Sperberauge

Lügner dürfen öffentlich reden II

Christian Müller © aw

Christian Müller /  Dem ehemaligen Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, einem bekennenden Kriegshetzer, wird weiter hofiert.

Am Swiss Economic Forum in Interlaken, das neuerdings der NZZ gehört, durfte Anders Fogh Rasmussen, der ehemalige Nato-Generalsekretär, eine Rede halten. Infosperber berichtete darüber und schrieb – zur Erinnerung – unter anderem wörtlich: «Das hat gerade noch gefehlt: Am Swiss Economic Forum SEF in Interlaken durfte auch der ehemalige dänische Ministerpräsident und spätere Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen auftreten. () Rasmussen war jener Politiker, der im dänischen Parlament zuhanden der Weltöffentlichkeit die Beteiligung am US-Angriff auf den Irak propagierte und dabei wörtlich sagte: ‹Der Irak hat Massenvernichtungswaffen. Das ist nichts, was wir nur glauben. Wir wissen es!› Was uns der US-Angriff auf den Irak mit total erlogener Begründung und der zur – bisher immer katastrophalen – US-Strategie gehörende ‹Regime Change› mit einem daraus entstandenen ‹failed state› gebracht haben – bis und mit der jetzigen Flüchtlingskrise als Folge des syrischen Bürgerkrieges – wissen wir.»

Doch damit nicht genug. Jetzt hat auch die Schweiz am Sonntag zugeschlagen. Der ehemalige Nato-Generalsekretär erhielt in der Sonntagszeitung der AZ Medien gleich zwei volle Seiten, geschmückt mit einem riesigen Konterfei des Kriegshetzers. Und auch hier gab sich Rasmussen nicht zimperlich: Nicht nur rühmte er sich, der persönliche Berater des ukrainischen Präsidenten Poroschenko zu sein (als ob der nicht schon ausreichend Kriegshetzer um sich scharte). Rasmussen sagte auch offen, die Welt brauche «eine Weltpolizei» und, wörtlich: «Die Vereinigten Staaten sind der einzige zuverlässliche und wünschenswerte Kandidat für diesen Posten.»

Leider versäumte der Interviewer der Schweiz am Sonntag, der das Interview in Rasmussens Büro in Kopenhagen führte, die Frage, wie sich Rasmussen zu seiner damaligen Lüge heute stelle.

Der völkerrechtswidrige Angriff auf den Irak im Jahr 2003 und die darauf folgende totale Zerstörung des irakischen Staates durch die USA mit militärischer Unterstützung der «Koalition der Willigen» (darunter natürlich auch Dänemark) hat Hunderttausende von Kriegsopfern gefordert und ist mit ein Grund für den syrischen Bürgerkrieg und die Flüchtlingskrise – und das alles mit einer frei erfundenen, erlogenen Begründung! Warum werden die Verbreiter dieser Lüge, als prominenteste darunter der damalige US-Präsident George W. Bush, Grossbritanniens Premier Tony Blair und eben der damalige dänische Premier Anders Fogh Rasmussen, eigentlich nicht vor ein Kriegsgericht gestellt, wie man es heute gerne mit (kleinen) balkanischen, afrikanischen und asiatischen War Lords macht?

Nein, man lädt sie lieber als Redner ans Swiss Economic Forum nach Interlaken ein oder hofiert ihnen mit doppelseitengrossen Interviews in der Schweiz am Sonntag. Vom völkerrechtswidrigen Angriff auf den Irak 2003 ist dann nie die Rede.

«Rasmussen Global» heisst Rasmussens Beratungsfirma. Man kann sich leicht ausrechnen, woher die Kundengelder fliessen…

* * * * *

Nachtrag:

Der Zufall will es, dass heute das «Echo der Zeit» von Radio SRF einen äusserst beachtenswerten Beitrag ihres Korrespondenten in UK und Irland, Martin Alioth, brachte über die psychischen Probleme der lebend aus Afghanistan und aus dem Irak zurückgekehrten Soldaten. Die meisten dieser Soldaten sind nach dem aktiven Einsatz im Krieg im Nahen Osten nicht mehr fähig, sich ohne Hilfe in die heimische Gesellschaft zu integrieren. Bei den Zahlen der Kriegsopfer werden diese Leute aber nicht mitgezählt!

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

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6 Meinungen

  • am 31.08.2016 um 11:42 Uhr
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    und die Waffenlobby jubelt!So ein Krieg gegen Russland, würd› doch manch› Tasche füllen!

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  • am 31.08.2016 um 12:48 Uhr
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    im «advisory board» sitzt «meine» sp-ständerätin pascale bruderer. sowohl blair wie rasmusen wurden von bruderer «welcome» geheissen. soziale kriege? soziale waffenexporte für unsere altersvorsorge??
    cédric wermuth – du hast doch bisher immer klare worte gefunden, wenn mords-geschäfte gemacht wurden. das erwarte ich von (m)einem volksvertreter jetzt unverzüglich.
    danke dafür, alec.

    als blair ans wef eingeladen wurde, habe ich eine haftempfehlung an die bundesanwaltschaft geschrieben… raten sie mal, was die antwort von unserem «rechtsstaat» war: http://www.fairch.com/agieren-sie-mit/wef/kriegsverbrecher/

    0
  • am 31.08.2016 um 23:34 Uhr
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    Bush, Blair, Rasmussen und ähnliche Kriegsverbrecher werden nicht vor ein Kriegsgericht gestellt, weil man kollektiv an die USA, EU und die NATO glaubt. Medien predigen das, und man glaubt, ohne zu hinterfragen.
    Ich habe den Bericht von Martin Aliot im heutigen «Echo» auch gehört. Erstaunlich selten werden solch realistische Beiträge veröffentlicht. Dabei liegt es auf der Hand, dass man aus Kriegen nicht unversehrt zurückkehrt. Kanonenfutter für diejenigen, die an Kriegen verdienen. Und diese schüren weiter Kriege. Und wir glauben weiter an freie Medien, an die NATO, die USA&EU.

    0
  • am 1.09.2016 um 07:51 Uhr
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    @An alle hier: Diese Politiker, die Sie am liebsten vor einem Kriegsverbrechergericht sähen, sind heute doch ziemlich weg vom Fenster. Fatal ist wohl die Wahl zwischen Trump und Clinton. Zu solchen Alternativen, die es in Deutschland früher verhältnisähnlich auch mal gab, sagte der Philosoph Oswald Spengler: «Wir sind vom Regen unter völliger Umgehung der Traufe direkt in das Scheissloch gefallen."

    @Fritsche: Kann Ihnen auf eine begehrte Replik vorläufig nicht antworten, schliesse 4. Projekt dieses Jahr ab, befasste mich nun aber statt mit Friedrich Dürrenmatt mit dessen Grossvater Uli Dürrenmatt, man merkt, dass der Apfel nicht weit vom Baum fällt. Kluge Dichter mit der Gabe des Humors könnten, @Alex Gagneux, wohl das wahre Tribunal bilden, das Sie begehren. Ihr Urteil hat mit dem Gericht der Geschichte zu tun.

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  • am 1.09.2016 um 11:52 Uhr
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    Ja, einverstanden: Fatal ist die Wahl zwischen Trump und Clinton. Es ist quasi die Wahl zwischen Pest und Cholera. Auch diese werden nie vor Kriegsgerichten landen. Über den Inhalt der geheimen e-Mails von Clinton wurde nichts bekannt. Es ging wohl unter anderem um Libyen.

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  • am 1.09.2016 um 12:54 Uhr
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    @Obrist. Es ist direkt eine Wohltat, in der Schweiz wählen zu dürfen. In den für mich relevanten Kantonen AG und LU musste ich nie jemanden wählen, den ich nicht persönlich kannte incl. Vertrauensbonus. So geht es noch anderen. Aber ein Nachteil an unserem System ist, dass Wahlen enorm wenig ändern. Selbst der «Schaden», den die Wahl Parmelins in den BR gebracht hat, hält sich in Grenzen. Allerdings ist damit auch die Chance gekappt worden, das Sicherheitsgesetz mit einer breiten Links-Rechts-Allianz zu kappen. Aber auch diese Gefahr sollte man nicht überbewerten.

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