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Weg mit den Feuerwaffen - genau das will die NRA mit allen Mitteln verhindern. © Rippie/flickr/cc

Der millionenschwere Kampf der US-Waffenlobby

Red. /  Die Plattform Pro Publica vergleicht die Geldmittel von Befürwortern und Gegnern scharfer Waffenkontrollen in den USA.

Nach dem Schulmassaker von Newtown (Connecticut), bei dem der 20-jährige Adam Lanza am 14. Dezember 20 Kinder und sechs Erwachsene erschossen hatte, ging ein Aufschrei durchs Land: Jetzt muss etwas geschehen! Auch Präsident Obama verspricht scharfe staatliche Eingriffe gegen den freien Kauf und Besitz von Feuerwaffen.

Doch ob und was letztlich geschehen wird, ist weitgehend unklar. Die Waffenlobby rund um die National Rifle Association NRA wehrt sich mit aller Macht für den freien Waffenbesitz – und setzt dafür riesige Geldsummen ein, wie eine aktuelle Recherche des Onlineportals Pro Publica zeigt. Es vergleicht den Mitteleinsatz im Lobbying der Befürworter und Gegner von schärferen Auflagen beim Erwerb und Besitz von Waffen.

Eklatante Unterschiede

Die Lobbyisten gegen Eingriffe haben ein Vielfaches der Mittel der Kontrollanhänger. So gaben die gegnerischen Gruppierungen im Wahljahr 2012 für die nationalen Top-Kampagnen 3,13 Millionen Dollar aus. Die NRA warf selber 1,1 Millionen Dollar auf. Die Befürworter scharfer Kontrollen setzten 4000 Dollar ein. Bei den Wahlen im Jahr 2000 waren es immerhin noch 581’000 Dollar gewesen.

Weitere Zahlen, die das Missverhältnis illustrieren:

• Die NRA gab im Wahlzyklus 2012 weitere 18,2 Millionen Dollar aus; ferner setzte sie 8,2 Millionen ein, um Barack Obamas Wiederwahl zu verhindern.

• Für die eigentliche Lobbyarbeit im Kongress konnten 2012 die Waffenfreunde 3,8 Millionen einsetzen. Die NRA selber gab auch noch mal 2,2 Millionen aus. Bei 66 Gesetzesentwürfen im Kongress hatte die NRA ihre Hände im Spiel.

• Die Waffengegner gaben im gleichen Zeitraum für diese Lobbyarbeit 180’000 Dollar aus. 86 Prozent dieser Mittel stammten allein von der Vereinigung der Bürgermeister «Mayors Against Illegal Guns».

• Ein Super PAC-Komitee um den New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg fokussierte sich 2012 auf schärfere Waffenkontrollen, Schulreform und die gleichgeschlechtliche Ehe. Es setzte dafür 3,3 Millionen Dollar ein.

Macht und Einfluss der NRA

Noch ein paar Angaben, welche die Macht der NRA illustrieren (Angaben von 2010):

• Die NRA nahm 228 Millionen Dollar ein.

• Die Mitgliederbeiträge machten 107 Millionen aus.

• Die NRA hat 781 Angestellte und 125’000 Freiwillige in ihren Reihen.

• Sie hat geschätzte 4 Millionen Mitglieder.

• Der NRA Executive Vice President Wayne LaPierre verdiente 970’000 Dollar.

Die Zahlen für die Gegenseite in Form der «Brady Campaign to Prevent Gun Violence», der grössten NGO auf diesem Gebiet (Zahlen ebenfalls 2010)

• Sie nahm 2,9 Milionen Dollar ein.

• Sie hat 16 Angestellte und 500 Freiwillige

• Ihr damaliger Präsident Paul Helmke verdiente 264’870 Dollar.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

Zum Infosperber-Dossier:

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