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Donald Trump, der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika © Mondoweiss

Mager – und vor allem brandgefährlich!

Christian Müller /  Die erste Rede des neuen Präsidenten der USA besagt nichts – und alles: Die Welt ausserhalb der USA ist ihm total schnuppe.

Wer die erste Rede Donald Trumps nach seiner formellen Inauguration als neuer Präsident der USA live mitangesehen und mitangehört und verstanden hat, der weiss es: die Rede kann inhaltlich auf zwei Wörter reduziert werden: America first!

America first: das sagt ein Mann, der der neue Präsident eines Landes ist, das in vielen Belangen bereits zuoberst an der Spitze unserer Welt steht.

– Amerika – also die USA – hat mit grossem Abstand die grösste und stärkste Armee der Welt. Das Militärbudget ist grösser als die Militärbudgets der nächsten sechs grössten Militärbudgets zusammen. Und Amerika hat ausserhalb des eigenen Landes gegen 1000 Militärbasen rund um die Welt.

– Amerika hat die grössten und reichsten Banken der Welt und verwaltet in deren Computern das meiste Geld dieser Welt. Amerika hortet im Fort Knox und in der Federal Reserve Bank in New York die grössten Goldreserven der Welt.

– Die amerikanische Währung, der US-Dollar, ist international akzeptiert die massgebliche Währung im Bereich Erdöl und ganz generell im internationalen Rohstoffhandel. Damit ist Amerika gegen Geldentwertung besser geschützt als jedes andere Land.

– In Amerika wohnen die meisten Superreichen dieser Welt, mit Vermögen, die dem Vermögen von ganzen Staaten gleichen und die sich der Mann und die Frau von der Strasse nicht einmal vorstellen können.

Und jetzt kommt der neue Präsident der USA, der neue mächtigste Mann Amerikas und in vielen Bereichen auch der mächtigste Mann der Welt, und erklärt sein Regierungsprogramm: America first!

America first: Das ist, mit Verlaub, der reine Nationalismus. Und Nationalismus ist, mit Verlaub, eine der häufigsten Kriegsursachen und zurzeit die grösste Gefahr für diese Welt.

Die grössten Probleme dieser Welt sind globale Probleme:

– Der Klimawandel, erzeugt oder zumindest verstärkt durch zu hohe CO2-Emissionen der industrialisierten Länder.

– Der viel zu hohe Energie-Verbrauch, der auf Ausbeutung jahrmillionen alter Energie-Träger beruht und durch die Natur längst nicht mehr ausgeglichen werden kann.

– Ein Finanzsystem, das systembedingt zu Blasen führt, die beim Platzen vor allem in den unteren Schichten unbeschreibliches Elend bewirken können – und werden. Das Platzen der Blasen ist programmiert.

– Ein Wirtschaftssystem, das bewirkt, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden – und das damit früher oder später zu Revolutionen und Krieg führen muss.

Eine Tragödie

Wenn der neu gewählte Präsident eines kleinen afrikanischen Staates, zum Beispiel Malawi, sagen würde: Malawi first! Dann wäre das richtig, denn er hätte sich prioritär um seine Staatsbürger zu kümmern.

Aber da kommt der Mann, der neu an der Spitze des stärksten und reichsten Landes dieser Welt steht und die Geschicke nicht nur dieses Landes, sondern auch die nahe Zukunft der ganzen Welt massgeblich mitbeeinflussen kann und wird, und sagt als Programm: America first! Das ist, man kann es nicht anders sagen, schlicht verantwortungslos.

Aber man kann eines hoffen: dass er mit diesem Programm schnellstmöglich und katastrophal scheitert. Verlierer wird es so oder so geben, zu Tausenden, zu Hunderttausenden, in den USA, aber auch ausserhalb der USA. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Und uns alle warm anziehen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine.

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US-Politik unter Donald Trump

Weichenstellungen: An seinen Entscheiden ist Trump zu messen, nicht an seinen widersprüchlichen Aussagen.

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8 Meinungen

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    am 21.01.2017 um 09:16 Uhr
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    Seit Jahren sind sich alle im Stillen einig: So geht das nicht weiter!
    Jetzt kommt jemand und poltert laut: So geht das nicht weiter!
    Viele Menschen sind darüber entsetzt: So geht das nicht!
    Vorbereiten und warm anziehen: So geht das!

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    am 21.01.2017 um 12:07 Uhr
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    Der Artikelmeinung muß widersprochen werden: Ich habe schon viele Reden bei Amtseinführungen von US-Präsidenten gehört. Diese war selten konkret! Auch wenn es nicht politisch korrekt war und vielen «Meinungsmachern» nicht in den Kram passt. Wer hören konnte, konnte auch verstehen: Trump sagte: Ich habe einen ausgelutschen Pleite-Staat übernommen. Schuld ist die Finanzelite. Die hat unser Land auf Kosten der kleinen Leute deindustrialisiert. Ich will es reindustrialisieren. Die kleinen Leute von Essensmarkenempfängern zu Lohn-Verdienenden US-Bürgern machen. Bezahlen sollen es die Leute, die die Schuld an der Verelendung der USA tragen.
    Hat es je vorher so eine konkrete revolutionäre Ankündigung gegeben?

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    am 21.01.2017 um 16:17 Uhr
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    Es entbehrt ja nicht einer gewissen Tragikomik, dass man den jetzigen Zustand der Welt immer wieder als Beleg dafür anführt, dass Trump der falsche Präsident ist.

    Lieber Herr Müller, der Klimawandel, der Energieverbrauch, das kaputte Finanzsystem, das kranke Wirtschaftssystem, das sind ja alles Dinge, die Obama in seinen 8 Jahren hätte beeinflussen können. Stattdessen wurden die Unterschiede zwischen Arm und Reich immer grösser, die Polizeigewalt nahm zu, die USA führen mehr Kriege denn je, die Kriegsgefahr auf der Welt stieg dramatisch an.

    Nein, das war nicht wegen Trump, sondern unter, und damit zum Teil auch wegen, Obama. Trump muss erst noch zeigen, was für ein Präsident er ist. Ihn für die Fehler seiner Vorgänger verantwortlich zu machen, ist lächerlich.

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    am 21.01.2017 um 16:53 Uhr
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    Amerika ist vielleicht ein «reiches Land» (aber hat Müller dabei die Staatsschulden mitgerechnet?) Das heißt aber nicht, dass die Amerikaner reiche Leute sind. Ich denke, die haben schon das Recht, erst mal an sich zu denken und nicht an die Schweizer (oder die Deutschen).
    Und das Finanz- und Wirtschaftssystem kann man nur in jedem Land einzeln verändern. Was schwebt denn Christian Müller vor? Die große Weltrevolution, die schnell mal die ganze Weltwirtschaft umkrempelt? Und wer soll die machen? George Soros???

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    am 21.01.2017 um 17:59 Uhr
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    Noch eindrücklich und doch schief der Satz: Wir verteidigen die Grenzen aller andern, unsere eigenen Grenzen nicht! Angesichts der Angriffskriege stimmt es nicht, und unter Obama wurden an der Grenze USA – Mexiko mehr Leute brutaler ausgeschafft als an EU-Grenzen. Umgekehrt müsste die Relativierung der NATO doch etwas sein, wovon Linke seit Generationen geträumt haben. Insgesamt war es die am stärksten globalisierungskritische Rede eines amerikanischen Präsidenten aller Zeiten, auch die mit den kürzesten Sätzen und der höchsten Verständlichkeit. Die Aussage, Trump sei ein möglicherweise unfähiger Politiker, muss wohl zurückgenommen werden. Natürlich macht er den fähigeren Eindruck als sagen wir mal Hollande. Putin wird ihn wohl weder überschätzen noch unterschätzen, wohl aber richtiger einschätzen als es im EU-Raum üblich ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass er ermordet werden könnte ist so gross wie seit Kennedys Zeiten nicht mehr, und die Wahrscheinlichkeit eines Impeachments ist trotz republikanischer Mehrheit in beiden Häusern ebenfalls nicht ganz auszuschliessen. In der Rede hat er mit hohem Risiko den Mund voll genommen, so dass Zwischenwahlen in 2 Jahren und die Wiederwahl in vier, sollte er sie erleben, wohl nicht sicher sind. Obwohl seine Politik vielleicht weniger imperialistisch werden kann als die seines Vorgängers, provoziert sein Zungenschlag zumal bei Linken und Moralisten psychische Zustände. Die wenigsten Kommentare z.B. i m NZZ -Stil sind ernst zu nehmen.

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    am 23.01.2017 um 09:02 Uhr
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    Was schwatzt der da ? war meine erste Reaktion auf Herrn Müllers Aussagen.
    Ein NZZ Reporter hätte es nicht besser gekonnt, Trump in den Rücken zu schiessen – finds schon ein bisschen komisch, dies auf Infosperber zu finden.

    America first kann eben auch so gedeutet werden, dass Trump erst mal vor seiner eigenen Tür kehren wird, bevor er wie seine Vorgänger sich überall sonst einmischt.
    Schauen wir doch einfach mal, was da rauskommt.

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    am 24.01.2017 um 14:20 Uhr
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    Irgendwie erinnerte mich die «Inauguration Speech» an die Wahlrede von F. Hollande > «moi président».

    Jedermann kann nur feststellen, dass das Programm ein «tall order"-Programm ist. Washington ausmisten, die Infrastuktur wieder instandstellen, die Monroe-Doktrin auf die ganze Welt im Sinne einer «pax americana» ausweiten (hat er vielleicht nicht gesagt ?), die ganzen Sozialprobleme der zerrütteten Innenstädte lösen, den ganzen Rost aus dem «rust-belt» entfernen…

    Klingt irgendwie über-ambitiös. Wenn er schon nur etwas die Korruption in Washington reduzieren könnte, wäre das wohl schon ein Erfolg. Der Industro-military-Komplex ist allerdings etwas zu sehr in seinem Kabinett vertreten, um echte Hoffnungen zu schüren. Immerhin denkt er möglicherweise, dass Milliardäre weniger korrupt sein könnten, da sie doch schon so viel haben…

    Ob die Hoffnung zuletzt stirbt, werden wir wohl schon bald wissen.

    Wenn Mainstreet erwacht wird Wall-Street vielleicht nicht mehr so gut schlafen wie jetzt. Aber wird Mainstreet je erwachen ?

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    am 6.02.2017 um 16:04 Uhr
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    Hallo Herr Timmermanns. Danke für die Info, hab Trumps Rede nicht gehört. Aber denken Sie nicht, dass Trump einfach das sagt, was die Leute hören wollen nur damit er gewählt wurde und nun weiterhin das Spiel der Finanzkartelle mitspielt?

    Falls er diese von Ihnen zitierten Aussagen ernst meint und diese seine echte Überzeugung widerspiegeln, wird er nicht mehr lange Präsident sein, denke ich.

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