Protest gegen aggressive Politik in Los Angeles

Protest in Los Angeles gegen die aggressive Politik Präsident Putins. © hannatv/Depositphotos

Die Erzählung vom russischen Imperialismus

Urs P. Gasche /  Russland will in den benachbarten Ländern Ukraine und Georgien keine Nato. Putin will und kann aber keinen Nato-Staat erobern.

Red. Militärs, Politiker und manche Medien hämmern der Bevölkerung fast täglich ein, wie bedrohlich die Lage sei. Russland wolle nicht nur die Krim behalten und die Donbas-Republiken Donezk und Luhansk militärisch vollständig einnehmen. Vielmehr bedrohe ein imperialistischer Putin auch benachbarte Nato-Staaten. Deshalb müsse Europa massiv aufrüsten – auch die Schweiz. Infosperber stellt eine andere Einschätzung zur Diskussion. 


Die Erzählung des «russischen Imperialismus», mit der man das enorme Aufrüsten Europas rechtfertigt, wird nur selten hinterfragt. Als Tamedia-Zeitungen am 13. November 2025 die als Rüstungslobbyistin bekannte deutsche FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann interviewten, waren die Fragen reine Bettvorleger: 

«Welche Angriffe Russlands halten Sie für möglich?».
Antwort Strack-Zimmermann: 

«Man braucht Putin nur zuzuhören, um zu wissen, was er vorhat: Um das grosse russische Reich wiederherzustellen, gehören seiner Ansicht nach die Ukraine, Belarus, Moldau und Georgien dazu – aber ebenso die baltischen EU-Mitglieder Estland, Lettland und Litauen. Diese Länder sind schwerst bedroht.» 

Nachfrage Tamedia: «Welche Szenarien halten Sie für realistisch?»
Antwort Strack-Zimmermann:

«Putin könnte beispielsweise versuchen, die lettische Hauptstadt Riga einzunehmen. Und dann erneut mit dem Einsatz von Atomwaffen drohen, sollten wir versuchen, Riga zurückzuholen.»

Um für das Aufrüsten zu trommeln, hätte es die Rüstungslobby nicht besser formulieren können. 

Was ist Imperialismus?

Der Begriff stammt aus dem 19. Jahrhundert, als europäische Länder ihre Herrschaft mit Kolonien in andere Kontinente ausdehnten. Andere Länder und Völker werden militärisch und wirtschaftlich kontrolliert und abhängig gemacht. Meistens geht es um Rohstoffe und Märkte. Im Kalten Krieg strebten die USA und die Sowjetunion nach globalem Einfluss. Heute streiten sich insbesondere die USA und China darum. 
Der Begriff wird auch polemisch benutzt, um das gegnerische Lager zu diskreditieren.


Als «Beweis» für den russischen Imperialismus und für die grosse Bedrohung Westeuropas dienen die russischen Interventionen auf der Krim und im Donbas. 

Diese «Beweise» für Russlands Imperialismus würden sich in Luft auflösen, falls Putin mit seinem Krieg verhindern wollte, 

  • dass sich die Nato in der Ukraine festsetzt;
  • dass eine aufgerüstete Ukraine den von Russland kontrollierten Teil des Donbas und allenfalls sogar die Krim militärisch einnehmen kann. 

Die «Beweise» einer drohenden Gefahr klammern auch das reale Kräfteverhältnis zwischen Russland und der heutigen Nato geflissentlich aus.

Vielmehr pflückt man Zitate aus der russischen Kriegspropaganda einseitig heraus, um als Tatsache darzustellen, dass Putin die Absicht hege, die Gebiete der früheren Sowjetunion wieder unter seine Kontrolle zu bringen. 

Ähnlich könnten Zitate US-Präsident Trumps und von dessen Entourage als «Beweis» dienen, dass er Grönland, Kanada, Panama und Venezuela militärisch angreifen wolle. 


Medien stimmen in den Chor der Angstmacher ein

Die schlecht begründete Angstmacherei der Nato, der Rüstungslobby und der angehängten Think-Tanks schlägt ein. Tamedia-Auslandredaktor Christof Münger verbreitete im Juli: «Europa hat keine andere Wahl als aufzurüsten.» Nur «Schlafwandler» würden dies nicht einsehen. Denn die «imperialistischen Fantasien des Kremlführers sind gut dokumentiert». Als Beleg diente Münger ein Zitat von Christian Dussey, Direktor des Nachrichtendienstes des Bundes: «Russland will seinen Status als imperiale Grossmacht zurückerlangen.»

Münger konfrontierte Dussey nicht mit der Frage, weshalb ein imperialistischer Putin nicht schon längst Aserbaidschan, Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan oder Turkmenistan erobert hat. Dort hätte er eine freiere Hand gehabt als in Nato-Staaten.

Auch fragte er nicht, warum Putin nach dem Staatsstreich von 2014 mit einem Einmarsch in die Ukraine zuwartete, bis die Ukraine im Jahr 2022 massiv aufgerüstet war.

Das ständige Wiederholen der imperialistischen Gefahr erhöht die Angst. Die Bevölkerung soll bereit sein und akzeptieren, dass ihre Regierungen und Parlamente Milliarden für die Rüstung ausgeben statt für das Sichern unserer Lebensgrundlagen.

Einige Beispiele aus der «NZZ» und Tamedia-Zeitungen:

«Siegt Putin in der Ukraine, sind die baltischen Staaten, Polen und die Republik Moldau als Nächstes bedroht», warnte Redaktor Markus Bernath am 3. März 2024 in der «NZZ am Sonntag». Was er mit einem «Sieg in der Ukraine» meint, blieb offen.

Am 8. Juni 2024 wiederholte «NZZ»-Auslandredaktor Andreas Rüesch: Der «gewalttätige Imperialismus» und die «genozidalen Absichten» Putins würden «an der Grenze der Ukraine nicht haltmachen». Seine Propagandisten würden bereits diskutieren, «wer als Nächstes die Gnade der russischen Peitsche spüren soll – Polen, Litauen, Finnen, Moldauer, Kasachen». Mit dem «Virus des russischen Imperialismus» gebe es «nichts zu verhandeln».

«NZZ»-Redaktor Georg Häsler verbreitete am 27. November 2024 als gesicherte Tatsache: «Längerfristig verfolgt Russland die Absicht, Deutschland aus der Nato herauszulösen.» 

Markus Mäder, Chef der Schweizer Sicherheitspolitik, konnte am 8. Juni 2025 in der «Sonntags-Zeitung» verbreiten: «Putins Absicht und sein Potenzial führen zum Schluss, dass es gegen Ende dieses Jahrzehnts sehr gefährlich werden könnte.» Die «Sonntags-Zeitung» fragte ihn nicht nach Quellen und Argumenten für diese Behauptung.

Das Mantra des russischen Imperialismus setzte «NZZ»-Bundeshausredaktorin Andrea Fopp am 2. September 2025 fort: «Putins Unterwerfungssehnsüchte enden nicht an der territorialen Grenze der Ukraine, Polens oder Litauens.»


Die Sicherheitszone Russlands verletzt

Eine diametral entgegengesetzte Analyse vertritt der linke US-Journalist Chris Hedges: «Die Nato ist das gefährlichste Militärbündnis der Welt». Es sei nachvollziehbar, dass Russland seine Sicherheit von der Einkreisung der Nato gefährdet sehe.

Nato und Ukraine
Blau = Nato-Mitglieder am 1.1.2025. Rot = Ukraine (ohne Krim). Gelb = Russland.

Herfried Münkler, langjähriger Professor für Politikwissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität, pflichtete Hedges bei: 

«Man kann feststellen, dass die Russen so etwas wie Einkreisungsängste haben. Solche Ängste haben bei der Entstehung von Kriegen schon immer eine bedeutende Rolle gespielt. Ein Mittel dagegen sind Pufferzonen. Sie dienen einer gewissen Stabilität und schaffen Flexibilität bei Verhandlungen zwischen Grossmächten.»

An diese und ähnliche Stimmen erinnern Politiker und grosse Medien nur selten. Es gab sie schon lange:

George F. Kennan, US-Diplomat mit Stationen in Moskau, Riga, Tallinn und Berlin und nachher Geschichtsprofessor an der Princeton University, warnte bereits 1997 – also noch bevor Polen, Tschechien und Ungarn in die Nato aufgenommen wurden:

«Eine Erweiterung der Nato wäre der verhängnisvollste Fehler der amerikanischen Politik in der gesamten Ära nach dem Kalten Krieg. Es ist zu erwarten, dass eine solche Entscheidung die nationalistischen, antiwestlichen und militaristischen Tendenzen in der russischen Meinung anheizt. […] Die Russen sind wenig beeindruckt von den amerikanischen Versicherungen, eine Erweiterung der Nato finde ohne feindselige Absichten statt. Die Russen würden ihr Prestige (das in der russischen Meinung immer an erster Stelle steht) und ihre Sicherheitsinteressen als beeinträchtigt ansehen.»

Im Jahr 2008, als die Nato der Ukraine und Georgien eine Mitgliedschaft grundsätzlich in Aussicht stellte, warnte aus Moskau US-Botschafter William Burns seine Aussenministerin Condolezza Rice im vertraulichen Memo «Nyet means Nyet: Russia’s Nato Enlargement Redlines»: Die gesamte politische Klasse Russlands, nicht nur Putin, lehne eine Nato-Erweiterung strikt ab. Dieses Memo wurde nur bekannt, weil es Julian Assange geleakt hatte.

Peter Beinart, Associate Professor für Journalismus und Politikwissenschaften an der City University of New York, erklärte Anfang 2022: Nur wenn die USA auch die Einflusssphäre Russlands respektierten, sei garantiert, «dass der russische Einfluss die Ukraine nicht zerstört und Europa nicht in einen Krieg hineingezogen wird». Denn Einflusssphären von Grossmächten seien «rund um den Globus eine Realität» (siehe Infosperber vom 28.1.2022). 

Unterdessen ist es geschehen: Russland zerstört die Ukraine, und Europa beteiligt sich an dem Krieg.


Nato-Generalsekretär: «Es war Putins Bedingung»

Der frühere Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg räumte im September 2023 in einer Rede vor EU-Ausschüssen ein, dass das unnachgiebige Drängen der USA, die Nato auf die Ukraine zu erweitern, die eigentliche Ursache des Krieges sei – und der Grund dafür, dass dieser Krieg bis heute andauert. 

Die aufschlussreichen Aussagen Stoltenbergs

«Präsident Putin erklärte im Herbst 2021, die Nato solle versprechen, sich nicht mehr zu erweitern. Er schickte dazu einen Vertragsentwurf. Es war seine Bedingung, um in die Ukraine nicht einzumarschieren. Natürlich haben wir das nicht unterschrieben.
Er wollte, dass wir unsere militärische Infrastruktur in allen Bündnisstaaten entfernen, die der NATO seit 1997 beigetreten sind. Die Hälfte der NATO, also ganz Mittel- und Osteuropa, sollten militärisch eine Art B-Mitgliedschaft zweiter Klasse erhalten. Das haben wir abgelehnt. Also zog er in den Krieg, um die NATO an seinen Grenzen zu verhindern. Doch er hat genau das Gegenteil erreicht.»

Rede Stoltenberg
Ausschnitt aus der Rede von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.


Präsident Donald Trump erklärte am 7. Januar 2025 in Mar-a-Lago: 

«Wissen Sie, ein grosser Teil des Problems war, dass Russland über viele, viele Jahre hinweg – lange vor Putin – sagte, dass die Nato niemals in die Ukraine involviert sein dürfe. Das war quasi in Stein gemeisselt. Und irgendwann meinte Biden: Nein, sie sollten der Nato beitreten können. Dann hat eben Russland jemanden direkt vor der Haustür. Ich konnte ihre Gefühle darüber verstehen. […] Das hätte niemals passieren dürfen.» 

Henry Kissinger, langjähriger US-Aussenminister, hatte schon lange vor einer verhängnisvollen Politik des Westens gewarnt. Um die Sicherheitsinteressen Russlands zu respektieren, schlug Kissinger am 5. März 2014, wenige Tage vor der völkerrechtswidrigen Sezession der Krim, in der Washington Post vor (wörtliche Übersetzung):

«Die Ukraine sollte nicht der Nato beitreten, eine Position, die ich 2007 vertrat, als dieses Thema das letzte Mal zur Sprache kam. […] Es sollte der Ukraine freistehen, eine Regierung zu bilden, die mit dem ausdrücklichen Willen ihres Volkes vereinbar ist. Auf internationaler Ebene sollten sie eine Haltung einnehmen, die mit der Finnlands vergleichbar ist. Dieses Land lässt keinen Zweifel an seiner starken Unabhängigkeit aufkommen und arbeitet in den meisten Bereichen mit dem Westen zusammen, vermeidet aber sorgfältig eine institutionelle Feindschaft gegenüber Russland.»

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder formulierte es im Oktober 2023 wie folgt:

«Mir ist klar, dass Russland sich bedroht fühlt. Schauen Sie: Die Türkei ist Nato-Mitglied. Es gibt Raketen, die direkt Moskau erreichen können. Die USA wollten die Nato an die russische Westgrenze bringen, mit der Ukraine als Neumitglied etwa. All das fühlte sich für die Russen als Bedrohung an […] Egal, wer in Russland an der Macht ist, dort existiert die Überzeugung, dass der Westen sich mit der Nato weiter ausbreiten will, und zwar in den postsowjetischen Raum. Stichwort: Georgien und Ukraine. 
Das wird niemand, der an der Spitze Russlands steht, zulassen. Diese Gefahrenanalyse mag emotional sein, aber sie ist in Russland real. […] Trotzdem erachte ich Russlands Krieg als einen Fehler.» 

«NZZ»-Chefredaktor Eric Gujer zog in seinem Leitartikel vom 10. Mai 2025 eine Bilanz und stellte fest: «Es war klar, dass sich Moskau mit der Vergrösserung des (Nato-)Bündnisses nie abfinden würde.»

Ohne die Ausdehnung der Nato an die Grenzen Russlands wäre es wahrscheinlich nicht zum völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine gekommen. Der fürchterliche Krieg hätte nicht stattgefunden.

Bisher:

Die Machtpoliitk der Sowjetunion und der USA

Demnächst:

«Russland muss eine eindeutige Niederlage erleiden.»


Für Putins Krieg gegen die Ukraine gibt es keine Entschuldigung

upg. Es kann durchaus sein, dass es ohne Osterweiterung der Nato und ohne Absicht, die Ukraine in die Nato aufzunehmen zu keinem Krieg gekommen wäre. Doch auch wenn sich Russland von der Nato eingeschnürt fühlte, war Russland existenziell nicht bedroht. Angegriffen wurde Russland schon gar nicht. Deshalb gibt es nichts, das den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine rechtfertigt.


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Keine
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Zum Infosperber-Dossier:

Ukraine_Sprachen

Die Ukraine zwischen Ost und West: Jetzt von Russland angegriffen

Die Ukraine wird Opfer geopolitischer Interessen. Die Nato wollte näher an Russland. Seit dem 24.2.2022 führt Russland einen Angriffskrieg.

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21 Meinungen

  • am 25.11.2025 um 11:19 Uhr
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    Ja, aber warum denn am Schluss der Standardsatz «Für Putins Krieg gegen die Ukraine gibt es keine Entschuldigung»?
    Wie konnte Putin auf die Hilferufe der von der Ukrainischen Regierung jahrelang schikanierten und bombardierten russischsprachigen Gebiete nicht antworten, Gebiete, die sich notabene in Abstimmungen von der Ukraine gelöst hatten, weil sie den Maidanputsch und die das von der USA installierte Regime nicht akzeptierten…?
    Wann und wie hätte Putin der klaren antirussischen Politik und Aufrüstung des «Wertewestens» ein Ende setzen sollen, der offensichtlich nicht bereit war, die Minsker Protokolle umzusetzen?

    • am 26.11.2025 um 19:09 Uhr
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      Dieser Satz steht hier immer bei Artikeln zur Ukraine. In Deutschland zum Beispiel ist es strafbar, den russischen Krieg nicht zu verurteilen. Also lieber dieses Zugeständnis und dafür eine gute Analyse.

  • am 25.11.2025 um 11:29 Uhr
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    Putin wollte, dass «die Hälfte der NATO, also ganz Mittel- und Osteuropa, sollten militärisch eine Art B-Mitgliedschaft zweiter Klasse erhalten». Das wollte er, damit er diese Länder angreifen kann, und warum lehnten das diese Staaten ab?

  • am 25.11.2025 um 12:04 Uhr
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    Bemerkenswert ist, wie fest im Westen die Vorstellung verankert ist, dass Putin und Russland offen und glasklar imperialistische und revisionistische Ziele verfolgen würden. Auf Nachfrage nach den Primärquellen (Putin, Lavrov etc.) werden dann immer nur andere westliche Quellen genannt, die das beleglos behaupten. Und weil ringsum alle dasselbe behaupten, gilt es als wahr.

  • am 25.11.2025 um 14:48 Uhr
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    Die beiden brutalen und schmutzig geführten Tschetschenienkriege sind bei enger Betrachtung die einzigen «imperialistischen» Kriege der RF. In Transnistrien wurde durch General Alexander Lebed ein dauerhafter und für alle Seiten nützlicher Friedensvertrag geschlossen – der hält seit 1992! Moldawien zahlte jahrelang wenig oder nichts für russisches Gas. Sakaaschwili trieb Georgien in einen Krieg mit Russland – das Resultat war von vornherein klar. Trotz seines Sieges annektierte Russland keinen Quadratmeter georgisches Territorium. Seit 1991 gibt es keinen einzigen militärischen Übergriff auf die baltischen Staaten oder Polen oder Moldawien; keine einzige Bestrebung sich hier fremdes Territorium anzueignen. Mit Finnland bestand seit 1945 ein Friedensabkommen – seitdem hat es keine einzige Provokation oder Übergriff gegeben. Auch Schwedens Neutralität wurde niemals angegriffen. Der russische Imperialismus ist eine westliche Propagandalüge.

    • am 26.11.2025 um 07:14 Uhr
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      Wenn man bedenkt, dass die Tschetschenienkriege massiv von aussen gesteuert wurden (CIA, u.a.Finanzierung und Import von islamistischem Terrorismus) ist selbst hier fraglich, ob es sich um imperialistische Kriege handelt. Auf jeden Fall konnte am Schluss die Teilrepublik befriedet werden, indem der Bevölkerung eine Generalamnestie zugesagt und der ausländische Islamismus hart bekämpft wurde.

  • am 25.11.2025 um 17:23 Uhr
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    Ich danke für diesen Beitrag zur «Erzählung vom russischen Imperialismus». Ich gehe davon aus, dass Herr Gasches Zusammenstellung recht hat. (Da wären noch die Äusserungen von Wolfgang Richter beizufügen, zB. in https://makroskop.eu/36-2025/wird-russland-uns-angreifen-oder-sind-wir-schon-im-krieg-herr-richter/.) Was ich nicht weiss: gibt es Äusserungen Herrn Putins zu diesem russischen Imperialismus? Wenn ja: dienen diese der internen Propaganda (ohne die man ja keinen Krieg führen kann)? Oder: dient diese «Erzählung» der westlichen Angst- und Aufrüstungspropaganda? Vielleicht schmunzeln die russischen Propagandisten über die westlichen Ängste und Milliardenausgaben zugunsten der Rüstungsaktionären und zulasten der Sozialbudgets.

  • am 25.11.2025 um 19:41 Uhr
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    Sehr gut analysiert. Bei Stoltenberg muss man aber aufpassen: Eine NATO-Erweiterung war nicht der Grund für den Einmarsch, wie auch die Fälle Schweden und Finnland zeigen. Als Grund gab Russland immer den Bruch des Minsk-Abkommens und die ukrainischen Angriffe auf den Donbass an.

    Bei einem Krieg Russland-Nato hätte die Nato allerdings tatsächlich keine Chance, denn dieser Krieg würde zwingend nuklear geführt, und damit wären fast alle Nato-Mitglieder in ein paar Minuten liquidiert, während die drei nuklearen Nato-Staaten höchsten Belarus angreifen könnten, wenn überhaupt, da auch Belarus inzwischen Atomwaffen hat. Die Nato würde alles verlieren.

  • am 25.11.2025 um 23:35 Uhr
    Permalink

    Wikipedia: «Nach dem Euromaidan und dem Sturz der bisherigen pro-russischen Regierung der Ukraine Anfang 2014 unterstützte das Kabinett unter US-Präsident Barack Obama das neue, pro-westliche ukrainische Kabinett…Der damalige Vizepräsident Joe Biden reiste als Ukraine-Beauftragter Obamas im April 2014 nach Kiew, um die Abhängigkeit der Ukraine von russischen Energielieferungen reduzieren zu helfen. Bidens Sohn Hunter trat im Mai 2014 dem Verwaltungsrat des ukrainischen Gasunternehmen Burisma Holdings bei…Dafür soll er laut verschiedenen Medien rd. 45.000 Euro.. monatlich erhalten haben,….»

    Möglich, viele Politiker des Westens könnten erkannt haben, dass der Ukraine-Krieg wegen krumme Geschäfte inszeniert wurde. Man hofft wohl, wenn die Bewohner des Westens mit dem Slogan «die Russen kommen» in Angst und Schreck versetzen zu können, wenn nicht aufgerüstet und der Kreml besiegt wird. Die Kohle fliesst in strömen, weil die Gier den Krieg füttert.
    Gunther Kropp, Basel

    .

  • am 26.11.2025 um 00:40 Uhr
    Permalink

    Das arme Russland, so völlig umzingelt: Vom Eismehr, Pazifik, China, der als besonders kriegslüstern bekannten Mongolei, überfälligen Afghanen, Kirgiesen, Kasachen, Finnen, Balten…
    Wir können uns alle an die Überfälle auf Russland durch
    Georgien (1918/1920), 1991/1992,1992, 2008)
    Afghanistan (1979/1989)
    Tadschikistan (1992/1997)
    Tschetschenien (1994/1996, 1999/2009)
    Dagestan (1999)
    Kasachstan (2022)
    Finnland (1918, 1939/1940, 1941/1944)
    Südkaukasus (1920/1921)
    Xinjiang (1934)
    Ostpolen (1939)
    Baltikum (1940/1944)
    Bessarabien (1940) erinnern.
    Einige Konflikte wurden weggelassen. Erkennbar ist, daß immer die Nato involviert war. Böse Nato! Guter Putin! Das erklärte ja schon Exbundeskanzler Schröder, der Putin attestierte, das letzterer ein lupenreiner Demokrat sei.
    OK, Schröder wurde von Gazprom bezahlt, der mußte etwas nettes sagen. Was wurde dem Autor dieses Machwerkes gezahlt? Und von welchem Auftraggeber? Liest sich wie Russia Today.

    • am 26.11.2025 um 17:02 Uhr
      Permalink

      «Was wurde dem Autor dieses Machwerkes gezahlt? Und von welchem Auftraggeber? Liest sich wie Russia Today.»

      Schade, dass Sie es nötig haben, die Autoren des Infosperber zu diffamieren. Sagt aber mehr über Sie aus als über Herrn Gasche und Kollegen.

      Bei Ihrer Liste ignorieren Sie offensichtlich ganz geflissentlich die Gründe für die einzelnen Konflikte und Kriege. So ist wohl mehr als offensichtlich (oder sollte es sein), dass Kämpfe im 2. Weltkrieg gegen Finnland 1944 als Kollaborateur von Nazideutschland und Mitbelagerer von St. Petersburg (und damit Verbrecher gegen die Menschlichkeit) mit gutem Grund von der Roten Armee bekämpft wurden.

      Zur Ausbildung sollten Sie auch die entsprechende Liste des Wertewestens danebenlegen.

    • am 26.11.2025 um 19:13 Uhr
      Permalink

      Sehr geehrte Herr Schlötke, wie Sie sicher selbst gemerkt haben, wurden fast alle diese Kriege von der Sowjetunion geführt, nicht von der russischen Föderation. Putin führte bisher drei Kriege: Zweiter Tschetschenienkrieg 1999, Georgien 2008 und Ukraine 2022. In allen drei Fällen wurde die Gewalt von der Gegenseite begonnen: islamistische Separatisten in Tschetschenien, georgische Regierung in Abchasien/Ossetien, und Maidan-Putschisten in Kiew.

    • am 27.11.2025 um 06:51 Uhr
      Permalink

      «Das arme Russland, so völlig umzingelt…» nur ein Beispiel zu diesem wilden Durcheinander: Der Einmarsch der UdSSR in Afghanistan 1979 wurde gezielt durch CIA provoziert. Siehe dazu: ‚How Jimmy Carter and I Started the Mujahideen ‚ Interview with Zbigniew Brzezinski, Le Nouvel Observateur (France), Jan 15-21, 1998, p. 76*. Einer der CIA Agenten hiess damals übrigens Osama bin Laden.
      Der gewaltsame und verfassungswidrige Sturz der demokratisch gewählten Regierung Janukowytsch in der Ukraine, unterstützt durch die USA, folgt nebenbei gesagt einem ähnlichen Muster….

    • am 27.11.2025 um 11:51 Uhr
      Permalink

      Ich lernte die Angst der russischen Bevölkerung vor zirka 55 Jahren im Büro einer Beamtin in Moskau kennen.
      Diese Frau hatte im Geschichtsunterricht die Angriffe auf Russland der Franzosen unter Napoleon und der Deutschen unter Hitler gelehrt bekommen. Beide Male hatte Russland schwere Brandschatzungen zu erleiden und viele Tote zu beklagen. Die Angst des russischen Volkes vor dem Westen war sehr gut spürbar und für mich auch verständlich.

    • am 27.11.2025 um 21:53 Uhr
      Permalink

      Die infolge des Bürgerkriegs 1918 – 1921 durchgeführten Kampfhandlungen Russl. sind kein Beleg für Imperialismus. Finnland wurde von Lenin als erstes Land für unabhängig von Russl. erklärt. Dort tobte dann ein blutiger Bürgerkrieg, der mit deutscher Hilfe gegen die Bolschewiki entschieden wurde – die hatten alle Hände voll mit den Interventen (GB, FR, USA, J), dem neugeschaffenen expansionistischen Polen (Pilsudski wollte ein Großpolen auf ukrainische und russische Kosten) und den Weißgardisten zu tun. Weder fielen 1939 in Ostpolen Schüsse, als hier die Rote Armee einmarschierte: am 17.09.39 verbot der polnische Oberbefehlshaber Smydz-Rigly mil. Widerstand gegen die UdSSR – noch 1940 in Bessarabien. Heutige Nutznießer der damaligen territorialen Verschiebungen ist nicht Russland, sondern Litauen mit dem ehemals poln. Wilna (Vilnius), Weißrussland mit Brest, die Ukr. mit Galizien und Moldawien mit Bessarabien. Polen wurde durch die Westverschiebung flächenmäßig vollständig entschädigt.

  • am 26.11.2025 um 17:14 Uhr
    Permalink

    Überschrift aus boerse-express: «Rheinmetall Aktie: Friedensangst schockt Anleger – Medienberichte über US-Friedensinitiative für Ukraine lösen massive Verkäufe im europäischen Rüstungssektor aus.»
    Dwight D. Eisenhowers Warnung vor dem Militärisch – Industriellen Komplex (1961) kommt mir in den Sinn….
    Dass die baltischen Staaten, Polen, Finnland usw. sich durch Russland bedroht fühlen, ist aus der Geschichte durchaus nachvollziehbar. Ebenfalls nachvollziehbar aus meiner Sicht ist, dass Russland sich insbesondere durch die Ost-Erweiterung der NATO bedroht fühlt. Die US Strategie zum Ausbau und der Erhaltung der US Vorherrschaft auf dem Eurasischen Kontinent ist in «The Grand Chessboard» von Zbigniew Brzezinski ausführlich beschrieben. Die US Politik der letzten Jahrzehnte, besonders unter Joe Biden, folgt genau diesem Drehbuch….
    Gegenseitiges Wettrüsten wird diesen Konflikt nicht lösen. Höchste Zeit für Verhandlungen und Kompromisse. Endes des sinnlosen Tötens und Sterbens!!

  • am 26.11.2025 um 17:22 Uhr
    Permalink

    Eine ‚Eroberung‘ und ‚Besetzung von NATO Ländern macht für Russland auch strategisch keinen Sinn. Diese Länder wären lediglich ein Management-Problem und ein Ressourcenverschleiß für Russland. Neben der fehlenden Motivation hätte Russland auch kaum die personellen Ressourcen, um sich durch 500 Millionen Europäer an den Atlantik zu kämpfen und das ganze dann auch noch zu regieren. Russland ist hier besser damit bedient, mit Europa Handel zu treiben – Bodenschätze, welche Russland dringend bräuchte, hat die EU ja keine, aber zurzeit noch Technologie.
    Im Übrigen muss man, wenn man der EU (Europa) schaden will, einfach die inkompetente politische Elite der EU weitermachen lassen und die ja nicht stören.

    • am 28.11.2025 um 07:42 Uhr
      Permalink

      zit.(«…Olivier Fehr, Herrliberg
      am 26.11.2025 um 17:22 Uhr Eine ‚Eroberung‘ und ‚Besetzung von NATO Ländern macht für Russland auch strategisch keinen Sinn..») Sie treffen damit – und den weiteren Ausführungen – den Nagel auf den Kopf – und zu dieser Erkenntnis kann eigentlich jeder halbwegs gebildete Bürger durch Berücksichtigung weniger Zahlen kommen. Um so mehr die militärischen Führungseliten der NATO. Diese strategische Sinnlosigkeit galt übrigens erst recht 1945 -und da war die UdSSR ein von DEutschland verwüstetes ruiniertes Land ! Mir ist völlig unverständlich, wie sich die Deutschen Bürger derart in Panik versetzen lassen und dabei den Ruin ihres Landes SELBST befördern. ALLERDINGS : dies setzt die Annahme der Rationalität auf der Seite Rußlands voraus. Damals- zu Zeiten der UdSSR unter Stalin – konnte man von dieser Rationalität ausgehen, was immer man sonst über Stalin sagen will. Ob das JETZT absolut sicher ist – das ist eine Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle

  • am 26.11.2025 um 18:28 Uhr
    Permalink

    Der Beitrag von Urs P. Gasche rückt die machtpolitischen Dimensionen in ein anderes Licht und stellt grundlegende Annehmen des westlichen Narrativs in Frage, ohne Putin von der Schuld am erzeugten Elend in der Ukraine freizusprechen. Dennoch ist Kritik an seiner Argumentation angebracht: Sie akzeptiert stillschweigend, dass eine Grossmacht zumindest realpolitisch das Recht hat, sich mit einem Schutzgürtel zu umgeben, d.h. benachbarten Staaten zu diktieren, was diesen erlaubt ist und was nicht. Die Möglichkeit wird ausser Acht gelassen, dass die betroffenen Einwohner eines Landes selbst bestimmen könnten, ob sie zur Nato wollen oder nicht, ob sie – im Falle von Donez, Luhansk, u.a. – zur Ukraine oder zu Russland gehören möchten. Falls solche Abstimmungen von einer internationalen Organisation durchgeführt und überwacht würden, müssten sich doch Lösungen ergeben, die nicht auf Macht und Unterwerfung begründet wāren.
    Peter Widmer

    • am 27.11.2025 um 11:39 Uhr
      Permalink

      @Peter Widmer – Apropos «Schutzgürtel» (Macht und Unterwerfung): Bitte nehmen Sie dazu zuerst, zuoberst und absolut die imperialistischen USA ins Visier: Monroe-Doktrin, Beispiele Venezuela, Kolumbien, Panama (Grönland, Kanada). Die USA haben als einziger Atom-Erstschlag-Doktrin (Angriffskrieg), was sich Russland und China selbst verbieten. Aber wer ist von wem militärisch umzingelt?
      Sozialistische Wochenzeitung («UZ – Unsere Zeit») titelt: «Die Überlebenden werden die Toten beneiden»: Vorwarnzeiten (…) Heute wird dies durch immer schnellere Raketen, die direkt an der russischen und perspektivisch auch der chinesischen Grenze aufgestellt werden, obsolet. Der russische Präsident Wladimir Putin umschrieb dies mit den Worten, man «spüre das Messer am Hals».

  • Heinrich Frei
    am 26.11.2025 um 19:26 Uhr
    Permalink

    Auch die Schweiz reiht sich ein in die hysterische Aufrüstungspolitik, die von den Medien unterstützt wird. Das Schweizer Armeebudget soll in 15 Jahren verdoppelt werden. Besteht heute eine Gefahr, dass die Schweiz militärisch angegriffen wird, von Russland etwa? Russland ist heute keine Grossmacht mehr. Das Bruttosozialprodukt Russlands ist kleiner als das von Italien und das Militärbudget etwa dreimal kleiner als das der europäischen Nato-Staaten. Im Atomzeitalter werden in der Schweiz immer noch die erfolgreichen Schlachten von unseren Eidgenossen hochgehalten, Morgarten, Sempach, Schlacht bei Näfels usw. Ideen der Gewaltlosigkeit sind in der Schweiz hingegen zu wenig bekannt. Pierre Cérésole organisierte nach dem Ersten Weltkrieg Im kriegsverwüsteten Dorf Esnes, auf dem Schlachtfeld von Verdun mit dem Service Civil International ein Workcamp auch mit Deutschen und Franzosen, um zu demonstrieren, dass ein gemeinsames Arbeiten mit Teilnehmern aus verfeindeten Nationen möglich ist.

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