH17 nicht auch, wie gewisse russische oder ähnliche Portale, als präparierte Horror-Puppen aus Hollywood einschätzen; es gibt in einer Kriegssituation nichts, was nicht behauptet und notfalls «bewiesen» wird.

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  • am 11.08.2014 um 21:30 Uhr
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    @Meier: Erstaunlich, was Sie in Ihren 10 Minuten täglichem Nachrichtenkonsum alles aufschnappen. Vielleicht besser selektieren.

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  • am 11.08.2014 um 21:35 Uhr
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    @Meier: Die MH17-Puppengeschichte hab ich nur am Rande mitbekommen, wahr wohl ein Scherz. Freilich sind die mit Puppen gestellten Massaker ebenfalls eine Innovation aus dem 1. Weltkrieg, damals insbesondere eine englische Spezialität (zur Inkriminierung der «deutschen Hunnen und Bestien"). Literaturtipps: Die Mache im Weltwahn: Propaganda u. Wahrheit, Ferdinand Avenarius, 1923 und Falsehood in War-time: Propaganda Lies of the First World War, Arthur Ponsonby, 1928: http://gutenberg.net.au/ebooks10/1000011.txt

    Die oben genannten US-Fälschungen sind hingegen, leider, real.

    Zu denken gibt mir immer noch Ihr obiger Satz «so wie «Holocaust» halt nun mal eine Fernsehserie war, nicht zu vergleichen mit wirklicher Forschung über das Geschehen.» Ich bin mir nicht sicher, ob Sie mit der «wirklichen Forschung über das Geschehen» vertraut sind und die tiefe Wahrheit Ihres Satzes beabsichigt war. Leider ist die Schweiz der falsche Ort, um dies zu erötern (Art. 261bis StGB).

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  • am 11.08.2014 um 21:36 Uhr
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    @Meier: » russische oder ähnliche Portale,"

    – das ist genau die Ausdrucksweise, die in Ihrer Unschärfe zu Pauschalaussagen führt, so dass man dann öffentlich lieber über den neuen Antiputinismus diskutiert als über das, was Sie inhaltlich ansprechen. «In welchen Kreisen verkehren Sie?", fragte mal mein ehemaliger Lehrer Prof. Emil Staiger, die sogenannten Asphaltliteraten ansprechend.

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  • am 11.08.2014 um 22:13 Uhr
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    …das Zitat ist abgeändert und stammt von Herrn Meier.

    Statt Antiputinismus stand beim ihm «Antisemitismus» …

    er warf Herrn Elmer Unschärfe vor…

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  • am 11.08.2014 um 22:14 Uhr
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    Ein Nazi-Lehrer hätte mit mir als Schüler das Zeitliche vor seiner Lehrerkarriere gesegnet.

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  • am 11.08.2014 um 22:15 Uhr
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    …Nervenzusammenbrucht, versteht sich.

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  • am 11.08.2014 um 22:50 Uhr
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    PS: Die genannte Rede war natürlich am 3. Februar 1933, nach der Ernennung zum Reichskanzler.

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  • am 12.08.2014 um 03:24 Uhr
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    @Ihre Igoranz, Amrein, über den «Landesverräter» Staiger und die Schweizer Frontenszene nähert sich dem Grenzwert Null. Erkundigen Sie sich mal bei Herrn von Matt, sowieso wird über diese Thematik grenzenloser Stuss verzapft, auch was in Wikipedia über Frontenzugehörigkeit steht usw., ist oft sehr unzuverlässig. Von Staiger habe ich Briefe aus jener Zeit in der Hand gehabt, er war nicht nur mein Lehrer, ich habe auch seinen Bekanntenkreis bestens gekannt, die Freitagsrunde um den Landesringmann und Duttweiler-Chefredaktor Erwin Jaeckle, darüber publiziert. Das Meiste, was ich über die Fronten weiss, erfuhr ich noch von Originalzeugen von 1933, von denen einige, wie der spätere Walser-Biograph und Religionskritiker Robert Mächler, zu den anständigsten Schweizern des 20. Jahrhunderts gehören, selbst wenn sie mal ein Gedicht auf Adolf Hitler verfasst haben. Ein mir bekannter Ehemaliger wurde nach dem Röhm-Putsch Kommunist, ist dann noch der Reihe nach auf alle Diktatoren reingefallen, bis Saddam Hussein, war aber trotzdem ein geistvoller Intellektueller und hervorragender Psychologe, habe seine Abdankungsrede gehalten. Am meisten weiss ich über die Fröntler von Schaffhausen, deren Ladenscheiben im Juni 1945 eingeschlagen wurden, die Täter nannten es selber Kristallnacht, Stadtpräsident Bringolf schämte sich dafür. Vergleichbar gemobbt wurde 1956 Konrad Farner, mit Fröntlern oder auch Lucacs nicht vergleichbar, hochanständiger Mensch, über den ich eine Schachtel Material habe.

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  • am 12.08.2014 um 03:32 Uhr
    Permalink

    Farner wurde von seinen Hassern etwa so als «Landesverräter» bezeichnet wie in diesem Blog Emil Staiger. Ein Hauptmerkmal dieser Hasser ist, dass 1 Prozent der geistigen Lebensleistung des Gehassten leider nicht erreicht wurde.

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  • am 12.08.2014 um 10:04 Uhr
    Permalink

    "Wie Wirtschaft und Politik verknüpft sind, zeigt das Beispiel von Alt-
    Bundesrat Hans-Rudolf Merz, der Ende 2010 als Vorsteher des Finanzdepartements
    zurücktrat. Nachdem das Finanzsystem kollabiert war,
    wollte Merz mit einer Steuersenkung von 50 auf 18 Prozent Hedgefonds
    in die Schweiz locken. Als Finanzminister….."

    google: «Reichtum ist macht Denknetz"

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  • am 12.08.2014 um 10:15 Uhr
    Permalink

    @Bregy: Der spannendste Satz finde ich aber den letzten:

    "Allerdings wissen wir noch
    viel zu wenig darüber, wer seinen Einfluss auf welche Weise wahr
    nimmt. Wir bleiben dieser Frage auf der Spur."

    🙂

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  • am 12.08.2014 um 10:26 Uhr
    Permalink

    @Elmer: allerdings…

    Wir bewegen uns hier auf kaum betretenem Terrain….

    Tschäni kann man sicher zugute halten, dass er mal einen Fuss darauf gesetzt hat. Viktor Parma ging vielleicht einen, zwei Schritte weiter.

    Der Schlüssel werden wohl die vielen wirtschaftsübergreifenden Meetings und Gesellschaften wie Rive-Reine usw. sein. Hier findet wohl die Konsensbildung für eine gemeinsame Richtung statt.

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  • am 12.08.2014 um 10:33 Uhr
    Permalink

    …ein Kollege bekam von seinem Vater, Stuhlmeister in einer Loge, diverse Papiere vererbt. Als er seinen Klassenlehrer fragte, was das wohl sein könnte, wurde er in derselben Nacht der Papiere beraubt. Der Tresor wurde aufgeschweisst.

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  • am 12.08.2014 um 10:42 Uhr
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    …Wochen später bekam er noch einen Besuch von einem dieser Brüder, die ihn aufnehmen wollten. Er hat dankend abgelehnt.

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  • am 12.08.2014 um 11:00 Uhr
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    Herrliches babylonisches Sprachgewirr, wobei Vereinzelte meinen, sie hätten die Weisheit gefressen…

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  • am 12.08.2014 um 11:16 Uhr
    Permalink

    @Schönenenberger: Dafür haben Sie es klar auf den Punkt gebracht:

    "…unsere Welt ist eine riesige Maschinenfabrik…damit diese Maschinenfabrik bedient wird, muss eine Drohung im Raum sein…"

    https://www.youtube.com/watch?v=fNL4J53l0R4

    trifft wohl auf viele Bereiche zu 😉

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  • am 12.08.2014 um 11:34 Uhr
    Permalink

    @Schönenberger: Was muss man denn jetzt fressen, damit man die Welt als riesige Maschinenfabrik sieht?

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  • am 12.08.2014 um 12:39 Uhr
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    @Geschichtsklitterung betr. Fröntler?

    Amrein dreht weiter auf auf, um mir in Sachen Fröntlern Geschichtsklitterung vorzuwerfen. Er kann nicht wissen, dass Otto Wanner, Verleger des Badener Tagblattes, mir u.a. wegen meinem Wissen um seine Vergangenheit in der NF Baden, via Anzeige des nicht begründeten Verdachtes auf Erpressung, im September 1972 eine polizeiliche Hausdurchsuchung bescherte und einen einjährigen Gerichtsfall, aus dem ich als Sieger hervorging. Der Staatsanwalt des Kantons Aargau entschuldigte sich bei mir persönlich und liess eine Genugtuung auszahlen.

    Mein Wissen über die Frontenszene im Aargau und in der Ostschweiz hält mit den Spezialisten mit und ist zum Teil exklusiv. Ich muss mich in dieser Sache, auch in differenzierten Einschätzungen, nicht anrempeln lassen. Wer im Gegensatz zu mir noch nie von einem ehemaligen Fröntler angezeigt wurde und weder in Baden noch in der Ostschweiz beim Quellenstudium ertappt wurde, muss mir nach über 40 Jahren Kenntnis dieser Materie keine Geschichtsklitterervorwürfe machen.

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  • am 12.08.2014 um 12:39 Uhr
    Permalink

    @Geschichtsklitterung betr. Fröntler?

    Amrein dreht weiter auf auf, um mir in Sachen Fröntlern Geschichtsklitterung vorzuwerfen. Er kann nicht wissen, dass Otto Wanner, Verleger des Badener Tagblattes, mir u.a. wegen meinem Wissen um seine Vergangenheit in der NF Baden, via Anzeige des nicht begründeten Verdachtes auf Erpressung, im September 1972 eine polizeiliche Hausdurchsuchung bescherte und einen einjährigen Gerichtsfall, aus dem ich als Sieger hervorging. Der Staatsanwalt des Kantons Aargau entschuldigte sich bei mir persönlich und liess eine Genugtuung auszahlen.

    Mein Wissen über die Frontenszene im Aargau und in der Ostschweiz hält mit den Spezialisten mit und ist zum Teil exklusiv. Ich muss mich in dieser Sache, auch in differenzierten Einschätzungen, nicht anrempeln lassen. Wer im Gegensatz zu mir noch nie von einem ehemaligen Fröntler angezeigt wurde und weder in Baden noch in der Ostschweiz beim Quellenstudium ertappt wurde, muss mir nach über 40 Jahren Kenntnis dieser Materie keine Geschichtsklitterervorwürfe machen.

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  • am 12.08.2014 um 13:51 Uhr
    Permalink

    @Elmer: Ich denke, Herr Meier hat ein weiteres Beispiel geliefert, wie Druck ausgeübt wird:

    "dass Otto Wanner, Verleger des Badener Tagblattes, mir u.a. wegen meinem Wissen um seine Vergangenheit in der NF Baden, via Anzeige des nicht begründeten Verdachtes auf Erpressung, im September 1972 eine polizeiliche Hausdurchsuchung bescherte und einen einjährigen Gerichtsfall, aus dem ich als Sieger hervorging."

    Ein Schwergewicht:
    http://www.bilanz.ch/machtnetz/machtnetz-von-peter-wanner-der-oberfunker

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  • am 12.08.2014 um 13:55 Uhr
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    ups…nicht der gleiche…. sorry

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  • am 12.08.2014 um 17:14 Uhr
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    @Bregy: (:–

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  • am 12.08.2014 um 17:21 Uhr
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    (:–:) Symmetrie wiederhergestellt.

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  • am 13.08.2014 um 09:27 Uhr
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    «Die historische Mission unserer Nation an diesem kritischen Punkt ist es, die weissen Rassen der Welt im finalen Kreuzzug zum Sieg zu führen (zum Überleben)», sagt der Kommandeur des Bataillons Asow zum «Telegraph».

    Gut zu wissen, welche Kräfte die EU unterstützt. Aber Journalisten wie Ruoff schreiben lieber Putin totalitär…

    Wetten, dass bei einer Abstimmung in Schweiz und Russland über die Sanktionen das Schweizer Volk gleich abstimmt wie das russische? Nur das unserer Regierung das ziemlich egal ist.

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  • am 13.08.2014 um 10:07 Uhr
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    …in 50 Jahren sagt dann wieder jeder: «Ja, aber das hätte man doch kommen sehen können."

    Und die, die jetzt auf Putin zeigen, werden sich noch wundern, was unter ihrem ausgestreckten Zeigefinger (oder Arm?) heranwächst.

    http://www.fr-online.de/ukraine/ukraine-neonazis-im-haeuserkampf,26429068,28083302.html

    …Lawrow sagte es mehrfach:
    http://de.ria.ru/security_and_military/20140616/268756622.html

    Auch der Gründer des Battaillons Asow, ein ???. Ich weiss nicht was? Journalisten haben den Begriff totalitär leider für Putin besetzt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Oleh_Ljaschko

    Und niemand in Europa interessiert auch die anderen zwei Bataillons. Alle Politikier und die meisten Journalisten zeigen auf Putin. Was ist los?!

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  • am 13.08.2014 um 14:31 Uhr
    Permalink

    Unsere Bilderberger-Quartett Medien und PNAC-Gujer sind los! Und in Deutschland die Atlantikbrücke-Elite. Daraus entsteht ein gewisser Sog, der noch ein paar weitere Schreiber und Rufer mitreisst.

    «Ja, aber das hätte man doch kommen sehen können.» Diese Kriege sind ja nicht ungewollt, im Gegenteil sie sind gewollt und benötigt. Das war schon 1914 und 1939 so. Immer wenn eine neue Kraft aufsteigt (früher ab 1871 und dann gleich nochmals ab 1933 DE, heute v.a. RU, IR, CN) und die jeweilige Imperialmacht (früher UK, heute US) herausfordert, gibt’s rechtzeitig eins auf die Nase. Das ist doch irgendwo nachvollziehbar? Vgl. die ausgezeichneten und aus meiner Sicht bis heute unübertroffenen Bücher von Harry Elmer Barnes aus den 20er und 50er Jahren (zu WW1: The Genesis of The World War; In Quest of Truth and Justice: Debunking the War Guilt Myth; zu WWII: Perpetual War for Perpetual Peace).

    Die USA müssen sich für ihre Kriege gegen aufsteigende oder unbeugsame Regionalmächte immer einigermassen radikaler Elemente vor Ort bedienen. Das wichtigste «Tool» waren und sind natürlich radikale Islamisten, erst in Afghanistan gegen die Sowjetunion, später in Bosnien (unter Izetbegowitsch) gegen Serbien, dann in Aegypten gegen Mubarak, heute in Syrien und sonst wo. In der Ukraine bilden nun halt «Neonazis» die Speerspitze. Wenn man sie nicht mehr braucht, dreht man ihnen den Geldhahn (oder notfalls die Blutbahn) wieder ab, so einfach.

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